Praktische Tools für Autoren

In diesem Post möchte ich hilfreiche Tools sammeln, die einem beim Schreiben eines Romans nutzen könnten. Ich habe vor, die Liste nach und nach alphabetisch zu erweitern. Wenn ihr Tipps für weitere sinnvolle Helferlein habt, hinterlasst gern einen Kommentar!


Avatar-Generator

Ich finde es persönlich sehr hilfreich, für meine Romanfiguren zur Beschreibung passende Avatare zu gestalten. Natürlich gibt es bei Tools wie dem Avatar Generator von j0e nicht alle Frisuren zur Auswahl, aber es lassen sich doch eine ganze Menge Anpassungen machen, sodass man am Ende ein sehr anschauliches Bild einer Figur hat, die sich prima als Gedankenstütze eignet.

Mit dem Avator-Generator von j0e erstellte Figur.
So könnte eine meiner Romanfiguren aussehen – für mich als Gedankenstütze.

Charakter-Generator

Auch bei der Erstellung von Charakteren gibt es einige Hilfsmittel, die ich aber noch gar nicht so genau ausprobiert habe. Als Leitlinien gibt es verschiedene Typen, in die sich Figuren einteilen lassen und die gerne wieder auftauchen – zum Beispiel die Frohnatur, der Freund, der Wissenschaftler… Die meisten Autorenprogramme (auch das von mir gern zitierte) haben dazu integrierte Hilfsmittel und Tools, die bei der Erstellung leiten. Dann kann man beispielsweise Steckbriefe und Fragebögen zu jeder Figur ausfüllen. Verschiedene Charakerbögen finden sich auch zum Download an verschiedenen Stellen im WWW. Witzig finde ich den Charaktergenerator von ebookboss. Natürlich würde ich eine so erstellte Figur nicht 1:1 übernehmen, aber als Inspiration ist das manchmal vielleicht nicht schlecht.

Screenshot des Charakter-Generators von ebookboss - der Professor-Typ
Screenshot vom Charakter-Generator von ebookboss

Namens-Generator

Manchmal fällt einem für eine Nebenfigur einfach kein Klangvoller Vor- oder Nachname ein. Entweder ist der Name nicht so wichtig, oder es fehlt einfach die zündende Idee. Auch da hat das Autorenprogramm Patchwork (nein, ich bekomme wirklich keinen Bonus dafür, dass ich es immer wieder erwähne!) eine fest integrierte Funktion, bei der man sogar einstellen kann, aus welchem Geburtsjahrzehnt der Name, ob eher typisch oder weniger verbreitet, er sein soll. Das ist praktisch für historische Namen. Aber in weniger detailreicher Funktion gibt es das auch als Gratis-Tool, zum Beispiel hier.

Screenshot eines Ergebnisses aus dem Real Name Generator : Michaela Ross
Ergebnis aus dem Namensgenerator von Real Name Generator (Screenshot)

Vorlese-Tool

Bei manchen Autoren-Programmen wie Patchwork ist das ein fester Bestandteil. Aber man kann auch das gute alte Word dazu bringen, einem den Text vorzulesen (Wie genau, das erklärt chip.de hier). Und wenn sich die Computerstimme dann durch die Zeilen hackt, bemerkt man kleine Tippfehler garantiert eher als, wenn man seinen Text selber zum zehnten Mal überfliegt. Wie das klingt, hab ich in diesem Video demonstriert. Ich mag diese Funktion nicht mehr missen!


Zufallswort-Generator

Auch Zufallswort-Generatoren wie dieser hier können sehr hilfreich sein, wenn es um das Figurendesign geht und man zum Beispiel nach Inspiration für eine ausgefallene Eigenschaft sucht.

Screenshot des Zufallswort-Generator der Website Textfixer
Screenshot des Zufallswort-Generator der Website Textfixer

Wird fortgesetzt!

Image by Comfreak from Pixabay

Fantastische Häuser – 3 Fragen an Elisabeth Dommer

Mit diesem Post möchte ich eine neue Blog-Reihe „3 Fragen an“ starten, um Autorinnen und Autoren damit ein Podium bieten, über ihre Arbeit und ihre Bücher zu erzählen.

In der ersten Folge spricht die Schriftstellerin Elisabeth Dommer über fantastische Häuser, die als Motiv immer wieder in ihren Geschichten auftauchen. Ein herzliches Dankeschön an Elisabeth, dass sie sich die Zeit genommen hat!

Frage 1: Eines meiner Lieblingsbücher von dir ist „Sonnenwindhaus“. Das Haus mit dem klangvollen Namen ist fantastisch und geheimnisvoll – und ermöglicht es der Hauptperson, Augenblicke aus einer anderen Zeit zu erleben. Was hat dich dazu inspiriert?

Wie es mir oft geschieht: Ich sehe etwas, was mich anspricht – eine glasklare Spieglung im Wasser,  eine sonderbare Lichtstimmung. Oder eben ein Haus wie jenes eine in Buckow in der Märkischen Schweiz. Vor vielen Jahren war ich dort im Urlaub, und da sah ich es an einer ruhigen Straße am See. Es hatte ein großes Jugendstilfenster, und ich begann damit bereits zu phantasieren. Das Motiv gab allerdings noch nicht viel her; das im Buch beschriebene Glasbild fand ich erst viel später im Internet. Das hatte diese „Toröffnung“ in sich, und da ging es bei mir richtig los. (Mehr dazu unten)

Frage 2: Auch in deiner Geschichte „Der Mond, der Schnee, der Name“, die in dem Geschichten-Band „Der unheimliche Zauber der Sterne“ erschienen ist, gibt es so ein Haus, in dem verschiedene Zeiten wie Schichten übereinander zu liegen scheinen. Gibt es ein reales Vorbild für dieses Haus?

Ja und nein. Dieses Haus sah ich auf einem Wintergemälde, allerdings umgeben von vergnügten Leuten. In meiner Geschichte befindet es sich hingegen in merkwürdigen Zwischenphasen von belebt und unbelebt. Da wirkt eine andere Idee mit. Ich saß in einem Kirchenkonzert und dachte plötzlich: Wenn man das Konzert nun von draußen hört, auch die erleuchteten Fenster sieht, doch sobald man die Tür öffnet, um teilzuhaben, ist drinnen alles leer und finster? Wie wäre das? Und was wäre da? Tja, so funktioniert das bei mir.

Frage 3: Was fasziniert dich mehr an diesem Motiv – das Haus als die Kulisse für so viele verschiedene menschliche Schicksale oder die vergehende Zeit, die dieses relativ konstante und langlebige Gebäude uns vor Augen führt?

Das ist deine schwierigste Frage. Im Grunde trifft beides zu, aber die Hauptfaszination scheint mir woanders zu liegen. In „Der Mond, der Schnee, der Name“ ist das Haus der Treffpunkt zweier Menschen, die verschiedenen Seins-Ebenen entstammen – und das ist es, was mich interessiert. Und das „Sonnenwindhaus“ mit seinem Zeitphänomen bietet der jungen Frau Annelie die Möglichkeit, den vor Jahren verschwundenen Tristan Röver, einen Mann mittleren Alters, den sie als Kind liebte wie einen Vater, nun als jungen Mann kennenzulernen – und ihn recht anders zu finden, bis hin zur Frage: Ist das tatsächlich er? Wobei natürlich ein Stück Zeitgeschichte mitspielt. Eben das wollte ich gestalten. Eine zentrale Frage der Literatur ist doch immer: Was wäre, wenn …? Ja, was wäre, wenn wir zum Beispiel den geliebten alten Vater, Großvater, Freund, Ehemann wirklich als Junge oder jungen Mann erleben könnten, statt nur Fotos zu sehen und etwas erzählt zu bekommen? Also, ich fände das höchst aufregend! Und wem das zu phantastisch ist – viele Geschichten erzählen nun mal, was im „wahren“ Leben nicht stattfinden kann, und das macht einen Teil ihres Reizes aus. Wenn man sich auf die Gedanken und Emotionen einlässt, kann dies das eigene Leben genauso bereichern und erweitern wie das sogenannte normale Leben. Mir geht es jedenfalls so. Und darum schreibe ich weiter und weiter …


Ich danke dir für diese philosophischen Gedanken, die mir aus der Seele sprechen. Wenn ich es mir recht überlege, bildet die Frage „Was wäre wenn?“ auch den Ausgangspunkt für mein aktuelles Schreibprojekt.

Hier die beiden angesprochenen Bücher im Überblick:

Elisabeth Dommer
Sonnenwindhaus

Shaker Media, Aachen 2016
Titelillustration: Elisabeth Dommer
235 Seiten,
Preis: 14,90 €,
ISBN: 978-3-95631-447-6

Erhältlich: über Buchhandel und direkt über www.shaker-media.de

Elisabeth Dommer
Der unheimliche Zauber der Sterne
Erzählungen

Shaker Media Aachen 2018
ISBN: 978-3-95631-705-7
241 Seiten, Broschur,
Preis 14,90 €

Erhältlich: über Buchhandel und direkt über www.shaker-media.de

Hier geht es zur Website von Elisabeth Dommer

Roman überarbeiten mit dem Autorenprogramm Patchwork

Neulich im November habe ich hier gejubelt, als ich die letzten handschriftlichen Notizen meines Romans abgetippt hatte. Seitdem überarbeitete ich noch einmal Aufbau, Stil und Rechtschreibung, bevor ich das Buch einigen Testlesern geben möchte. Ich habe mich nun erstmal auf das inhaltliche erste Drittel beschränkt, dann kann ich mich in drei Schritten durch den Roman arbeiten, der immerhin aktuelle 730 Normseiten umfasst. Dabei ist mir das Autorenprogramm Patchwork, das ich letzten Jahr entdeckt habe, eine große Hilfe. Hier kommt mein Erfahrungsbericht dazu. (Und nein, ich bekomme von Patchwork dafür keine Rabatte! 😉

Lindenblatt gezeichnet (Tala T.)

Ein kurzer Hintergrund zu meinem Romanprojekt:
Durch einen Spiegel gelangt Katharina 824 Jahre in die Vergangenheit – und wieder zurück. Dabei begegnet ihr Johann, der ihr gleichzeitig vertraut und fremd vorkommt. Das wirft nicht nur Fragen auf, sondern führt Katharina auch auf die Spur von bislang gut gehüteten Geheimnissen.

Bild: Wenn ich nicht an dem Roman arbeite, zeichne ich gerne zur Story passende Dinge – zum Beispiel ein Lindenblatt.


Schritt 1: Aufbau der Story

Als erstes habe ich begonnen, alles noch einmal von vorn zu lesen. Ich hatte mir vorgenommen, zu kürzen und die Handlung zu straffen. Gleichzeitig habe ich die Geschichte noch einmal auf ihre Logik und Nachvollziehbarkeit geprüft, wichtige Figuren früher eingeführt und Settings, die öfter auftauchen, eher beschrieben. Was soll ich sagen – jetzt ist die Story nicht kürzer, sondern länger geworden!

Patchwork ist praktischerweise so aufgebaut, dass man einzelne Szenen mühelos verschieben und neu ordnen kann. Das fand ich in diesem Bearbeitungsschritt sehr hilfreich. Hier habe ich auch schon mal meine ersten Erfahrungen mit dem Programm beschrieben.

Schritt 2: Stil und Ausdruck

Im zweiten Schritt gehe ich nun Stil, Ausdruck, Rechtschreibung und Grammatik durch. Rechtsschreibfehler zeigt das Programm schon während des Schreibens an, genau wie ausführliche Synonymlisten. Aber jetzt habe ich den Menüpunkt „Prüfen“ benutzt, der über besondere Duden-Korrektur-Tools verfügt.

Die Stil-Prüfung

Hier verfügt Patchwork über eine Stil-Prüfung. Diese kann man auf die Stufen „schwach“, „mittel“ und „stark“ einstellen und dann markiert das Programm beispielsweise Füllwörter wie „möglicherweise“, „eben“, „gar“, „sehr“ und so weiter. Man kann dann ja selbst entscheiden, wie viel davon wirklich wichtig ist für die Szene bzw. ob die Wörter tatsächlich eine Funktion erfüllen. Darüber hinaus wird angezeigt, wenn man Phrasen oder abgedroschene Redewendungen benutzt, sehr lange Sätze formuliert, viel Passiv verwendet oder Wertungen vornimmt. Hier ein Screenshot aus dem Programm:

Screenshot aus der laufenden Bearbeitung aus meinem Roman „824“ (Arbeitstitel)

Prüfung auf Wortwiederholungen

Habe ich meine Szene mit der Stil-Prüfung bearbeitet, lasse ich mir noch Wortwiederholungen anzeigen. Beim Ersetzen immer wieder verwendeter Wörter hilft dann im Zweifel auch das integrierte Synonymwörterbuch. In manchen Fällen ist dieser Schritt aber auch sehr kniffelig. Auf dem Screenshot hier habe ich die meisten Wiederholungen schon beseitigt…

Screenshot Autorenprogramm Patchwort Roman "824" Tala T
Screenshot aus dem Autorenprogramm Patchwort von der laufenden Überarbeitung meines Romans „824“ (Arbeitstitel)

Vorlese-Funktion

Total cool finde ich die Vorlese-Funktion. „Microsoft Hedda Desktop – German“ ist zwar nicht perfekt und hat ein paar Macken (z.B. liest die Computerstimme immer „sonstiges“, wenn ein „sonst“ am Satzende steht!), aber wenn man sich den Textabschnitt noch einmal anhört, findet man auch Flüchtigkeitsfehler. Oft entstehen ja beim Überarbeiten gleich neue Fehler, indem man irgendwo ein „en“ vergisst oder ähnliches. Beim Zuhören fällt das auf. Hier noch eine kleine Hörprobe 😉

Hörprobe: Übrigens: Bei ca. 2 Minuten hat die Computerstimme ziemliche Probleme mit dem Wort „Geschoss“ 😉

Einen ganz ausführlichen Überblick über die Korrektur-Funktionen von Patchwork findet ihr hier auf der Website des Programms.

Mein Plan ist es nun, mich Schritt für Schritt noch einmal durch das ganze Projekt zu arbeiten. Dann hoffe ich auf die Unterstützung erster Testleser (es gibt schon Freiwillige, was mich sehr freut!) – und danach muss ich bestimmt noch einiges anpassen! Ich halte euch auf dem Laufenden. Mein Ziel ist es, dieses Jahr fertig zu werden.

Feiert ihr mit? – Ein großer Schritt für mich

Ich bin gerade ganz euphorisch – vielleicht habt ihr Lust, mit mir zu feiern! Gerade habe ich die letzten handschriftlich geschriebenen Seiten meines Fantasy-Projekts eingetippt.

Die Idee lag schon ewig, in einer Datei und in meinem Kopf. Zum Inhalt nenne ich nur ein paar Stichworte: eine Zeitreise, die klassische Suche nach der eigenen Identität, mitsamt Liebe und Freundschaft. Im April 2017 hab ich angefangen, mit Bleistift in ein grünes Notizbüchlein, erste Zeilen zu schreiben. Am 25. Oktober 2020 fand ich endlich ein passendes Ende – rund 154.000 Wörter später und seit soeben alle auch digital. Das ist ein wahnsinnig schönes Gefühl!

Die Notizbücher sind mir seither überall hin gefolgt. Jedes einzelne durfte einiges mit mir erleben. Eins hat mit mir ein wunderschönes Winterwochenende in einer Holzhütte im Thüringer Wald verbracht, bei dem wir meterhoch eingeschneit sind. Mehrere lagen mit mir in Dänemark am Strand, vielleicht liegen noch Sandkörner zwischen den Seiten. Und eins durfte mich auf eine Recherchereise nach Mainz begleiten – verwinkelte Gassen, romantische Fachwerkhäuser, monumentale Domkirche.

Bäume im Schneesturm
Orte inspirieren! Ich erinnere mich recht deutlich, dass ich in dieser schönen Umgebung im Dezember 2017 an diesem Buchprojekt gearbeitet habe.

Die Protagonisten sind wie gute Freunde für mich geworden, die mich schon fast vier Jahre lang begleiten. Und trotzdem muss ich sie mir jetzt noch einmal mit anderen Augen anschauen.

Auf zur nächsten Runde!

Denn das Buch ist jetzt noch lange nicht fertig. Inzwischen habe ich eine beeindruckende Liste mit Dingen, die ich noch verfeinern, kürzen, umschreiben oder radikal ändern möchte. Jetzt, da die Story von Anfang bis Ende steht, muss ich noch einmal intensiv am Stil arbeiten. Und kann man sich wirklich erlauben in einem Buch zuerst im Präteritum und später im Präsens zu schreiben? Würde das beim Lesen nerven? Ich bin noch unschlüssig.

aufgeschlagenes Notizbuch
Ich schreibe gern zuerst handschriftlich, schon dabei habe ich mehrfach überarbeitet und am Text gefeilt. Und dann sieht es einfach hübsch aus und passt in den Rucksack.

Immer wieder finde ich auch durch eure Blogposts und beim Lesen anderer Bücher neue Inspiration. Deswegen habe ich es nicht bereut, vor einem Jahr diesen Blog gestartet zu haben. Ein großes Dankeschön für Ideen und Austausch! Und ein riesiges Danke schon einmal an die, die sich bereits als Testleser angeboten haben! Das ist der übernächste Schritt, mich einem „fremden“ Urteil zu stellen.

Ich freue mich schon, wenn ich heute Abend weitermachen kann. – Jetzt muss ich erstmal arbeiten, denn leider ist das Schreiben nicht meine hauptberufliche Beschäftigung.

Kann ein Autor auch ein guter Rezensent sein? – Zur Montagsfrage #98 von Lauter & Leise

Durch Elli vom Wortmagieblog bin ich gerade, zugegebenermaßen recht spät am Abend, auf die Montagsfrage im Blog Laut & Leise aufmerksam geworden. Dort wird heute gefragt: Kann ein Autor auch ein guter Rezensent sein? Das hat mich auch schon beschäftigt, eben, weil ich versuche beides zu sein.


Inspiration aus dem Netzwerk

Seit fünf Jahren arbeite ich an einem Fantasy-Roman, der nun langsam aber sicher fertig wird. Schreiben gehörte schon immer zu meinen Hobbys, während ich hauptberuflich ebenfalls Texte verfasse, aber eben fachliche oder Auftragstexte. Geschichten entstehen zu Hause. Seit einem Jahr blogge ich hier über das Schreiben und das Lesen – und ich muss sagen, dass mir beides schon weitergeholfen hat. Der Austausch mit anderen Schreibenden und Lesenden gibt mir Ideen und Inspiration, manchmal auch ganz konkrete Tools für das praktische Schreiben. Und das Lesen und Rezensieren der Bücher anderer Autoren lässt mich genauer darüber nachdenken, warum mir ein Buch gefällt oder auch nicht, sodass ich mich beim Schreiben dann bereits ertappt habe, auf solche „Erkenntnisse“ zu achten. Die Rezensionen anderer Buchblogger bringen mich zu neuen Büchern, die ich auch unbedingt noch lesen möchte. Alles in allem eine Win-Win-Situation!

Wann ist eine Rezension gut?

Aber ob ich dadurch anders rezensiere als andere, nur, weil ich nebenher auch selbst schreibe, weiß ich nicht. Natürlich kann ich mich einfühlen in die Autorinnen und Autoren, die vielleicht Monate oder Jahre mit ihrem „Baby“, ihrem Herzensprojekt verbracht haben und sich dann jede Kritik zu Herzen nehmen. Auch ich muss früher oder später mit Kritik von Lesern rechnen, wenn ich mein Buch veröffentlichen möchte und das macht mir auch Angst. Deshalb versuche ich meine Meinung immer gut zu begründen und zu beschreiben, warum mich etwas stört. Einfach drauflos zu schimpfen, finde ich nicht nur unfair, sondern auch unprofessionell. Und letztlich ist und bleibt jede Rezension eine subjektive Meinung.

Natürlich ist Rezensieren auch eine Zeitfrage. Während ich hier blogge, hätte ich an meinem Buch weiterarbeiten können. Aber manchmal ist Ablenkung nicht schlecht und Vernetzung schon gar nicht! Ein Blick über die eigene Tastatur quasi.

Ich fürchte mich auch nicht davor, andere Autoren zu empfehlen. Denn selbst wenn ich plötzlich fünf Romane pro Jahr publizieren würde, ich könnte den Buchmarkt nie alleine bedienen und auch nie alle Geschmäcker treffen. Denn glücklicherweise sind die verschieden. 😉

Buchblogger als Bedrohung für Literaturkritiker „alter Schule“

Manche Leute bezweifeln ja generell, dass Buchblogger hochwertige Rezensionen abgeben können. Dass die Literatur, die auf Blogs besprochen wird, tatsächlich („richtige“, hochwertige) Literatur ist. Immer mal wieder höre oder lese ich neidvolle Kommentare von klassischen Literaturrezensenten, die sich in ihrer „Macht“, Bücher fachgemäß richtig zu sezieren, angegriffen fühlen. Und ja, unser Urteil beeinflusst bestenfalls andere, animiert sie zum Lesen oder Nichtlesen.

Ganz wunderbar finde ich den schon ein Jahr alten Post „Die Buchkritik ist tot. Lang lebe die Buchkritik!“ von Maria AlMana, aus dem jahrzehntelange Erfahrung spricht. Sie hebt darin unter anderem hervor, dass man früher vom Schreiben über Bücher leben konnte und heute kaum noch – weil wir diese Inhalte quasi gratis in unserer Freizeit produzieren. Ihr Fazit ist dennoch, dass damit die Welt der Buchkritik demokratischer geworden ist, weil nun statt einzelne Literatur-Päpste das „bücherlesende und -liebende Volk“ die Macht an sich reißen würde. So sehe ich es auch: Rezensieren kann prinzipiell erst einmal jeder – ob Autor oder Leser, Hauptsache, er oder sie begründet seine bzw. ihre Maßstäbe und Meinung nachvollziehbar.

Test: Spracherkennung und Diktier-Apps als Schreibhilfe

Kennt ihr diese Leute mit Kopfhörern in den Ohren, die im Park scheinbar angeregte Selbstgespräche führen? Sieht komisch aus, finde ich. Normalerweise bin ich kein Freund davon, in ein Mikro oder Handy zu sprechen. Ich telefoniere auch nicht gerne und wenn mir jemand eine Sprachnachricht schickt, nervt mich das, weil der Augenblick selten passend ist, um sie anzuhören. Aber ein Beitrag von Tinkerhalo vom Blog Writenia hat mich trotzdem auf die Idee gebracht, mit Spracherkennungssoftware und Diktierfunktionen zu experimentieren. Hier kommt ein kleiner Testbericht.

Ein Stapel bunter Notizbücher auf einem Holztisch.
Ich schreibe am liebsten zuerst mit Bleistift in hübsche Notizbücher, die ich unterwegs immer dabei haben kann. Das Abtippen ist dann schon der erste Überarbeitungsschritt.

Bisher habe ich meinen Roman handschriftlich mit Bleistift in Notizbücher geschrieben. Sieht hübsch aus, aber mir fehlen nun immer noch drei Hefte, die ich abtippen und anschließend überarbeiten muss. Auf Dauer führt es zu Nackenkrämpfen, wenn man stundenlang zwischen Notizbuch und Notebook hin- und herschaut. Das war für mich der ausschlaggebende Grund, zu testen, ob mir eine Diktierfunktion und Spracherkennung die Arbeit erleichtern könnte.

Zwei Spracherkennungsprogramme im Test: Windows Spracherkennung und Google Speech Notes

Inzwischen stehen eine Reihe verschiedener Spracherkennungsprogramme zur Verfügung. Auf Windows-Computern gibt es beispielsweise eine eigene Spracherkennungs-App (einfach „Spracherkennung“ in die Suchleiste eingeben!). Die kann man in allen Programmen nutzen, allerdings habe ich den Eindruck, dass hier immer nur Satzweise Inhalte erkannt und eingefügt werden können (korrigiert mich, wenn es einfach an meinem Unvermögen lag!). Außerdem spuckte das Programm durchaus sehr kuriose Texte aus. Der „unglaubliche Anblick“ wurde zum „unglaublichen Ankläger“ und aus dem Satz „Ihre Anziehsachen drehen sich im Wäschetrockner“ entstand das poetische „Ihre Einzelsachen Krähen sich im Wäschetrockner“. Das kann aber natürlich an meiner undeutlichen Aussprache liegen…

Deutlich besser funktionierte bei mir die Chrome-Browser-Erweiterung Speech Notes von Google. Mit einem Headset habe ich einfach meine Notizen vorgelesen, Satzzeichen angesagt und es kam ein halbwegs erkennbarer Text heraus, den ich dann im Anschluss noch einmal Korrektur gelesen und verbessert habe. Das sorgt zwar für Abwechslung in der Arbeitsroutine, ich habe allerdings festgestellt, dass diese Arbeitsweise genauso lange dauert wie konzentriertes Abtippen. Möglicherweise beugt es aber Nackenschmerzen vor!

Die Spracherkennung funktioniert schon überraschend gut, es gibt aber noch eine Menge Verbesserungspotential. Häufig als Testsieger in Sachen korrekter Spracherkennung wird das Programm Dragon genannt. Weil die Home-Version aber 150 Euro kostet und ich ja nur teste, habe ich es nicht probiert.

Wer kann noch andere Apps empfehlen?

Welche Möglichkeiten gibt es, ein Buch zu veröffentlichen?

Wenn man ein Buch geschrieben hat und es veröffentlichen will, bieten sich einem inzwischen viel mehr Möglichkeiten als in der Vergangenheit, als Autoren ausschließlich auf Verlage angewiesen waren. Da ich selbst gerade die Vor- und Nachteile der verschiedenen Arten der Veröffentlichung abwäge, möchte ich daraus einen kleinen Überblick erstellen. Bitte ergänzt und korrigiert mich per Kommentar, sollte ich etwas vergessen haben. Ich plane, die verschiedenen Themen in eigenen Blogposts zu vertiefen.

Buch geschrieben – und dann? Das sind die verschiedenen Möglichkeiten zur Veröffentlichung.

1. Der klassische Weg: Die Buchveröffentlichung über einen Verlag

Trotz aller neuer Möglichkeiten, bietet es sich natürlich immer noch an, einen Verlag zu finden, der neben der Bucherstellung mit Lektorat, Layout, Covergestaltung hoffentlich auch die Vermarktung in die Hand nimmt.

Das Manuskript direkt an einen Verlag senden

Um überhaupt die Verlage auf sich aufmerksam zu machen, kann man sie einerseits direkt anschreiben. Da viele Verlage aber unzählige unaufgefordert eingesendete Manuskripte bekommen, stehen dabei die Chancen für unbekannte Autoren eher schlecht.

Die Zusammenarbeit mit einer Literatur-Agentur

Deshalb sollte man abwägen, sich zuerst bei einer Agentur zu bewerben, die dann hoffentlich den Markt viel besser kennt als man selbst und hervorragende Kontakte in die Verlagshäuser pflegt. Viele Verlage vertrauen dem Urteil einer angesehenen Agentur eher, als Experimente einzugehen. Die Agentur kassiert dann eine Provision für die Vermittlung, die ungefähr 15-20 Prozent des Erfolgshonorars entspricht. Je erfolgreicher das Buch wird, desto mehr verdienen Verlag, Agentur und Autor. Dafür übernimmt die Agentur die Optimierung der „Bewerbungsunterlagen“ für ein Buch, die Vertragsverhandlungen und die Abrechnung mit dem Verlag.

Hier habe ich eine Liste mit Agenturen, die auch Fantasy verlegen, erstellt. Weitere Listen sind geplant.

2. Der unabhängige Weg: Self-Publishing

Hat man weder bei Agenturen noch bei Verlagen Erfolg gehabt, kann man sein Buch immer noch selbst veröffentlichen. Auch dafür stehen (inzwischen) verschiedene Wege offen. Die Akzeptanz von Werken im Eigenverlag auf dem Buchmarkt wächst.

Self-Publishing über Dienstleister

Egal, auf welcher Plattform man sein Buch als Self-Publisher anbieten möchte, man muss sich auch selbst um Lektorat, Gestaltung und Vermarktung kümmern. Um erfolgreich zu sein, muss man hier besonders viel Aufwand betreiben. Manche Anbieter wollen ein E-Book exklusiv vertreiben, andere sind offener. Wichtig ist auch zu wissen, dass es verschiedene E-Book-Formate gibt, die nicht jeder Reader lesen kann. Gerade Amazon (Kindle) setzt hier auf sein eigenes System. Hierzu plane ich definitiv noch vertiefende Blogposts. Einen tollen Einstieg und Überblick bietet die Seite Selfpublisherbibel.

Druckkostenzuschussverlage

Sucht man per Suchmaschine nach einem Verlag, stolpert man sehr schnell über sogenannte Druckkostenzuschussverlage. Hier kostet die Veröffentlichung den Autor sehr viel Geld und am Ende bleibt die Vermarktung trotzdem vor allem an ihm selbst hängen. Viele abschreckende Beispiele solcher Verträge gibt es hier. – Dann doch lieber zu Amazon oder einen eigenen Verlag gründen!

Gleich selbst Verleger werden?

Hat man ohnehin ein Faible für Vermarktung, dann kann man durchaus auch überlegen, einen eigenen kleinen Verlag zu gründen. Natürlich sollte man sich bewusst sein, dass man seine Zeit dann nicht ausschließlich mit Schreiben verbringen kann, sondern auch für Kommunikation, Vermarktung, Buchhaltung und Finanzen aufwenden muss. Das sollte man nur tun, wenn einem das auch Spaß macht!

Wie geht Schreiben mit dem Autorenprogramm Patchwork?

Zum Schreiben habe ich normalerweise nur zunächst Papier und Bleistift und im zweiten Durchgang ein einfaches Textprogramm wie Word oder OpenOffice Writer gebraucht. Doch letztes Jahr stieß ich zufällig darauf, dass es auch Schreibprogramme speziell für Autoren gibt, die noch viel mehr Tools bieten, die einem die Organisation einer längeren Geschichte oder eines Romans erleichtern können. Nichts davon ist meiner Meinung nach etwas, was man nicht anders – d.h. gratis und mit herkömmlichen Mitteln – auch hinbekommt. Die Stärke der Programme liegt aber darin, dass sie viele Funktionen bündeln. Hier kommt mein Fazit nach 4 Monaten Test.

Notizbuch und Bleistift am Strand,
Immer noch mein erster Schritt beim Schreiben: Bleistift und Papier an jedem erdenklichen Ort.

Patchwork Autorenprogramm oder Papyrus Autor?

Nach einiger Recherche habe ich die Programme Papyrus und Patchwork in der Testversion ausprobiert. Mit beiden Programmen kann man sein Buchprojekt nicht nur niederschreiben, sondern auch planen, die Recherche ordnen und sortieren, überarbeiten und in verschiedene E-Book-Formate und Print-Layouts exportieren. Das Testen würde ich auf jeden Fall empfehlen, denn beides sind Bezahlprogramme.

Schließlich habe ich mich für Patchwork entschieden, obwohl Papyrus die aufgeräumtere und übersichtlichere Programm-Oberfläche hat. Ausschlaggebend für mich waren die Tools zur dramaturgischen Planung des Erzählstrangs, zum Entwerfen der Charaktere und die ausgefeilte Rechtschreib- und Stil-Korrektur. Ich denke aber, dass beide Programme beinahe genauso viel können – die Entscheidung ist letztlich Geschmackssache.

Fazit nach 4 Monaten Test

Inzwischen nutze ich Patchwork seit vier Monaten. Ich arbeite so, dass ich meinen Roman zuerst per Hand in hübsche Notizbücher schreibe – einfach, weil ich die leichter unterwegs herausholen und ohne Umschweife losschreiben kann. Im Alltag bleiben mir oft nur eine halbe Stunde hier und eine Stunde da zum Schreiben. Da lohnt es sich kaum, den Computer zu starten. Wenn ich das Geschriebene dann irgendwann abtippe, ist das bereits der erste Korrekturdurchlauf.

Jetzt habe ich Patchwork auf einem neuen USB-Stick mit besonders viel Platz installiert, sodass mein Buchprojekt nicht von einem bestimmten Rechner abhängig ist. Das macht das Programm ganz sicher ein wenig langsamer als auf dem PC, gibt mir aber wertvolle Flexibilität, ohne die ich in meinem Alltag kaum weiter käme.

Je länger mein Projekt wurde, desto öfter musste ich mühevoll nachschlagen – wie alt war gleich noch einmal Person C und hieß das Mädchen Anne oder Anna? Habe ich dies und das bereits erwähnt oder nicht? In Patchwork kann ich Figurenlisten mitsamt Steckbrief, Bildern usw. anlegen und mir im Text hervorheben lassen, wann ein Charakter erwähnt wird.

Screenshot Autorenprogramm Patchwork
Screenshot: Autorenprogramm Patchwork – links die Szenenübersicht, in der Mitte der Text, rechts eine kurze Zusammenfassung der Szene.

Patchwork arbeitet nicht mit einem großen Textblock, sondern man teilt sein Buch nach einzelnen Kapiteln und Szenen auf, die man jeweils benennen und kurz zusammenfassen kann. Ich kann meinen Szenen ein Datum verpassen, an dem sie spielen und ich mag die Funktion, jede Szene kurz zu beschreiben. Das gibt Struktur und Fokus und man verliert sich weniger in Unwichtigkeiten. Außerdem finde ich die Funktion, mir jederzeit beim Tippen eine ausführliche Liste von Synonymen anzeigen zu lassen, sehr praktisch.

Eine Funktion, die mir sehr ans Herz gewachsen ist, ist die Recherche-Datenbank, die Bilder, PDF-Dateien, Notizen und Website-Links thematisch sortiert übersichtlich bündelt, sodass ich meine Hintergrundinfos schnell wiederfinde.

Alle anderen Funktionen – eine Art Reißbrett, um Szenen zu entwerfen, die Timeline, mit der man auch Zeitsprünge und Erzählperspektive verwalten kann sowie alles was mit Überarbeitung, Korrektur und Layout zu tun hat, habe ich noch gar nicht richtig benutzt. Manches habe ich nicht beim ersten Probieren herausgefunden – zum Beispiel wie ich Vignetten im Layout platziere oder ob ich aus dem Text heraus auf meine Recherche verlinken kann (nein, im Moment leider nicht!). Aber es gibt auf YouTube sehr gute Anleitungsvideos und ein reges Hilfsforum. Und wem das nicht recht, der kann in der Facebook-Gruppe zum Schreiben, dem Schreibblog von Patchwork oder in einer der Arbeitsgemeinschaften vorbeischauen. Es scheint eine ganze Community dahinter zu stecken.

Dieser Post ist daher nur ein Zwischen-Fazit zu Patchwork. Der nächste Erfahrungsbericht kommt bestimmt.

Gerne freue ich mich bis dahin über eure Erfahrungen und Meinungen zu solchen Programmen. Wie schreibt ihr?

Unsichtbare Frauen?

Dam som skriver brev / Lady Writing a Letter, by Albert Edelfelt.
Nationalmuseum, Sweden | Public Domain Mark

Das Thema beschäftigt mich schon seit ich in der Schulzeit herausgefunden habe, dass es einen Literaturkanon und Literaturkritiker gibt, die Bücher für gut oder weniger gut befinden. Seitdem frage ich mich immer mal wieder: Wer bestimmt, welche Bücher und Autoren dort auftauchen? Und ist es Zufall, dass sich dort so wenige Frauen befinden? Schreiben Frauen einfach schlechter? Oder treffen sie nur schlechter den Geschmack der Literaturkritiker? Gilt Literatur von Frauen, die andere Frauen anspricht, per se als trivial?

Ich freue mich, dass Rhiannon vom Blog Schreiben als Hobby einen in diese Richtung gehenden Kommentar von mir gleich aufgegriffen hat, um das Thema zur Diskussion zu stellen. Ich bin gespannt auf die Antworten. Ein paar sind schon eingegangen und deutlich wird, dass der Begriff „Frauenroman“ an sich negativ besetzt ist und dass der Begriff auch keinen Sinn ergibt, denn es ist kein Genre an sich. Deshalb möchte ich das Wort hier auch nicht verwenden oder definieren.

Ich bin nicht die einzige, die sich diese Fragen gestellt hat. Es gibt auch Menschen, die darüber forschen. Interessant finde ich beispielsweise dieses Interview mit Doktor Veronika Schuchter im Deutschlandfunk. Ihre These ist, dass Mädchen von klein auf mit von Männern verfassten Texten sozialisiert sind (dank des männlich dominierten Literaturkanons) und es ihnen leichter fällt, auch männliche Perspektiven einzunehmen. Umgekehrt wird Mann seltener mit weiblichen Sichtweisen konfrontiert und kann zu Büchern aus Frauenperspektive schlechter einen Zugang finden.

Immer wenn es um Gender geht, wird es meiner Meinung nach schnell pauschal. Menschen sind sehr unterschiedlich und ich will mir hier kein Urteil erlauben. Aber ich würde die Fragen gern zur Diskussion stellen:

Haben die Autoren deiner Lieblingsbücher das gleiche Geschlecht wie du?

Gibt es überhaupt „männlichere“ und „weiblichere“ Arten zu schreiben?

Zahlen bitte!

Das „Frauenproblem“ im Literaturbetrieb greifen auch andere auf, z.B. Katy Derbyshire in diesem ZEIT-Artikel. Sie trägt eine Reihe Zahlen zusammen, die belegen, dass Bücher von Frauen nicht nur gefühlt seltener übersetzt werden und auch weniger Preise gewinnen, sondern auch real.

Auch Nina George hat sich in ihrem Artikel im Börsenblatt Zeit genommen, nachzuzählen. Sie stellt fest, dass Bücher von Frauen seltener in den renommierten Verlagen erscheinen, dass sie weniger Preise (und Nominierungen dafür) erhalten und auch weniger Geld.

A woman with long red hair is lying down reading a book. Coloured mezzotint by Jean Jaques Henner. Wellcome Collection. CC BY

Gefühl = Kitsch?

Außer den bloßen Zahlen, die ja wie immer auch die Geschlechterverteilung in den Jurys, Feuilleton-Redaktionen und Verlagen spiegeln, greift Nina George ein anderes wichtiges Thema auf. Es sind die von Frauen aufgegriffenen literarischen Themen, die ein männliches Publikum oft einfach nicht genauso ansprechen wie ein weibliches. Und je mehr es um Gefühle geht, desto schneller könnte es sich auch um Kitsch handeln, nicht wahr? Bei Kritikern und Jurys eher gefragt sind nüchterne, analytische Bücher.

Zum Nachdenken anregend finde ich Nina Georges Schlussfolgerung:

„Für mich liegen die Antworten auf die Frauenfrage auch NEBEN dem Literaturbetrieb. In der Erziehung, in der Auswahl von Lehrmaterialien, in der Gesellschaft, ihren Leit-Memen, und dem Rollback zur Rosa/Hellblau-Simplifizierung. Und: in den Hauptfiguren, die wir, die Autorinnen und Autoren, erschaffen. Welches Bild zeichnen wir denn von Frauen und Männern? Auch das wird, neben aufgeregten Debatten zu Quoten, zu hinterfragen sein.“

Nina George im Börsenblatt

Damit hat sie recht, denn es ist schließlich kein ausschließliches Phänomen im Literaturbetrieb. In der bildenden Kunst, in der Musik und z. T. auch in der Politik sieht es nicht anders aus.

Mit diesen Gedanken werde ich nun meine eigenen weiblichen Romanfiguren und die meiner Lieblingsautoren begutachten. Was sind das eigentlich für Frauen? Haben sie das Zeug, die Gegenwart oder Zukunft zu ändern? Oder bediene ich auch nur die gleichen Klischees, über die ich mich gerade beschwere?

Dazu vielleicht in einem anderen Blogpost mehr.