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„Mitternachtsstunde 1“ von von Benjamin Read und Laura Trinder

Den ersten Teil der „Mitternachtsstunde – Emily und die geheime Nachtpost“ von Benjamin Read und Laura Trinder haben die 9-jährige Büchermotte und ich mal wieder gemeinsam laut gelesen. Schon vorweg: Wir hatten beide großen Spaß durch die Fülle an witzigen Formulierungen, Ausdrücken und Situationen. Worum es geht und warum die Büchermotte 5 Sterne vergibt, kommt hier im Blogpost.

Mitternachtsstunde 1: Emily und die geheime Nachtpost

von Benjamin ReadLaura Trinder

Erschienen: 31. Januar 2020
Seitenzahl: 320
ISBN 978-3-551-52117-0
Lesealter: ab 10 Jahre

Band 1 einer Reihe
Coverbild: Carlsen Verlag


Worum geht’s?

Im Zentrum der Geschichte steht die 12-jährige Emily, die wirklich die mit Abstand größte Klappe aller Buchhauptpersonen hat, die mir in letzter Zeit begegnet sind, nämlich die berüchtigte „Familienklappe der Familie Featherhaugh“. Darin ähnelt sie ihrer Mutter, einer schrägen, punkigen Künstlerin, die Emily total peinlich findet. – Bis sie zu Anfang der Geschichte nach einem mysteriösen Brief plötzlich tagelang verschwindet. Als Emilys Vater, ein vermeintlich langweiliger Briefträger, seiner Frau folgt, steht Emily plötzlich – nur in Gesellschaft eines kleinen Igels – alleine da. Es dauert nicht lange bis sich die Ereignisse überschlagen und Emily eine geheimnisvolle Parallelwelt entdeckt, in der sie nicht nur den blumig-duftenden Nachtwächter-in-Ausbildung Tarquin kennenlernt, sondern sie gerät dort auch richtig in Gefahr.

Wie war’s?

Trotz der gruseligen und teilweise ekligen Gestalten, die Emily im Laufe des Buchs begegnen, bleibt es durchgängig witzig. Selbst vor den grausigsten Kulissen kommen ihr noch verzweifelt-witzige Sprüche über die Lippen, mit denen sie ihre Gegner regelrecht in die Enge treibt. Emily ist ein rundherum sympathischer Charakter, auch bzw. gerade, weil sie Schwächen hat und andere zur Weißglut treiben kann.

Obwohl die Handlung spannend ist, hatten wir zwischendrin eine längere Lesepause, in der wir mal eben „Splitter aus Silber und Eis“ gelesen haben. Der größte Pluspunkt der „Mitternachtsstunde“ ist der Humor. Trocken in die Handlung eingestreute Sätze wie „Wenigstens musste sie nicht lange nach dem Schlüssel suchen, denn irgendjemand war so hilfsbereit gewesen, die Hintertür aus den Angeln zu heben.“ oder „Der Kapitän bestand hauptsächlich aus Bart […]“ haben uns sehr erheitert.

Auch Tarquin, der Igel Hoggins, Emilys Eltern und die magischen Wesen sind liebenswürdige und überzeugende Charaktere. Mir als Erwachsener hat es gefallen, dass auch Emilys Eltern beide sehr cool sind. Gäbe es ihre Vorgeschichte als Roman, ich würde ihn definitiv lesen!

Da es sich um Band 1 handelt, bleiben auch am Ende noch einige Rätsel und Geheimnisse offen, sodass man Lust bekommt, mehr über Tarquin, den Igel und Emilys Familiengeschichte herauszufinden.

Bewertung: 5 von 5.

Die Büchermotte gibt Band 1 der „Mitternachtsstunde“ 5 Sterne. Glücklicherweise endet der Band nicht in einem Cliffhanger, doch Band 2 ist schon bestellt.

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Intrigen und Eisblumen: „Splitter aus Silber und Eis“ von Laura Cardea

Ich geb es zu, wegen dem märchenhaften Prinzen- und Prinzessinnen-Setting wäre ich ohne positive Rezensionen anderer Bloggerinnen nie auf die Idee gekommen, mir das Buch „Splitter aus Silber und Eis“ von Laura Cardea zu kaufen. Eine Frühlingsprinzessin wird als Opfergabe an den Winterprinzen (natürlich schön und eiskalt) geschickt, wie jedes Jahr ein Mädchen vor ihr, aber keine ist je zurückgekommen. Meine Erwartung: Eine riesige Schnulze. Zum Glück hab ich das Buch doch gekauft und mich vom Gegenteil überzeugt! Belohnt wurde ich mit einer ausgefeilten und gewitzten Geschichte ohne allzu viele Klischees und mit überraschenden Wendungen.

Buch-Cover Laura Cardea: Splitter aus Silber und Eis, Carlsen Verlag

Splitter aus Silber und Eis

von Laura Cardea

Erscheinungstermin: 01. Oktober 2020

Seitenzahl: 400

ISBN 978-3-551-58436-6

Lesealter: ab 16 Jahren

Bildrechte: Carlsen


Worum geht’s?

Laura Cardea nimmt uns mit in eine Welt, in der entweder immerwährender Frühling (das Menschenreich Aurum) oder ewiger Winter (das Land des Prinz des Winters, in dem kaum Menschen, dafür aber umso interessantere Kreaturen leben) herrscht. Die beiden Länder teilt eine magische Grenze und um das Menschenreich vor den unglücksbringenden Eissplittern aus dem Nachbarland zu schützen, wird einmal im Jahr das schönste Mädchen dorthin geschickt. Zu Beginn der Geschichte ist das Prinzessin Veris, die sich zwar tadellos wie eine Prinzessin benehmen kann, aber darüber hinaus auch intelligent, schlagfertig, zäh und äußerst wehrhaft ist. Und ihr Land von diesem eiskalten Tyrannen aus dem Nachbarland befreien will.

Wie war’s?

Die Geschichte wird jeweils in der Ich-Form abwechselnd aus Sicht von Veris und des Winterprinzen Nevans erzählt. Die beiden Hauptfiguren sind sich gar nicht unähnlich und liefern sich herrliche Wortgefechte. Laura Cardeas Sprache passt wunderbar zum königlichen Setting, ohne sich dabei in endlosen Beschreibungen zu verlieren. Dank „Splitter aus Silber und Eis“ hab ich das Wort „Assassine“ gelernt und darüber hinaus eine Vielzahl von Blumenarten, die mir vorher nicht bekannt waren 😉

Mehr als einmal hat mich Veris mit ihren gewitztem Kalkül und ihrer Schlagfertigkeit überrascht oder zum Lachen gebracht. Einmal war ich empört, dass sie nicht einmal mich als Leserin in ihre Pläne eingeweiht hat – diese Stelle musste ich nochmal lesen, um zu begreifen, was da Knall auf Fall passierte (das ist auch ein kleiner Kritikpunkt, denn Überraschungsmoment hin oder her, es war beinahe ein wenig zu verwirrend!). Danach stand ich eher auf Prinz Nevans Seite, denn ich wusste auch nicht mehr, ob ich Veris und ihren Antworten und Gesten noch trauen kann.

Mir sind sehr viele Charaktere und (nicht-standard-fantasyhaften) Lebensformen, auch die tollen Nebenfiguren, im Laufe des Romans ans Herz gewachsen. Unglaublich, dass der anfängliche Folterer zum aufopfernden Freund mutieren konnte und das Mauerblümchen mit riesiger Dramatik über sich selbst hinauswuchs. Die Figuren sind nicht nur alle sehr facettenreich und individuell, sie durchlaufen auch durchgängig eine persönliche Entwicklung. Trotz des märchenhaften Settings gibt es hier (beinahe) kein Gut und Böse und kein Schwarz und Weiß. Von mir gibt es eine klare Leseempfehlung!

Bewertung: 4.5 von 5.
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Interview-Challenge: Der Mann mit dem durchdringendem Blick

Marion vom Blog Tangletlifesite hat zu einer Interview-Challenge aufgerufen. Dabei geht es nicht darum, „richtige“ Menschen zu interviewen, sondern Roman-Figuren, die in ihren Handlungen natürlich so echt und glaubwürdig wie möglich wirken sollen. Für die beiden Hauptpersonen in meinem aktuellen Projekt habe ich das bereits gemacht, aber eigentlich sollte man auch jede Nebenfigur genauso gründlich unter die Lupe nehmen. Deswegen nehme ich die Challenge an und interviewe heute einen Mann, der bis zum Schluss meines Buchs mysteriös bleiben soll.

Gar nicht so einfach, vor diesem Hintergrund ein Interview mit ihm zu veröffentlichen, denn ich will ja nicht spoilern! Alles, was schon zu viel von der noch nicht veröffentlichten Geschichte verrät, behalte ich deshalb für mich.

Die Fragen basieren übrigens auf der Vorlage aus dem Blog von C.K. Moises.


ALLGEMEINES

  • Wie heißt du? Mein Name ist Reinhard von Waldkron.
  • Wie alt bist du? Meint Ihr wirklich, Ihr solltet einem Mann wie mir eine solche Frage stellen? Aber ich will darüber hinwegsehen, denn ich sehe sofort, Ihr kommt nicht von hier. Ich bin 76 Jahre alt, doch außer mir weiß das niemand. Falls es Euch noch nicht bewusst ist, wir befinden uns im Heiligen Römischen Reich (im heutigen Deutschland) im Jahre 1198.
  • Was arbeitest du? Ich bevorzuge es, wenn Ihr eine höflichere Anrede als das gemeine Du wählt, denn ich bin Berater des Königs und habe bereits seinen Vorgängern treu gedient. Im Augenblick ist die Situation gefährlich, denn es gibt einen Thronstreit zwischen Philipp von Schwaben und Otto von Braunschweig). Weil ich zuvor seinem Bruder gedient habe, stehe ich natürlich auf der Seite Philipp von Schwabens. Doch ich wäre nicht ich, wenn ich mir nicht die Optionen eines Seitenwechsels offen hielte.
  • Wo wohnt Ihr? Auf Burg Grünfels im Osten des Reichs. Aber ich bin die meiste Zeit im Gefolge des Königs im Reich unterwegs.
So könnte meine Roman-Nebenfigur Reinhard von Waldkron aussehen. Dazu müsst ihr euch natürlich Falten in seinem Gesicht vorstellen, denn diese Option gibt es bei dem Avatar-Generator nicht, den ich auch in diesem Blogpost „Praktische Tools für Autoren“ vorgestellt habe.

AUSSEHEN

  • Haarfarbe und Frisur? Meine Haare sind lockig, grau und kurz.
  • Augenfarbe? Eisblau.
  • Spezielle Merkmale?
    • Viele Leute sagen mir einen sehr durchdringenden Blick nach, was daran liegt, dass ich mein Gegenüber gern gründlich mustere.
    • Ich lege besonderen Wert auf teure, luxuriöse Kleidung und Schmuck.
  • Körperbau?
    • Ich bin schlank, drahtig und, wenn ich es selbst so sagen darf, rüstig für mein Alter.
  • Werdet Ihr als attraktiv wahrgenommen? Gefällt Euch das? Durch meine wertvolle und reich verzierte Kleidung ziehe ich wie Euch aufgefallen sein muss alle Blicke auf mich. Selbstverständlich bin ich es gewohnt, im Mittelpunkt zu stehen.
  • Was tragt Ihr im Alltag? Auch an normalen Tagen trage ich nur ausgesuchte Kleidung, gerne ausladende Umhänge, lange Ärmel, viele Ringe und Halsketten. Besonders gefällt mir diese aufwändige verzierte Ledertasche an meinem Gürtel. Alle meine Wertsachen, darunter einen großen Schlüsselbund, trage ich am Gürtel.

PERSÖNLICHES

  • Eure beste Eigenschaft? Meine Abenteuerlust.
  • Eure schlechteste Eigenschaft? Egoismus, doch das kann nur zu meinem Vorteil sein.
  • Eine Angewohnheit die Ihr nicht los werdet?
    • Ich habe hart daran gearbeitet, sämtliche Gefühlsregungen zu verbergen und bin der Meinung, dass mir das hervorragend gelingt.
  • Wie wollt Ihr von anderen gesehen werden? Souverän, mächtig, erfolgreich.
  • Wie sehr Ihr Euch selbst? Ich bin intelligent und erfolgreich.
  • Wie werdet Ihr wirklich von anderen gesehen? Vermutlich furchteinflößend, mysteriös und einflussreich.
  • Wovor habt Ihr am meisten Angst? Meine größte Sorge ist das Alter. In dieser mittelalterlichen Welt voller Machtkämpfe darf ich keine Schwäche zeigen, wenn ich meine Stellung halten will. Natürlich bin ich intelligent genug, um zu wissen, dass auch mich das Alter einholt.
  • Euer größter Wunsch?
    • Früher wollte ich vor allem Abenteuer, Wissen, Reichtum und Macht. Das ist mir auch jetzt noch wichtig. Aber inzwischen träume ich auch davon, meinen Lebensabend finanziell und bequem abgesichert zu verbringen.
  • Wann habt Ihr das letzte Mal geweint? Warum? Ich zeige keine Emotionen!
  • Was bringt Euch zum Lachen? Die Art, wie die Menschen die gleichen Fehler immer wieder aufs Neue begehen, ohne daraus zu lernen, verleitet mich hin und wieder zu einem spöttischen Lachen.
  • Wofür kämpft Ihr? Ich kämpfe für mich selbst. Im Moment arbeite ich daran, genug Reichtum anzuhäufen, um meine verbleibenden Lebensjahre in einer bequemen, sicheren Umgebung verbringen zu können.
  • Bildet Ihr Euch schnell ein Urteil über jemanden? Ich bin der Meinung, ich kann andere Menschen sehr schnell und sehr gut einschätzen.
  • Was würdet Ihr ab Euch ändern wenn Ihr könntet? Gäbe es so etwas wie einen Jungbrunnen, wäre ich dem nicht abgeneigt, denn ich habe noch lange nicht genug von diesem Abenteuer Leben. Rückblickend muss ich mir jedoch eingestehen, dass ich mich etwas weniger um mich selbst und mehr um meine Familie hätte kümmern sollen.
  • Seid Ihr eher positiv oder negativ? Ich bevorzuge es, optimistisch in die Zukunft zu sehen. Es gibt immer einen Weg.
  • Habt Ihr Geheimnisse? Natürlich, ein sehr großes sogar.

ZWISCHENMENSCHLICHES

  • Seid Ihr in einer Partnerschaft? Mit wem? Ich bin mit einer 55 Jahre jüngeren, sehr hübschen Frau verheiratet, die im Augenblick hochschwanger ist.
  • Seid Ihr glücklich mit der Situation? Seien wir ehrlich, diese Verbindung ist Mittel zum Zweck, denn nur dadurch bin ich Burgherr von Grünfels geworden. Aber sie hat auch ihre angenehmen Seiten.
  • Ist der Partner es auch? Meine Frau akzeptiert ihr Schicksal, denn dazu ist sie erzogen. Außerdem bin ich einflussreich und biete ihr ein luxuriöses Leben.
  • Beste Freunde? Es gibt niemanden, dem ich ganz vertraue. Aber meine wichtigsten Aufträge delegiere ich an meinen Schwager August von Wiesenbach, den ich für seine Loyalität mit guten Ämtern am Hof des Königs versorge.
  • Frühere Beziehungen?
    • Sprecht mich nicht darauf an. Doch es gibt eine Exfrau, mit der mich eine innige Hassliebe verbindet.

FAMILIE

  • Wie groß ist Eure Familie?
    • Meine Familie ist klein. Meine Ehefrau Barbara-Sophie von Grünfels erwähnte ich bereits.
    • Ich lege Wert darauf, dass keine Informationen über meine Vergangenheit und meine Herkunft durchdringen. Mein Umfeld gibt sich damit zufrieden, dass ich bereits den Königen vor dem aktuellen Thronanwärter treu gedient habe.
  • Stehst Ihr allen gleich nahe? Es sollte deutlich geworden sein, dass ich niemanden besonders nahe stehe. Meiner Erfahrung nach, kann ich mir selbst am besten vertrauen.
  • Hättet Ihr gerne das es anders ist? Eine philosophische Frage. In meinen schwärzesten Stunde passiert es, dass ich meine Gedanken mit meiner Exfrau teile. Bedauernswerterweise sind wir selten einer Meinung.
  • In welcher Gesellschaftsschicht lebt Ihr? Selbstverständlich ganz oben.

VERGANGENES

  • Wie war Eure Kindheit? Gut, doch die mangelnde Freiheit in der Gesellschaft und das Gefühl, nicht das tun zu können, was ich will, haben mich von Anfang an gestört.
  • Hattet Ihr jemanden zum reden? Ja, meine erste große Liebe.
  • Was ist Eure schönste Erinnerung bisher? Am schönsten ist bis heute, dass ich ein unglaubliches Geheimnis entdecken durfte, dass mir völlig neue Möglichkeiten eröffnet hat.
  • Was ist Eure schlimmste? Ich bedaure manchmal, für meine eigenen Träume das Leben meiner Familie riskiert zu haben.
  • Was ist Eure peinlichste?
    • Als ich jung war, habe ich einem Händler vertraut, der mich verraten hat. Darauf habe ich gelernt und es wird mir nicht noch einmal passieren.
  • Wofür schämst Ihr Euch am meisten? Ich verdränge Gefühle bekanntlich, aber es war nicht ehrenhaft, mein eigenes Kind im Stich zu lassen.
  • Das Schlimmste was Ihr jemanden angetan habt? Ich habe mich stets für meine eigenen Träume entschieden, auch gegen meine Familie.
  • Welchen Ratschlag würdet Ihr Eurem jüngeren Ich geben? Versuche dich auch privat in der Kunst der Diplomatie und sorge rechtzeitig für das Alter vor.

Wozu ist ein Charakterbogen gut?

Wie anfangs schon angedeutet, hilft so ein Fragebogen, Figuren lebendiger werden zu lassen. Einmal, weil man sie als Autor genauer kennenlernt. Je besser ich meine Figur kenne, desto überzeugender kann ich sie beschreiben. Und natürlich, weil ich dadurch automatisch tiefer gehen muss, als an der Oberfläche zu kratzen. Wenn ich Glück habe, vermeide ich es auf diese Art, einen flachen Standard-Charakter zu erschaffen, den die Welt schon unzählige Male gesehen hat. Zum Abschluss hilft natürlich noch einmal darüber nachzudenken, was diesen von mir ausgedachten Menschen von anderen abhebt. Was ist untypisch, unerwartet? Was verleiht ihm das „gewisse Etwas“?

Als Leser macht man sich zunächst nicht so viele Gedanken über die einzelnen Figuren eines Romans. Aber meiner Erfahrung nach fällt es den meisten trotzdem auf, wenn eine Figur zu flach oder klischeehaft ist, wenn sie nicht nach ihren eigenen Prinzipien handelt oder ihre Entscheidungen nicht nachvollziehbar sind.

Was muss eine Romanfigur haben, damit sie authentisch auf euch wirkt? Ich freu mich über Kommentare!

Comic -Marini - Die Adler Roms Band 1

Römer, Germanen, Sex & Crime: Das Marini-Comic „Die Adler Roms“ – Buch I

Heute mal eine Comic-Rezension. Ursprünglich suchte ich nach einem Geschenk für einen 7-jährigen Römer-Fan, der verständlicherweise die Darstellung der Römer bei Asterix & Obelix nicht passend findet. Er ist ja Römer-Fan – abgesehen davon, dass die Geschichte für die Gallier tatsächlich anders verlaufen ist. Wusstet ihr, dass es überhaupt nicht viele Kinder- und Jugendbücher über Rom gibt? Es gibt viele bunte Erklärbücher und Sachbücher, aber wenige mit echter Story.

Jedenfalls fiel mir auf diese Weise „Die Adler Roms – Buch I“ von Enrico Marini in die Hände. Gut, ihr sagt jetzt bestimmt, ich hätte schon an der Aufmachung des Covers ahnen können, dass das noch nichts für einen 7-jährigen ist. Und ihr habt recht. Unterhaltsam ist die Geschichte trotzdem (mal sehen, ob der Römer-Fan mit 14 auch noch Fan ist!).

Cover Comic "Die Adler Roms" Carlsen Comics

Marini
Die Adler Roms – Buch I

Carlsen
Erscheinungstermin: 28. Januar 2020
Seitenzahl: 64
ISBN: 978-3-551-79196-2
Lesealter: ab 14 Jahren

Alle Infos und Blick ins Buch: Carlsen Verlag


Worum geht’s?

Im Mittelpunkt der Geschichte steht Arminius, der als Sohn eines (besiegten) Germanenfürsten zur Erziehung nach Rom geschickt wird. Ja, genau der Arminius, dem es später gelang, viele germanische Stämme zu einen und die Römer in der Varusschlacht vernichtend zu schlagen. Es gab ihn wirklich, aber viel ist über seine Person nicht überliefert. Dafür ist er ab dem 16. Jahrhundert von späteren Generationen immer wieder neu gedeutet und je nach aktuellem Gedankengut für ihre jeweilige Zwecke und Propaganda benutzt worden. Einen tollen Überblick dazu gibt das Varusschlacht-Museum in Kalkriese in seiner Ausstellung und auch auf seiner Website.

Das Foto entstand bei einem Museumsbesuch im Sommer 2020 im Varusschlacht-Museum in Kalkriese, einer der Orte, wo die Schlacht sich möglicherweise zugetragen haben könnte.
Nur einige im Mittelalter wiederentdeckte antike Quellen berichten über den Germanenfürsten Arminius und die Varusschlacht. Bis heute ist unklar, wo sie wirklich stattgefunden hat. Das Foto entstand bei einem Museumsbesuch im Sommer 2020 im Varusschlacht-Museum in Kalkriese, einer der Orte, wo die Schlacht sich möglicherweise zugetragen haben könnte.

Zum Glück ist der Zeichner und Autor Enrico Marini ein in der Schweiz lebender Italiener, sodass man ihm keine germanisch-deutsche Geschichtsverherrlichung vorwerfen muss. Sein Arminius ist zwar auch blond, muskulös und furchtbar arrogant. Er soll im Haushalt eines ehemaligen Feldherrn gemeinsam mit dessen gleichaltrigen Sohn römisch erzogen werden. Nachdem die beiden sich zuerst überhaupt nicht mochten, schließen Arminius und der etwas vorsichtigere, nachdenklichere (und frei erfundene) Marcus Falco später Blutsbrüderschaft. Man kann schon ahnen, dass sich jemand wie Arminius womöglich irgendwann zwischen diesem Freund und seinem Heimatvolk entscheiden muss.

Szene aus dem Comic "Die Adler Roms" von Marini: Die beiden Streithähne Arminius und Marcus schließen auf recht amüsante Weise Blutsbruderschaft.
Szene aus dem Comic „Die Adler Roms“ von Marini: Die beiden Streithähne Arminius und Marcus schließen auf recht amüsante Weise Blutsbruderschaft.

In Band I geht es vor allem um ihre gemeinsame (harte, blutige und brutale) Ausbildung und Erziehung und erste (äußerst ausführlich dargestellte) Erfahrungen mit Frauen. Auch die (tödlichen) Konsequenzen nach einem Vergnügen mit einer jungen Sklavin, die dann im Kindbett stirbt, spart der Autor nicht aus. Enrico Marinis Bilder beschönigen und verstecken nichts. Man sieht zertrümmerte Schädel, tote Babys und Sexszenen – alles ohne Einsatz von Computerprogrammen handgezeichnet und koloriert.

Trotzdem fand ich die Handlungssprünge nicht immer überzeugend, die Geschichte zeigt szenenhaft einige Ausschnitte aus diesem Leben. Vielleicht liegt es auch am Medium Comic, dass ich das Gefühl hatte, außer der zweiten Hauptperson Marcus, keine der Figuren tatsächlich näher kennenzulernen. Auf diese Art verliert der Todes einiger Charaktere viel von dem Schockeffekt, den er hätte haben können, wenn man die Figur vorher näher kennengelernt hätte.

Ich schwanke gerade zwischen 3 und 4 Sternen, aber ich will nicht zu hart sein – ich hatte einen unterhaltsamen Abend!

Bewertung: 4 von 5.

Beeinflussen euch Rezensionen beim Buchkauf? – FollowFriday

„Lasst ihr euch von Rezensionen anderer beeinflussen beim Kauf eines Buches? Vor allem, wenn einige weniger gute Rezis dabei sind?“ – Das fragt Yvonne vom Blog Ein Anfang und kein Ende beim FollowFriday dieser Woche. Der FollowFriday ist eine Aktion, die Buchblogger vernetzen und zum Austausch über Themen rund ums Lesen bringen soll. Auf Yvonnes Blog findet ihr eine Übersicht über alle teilnehmenden Blogs. Ich finde es schön, durch diese Aktion auf Themen gestoßen zu werden, auf die ich selbst nicht unbedingt gekommen wäre. Meine heutige Antwort: Ein klares Ja. Alles andere wäre gelogen.

Auf viele Bücher bin ich nur durch Rezensionen aufmerksam geworden. Das sehe ich auch als die wichtigste Aufgabe von Buchblogs: Lesern Tipps zu geben, welche Bücher interessant sein könnten. Die Betonung liegt dabei auf „könnten“, denn selbst wenn der/die Blogger/in nicht begeistert von einem Buch war, heißt das noch nicht, dass ich das genauso bewerten würde. Literatur ist schließlich auch Geschmackssache. Deshalb ist es wichtig, dass Rezensenten ihr Urteil gut begründen, sodass die Leser es nachvollziehen können.

Das Internet schafft neue Formen der Buchkritik

Die FollowFriday-Frage hat mich an ein Interview mit Berit Glanz vom Blog 54books im Deutschlandfunk erinnert. Dort geht es um die Frage, wie das Internet die Form der Buchkritik und das Gespräch über Literatur verändert. Gleichzeitig berührt das die Diskussion, was als gute Literatur bewertet wird und dass traditionell z.B. weibliche Literatur von Rezensionen systematisch ausgeschlossen wurde. Durch soziale Netzwerke, Blogs und Buchportale bekommen nun auch Bücher Aufmerksamkeit, die früher eher marginalisiert wurden. Für populäre Genres, die im klassischen Feuilleton keine Beachtung finden, bilden sich online eigene Expertenkreise, die qualifizierte Rezensionen und Einordnungen innerhalb dieses Genres abgeben können. Auch diese Rezensenten haben viel Macht, denn ja, ihre Meinung kann andere beeinflussen.

Die rumänische Schriftstellerin Julia Hasdeu in der Bibliothek - Malerei von Maillart, D. aus der Sammlung des INP - National Heritage Institute, Bucharest (Public Domain - Europeana)
Die rumänische Schriftstellerin Julia Hasdeu in der Bibliothek – Malerei von Maillart, D. aus der Sammlung des INP – National Heritage Institute, Bucharest (Public Domain – Europeana)

Bei nachträglichen Vergleichen mit Rezensionen auf größeren Portalen, die Sterne-Bewertungen vieler Leser vereinen, stelle ich oft fest, dass sich meine Meinung im Großen und Ganzen mit der der anderen deckt. Das heißt, ich vertraue darauf, dass Rezensionen und Bewertungen ein guter Indikator für die Qualität eines Buchs sind.

Wenn ich auch das Thema eines mittelmäßig bewerteten Buchs nur mittelmäßig spannend finde, dann kaufe ich es mir mit hoher Wahrscheinlichkeit gar nicht erst. Andere Bücher kaufe ich mir, obwohl sie nur durchschnittliche Kritiken bekommen haben. Vielleicht schaue ich mir zum Vergleich auch noch eine zweite oder dritte Meinung an. Oft schreiben die Blogger ja auch ganz genau, was ihnen warum nicht gefallen hat – und manchmal weiß ich dann schon, dass mir dieser Punkt nichts ausmachen würde oder ich etwas komplett anders sehe.

Anlässe, um mir eine eigene Meinung zu bilden, sind für mich zum Beispiel eine besonders ausgefallene Geschichte und ein neuer Blickwinkel auf ein Lieblingsthema. Oder weit auseinandergehende Meinungen verschiedener Rezensenten.

Wie ist das bei euch so?

Sternenhimmel - Bild von Pexels auf Pixabay

Zeitreisen als Beruf – Über Monika Peetz Fantasy-Reihe „Das Herz der Zeit“ 1-3

Im Laufe der letzten Wochen haben ich alle drei Bände von „Das Herz der Zeit“ von Monika Peetz als Hörbuch gehört. Die Hörbuch-Fassung mit der Sprecherin Nina Reithmeier fand ich sehr angenehm. Die drei Cover gefallen mir gut. Die Geschichte selbst war interessant, aber nicht immer fesselnd und lässt einige Fragen offen. Zwischen den Bänden gibt es Qualitätsunterschiede. Hier im Blogpost versuche ich zu beschreiben, warum.

Band 1: „Das Herz der Zeit: Die unsichtbare Stadt“

Monika Peetz

Das Herz der Zeit: Die unsichtbare Stadt
(Band 1)

Ungekürzte Lesung mit Nina Reithmeier

670 Minuten Laufzeit
ISBN 978-3-8449-2033-8
Erschienen am 19.02.2019


Zeitreisen ziehen mich ja immer magisch an. Teil 1 hab ich als Hörbuch gekauft und beim Zeichnen gehört. Ich fand es spannend, aber nicht so spannend, dass ich nicht mehr abbrechen wollte. Zunächst führt die Autorin sehr ausführlich in Hauptperson Lenas Welt eine recht normale Jugendliche mit schlauer bester Freundin, einem Schwarm und einer tragischen Vergangenheit. Zuerst mochte ich Lena gern, ihre Handlungen konnte ich voll und ganz nachvollziehen. Während ich zu Beginn dachte, die Geschichte wird immer aus Lenas Sicht erzählt, wechselte die Autorin plötzlich den Schreibstil und schilderte Szenen, die Freundin Bobbie ohne Lena erlebte, wechselte sogar in Schwarm Jonas‘ Perspektive und in die des geheimnisvollen Dante. Noch vor Lena lernten wir als Leser die „unsichtbare Stadt“ kennen. Je mehr Lena dieser auf die Spur kommt, desto weniger konnte ich ihre Reaktionen nachvollziehen. Statt Dante Löcher in den Bauch zu fragen, ist sie fahrig, ungeduldig und will mit dem Kopf durch die Wand. Hey, da ist jemand, der offensichtlich nicht menschlich ist, Superkräfte hat und pflichterfüllend wie eine Ameise für die Menschheit arbeitet. Warum zur Hölle tut er das? Lena akzeptiert er einfach. Auch was Dante an Lena findet – so wie er sie erlebt hat – verstand ich einfach nicht. Wieso half er ihr? Was erhoffte er sich davon? Und plötzlich bezeichnete ihn Lena als einen lieben Freund, da hatte ich keine Ahnung, woher diese gemeinsame Basis kommen sollte. Die beiden hörten sich ja gar nicht zu. Lena macht in der Geschichte noch mehrere Kehrtwendungen, ganz sicher folgt die Autorin da auch wichtigen Regeln der Literatur: Lass deinen Helden Fehler machen, auf die Nase fallen, und so weiter. Aber mir fehlte das gewisse Etwas, das ich nicht genau benennen kann – die Nachvollziehbarkeit der Handlungen. Vielleicht hätte es funktioniert, wenn Monika Peetz die Ereignisse in der unsichtbaren Stadt genauso ausführlich und gründlich geschildert hätte, wie das anfängliche Intro in Lenas scheinbar stinknormales Teenager-Leben. Von daher lautet mein Fazit zu Band 1: spannend, aber nicht überzeugend. Aber überzeugend genug, dass ich mir Band 2 auch noch kaufe. Wie soll ich sonst eine Meinung zur Reihe haben?

Band 2: „Das Herz der Zeit: Die Nacht der Eulen“

Monika Peetz

Das Herz der Zeit: Die Nacht der Eulen (Band 2)

Ungekürzte Lesung mit Nina Reithmeier

625 Minuten Laufzeit
ISBN 978-3-8449-2229-5
Erschienen am 15.10.2019


Band 2 der Trilogie hat mir besser gefallen, als der erste Teil. Die Entscheidungen von Hauptperson Lena wurden nachvollziehbarer, sie handelte weniger naiv und etwas überlegter. Im Bezug auf die sich anbahnende Liebesbeziehung und auch auf die Freundschaft zu Dante, fragte ich mich jedoch trotzdem die ganze Zeit: Wann bitte waren sich die beiden in Band 1 spürbar näher gekommen? Wann hatte Dante sich eigentlich so verhalten wie Lena ihn sieht („mein lieber, verrückter Dante“)? Hier klafft für mich eine Lücke zwischen dem Eindruck, den die Hauptpersonen offenbar gewonnen haben und dem, was ich als Leser durch die Schilderung der Autorin mitbekommen habe. Schön fand ich, dass auch Lenas Freundin Bobby wieder eine ganz eigene Rolle mit eigenen Herausforderungen spielte. Auch die Szenen in der Vergangenheit – um 1900 – fand ich sehr lebendig geschildert. Hier schreckt die Autorin auch vor heute noch aktuellen Themen – zum Beispiel der Rolle der Frau – nicht zurück. Gelungen sind die kleinen Anstöße, die ausreichen, um bereits die Zukunft zu beeinflussen. Die Intrigen des Großen und Ganzen um die Politik der unsichtbaren Stadt wirkten eher unausgegoren und verwirrend – und haben mich weniger gefesselt, als die kleinen Erlebnisse unterwegs.

Band 3: „Das Herz der Zeit: Die vergessenen Geschichten“

Monika Peetz

Das Herz der Zeit: Die vergessenen Geschichten
(Band 3)

Ungekürzte Lesung mit Nina Reithmeier

625 Minuten Laufzeit
ISBN 978-3-8449-2420-6
Erschienen am 16.06.2020


Meiner Meinung nach hat sich die Qualität der Geschichte im Laufe der drei Teile von Monika Peetz „Im Herz der Zeit“ immer weiter gesteigert. Vielleicht liegt es daran, dass die Autorin alles als einen großen, nicht als drei einzelne Romane geplant hat. Im ersten Band ist die Hauptperson Lena naiv, selbstzentriert und stellt nahezu keine der Fragen, die sich mir als Leser aufdrängen. Im Laufe der Geschichte entwickelt sie sich und beginnt auch darüber nachzudenken, wie einzelne Handlungen die Zukunft beeinflussen, über Moral und Missbrauch des Zeitreisens und sie ändert auch ihre Haltung zum eigenen Leben. Schön finde ich, dass Band 3 in Bezug auf unsere eigene, aktuelle Zukunft und Gegenwart zum Nachdenken anregt und auch hier an drängende aktuelle Probleme angeknüpft wird. Die Zukunft im Jahr 2032, die Monika Peetz zeichnet, ist düster, aber realistisch. Das Ende fand ich nicht perfekt, aber in Ordnung. Nicht ganz zufrieden gestellt hat mich die Behandlung des Zeitreise-Themas generell und die Aufklärung und Besprechung der Vergangenheit der „unsichtbaren Stadt“ und ihrer Bewohner. Ihre Geschichte bleibt schwammig und ihre Existenz hat mich nie überzeugt.

Die Zeitreisen in „Herz der Zeit“

Die Sicht auf Zeitreisen in Monika Peetz‘ Buchreihe ist ungewöhnlich. Die Zeitreisenden sind keine Menschen, was leider nicht näher erläutert wird. Denn: Was sind sie dann? Sie sehen aus wie Menschen und benehmen sich wie Menschen. Leben sie wirklich ewig? Warum tun sie, was sie tun? Denn was sie tun klingt nach wahnsinnig viel Arbeit, Disziplin, Altruismus, den die Charaktere, die man kennenlernt, nicht wirklich ausstrahlen. Außer Dante und Coco benimmt sich im Laufe der Geschichte niemand diesem Ideal entsprechend. Also, was erhoffen sie sich? Was will die Zeitmeisterin und wie ist sie in diese Position gekommen? Durch Geburt, ja, aber das bleibt alles sehr nebulös. Und wer sind die Menschen, die WO GENAU Beschwerden bei der „Agentur für Schicksalsschläge“ einreichen? Die Buchidee wirft so viele spannende Fragen auf, die aber weitgehend unberührt bleiben, weil Hauptperson Lena kaum Fragen stellt.

Der „Chronometer“ der Zeitreisen hat mich stark an den „Chronographen“ der Edelstein-Trilogie von Kerstin Gier erinnert. Auch die schlaue Freundin Bobby passt da ins Klischee genau wie die schrille, verwöhnte, reiche Klassenkameradin Cloe. Man kann sagen: Das Charakterdesign ist nicht gerade ausgefallen, aber immerhin bekommt Bobby eine eigene Hauptrolle und entwickelt sich ebenfalls weiter. Dante ist erfrischend anders als andere männliche Charaktere in vielen Jugendbüchern, wenn auch nicht ganz greifbar: Ist er nun aufrührerisch, draufgängerisch oder doch eher zurückhaltend und schüchtern? Wahrscheinlich liegt es an Lenas naiver, impulsiver Art, dass er ihr gegenüber so vernünftig und vorsichtig wirkt. Und an den Namen konnte ich mich eher schlecht gewöhnen, weil ich immer an den mittelalterlichen Philosophen denken musste.

Fazit

Alles in allem, ist die Geschichte unterhaltsam und regt auch zum kritischen Nachdenken über unsere eigene Gegenwart an (das ist für mich das absolute Plus dieser Reihe!). Im Zentrum steht aber vor allem die persönliche Entwicklung der Hauptpersonen, ihrer Freundschaft und die Frage von Machtmissbrauch, als die Zeitreise-Welt an sich. Ich persönlich fand die Hauptperson Lena besonders am Anfang zu einfach gestrickt und naiv – man hätte sie durchaus auf höherem geistigem Niveau starten lassen können, ich bilde mir ein, das kann man einer normalen 15-jährigen zutrauen. Aber im Laufe der Geschichte konnte ich mich mit ihr anfreunden. Trotzdem ist Trilogie keine von denen, die ich nie beiseite legen konnte. Ich hab sie über einige Wochen nebenher als Hörbuch gehört. In der Bewertung schwanke ich zwischen 3 und 4 von 5 Sternen.

Bewertung: 3 von 5.

Liest du gern Kurzgeschichten? – Follow Friday

Wann hab ich eigentlich zum letzten Mal eine Kurzgeschichte gelesen? – Die Frage hat mich zum Nachdenken gebracht. Zum ersten Mal möchte ich darum beim Follow Friday teilnehmen, den Yvonne vom Blog Ein Anfang und kein Ende regelmäßig mit neuen Fragen rund ums Lesen veranstaltet. Auf Yvonnes Blog findet ihr die teilnehmenden Literaturblogs. Die Aktion findet vor allem statt, um Blogger untereinander zu vernetzen. Man lernt sich näher kennen. Aber am besten finde ich es, wenn die Fragen interessant sind und somit dem Blog auch einen Mehrwert bieten.


Sind Kurzgeschichten einfach zu kurz?

Davon abgesehen, dass ich selber ab und zu (aber eher selten) Kurzgeschichten geschrieben habe, lese ich sie selten. Das Format kann sehr reizbar sein – kurz und knapp, poetisch, eine zum Nachdenken anregende Pointe. Es eignet sich hervorragend für Literaturwettbewerbe und wird bei solchen auch immer gefordert. Aber zum Schmökern abends auf dem Sofa, zum Eintauchen in eine andere Wirklichkeit, zum Abschalten vom Alltag … sind sie mir oft einfach zu kurz. Mit Kurzfilmen geht mir das übrigens genauso. Ich möchte die Hauptpersonen gerne näher kennenlernen, freue mich, wenn sie mich tagelang begleiten – und lese deshalb recht viele Trilogien, immer alle Bände hintereinander weg. Auf Fortsetzungen warten mag ich nämlich auch nicht, denn dann bin ich mental schon wieder woanders.

Weil es so dermaßen wenige waren, fällt mir aber doch das letzte Kurzgeschichtenbuch ein, das ich gelesen habe. Von Anfang bis Ende. Und zwar: Elisabeth Dommers „Der unheimliche Zauber der Sterne“, das ich auch im Interview mit der Autorin hier im Blog erwähne. Auf einer Lesung hat mich Elisabeth Dommer mit ihren magisch angehauchten Geschichten beeindruckt und ich hab alle Kurzgeschichten von Anfang bis Ende durchgelesen. Einige der Geschichten sind auch länger, so 50-60 Seiten, andere ganz kurz. In alle schleicht sich ganz unauffällig ein Hauch von Magie in die normale Realität. Ich mag den Schreibstil sehr – also klare Empfehlung zum Lesen für Zwischendurch.

Cover "Der unheimliche Zauber der Sterne" Elisabeth Dommer
Das Cover von „Der unheimliche Zauber der Sterne“ von Elisabeth Dommer

Wie sieht es bei euch aus? Lest ihr Kurzgeschichten?

Stell dir vor, du erkennst deine besten Freunde nicht! & Stell dir vor, du bist dreimal so breit wie alle anderen!

Ich bin bei Sophia von WordWorld auf das Buch „Stell dir vor, dass ich dich liebe“ von Jennifer Niven gestoßen – und ohne diese Rezension hätte ich es nie gekauft. Warum? Wegen des Covers. Ich hätte bei all dem PINK und dem kitschigen Titel nicht mal den Klappentext gelesen! Das Cover der amerikanischen Originalausgabe ist interessanterweise mit hellblauen Punkten versehen und der Titel heißt „Holding up to universe“ – es suggeriert ein völlig anderes Buch (ich füge das Cover weiter unten im Text ein). Warum das Buch aber absolut lesenswert ist und 5 Sterne verdient, schreib ich in diesem Blogpost.

Cover Jennifer Niven: Stell dir vor, dass ich dich liebe

Jennifer Niven

Stell dir vor, dass ich dich liebe

Verlag: FISCHER Kinder- und Jugendtaschenbuch

Erscheinungstermin: 28.11.2018

464 Seiten

ISBN: 978-3-7335-0369-7

Übersetzt von: Maren Illinger

Quelle Bild: S. Fischer Verlage


Worum geht’s?

Die Geschichte wird abwechselnd erzählt aus der Sicht von Libby, einst das fetteste Mädchen Amerikas, und von Jack, Kind einer schwarzen Mutter und eines weißen Vaters, gutaussehend und beliebt, aber mit einem geheimen Handicap: Er ist gesichtsblind und kann sich einfach nicht merken, wie seine Familie und Freunde aussehen. Beide schildern das Geschehen sehr witzig und authentisch in der Ich-Form, so als berichteten sie dem Leser alles gerade brandheiß am Telefon. Es geht um Mobbing, um Trauer, um Essstörungen und nicht zuletzt um Prosogagnosie – Gesichtsblindheit. Alles Gründe, die dazu führen können, dass man sich nicht zugehörig fühlt. Trotz der schweren Themen schafft es Jennifer Niven, die Begegnung der beiden ungleichen und doch ähnlichen Hauptpersonen humorvoll, spannend und einfühlsam zu schildern.

Original-Cover von Jennifer Nivens Buch "Holding up the universe" (Quelle: Penguin)
Original-Cover von Jennifer Nivens Buch „Holding up the universe“ (Quelle: Penguin)

Libby kommt nach fünf Jahren Homeschooling, nach Trauma, Depression und harten Diäten, in die 11. Klasse der Highschool. Während sie nach dem Tod ihrer Mutter so dick geworden ist, dass sie zuletzt von der Feuerwehr aus dem Haus gesägt werden musste, ist für ihre Mitschüler das Leben ganz normal weitergegangen. Und obwohl sie 140 Kilo abgenommen hat, ist sie immer noch das dickste Mädchen an der Schule – und wird zur Zielscheibe in einem dummen Spiel, auf das Jacks Freunde gekommen sind. Die sind vielleicht nicht die besten Freunde, aber beide so auffällig, dass selbst Jack sie in der Menschenmenge erkennt. Denn für Jack fühlt sich der Alltag so an, als sei er immer von Fremden umgeben, die er aber kennen müsste. An einer Stelle sagt er sinngemäß: Es fühlt sich an, als sei er auf einem Maskenball der einzige ohne Kostüm, aber alle erwarten von ihm, dass er jeden erkennt. Jack und Libby begegnen sich durch diesen missglückten Scherz – und trotz des denkbar schlechten Starts beginnen sie einander zu mögen.

Cover "Stell dir vor, dass ich dich lieb" auf dem E-Book-Reader
Auf dem E-Book-Reader ist das Cover auch erträglich, aber ich weiß trotzdem nicht, was es mit der Story zu tun hat.

Das Buch erzählt ihre Sicht auf die jeweiligen Geschehnisse in ultrakurzen Kapiteln, aktuellen Schilderungen, vermischt mit vielen Rückblenden, gewürzt mit witzigen Listen und Lebensweisheiten. Beide Charaktere sind, gerade weil sie nicht perfekt sind, total liebenswürdig. Libby ist unglaublich mutig, Jack muss erst lernen, sich mit seinem Handicap abzufinden. – Übrigens kann ich nach der Lektüre jetzt „Prosopagnosie“ auswendig schreiben, problemlos aussprechen und weiß, dass jeder 40. Mensch statistisch davon betroffen ist. Dank Jennifer Niven kann ich mir auch sehr bildhaft vorstellen, wie sich das anfühlen muss.

Auf alle möglichen Arten: divers

Ich hab mich wahnsinnig gefreut, endlich auf zwei Hauptpersonen zu treffen, die nicht in die klischeehaften, gängigen Schubladen passen. Wie viele Bücher habt ihr gelesen, deren Hauptperson übergewichtig war? Also nicht nur pseudo-dick oder ein wenig pummelig, sondern schwer übergewichtig? Mir fällt gerade kein anderes ein. In welchem Buch spielen „people of color“ so selbstverständlich ganz normale Rollen, gute wie schlechte? Vielleicht lese ich auch zu selten amerikanische Literatur, in Europa ist das jedenfalls immer noch eine Rarität. Ich hab die Geschichte an einem Tag verschlungen – und von mir gibt es fünf Sterne.

Bewertung: 5 von 5.

Dann werde ich eben Baum! – „Frauen ohne Männer“ von Shahrnush Parsipur

Die iranische Autorin Shahrnush Parsipur hat „Frauen ohne Männer“ schon in den 1970er Jahren als eine Reihe von Novellen geschrieben. 1989 erschienen sie erstmals in Romanform und waren im Heimatland der Autorin sofort ausverkauft und verboten. 2009 erhielt die Film-Adaption „Women without men“ von Shirin Neshat einen Preis bei den Filmfestspielen in Venedig. 2012 erschien das Buch auf Deutsch bei Suhrkamp / Insel und 2019 auf Dänisch im Gyldendal-Verlag. Letztere Fassung hab ich gelesen – und für gut befunden. Warum? – Das will ich kurz zusammenfassen.

Cover Shahrnush Parsipur - Frauen ohne Männer - Suhrcamp Verlag

Shahrnush Parsipur
Frauen ohne Männer

Mit einem Nachwort der Autorin
Aus dem Farsi von Jutta Himmelreich

Erschienen: 13.08.2012
Bibliothek Suhrkamp 1471, Gebunden, 134 Seiten
ISBN: 978-3-518-22471-7


Für mich war es unglaublich exotisch, mental ins Teheran der 1950er Jahre einzutauchen. Auf den Straßen herrscht Aufruhr und Krieg, hinter den Haustüren Langeweile – nicht nur für die weiblichen Protagonisten. Deren Leben kreist beispielsweise um ihre Jungfräulichkeit, um die Fragen, wer das bessere Essen kocht und ob der Bruder der Freundin auf einen aufmerksam wird, wie man sich auch ohne Mann fortpflanzen könnte, wieso man alle Männer plötzlich ohne Köpfe sieht oder wann der nervige Ehemann nun endlich das Haus verlässt, damit man in Ruhe seinen Tagträumen nachgehen kann. Diese Lebenswelten von fünf sehr unterschiedlichen Frauen flicht die Autorin geschickt so zusammen, dass sie sich am Ende in einem wundersamen Garten in Karadsch (damals noch ein Dorf!) begegnen, eine Weile begleiten und wieder trennen. Im Mittelpunkt stehen Lebensträume – die Welt sehen, Parlamentsmitglied werden, eins werden mit der Natur.

Welche Wahl hast du im Leben?

In „Frauen ohne Männer“ geschehen unerwartete Dinge. Die realistischen Schilderungen münden plötzlich in magischen Transformationen und grotesken Ereignissen. Tod bedeutet nicht unbedingt das Ende, es erwächst Neues. Das menschliche Ich, die geschlechtliche Identität sprengt ihre Ketten, überschreitet Grenzen. Das alles schildert Shahrnush Parsipur mit einer ungeheuren Poesie.

Für dieses originelle und einzigartige Büchlein musste Shahrnush Parsipur zum zweiten Mal ins Gefängnis. Auch ihre anderen Bücher sind in ihrer Heimat verboten. Zusammengerechnet verbrachte sie fünf Jahre in Gefangenschaft. Heute lebt die Autorin in Kalifornien.

Von mir bekommt „Frauen ohne Männer“ eine absolute Leseempfehlung – weil es zum Nachdenken anregt, kurzweilig, ungewohnt und poetisch ist.

Bewertung: 5 von 5.

Praktische Tools für Autoren

In diesem Post möchte ich hilfreiche Tools sammeln, die einem beim Schreiben eines Romans nutzen könnten. Ich habe vor, die Liste nach und nach alphabetisch zu erweitern. Wenn ihr Tipps für weitere sinnvolle Helferlein habt, hinterlasst gern einen Kommentar!


Avatar-Generator

Ich finde es persönlich sehr hilfreich, für meine Romanfiguren zur Beschreibung passende Avatare zu gestalten. Natürlich gibt es bei Tools wie dem Avatar Generator von j0e nicht alle Frisuren zur Auswahl, aber es lassen sich doch eine ganze Menge Anpassungen machen, sodass man am Ende ein sehr anschauliches Bild einer Figur hat, die sich prima als Gedankenstütze eignet.

Mit dem Avator-Generator von j0e erstellte Figur.
So könnte eine meiner Romanfiguren aussehen – für mich als Gedankenstütze.

Charakter-Generator

Auch bei der Erstellung von Charakteren gibt es einige Hilfsmittel, die ich aber noch gar nicht so genau ausprobiert habe. Als Leitlinien gibt es verschiedene Typen, in die sich Figuren einteilen lassen und die gerne wieder auftauchen – zum Beispiel die Frohnatur, der Freund, der Wissenschaftler… Die meisten Autorenprogramme (auch das von mir gern zitierte) haben dazu integrierte Hilfsmittel und Tools, die bei der Erstellung leiten. Dann kann man beispielsweise Steckbriefe und Fragebögen zu jeder Figur ausfüllen. Verschiedene Charakerbögen finden sich auch zum Download an verschiedenen Stellen im WWW. Witzig finde ich den Charaktergenerator von ebookboss. Natürlich würde ich eine so erstellte Figur nicht 1:1 übernehmen, aber als Inspiration ist das manchmal vielleicht nicht schlecht.

Screenshot des Charakter-Generators von ebookboss - der Professor-Typ
Screenshot vom Charakter-Generator von ebookboss

Namens-Generator

Manchmal fällt einem für eine Nebenfigur einfach kein Klangvoller Vor- oder Nachname ein. Entweder ist der Name nicht so wichtig, oder es fehlt einfach die zündende Idee. Auch da hat das Autorenprogramm Patchwork (nein, ich bekomme wirklich keinen Bonus dafür, dass ich es immer wieder erwähne!) eine fest integrierte Funktion, bei der man sogar einstellen kann, aus welchem Geburtsjahrzehnt der Name, ob eher typisch oder weniger verbreitet, er sein soll. Das ist praktisch für historische Namen. Aber in weniger detailreicher Funktion gibt es das auch als Gratis-Tool, zum Beispiel hier.

Screenshot eines Ergebnisses aus dem Real Name Generator : Michaela Ross
Ergebnis aus dem Namensgenerator von Real Name Generator (Screenshot)

Vorlese-Tool

Bei manchen Autoren-Programmen wie Patchwork ist das ein fester Bestandteil. Aber man kann auch das gute alte Word dazu bringen, einem den Text vorzulesen (Wie genau, das erklärt chip.de hier). Und wenn sich die Computerstimme dann durch die Zeilen hackt, bemerkt man kleine Tippfehler garantiert eher als, wenn man seinen Text selber zum zehnten Mal überfliegt. Wie das klingt, hab ich in diesem Video demonstriert. Ich mag diese Funktion nicht mehr missen!


Zufallswort-Generator

Auch Zufallswort-Generatoren wie dieser hier können sehr hilfreich sein, wenn es um das Figurendesign geht und man zum Beispiel nach Inspiration für eine ausgefallene Eigenschaft sucht.

Screenshot des Zufallswort-Generator der Website Textfixer
Screenshot des Zufallswort-Generator der Website Textfixer

Wird fortgesetzt!