Was ist NaNoWriMo und wie kann man mitmachen?

Notizbuch neben einer Tasse Tee und einem Bleistift zusammen mit dem Logo des NaNoWriMo

Der November steht vor der Tür und seit ich in die Buchbubble eingetaucht bin, poppt dann in schöner Regelmäßigkeit das Kürzel NaNoWriMo in meinen Social Media-Timelines und in den von mir gelesenen Buchblogs auf. Dieses Jahr werde ich mitmachen. Hier kommt ein Überblick, worum es eigentlich geht – für alle, die ebenfalls einsteigen wollen.

Für was steht die Abkürzung NaNoWriMo?

Die Abkürzung kommt aus dem Englischen und steht für National Novel Writing Month – Nationaler Roman-Schreib-Monat. Hier wird der November also zu einem Monat erklärt, den man ganz einem Schreibprojekt widmet.

Was ist die Idee hinter NaNoWriMo?

Das Projekt NaNoWriMo startete der Amerikaner Chris Baty schon 1999, seit 2006 ist es eine Non-Profit-Organisation und inzwischen auch international bekannt und aktiv. NaNoWriMo vereint ein ganzes Netzwerk aus Schreibenden, das sich gegenseitig motiviert, am eigenen Schreibprojekt dranzubleiben. Es stellt Tools zur Verfügung, mit denen erreichte Tagesziele dokumentiert und ausgewertet werden und bietet eine Plattform für Fragen und Austausch mit anderen Schreibenden.

Aufgeschlagenes Notizbuch, darauf ein Bleistift, auf dem steht: die Ordnung hat versagt. Karl Kraus
Die Rohfassung meiner Geschichten schreibe ich per Hand in schöne, bunte Notizbücher. – Dieses Jahr möchte ich beim NaNoWriMo mitmachen, um ein großes Stück voranzukommen mit meinem aktuellen Schreibprojekt.

Im Idealfall startet man mit einer frischen Romanidee in den NaNoWriMo sowie mit dem Ziel, in 30 Tagen dieses Buch zu beenden. Dann wird jeden Tag getippt, es werden Wörter gezählt und wenn alles gut geht, hat man Anfang Dezember die Rohfassung seines Buchs. Die gilt es dann natürlich noch zu überarbeiten. Aber jeder, der gern schreibt, weiß, dass so eine Rohfassung schonmal die halbe Miete ist.

Der Zeitdruck und die gute Gesellschaft sollen dafür sorgen, dass man dran bleibt. Wer Lust hat, kann dann später beim NaNoEdMo, dem National Novel Editing Month, im März 50 Stunden ins Redigieren des Schreibprojekts investieren.

Wie viele Schreibende machen mit bei NaNoWriMo?

2021 haben sich laut Website der Veranstalter 427,653 Schreibende am NaNoWriMo beteiligt. Inzwischen gibt es lokale Guides auf allen Kontinenten, die Teilnehmerinnen und Teilnehmer vor Ort bzw. online in der Muttersprache unterstützen, und zahlreiche Bibliotheken und Buchläden stellen Schreibenden ihre Räumlichkeiten zur Verfügung.

Darüber hinaus gibt es inzwischen ein NaNoWriMo-Camp im April oder Juli und die „Now What?“-Monate Januar und Februar. Für junge Autorinnen und Autoren und Familien gibt es das Young Writers Program. Im Rahmen des NaNoWriMo wird viel Geld gespendet, das neben der Fortsetzung des Projekts auch Schulen und Bibliotheken auf der ganzen Welt unterstützt.

Wie nimmt man am NaNoWriMo teil?

Auf der Website des NaNoWriMo kann man sich ein Profil einrichten und sich seine persönlichen Ziele setzten bzw. sich der Hauptchallenge – 50.000 Wörter eines noch völlig unbegonnenen Romanprojekts – stellen. Dort erhält man Zugang zu Tools und zu den Community-Foren.

Für die Einrichtung des Profils braucht es nur eine Mail-Adresse, ein Passwort und einen Profilnamen. E-Mail-Adresse verifizieren und schon kann es losgehen.

Ich habe als erstes mein Profil (tala-t-alsted) eingerichtet sowie ein Bild und eine Kurzbeschreibung über mich hinterlegt.

Per Klick auf „Annouce new project“ legt man seine Schreibziele für den November fest. Zunächst gibt man dem Projekt einen Arbeitstitel, wählt einen Status (z.B. „in progress“), bestimmt, wie viel Öffentlichkeit man haben möchte („only me“, „buddies“, „public“) und an welches Projekt man damit anknüpfen möchte (NaNoWriMo 2022). Sobald man sich für NaNoWriMo entscheidet, lässt sich am Ziel (50.000 Wörter vom 1. bis 30. November) nichts mehr rütteln. Danach kann man eine Projektzusammenfassung, ein Exzerpt und Cover, eine Projekt-Pinterest-Pinnwand und Projekt-Playlist ergänzen, wenn man mag.

Welche Tools und Vorteile bietet die Community auf der NaNoWriMo-Website?

Auf der Website erwarten dich Anleitungen, Handbücher, Schreibgruppen, motivierende Briefe bekannter Autorinnen und Autoren, aber auch Live-Webinare von der Anleitung zum Schreiben bis zum Yoga für Autorinnen und Autoren. – Gutes Englisch vorausgesetzt.

Lokale Community finden

Über den Unterpunkt „Community“ könnt ihr eure lokale Community finden – zum Beispiel das Forum deutschsprachiger Teilnehmer mit knapp 18.000 Mitgliedern, die sich in unterschiedlichen Foren ganz aktiv austauschen. Per Hashtags wie #treffen, #plaudern, #storyhilfe und ähnliches findet man schnell, wonach man sucht. Ich hab mich im Forum „Vorstellungsrunde“ kurz präsentiert und schau nun einfach mal, was sich ergibt.

Abzeichen sammeln

Im Laufe des Novembers kann ich nun meinen Projekt-Fortschritt aktualisieren – dafür gibt’s hübsche Abzeichen, z.B. durch regelmäßige Wordcount-Updates, eben fürs Dranbleiben.

Screenshot vom NaNoWriMo-Dashboard mit Personal Achievement Batches
Motivieren euch süße Abzeichen? Oder eher handfeste Statistiken? Oder der Austausch mit anderen Schreiben? Über die Website von NaNoWriMo könnt ihr das alles bekommen.

Es gibt aber auch Abzeichen, die man sich selbst verleihen kann – darunter, ob man sich als „Planner“, „Pantser“ oder „Plantser“ bezeichnen möchte. Der typische „Planner“ startet mit einer gut durchdachten Storyline und Figuren-Steckbriefen in den November, der „Pantser“ lässt sich von seiner Fantasie und seinen Figuren überraschen. Der „Plantser“ bewegt sich irgendwo dazwischen. Ich hab mich hier inzwischen mindestens zum „Plantser“ weiterentwickelt, ich weiß im Groben, was in den nächsten sieben Notizbüchern passieren soll. Gleichzeitig ist noch Raum für spontane Veränderungen.

Ich bin ein Rebell!

Ich habe mir noch einen weiteren Badge verliehen: das Abzeichen „NaNo Rebel“. Denn ich werde nicht mit einem leeren Dokument in den November starten und vermutlich auch keine 50.000 Wörter schreiben.

Seit Weihnachten 2021 schreibe ich an einer (romantischen, weniger an Technik als an sozialen Strukturen interessierten) Sci-Fi-Dilogie. Die Rohfassung von Teil 1 ist schon fertig abgetippt und wartet auf eine erste Überarbeitung. Gleichzeitig schreibe ich – handschriftlich – an Teil 2, wobei ich schon fast drei Notizbücher gefüllt habe. Bei meiner handschriftlichen Arbeitsweise passt der Wordcount des NaNoWriMo nicht so gut. Vielmehr könnte ich mir vornehmen, täglich eine bestimmte Anzahl Seiten zu schreiben, um am Monatsende dem Abschluss von Teil 2 nahezukommen.

Acht Notizbücher in rot, blau und lila übereinandergestapelt
Diese acht Notizbücher sind Teil 1 meiner Dilogie und haben abgetippt etwa 280 Normseiten Text ergeben. Allerdings werde ich diese Rohfassung noch ausführlich überarbeiten müssen.

Wenn man 50.000 Wörter in 30 Tagen schreiben möchte, muss man pro Tag im Schnitt 1666 Wörter schaffen. Eine meiner Notizbuchseiten hat ca. 120-140 Wörter. Wenn ich an einem normalen Tag sechs Seiten schaffe, bin ich schon ziemlich gut. Manchmal schreibe ich auch nur eine oder zwei oder gar nicht. Würde ich zehn Seiten am Tag schreiben, wäre Teil 2 so lang wie Teil 1. Ich setzte mir jetzt einfach mal dieses für mich sehr ambitionierte Ziel, bin mir aber sehr bewusst, dass ich es höchstwahrscheinlich nicht erreichen werde.

Dafür möchte ich den Schwung der Community nutzen, um meine persönlichen Schreibziele konsequenter und motivierter umzusetzen. Ich möchte einfach mal ausprobieren, was hinter dem NaNoWriMo steckt. Auch das wird meine Geschichte voranbringen.

Statistik führen

Ehrlich gesagt interessiert mich das Statistik-Tool am meisten – und garantiert kann ich das auch woanders haben (z.B. mit dem Tool Pacemaker, wie ich auf meiner Liste mit Tools für Autoren nachlesen kann…). Regelmäßig mit Infos gefüttert, wird das NaNoWriMo-Dashboard ab November verschiedene Statistiken ausspucken: Wie viele Wörter ich insgesamt geschrieben habe und wie viele pro Tag, wie viele Tage am Stück ich drangeblieben bin, wann, wo und wie schnell ich schreibe. Zumindest, wenn ich Buch darüber führe.

Fazit

Ich hab den NaNoWriMo jetzt schon ein paar Jahre lang von außen beobachtet – dieses Jahr möchte ich es miterleben. Ich denke, durch die Gemeinschaft und ein wenig Zeitdruck, aber auch durch die zeitliche Begrenzung auf 30 Tage, kann ein Sog entstehen, der zum Schreiben anspornt. Da ich aber ohnehin schon einen ganz passablen stetigen Schreibrhythmus gefunden habe, den ich im Alltag bewältigen kann, bin ich nicht darauf angewiesen, hier ein noch höheres Ziel zu erreichen. Darüber hinaus veranstalte ich im November auch eine zweite Leserunde auf LovelyBooks, was viel Interaktion und Zeit erfordert.

Wenn die Teilnahme am NaNoWriMo meinem aktuellen Schreibprojekt aber einen Booster gibt, bin ich auch nicht böse. Und wer weiß, vielleicht entsteht daraus ja auch was Dauerhaftes 😉 Ich werde natürlich im Anschluss berichten!

Wie ist es bei euch? Seid ihr dabei?

9 Kommentare

    1. Vielen lieben Dank – bisher hab ich es geschafft, jeden Tag ein kleines Stück zu schreiben. Damit bin ich total zufrieden. Die 1666 Wörter pro Tag schaffe ich mit meinem aktuellen Alltag allerdings nicht.
      Viele Grüße,
      Tala

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      1. „Offiziell“ ist es wohl eher für Belletristik gedacht. Aber es kann sich jeder anmelden und ich hab es jetzt ja v.a. als „Tracking“ für meine geschriebenen Seiten genutzt, dass ich jeden Tag eingetragen habe, wie viele Wörter ich geschafft habe und dann kann ich mir den Fortschritt in Diagrammform ansehen, mich mit anderen Vergleichen und Austauschen. Aber ja, es gibt glaube ich noch andere Tools, die ähnliche Funktionen anbieten. 🙂

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