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Nachdenken übers Lesen: Beeinflussen die Jahreszeiten mein Leseverhalten?

Den Denkanstoß zu diesem Blogpost gaben mir Antonia vom Blog Lauter und Leise und Frank vom Blog Büchernarr mit ihrer aktuellen Montagsfrage #102. Und die kurze Antwort lautet schlicht und ergreifend: Nein. Obwohl man im Winter mit guten Gewissen die Nase in Bücher stecken könnte, entscheiden eher die äußeren Umstände und aktuelle Kreativitätsflauten über mein Leseverhalten.


Ich gebe es zu, ich habe ein Problem mit Büchern. Eingespannt in Arbeit, Familie und ambitionierte Freizeitprojekte (wie eben einen eigenen Roman schreiben zu wollen), ist es für mich manchmal hinderlich, regelrecht gefährlich, meine spärliche freie Zeit mit Lesen zu verbringen.

Romane sind für mich wie Drogen

Ganz lange Zeit habe ich deshalb nur noch Fachbücher gelesen, die mir beispielsweise Hintergrundwissen für das historische Setting meiner eigenen Fantasy-Geschichte vermittelt haben. Fachbücher haben die praktische Eigenschaft, dass ich sie problemlos wieder weglegen kann, wenn Schlafenszeit ist oder andere Aufgaben anstehen. Außerdem kann ich auch zwei-drei davon parallel lesen, ohne mich zu verzetteln.

Ganz anders sieht das mit Romanen aus. Ich meine natürlich Romane, die mir gefallen, die mich mitreißen, in deren Welt ich vollständig eintauche. Die sind der wirklich gefährliche Stoff. Denn einmal in einem schwachen Moment angefangen, lassen sie mich erst wieder los, wenn ich sie zu Ende gelesen habe. Deswegen fange ich manchmal gar nicht erst an zu lesen, weil ich gerade so viel anderes zu tun habe. Aus diesem Grund beginne ich auch keine Reihe, von der ich weiß, dass sie noch nicht beendet ist – denn ich kann es einfach nicht ausstehen, am Ende – nach so viel Qual und Aufopferung – mit einem Cliffhanger dazusitzen.

Frau mit E-Book-Reader (Beispielbild by Pexels from Pixabay)
Mein Problem: Einmal angefangen – kann ich nicht mehr aufhören zu lesen. (Beispielbild by Pexels from Pixabay)

Jetzt denkt ihr bestimmt, ich bin verrückt. Die Leute, die es im Alltag mit mir aushalten müssen, können das bestätigen. Ich glaube, sie seufzen jedes Mal innerlich, wenn ich einen neuen Roman beginne. Denn dann stehen zwei bis vier Tage an, in denen ich mental abwesend bin. Dann kann es passieren, dass ich auch noch mit der Zahnbürste im Mund weiterlese und obendrein eine Dreiviertelstunde lang Zähne putze, statt ins Bett zu gehen. Dass ich nur noch sechs Stunden schlafe, gereizt und am Ende der Lektüre ein mentales Wrack bin. Obwohl es natürlich auch Spaß macht, in diesen Welten zu versinken, den Alltag völlig auszuklinken und es mir auch für das eigene Schreiben ganz viel bringt – selbst bei Büchern, die ich hinterher nicht perfekt fand.

Ich lese schubweise und exzessiv, egal zu welcher Jahreszeit

Aber so einen selbstzerstörerischen Lesekonsum kann ich mir natürlich nicht permanent leisten und wenn ich einmal (mit dunklen Augenringen und einem Rest von Lebensenergie die letzten Seiten lesend) den Stop-Knopf gefunden habe, muss ich erst wieder Kräfte sammeln, bevor der Kreislauf von vorne beginnen kann. Zur Ehrenrettung der Autoren dieser Romane muss ich sagen, dass ich nach so einem Lesemarathon und einer Mütze Schlaf meine Kreativität wiedergefunden und richtig Lust habe, selbst weiterzuschreiben. Deswegen lese ich quasi schubweise, exzessiv, unabhängig von den Jahreszeiten. Dazwischen befinden sich mehr oder weniger lange, völlige Lesepausen. Und wenn ich dann eines Abends oder womöglich schon den zweiten Abend in Folge uninspiriert vor meinem eigenen Schreibprojekt sitze, wenn ich besonders müde bin und gar nicht mehr kreativ, dann kann es passieren, dass ich wieder schwach werde und „klick“, hab ich einen neuen, fesselnden Roman auf meinem E-Book-Reader.

Welche Trilogie das zuletzt war und was ich dafür auf mich genommen habe, um auch Teil 3 lesen zu können, erfahrt ihr dann in meinem nächsten Post.

Wer ebenfalls seine Gedanken zu seinem Leseverhalten teilen möchte, kann das noch den ganzen Tag lang tun und seinen Beitrag unter Antonias aktuellen Post verlinken.

Feiert ihr mit? – Ein großer Schritt für mich

Ich bin gerade ganz euphorisch – vielleicht habt ihr Lust, mit mir zu feiern! Gerade habe ich die letzten handschriftlich geschriebenen Seiten meines Fantasy-Projekts eingetippt.

Die Idee lag schon ewig, in einer Datei und in meinem Kopf. Zum Inhalt nenne ich nur ein paar Stichworte: eine Zeitreise, die klassische Suche nach der eigenen Identität, mitsamt Liebe und Freundschaft. Im April 2017 hab ich angefangen, mit Bleistift in ein grünes Notizbüchlein, erste Zeilen zu schreiben. Am 25. Oktober 2020 fand ich endlich ein passendes Ende – rund 154.000 Wörter später und seit soeben alle auch digital. Das ist ein wahnsinnig schönes Gefühl!

Die Notizbücher sind mir seither überall hin gefolgt. Jedes einzelne durfte einiges mit mir erleben. Eins hat mit mir ein wunderschönes Winterwochenende in einer Holzhütte im Thüringer Wald verbracht, bei dem wir meterhoch eingeschneit sind. Mehrere lagen mit mir in Dänemark am Strand, vielleicht liegen noch Sandkörner zwischen den Seiten. Und eins durfte mich auf eine Recherchereise nach Mainz begleiten – verwinkelte Gassen, romantische Fachwerkhäuser, monumentale Domkirche.

Bäume im Schneesturm
Orte inspirieren! Ich erinnere mich recht deutlich, dass ich in dieser schönen Umgebung im Dezember 2017 an diesem Buchprojekt gearbeitet habe.

Die Protagonisten sind wie gute Freunde für mich geworden, die mich schon fast vier Jahre lang begleiten. Und trotzdem muss ich sie mir jetzt noch einmal mit anderen Augen anschauen.

Auf zur nächsten Runde!

Denn das Buch ist jetzt noch lange nicht fertig. Inzwischen habe ich eine beeindruckende Liste mit Dingen, die ich noch verfeinern, kürzen, umschreiben oder radikal ändern möchte. Jetzt, da die Story von Anfang bis Ende steht, muss ich noch einmal intensiv am Stil arbeiten. Und kann man sich wirklich erlauben in einem Buch zuerst im Präteritum und später im Präsens zu schreiben? Würde das beim Lesen nerven? Ich bin noch unschlüssig.

aufgeschlagenes Notizbuch
Ich schreibe gern zuerst handschriftlich, schon dabei habe ich mehrfach überarbeitet und am Text gefeilt. Und dann sieht es einfach hübsch aus und passt in den Rucksack.

Immer wieder finde ich auch durch eure Blogposts und beim Lesen anderer Bücher neue Inspiration. Deswegen habe ich es nicht bereut, vor einem Jahr diesen Blog gestartet zu haben. Ein großes Dankeschön für Ideen und Austausch! Und ein riesiges Danke schon einmal an die, die sich bereits als Testleser angeboten haben! Das ist der übernächste Schritt, mich einem „fremden“ Urteil zu stellen.

Ich freue mich schon, wenn ich heute Abend weitermachen kann. – Jetzt muss ich erstmal arbeiten, denn leider ist das Schreiben nicht meine hauptberufliche Beschäftigung.

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Unerkannte Parallelgesellschaft: „Der Hüter der fünf Leben“ von Nica Stevens

Liam ist anders als die anderen. Die 17-jährige Vivien will sein Geheimnis unbedingt lüften und gerät dabei selbst in Gefahr. Die Jugend-Romantasy-Geschichte „Der Hüter der fünf Leben“ der deutschen Fantasy-Autorin Nica Stevens haben die Büchermotte und ich als Hörbuch gehört. Die Geschichte fesselt, lässt aber noch Luft nach oben.

Nica Stevens
Hüter der fünf Leben
Sprecher: Reithmeier, Nina

Verlag: XPUB / XPUB GmbH
Gesamtlaufzeit: 600 Min.
Erscheinungstermin: April 2017
Sprache: Deutsch
ISBN-13: 9783945703595


Worum geht’s?

Die mentale Reise geht nach Kanada. Hauptperson Vivien lebt bei ihrem Großvater, der unbedingt möchte, dass sie einmal eine erfolgreiche Anwältin in seiner Kanzlei wird. Vivien weiß noch nicht genau, was sie will – ihr Herz zieht sie in die Berge, in den Nationalpark, in dem ihr Vater arbeitet und in dem sie mit ihm und seinen Freunden unbeschwerte Kindheitstage verbracht hat. Als sie in den Sommerferien dort ankommt, trifft sie auch Liam, ihren Freund aus Kindertagen, wieder. Nur, dass er inzwischen erwachsen geworden ist, atemberaubend gut aussieht und sich total abweisend benimmt. Schnell findet Vivien heraus, dass er etwas verbirgt. Sie will unbedingt hinter sein Geheimnis kommen und kommt ihm dabei nicht nur näher, sondern bringt sich auch selbst in große Gefahr.

Gern etwas tiefgründiger

Die Hauptpersonen Vivien und Liam fand ich sehr sympathisch und ihre Handlungen meistens nachvollziehbar. Beide sind eher ruhige und introvertierte Charaktere. Während Liam durchgehend sehr stimmig dargestellt ist, fand ich Viviens Handlungen nicht immer passend oder nachvollziehbar. Zum Beispiel kam mir die Stelle, an der sie Liam beinahe erpresst, ihr mehr über sein Geheimnis zu erzählen, unpassend – ich an seiner Stelle hätte sie ab diesem Moment gehasst, bei mir als Leser hat sie damit einiges an Sympathie eingebüßt. Ein bisschen mehr Feingefühl hätte besser zu ihrem sonstigen Auftreten gepasst – still, aber neugierig und mutig.

Weißkopfseeadler
Spielt auch eine Rolle in der Geschichte (Image by Rob Brown from Pixabay)

Viviens Großvater erschien als durch und durch unfreundlicher Protagonist. Es war schwer, sich vorzustellen, dass Vivien irgendwie an ihm hängen könnte. Ein paar gute Eigenschaften hätten hier nicht geschadet, um ihre Gefühle, ihr Verhalten und ihren inneren Konflikt glaubwürdiger zu gestalten und um vielleicht auch den späteren Schockeffekt zu vergrößern. So kam alles nicht sonderlich überraschend.

Besonders genervt hat mich Viviens angeblich so gute Freundin Leslie, die durch ständiges Zetern, viele Schimpfwörter und einen ganz außergewöhnlichen Mangel an Feingefühl aufgefallen ist. Ich weiß, sie sollte vor allem Witz in die Handlung bringen – aber das ist nur teilweise geglückt. Alles in allem ist sie ein nicht ganz geglückter Charakter vom Typ „rebellisches, aber treues Großmaul“.

Glücklicherweise hat die Autorin in Bezug auf Liams Geheimnis eine ganz eigene (Parallel-)Welt erfunden, die nicht die gängigen Fantasy-Figuren aufmarschieren lässt, obwohl viele von deren Eigenschaften wieder auftauchen. Aber gerade so eine neue Welt hätte wahrscheinlich doch ein paar mehr Seiten oder Bände erfordert, um sie glaubwürdig erscheinen zu lassen und dem Leser die Chance zu geben, sich richtig einzuleben. Beinahe ging alles etwas zu schnell, gerade zum Ende hin – aber vielleicht lag das teilweise auch am Medienformat, dass ich die Geschichte als Hörbuch gehört, statt sie als Buch gelesen zu haben.

Büchermottes Wertung

Mit „Der Hüter der fünf Leben“ bekommt man eine spannende und romantische Geschichte. Aber uns haben nicht alle Protagonisten überzeugt, weshalb wir nicht ganz so intensiv mit ihnen mitfiebern konnten wie bei manch anderen Büchern. Auch hinsichtlich der Originalität und Stimmigkeit der Geschichte gibt es noch Luft nach oben.

Bewertung: 3 von 5.

Bücher - Foto von Gerhard G., Pixabay

Klassisch, männlich – Literatur in der Schule

Die Blogparade #femaleheritage Frauen und Erinnerungskultur der Münchner Stadtbibliothek Monacensia lädt bis 9. Dezember 2020 dazu ein, über das Andenken an Frauen in unserer Kulturlandschaft nachzudenken. Zum Beispiel Frauen in der Literatur. Zum Beispiel im Schulunterricht. Über welche Autorinnen und Autoren wurde und wird da gesprochen? An wen und an wessen Texte erinnern wir uns noch nach Jahren, Jahrzehnten oder gar Jahrhunderten? Nun grüble ich schon seit Tagen darüber, welche Bücher wir damals in der Schule gelesen haben und wer darin wie zu Wort kam. Während meiner Schulzeit ist mir kaum aufgefallen, dass fast nur männliche Autoren behandelt wurden. Ist aber so.

Hier, was mir noch einfällt (für Vollständigkeit übernehme ich keine Garantie!):

  • „Die Welle“ (Morton Rhue)
  • „Nathan der Weise“ und „Emilia Galotti“ (Gotthold Ephraim Lessing)
  • „Macbeth“ und „Romeo und Julia“ (William Shakespeare)
  • „Faust I und II“, „Iphigenie auf Tauris“ und „Die Leiden des jungen Werther“ (Johann Wolfgang von Goethe)
  • „Die neuen Leiden des jungen W.“ (Ulrich Plenzdorf)
  • „Der Schimmelreiter“ (Theodor Storm)
  • „Das Parfüm“ (Patrick Süskind)
  • „Effie Briest“ (Theodor Fontane)
  • „Das Bildnis des Dorian Grey“ (Oscar Wilde)
  • „Kabale und Liebe“ (Friedrich Schiller)
  • „Die Blechtrommel“ (Günter Grass)
  • „Woyzeck“ (Fragment, Georg Büchner)

Dazu kommen sicher noch ein paar antike Klassiker aus dem Lateinunterricht, die mir inzwischen entfallen sind. Gedichte lasse ich an dieser Stelle ebenfalls weg. Tatsächlich kann ich mich wirklich nicht erinnern, dass überhaupt eine einzige Autorin darunter gewesen wäre!

„Die Vorleserin“, Fotografie von Bertha Wehnert-Beckmann, 1840, Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg, Public Domain, zu finden in der Europeana.

Ein männlicher Blick auf Frauen

Widmen wir uns also einigen der weiblichen Figuren, die in den Stücken auftauchen. Denn die sind schließlich dann die einzigen Frauen, die mir als Schülerin in der (Schul-)Literatur begegneten. Ich greife nur ein paar Beispiele heraus, die mir am deutlichsten in Erinnerung geblieben sind.

Da gibt es eine ganze Reihe passiver Damen, deren Reinheit und Körper im Mittelpunkt der Geschichten stehen:

Tot oder gefallen

Goethes Gretchen beispielsweise lässt sich von Faust ausnutzen, schwängern und wird dann fallengelassen. Ihr uneheliches Kind bringt sie aus Angst vor den gesellschaftlichen Konsequenzen um und wird selbst wahnsinnig. Lessings Emilia Galotti dagegen ist Spielball auf dem Heiratsmarkt und stirbt lieber, um ihre Tugend zu bewahren, offensichtlich das einzig wertvolle, das eine Frau damals hatte und eine der wenigen selbstbestimmten Methoden, um sich zu wehren. Fontanes Effie Briest wiederum heiratet fügsam den unsympathischen alten Herren und hockt dann gelangweilt zu Hause, bis sie sich unglücklich verliebt, was ihr später auch noch zum Verhängnis wird, obwohl eigentlich nichts passiert ist. Ich fand das Buch leider sterbenslangweilig.

Ein Lichtblick aus der Antike

Ein Lichtblick in dieser Gesellschaft trister Frauenschicksale ist Goethes Iphigenie auf Tauris. Die hat zumindest einen Beruf! Denn sie ist Priesterin im Tempel der Göttin Diana. Sie lehnt auch einen Heiratsantrag ab, was ihr eine Strafe einbringt. Ein Fluch hängt auch noch über ihrer Familie und trotz Heimweh kommt sie ihrem Job als Priesterin nach, bleibt stark und sich selbst treu. Hier gibt es also ausnahmsweise eine starke, weibliche Persönlichkeit, die am Ende dem Guten zum Sieg verhilft.

Love, love, love

Auffällig ist, dass fast alle (für die Geschichten wichtigeren) Frauenfiguren in Zusammenhang mit ihrer Position als potentielle Ehefrau, als Ehefrau, als Liebesobjekt vorkommen. Selten, dass eine mal auch andere Qualitäten haben muss oder einer Arbeit nachgeht. Das liegt natürlich auch daran, dass die Auswahl in meiner Schulzeit vor allem auf historische Literaturklassiker fiel. Damals war das eben so.

A woman with long red hair is lying down reading a book. Coloured mezzotint by Jean Jaques Henner. Wellcome CollectionCC BY

Aber was sollen diese Persönlichkeiten einem Mädchen zwischen 10 und 18 Jahren im 21. Jahrhundert sagen? Ist irgendeine handlungstüchtige, selbstbewusste, intelligente Frau darunter? Eine, die man sich zum Vorbild nehmen möchte? Eine, die mich motiviert, ein bestimmtes Ziel im Leben zu verfolgen? Äußerst selten.

Irgendwo da draußen, gibt es sie

Ich bin mir sicher, dass es Alternativen gegeben hätte. Auch vor Jahrhunderten, sogar schon im Mittelalter, gab es schreibende Frauen, sie sind nur nicht Teil unserer Erinnerungskultur geworden. Der Historiker und Germanist Max Emanuel Frick erinnerte vor einigen Jahren in seinem Mittelalter-Blog „Curiositas“ unter anderem an die französische Hofdichterin Christine de Pizan (1364–1429), die eine der ersten heute noch bekannten Autorinnen war, die von ihren Werken leben konnte. Sie begeisterte ihr Publikum mit Gedichten und Liebeslyrik. Und interessanterweise hat ihr bekanntestes Werk das gleiche Thema wie die Blogparade, die der Ausgangspunkt dieses Posts ist: in „Das Buch von der Stadt der Frauen“ beschreibt sie berühmte und tatkräftige Frauen aus der Bibel und der Geschichte, damit die Werke und Taten von Frauen nicht in Vergessenheit geraten und irgendwann vielleicht gleichberechtigt anerkannt werden. Das war im 15. Jahrhundert. 500 Jahre ist das Thema immer noch nicht abgehakt.

Christine de Pizan, British Library Harley Collection BL Harley 4431 f. 4, Gothic cursive (Public Domain, zu finden auf Europeana)

Zurück zum Schulunterricht. Wir hätten zum Beispiel Jane Austins Klassiker „Stolz und Vorurteil“ lesen können, wenigstens in Englisch. Die Hauptperson Lizzy Bennet ist nicht auf den Mund gefallen und schlägt den Heiratsantrag aus. Weibliche Protagonisten wie Astrid Lindgrens Ronja Räubertochter, Pippi Langstrumpf und Madita, Lewis Carols „Alice im Wunderland“, Michael Endes Momo aus „Momo und die Zeitdiebe“ oder sogar Agatha Christies Miss Marple hätten mein Schülerinnenleben vielseitiger gemacht. Wir hätten Autorinnen wie Mary Shelley, Karen Blixen oder Literatur-Nobelpreisträgerinnen wie Selma Lagerlöf, Elfriede Jelinek, Herta Müller und Doris Lessing lesen können.

Hätte, hätte, hätte.

Das bringt uns zum Schluss zu der Frage, wer denn bestimmt, was erinnerungswürdig ist und die großen Literaturpreise spielen da natürlich eine wichtige Rolle. Mit der Frage, wer diese Auswahl trifft oder ob Frauen einfach schlechter schreiben, habe ich mich in einem meiner ersten Blogposts beschäftigt.

Und ganz aktuell zum Start der Blogparade geht auch Anke Buettner, Leiterin der Monacensia im Hildebrandhaus, in ihrem Blogpost „Gedächtnis mit Schlagseite“ dieser Frage nach. Dabei geht sie durchaus kritisch an die Sammelpraxis ihrer Bibliothek heran: „Mit einem Blick auf die Archivbestände der Monacensia stellen wir fest, dass sich das literarische Gedächtnis bislang einseitig aus Erinnerungen von Männern speist. Das künstlerische Werk von Frauen ist in der Vergangenheit landauf landab als weniger relevant eingeschätzt worden.“ Das Projekt „Female Heritage“ und nun auch die Blogparade sollen helfen, den einseitigen Blickwinkel etwas zu korrigieren.

Im Aufruf zur Blogparade bin ich noch an einem weiteren Zitat hängen geblieben: „Nur das was in Museen ausgestellt, in Denkmälern verkörpert und in Schulbüchern vermittelt wird, hat auch die Chance, an nachwachsende Generationen weitergegeben zu werden.“ – Das schreibt Aleida Assmann in ihrem Buch „DAS NEUE UNBEHAGEN AN DER ERINNERUNGSKULTUR. EINE INTERVENTION“ (3. ERW. UND AKT. AUFLAGE, 2020). Und recht hat sie!

Und da meine Schulzeit schon ein paar Tage her ist, kommt hier die Frage in die Runde: Hat sich inzwischen was getan? Kommen im Schulunterricht Autorinnen inzwischen zu Wort?

Nachts in einer anderen Welt: Die „Bücher der Mitternacht“ von Rose Snow

Ein bisschen ist das ja in Wirklichkeit tatsächlich so: Wir legen uns ins Bett, machen die Augen zu und tauchen ein in eine Traumwelt. Für die Hauptpersonen der Dilogie „12 – Die Bücher der Mitternacht“ des Autoren-Duos Rose Snow ist das auch so, nur extremer. Denn Nacht für Nacht führen sie quasi ein zweites Leben in einer fantastischen Traumwelt.

Rose Snow: Bücher der Mitternacht Bd.1 und Bd.2
Verlag: Ravensburger Verlag
ISBN: 978-3-473-40190-1
Seitenzahl: 447
Altersempfehlung: ab 14 Jahren
Erscheinungstermin: 1. Januar 2020


Worum geht’s?

Harper Bennets Freund liegt nach einem Umfall im Koma und sie fühlt sich schuldig. Im richtigen Leben ist Harper zwar mit der Schule fertig, weiß aber noch nicht so recht, was sie danach machen soll. Deswegen jobbt sie in einer Schuhladenkette, die zum Imperium einer extrem reichen Familie gehört. Gleichzeitig beginnt sie nachts von einer geheimnisvollen, dunklen Stadt zu träumen, vor deren Toren irgendwie altmodisch, aber doch freizügig und verführerisch gekleidete Menschen Schlange stehen, um eingelassen zu werden. Dort und im richtigen Leben taucht plötzlich Cajus Counterville, der Sohn der steinreichen Schuhladen-Dynastie, auf und behauptet, dass er ihr helfen kann, ihren Freund aus dem Koma zu befreien – braucht dazu aber genau genommen ihre Mithilfe. Harper hat eine Menge Vorurteile gegen den arroganten, reichen Cajus und die beiden streiten sich ganz herzallerliebst. Worauf das hinausläuft, ahnt ihr. Was es mit Harpers Freund auf sich hat, möchte ich auch noch nicht verraten.

Spannende Welt, leider einige Klischees

Rose Snow verstehen es, mitreißende Bücher zu schreiben. Einmal angefangen, saugt einen die Story regelrecht ins Buch. Mit Noctaris, der dunklen Traumstadt, haben die beiden Autorinnen eine verruchte, zauberhafte Welt geschaffen, in der alles möglich ist. Die Menschen, die sich hier tummeln, sind angeblich nur die besonders Kreativsten, aber auch hier geht es letztlich zu wie überall auf der Welt – es gibt solche und solche. Mir haben die vielen magischen Details und Facetten gut gefallen und auch die Szenen, in denen Harper in ihrer Gutgläubigkeit in peinliche Situationen geschlittert ist. Auch gab es kaum einen Charakter, der nicht mehrere Seiten hätte – es gibt kein plakatives Gut und Böse, was ich sehr schätze.

er lateinische Schriftzug "nox et amor, vinumque, nihil moderabile suadent" hier im Bild heißt frei überstezt: "Die Nacht, die Liebe und der Wein kennen keine Zurückhaltung" und passt hervorragend zu den Büchern der Mitternacht von Rose Snow (Bild: "Die Nacht", Hans Sebald Beham, 16. Jahrhundert, Rijksmuseum, Public Domain)
Der lateinische Schriftzug „nox et amor, vinumque, nihil moderabile suadent“ hier im Bild heißt frei überstezt: „Die Nacht, die Liebe und der Wein kennen keine Zurückhaltung“ und passt hervorragend zu den Büchern der Mitternacht von Rose Snow (Bild: „Die Nacht“, Hans Sebald Beham, 16. Jahrhundert, Rijksmuseum, Public Domain)

Die besondere Kreativität der Träumenden stellt für mich eine der Problemzonen der Geschichte dar. Harper und Cajus gehören zu den besonders Begabten, Kreativen, sonst könnten sie nachts nicht in die Traumwelt reisen. Also musste ein kreatives Hobby her, das die beiden ungleichen Charaktere verbindet – die Malerei. Allerdings haben Rose Snow es nicht geschafft, mich als Leserin glaubhaft davon zu überzeugen, dass die beiden wirklich so künstlerisch begabt oder auch nur interessiert sind. Harper schon eher, sie verarbeitet ihre Eindrücke gern in rauschhaften Malanfällen. Aber bei Cajus kam das eher aufgesetzt rüber und die Fachsimpelei über berühmte Werke der Kunstgeschichte hat es auch nicht eindrücklicher vermittelt. (Ich zeichne und male übrigens selbst, aber ich bin selten über historische oder moderne Kunst so furchtbar ins Schwärmen gekommen, aber vielleicht bin ich da ja ein Sonderfall.)

Mit Harper selbst konnte ich mich ganz gut identifizieren, bis auf ihr Verhältnis zu ihrem Freund. Da dieser ja von Anfang an im Koma lag, hatte ich als Leser nie eine besondere Verbindung zu ihm und konnte auch Harpers Gefühle für ihn nicht nachvollziehen. Harper selbst ist einerseits zwar nicht auf den Mund gefallen, andererseits durchaus zurückhaltend oder schüchtern. Auf jeden Fall ist sie so unentschlossen, was ihre Lebensplanung und ihr Selbstbewusstsein angeht, dass sie den Anstoß von außen braucht, um auf ihr Herz zu hören. Im Laufe der Geschichte entwickelt sie zum Glück aber auch eigene Handlungskraft und Mut.

Hervorragend fand ich den Charakter von Harpers bestem Freund, der mit seinem Selbstbewusstsein, seiner Imperfektion und seinem Witz wirklich erfrischend und untypisch daher kam.

Umso klischeehafter ist die Figur Cajus Conterville geraten. Klar, wir alle lieben die dunklen, geheimnisvollen Typen in diesen Geschichten. Aber muss er dann auch noch überirdisch gut aussehen und exorbitant reich sein? Ich meine, wir beschweren uns immer, dass Frauen auch anno 2020 noch mehrheitlich auf Männer stehen, die erfolgreicher sind, als sie selbst und das quasi alle Beteiligten extrem unter Druck setzt. Vielleicht müssen mal andere Vorbilder her! Die Geschichte hätte auch ohne den Reichtum und Erfolg funktioniert.

Einen Ausflug in die Traumwelt wert

Alles in allem lebt die Geschichte glücklicherweise auch nicht nur von der sich anbahnenden Lovestory, sondern dreht sich tatsächlich um die actiongeladenen Geschehnisse in der Traumwelt. Wer also eine mitreißende Lektüre sucht, kann hier nichts falsch machen. Punktabzug gebe ich für die verwendeten Klischees.

Bewertung: 4 von 5.

Kann ein Autor auch ein guter Rezensent sein? – Zur Montagsfrage #98 von Lauter & Leise

Durch Elli vom Wortmagieblog bin ich gerade, zugegebenermaßen recht spät am Abend, auf die Montagsfrage im Blog Laut & Leise aufmerksam geworden. Dort wird heute gefragt: Kann ein Autor auch ein guter Rezensent sein? Das hat mich auch schon beschäftigt, eben, weil ich versuche beides zu sein.


Inspiration aus dem Netzwerk

Seit fünf Jahren arbeite ich an einem Fantasy-Roman, der nun langsam aber sicher fertig wird. Schreiben gehörte schon immer zu meinen Hobbys, während ich hauptberuflich ebenfalls Texte verfasse, aber eben fachliche oder Auftragstexte. Geschichten entstehen zu Hause. Seit einem Jahr blogge ich hier über das Schreiben und das Lesen – und ich muss sagen, dass mir beides schon weitergeholfen hat. Der Austausch mit anderen Schreibenden und Lesenden gibt mir Ideen und Inspiration, manchmal auch ganz konkrete Tools für das praktische Schreiben. Und das Lesen und Rezensieren der Bücher anderer Autoren lässt mich genauer darüber nachdenken, warum mir ein Buch gefällt oder auch nicht, sodass ich mich beim Schreiben dann bereits ertappt habe, auf solche „Erkenntnisse“ zu achten. Die Rezensionen anderer Buchblogger bringen mich zu neuen Büchern, die ich auch unbedingt noch lesen möchte. Alles in allem eine Win-Win-Situation!

Wann ist eine Rezension gut?

Aber ob ich dadurch anders rezensiere als andere, nur, weil ich nebenher auch selbst schreibe, weiß ich nicht. Natürlich kann ich mich einfühlen in die Autorinnen und Autoren, die vielleicht Monate oder Jahre mit ihrem „Baby“, ihrem Herzensprojekt verbracht haben und sich dann jede Kritik zu Herzen nehmen. Auch ich muss früher oder später mit Kritik von Lesern rechnen, wenn ich mein Buch veröffentlichen möchte und das macht mir auch Angst. Deshalb versuche ich meine Meinung immer gut zu begründen und zu beschreiben, warum mich etwas stört. Einfach drauflos zu schimpfen, finde ich nicht nur unfair, sondern auch unprofessionell. Und letztlich ist und bleibt jede Rezension eine subjektive Meinung.

Natürlich ist Rezensieren auch eine Zeitfrage. Während ich hier blogge, hätte ich an meinem Buch weiterarbeiten können. Aber manchmal ist Ablenkung nicht schlecht und Vernetzung schon gar nicht! Ein Blick über die eigene Tastatur quasi.

Ich fürchte mich auch nicht davor, andere Autoren zu empfehlen. Denn selbst wenn ich plötzlich fünf Romane pro Jahr publizieren würde, ich könnte den Buchmarkt nie alleine bedienen und auch nie alle Geschmäcker treffen. Denn glücklicherweise sind die verschieden. 😉

Buchblogger als Bedrohung für Literaturkritiker „alter Schule“

Manche Leute bezweifeln ja generell, dass Buchblogger hochwertige Rezensionen abgeben können. Dass die Literatur, die auf Blogs besprochen wird, tatsächlich („richtige“, hochwertige) Literatur ist. Immer mal wieder höre oder lese ich neidvolle Kommentare von klassischen Literaturrezensenten, die sich in ihrer „Macht“, Bücher fachgemäß richtig zu sezieren, angegriffen fühlen. Und ja, unser Urteil beeinflusst bestenfalls andere, animiert sie zum Lesen oder Nichtlesen.

Ganz wunderbar finde ich den schon ein Jahr alten Post „Die Buchkritik ist tot. Lang lebe die Buchkritik!“ von Maria AlMana, aus dem jahrzehntelange Erfahrung spricht. Sie hebt darin unter anderem hervor, dass man früher vom Schreiben über Bücher leben konnte und heute kaum noch – weil wir diese Inhalte quasi gratis in unserer Freizeit produzieren. Ihr Fazit ist dennoch, dass damit die Welt der Buchkritik demokratischer geworden ist, weil nun statt einzelne Literatur-Päpste das „bücherlesende und -liebende Volk“ die Macht an sich reißen würde. So sehe ich es auch: Rezensieren kann prinzipiell erst einmal jeder – ob Autor oder Leser, Hauptsache, er oder sie begründet seine bzw. ihre Maßstäbe und Meinung nachvollziehbar.

Polarlichter in Island - Image by darrenquigley32 from Pixabay

Island-Romantik mit Elfen: Jugend-Romantasy „Faye“ von Katharina Herzog

Nachdem die Büchermotte und ich uns zuletzt über Katharina Herzogs „Die Nebel von Skye“ hergemacht hatten, mussten wir auch das Vorgängerbuch „Faye – Herz aus Licht und Lava“ noch mitnehmen. Darin geht die mentale Reise nach Island – ein Land, in dem ich immer noch nicht war, in das ich aber unbedingt einmal reisen möchte. Offensichtlich dürfen bei einer Romantasy in diesem Setting die Elfen und ein düsterer, aber anziehender Typ nicht fehlen.

Loewe Verlag »
24.07.2019
Preis: € 18,95
Seitenzahl: 400
ISBN: 978-3-743-20191-0

Erhältlich als: E-BookHardcover

(Bildquelle: Katharina Herzog)


Worum geht’s?

Die 17-jährige Faye aus München kann gut mit Pflanzen und will mal Biologie studieren. Wir steigen in die Story ein, als sie als Teil einer grünen Protestgruppe und um einem zwielichtigen Typen zu imponieren Hanfpflanzen vor die Polizeiwache pflanzt. Sie lebt allein mit ihrer Mutter und hat ihren Vater nie kennengelernt. Weil sie durch ihre Protestgruppe mit der Polizei angeeckt ist, zwingt ihre Mutter sie, in den Herbstferien mit ihr nach Island zu fahren. Dort soll die Mutter als Architektin den Baubeginn eines Hotels begleiten. Allerdings soll für das Hotel ein uralter Holunderbusch gefällt werden, der das Tor zur Elfenwelt darstellt. Schnell schlägt sich Faye auf die Seite der Gegner des Baus und lernt nach und nach die nordische Mythologie kennen und allerhand magische Gestalten. Und natürlich ist nicht sicher, ob der gutaussehende, aber düstere und irgendwie auch deprimierte Aron auf ihrer Seite steht oder nicht.

Ganz schön viel Mythologie, durchschaubare Handlung

Katharina Herzog beschreibt Island und seine sehenswerte Landschaft wirklich schön und auch sehr humorvoll. Einige Sprachbilder haben uns beide zum Lachen gebracht durch ihren Witz und ihre Ungewöhnlichkeit.

Es gibt in „Faye“ ein paar sehr erfrischende, untypische Charaktere, wie beispielsweise die Gastgeberin der kleinen Pension, in der Faye und ihre Mutter wohnen, und der Postbote Hakon. Auch in die Hauptperson Faye konnte ich mich prima hineindenken. Ich mochte es, dass sie so gut mit Pflanzen umgehen kann und genau weiß, was ihr liegt und was sie im Leben machen will. Allerdings hätte dieses Pflanzenwissen durchaus noch eine entscheidendere Rolle in der Geschichte einnehmen können, statt nur Fayes Charakter zu formen. Außerdem ist Faye manchmal etwas schwer von Begriff. Da hat man als (erwachsene) Leserin bereits verstanden, was Sache ist und worauf die Geschichte hinauslaufen wird, während Faye sich noch eine realitätsnahe Erklärung einredet.

Warum es in der Geschichte neben Elfen auch Riesen brauchte, verstehe ich nicht. Das ist zwar lustig, für die eigentliche Handlung aber redundant. Auch Thors Hammer, wo doch die nordischen Götter sonst keine Rolle spielen, musste nicht unbedingt sein. Auch manche „Superkräfte“, die Faye plötzlich besitzt, tragen gar nicht zum Gelingen der Handlung bei und hätten nicht sein müssen.

Negativ aufgefallen ist mir, dass mehrere Charaktere rauchen und dadurch ausgerechnet noch besonders chillig und cool rüberkommen sollen. Das gehört meiner Meinung nach nicht in ein Jugendbuch, auch wenn dem Rauchen sicher immer noch etwas Verwegenes anhaftet, könnte man als Autorin Verantwortung übernehmen.

Viele Orte, die im Roman vorkommen, gibt es wirklich - zum Beispiel das Flugzeugwrack am schwarzen Strand. (Image by Pexels from Pixabay)
Viele Orte, die im Roman vorkommen, gibt es wirklich – zum Beispiel das Flugzeugwrack am schwarzen Strand. (Image by Pexels from Pixabay)

Die sich anbahnende Liebesgeschichte zwischen Faye und Aron konnte mich nicht überzeugen. An sich kann ich mich durchaus in Aron einleben. Vielleicht liegt meine Skepsis daran, dass ich in letzter Zeit einfach zu viel über düstere, aggressive und von Selbsthass zerfressene Jungs gelesen habe, die leider nichts für ihre traurige Vergangenheit können. Und deren Leben sich dann durch die unsterbliche Liebe zur Hauptperson radikal ändert. Das ist ohne Frage romantisch. Aber es vermittelt auch den Eindruck, dass man seelische Probleme durch andere Menschen einfach abschütteln kann. In der Realität geht das langfristig nicht gut und man sollte auch umgekehrt nicht glauben, seinen Partner therapieren zu können.

Büchermottes Wertung

Meine 9-jährige Büchermotte, der ich mal wieder vorgelesen habe, vergibt 3 von 5 Sternen. Abzüge gibt es für Aron, der ihr wegen seiner Aggression und seiner Nikotinsucht unsympathisch war. Außerdem gab es auch hier wieder die klischeehafte Motorrad-Szene. Im Gegensatz zu mir, hat sie die Handlung übrigens nicht bereits vorhergesehen – von daher ist die Spannungskurve für jüngere Leser trotzdem gut. Das Buch ist unterhaltsam und flüssig geschrieben und wir hatten viel Spaß beim gemeinsamen Lesen. Und an der Sache mit den Klischees und der Vorhersehbarkeit hat Katharina Herzog in ihrem nächsten Roman „Die Nebel von Skye“ tatsächlich erfolgreich gearbeitet.

Bewertung: 3 von 5.

Test: Spracherkennung und Diktier-Apps als Schreibhilfe

Kennt ihr diese Leute mit Kopfhörern in den Ohren, die im Park scheinbar angeregte Selbstgespräche führen? Sieht komisch aus, finde ich. Normalerweise bin ich kein Freund davon, in ein Mikro oder Handy zu sprechen. Ich telefoniere auch nicht gerne und wenn mir jemand eine Sprachnachricht schickt, nervt mich das, weil der Augenblick selten passend ist, um sie anzuhören. Aber ein Beitrag von Tinkerhalo vom Blog Writenia hat mich trotzdem auf die Idee gebracht, mit Spracherkennungssoftware und Diktierfunktionen zu experimentieren. Hier kommt ein kleiner Testbericht.

Ein Stapel bunter Notizbücher auf einem Holztisch.
Ich schreibe am liebsten zuerst mit Bleistift in hübsche Notizbücher, die ich unterwegs immer dabei haben kann. Das Abtippen ist dann schon der erste Überarbeitungsschritt.

Bisher habe ich meinen Roman handschriftlich mit Bleistift in Notizbücher geschrieben. Sieht hübsch aus, aber mir fehlen nun immer noch drei Hefte, die ich abtippen und anschließend überarbeiten muss. Auf Dauer führt es zu Nackenkrämpfen, wenn man stundenlang zwischen Notizbuch und Notebook hin- und herschaut. Das war für mich der ausschlaggebende Grund, zu testen, ob mir eine Diktierfunktion und Spracherkennung die Arbeit erleichtern könnte.

Zwei Spracherkennungsprogramme im Test: Windows Spracherkennung und Google Speech Notes

Inzwischen stehen eine Reihe verschiedener Spracherkennungsprogramme zur Verfügung. Auf Windows-Computern gibt es beispielsweise eine eigene Spracherkennungs-App (einfach „Spracherkennung“ in die Suchleiste eingeben!). Die kann man in allen Programmen nutzen, allerdings habe ich den Eindruck, dass hier immer nur Satzweise Inhalte erkannt und eingefügt werden können (korrigiert mich, wenn es einfach an meinem Unvermögen lag!). Außerdem spuckte das Programm durchaus sehr kuriose Texte aus. Der „unglaubliche Anblick“ wurde zum „unglaublichen Ankläger“ und aus dem Satz „Ihre Anziehsachen drehen sich im Wäschetrockner“ entstand das poetische „Ihre Einzelsachen Krähen sich im Wäschetrockner“. Das kann aber natürlich an meiner undeutlichen Aussprache liegen…

Deutlich besser funktionierte bei mir die Chrome-Browser-Erweiterung Speech Notes von Google. Mit einem Headset habe ich einfach meine Notizen vorgelesen, Satzzeichen angesagt und es kam ein halbwegs erkennbarer Text heraus, den ich dann im Anschluss noch einmal Korrektur gelesen und verbessert habe. Das sorgt zwar für Abwechslung in der Arbeitsroutine, ich habe allerdings festgestellt, dass diese Arbeitsweise genauso lange dauert wie konzentriertes Abtippen. Möglicherweise beugt es aber Nackenschmerzen vor!

Die Spracherkennung funktioniert schon überraschend gut, es gibt aber noch eine Menge Verbesserungspotential. Häufig als Testsieger in Sachen korrekter Spracherkennung wird das Programm Dragon genannt. Weil die Home-Version aber 150 Euro kostet und ich ja nur teste, habe ich es nicht probiert.

Wer kann noch andere Apps empfehlen?

„Die Nebel von Skye“ – Romantische Schauergeschichte von Katharina Herzog

Eine unterhaltsame Gruselgeschichte mit viel Nebel, Geistern und einer ersten Liebe erzählt das Jugendbuch „Die Nebel von Skye“ von Katharina Herzog. Ich habe das Buch in der letzten Woche gemeinsam mit einer 9-jährigen Büchermotte gelesen. Nun bin ich zwar nicht mehr jugendlich und sie noch nicht, aber uns beiden hat das Lesen viel Spaß gemacht – ein Dankeschön geht hier an Verena vom Blog Lieblingsleseplatz, die das Buch neulich empfohlen hat.

Worum geht’s?

Die Hauptperson Enya kommt zwar aus Deutschland, wirkt mit ihrem keltischen Namen und ihren roten Haaren „schottischer als jeder Schotte“. Ihre chaotische Familie hat Geldsorgen und vor allem deswegen müssen alle der Einladung der reichen Großtante Mathilda folgen, die Silvester gemeinsam auf einem schottischen Schloss feiern möchte. In den wildromantischen Nebelschwaden spukt nicht nur ein Geist. Enya verliebt sich auch noch.

Buchcover "Die Nebel von Skye" von Katharina Herzog (Quelle: https://katharina-herzog.com/jugendbuch/die-nebel-von-skye/)

Loewe Verlag »
08.10.2020
Preis: € 14,95
Seitenzahl: 400
ISBN: 978-3-7432-0620-5
Erhältlich als: E-BookPaperback

(Bildquelle: Katharina Herzog)

Traumhafte Landschaft, überraschende Charaktere

Mir gefällt an dem Roman, dass man viel über die schottische Landschaft und ihre Sehenswürdigkeiten erfährt, die man auch real besuchen kann. Gleichzeitig bewegt sich diese „Romantasy“ nicht wie so häufig in einem Milieu von reichen Schülern oder Studentinnen, sondern es gibt trotz des mondänen Settings Geldsorgen und soziale Unterschiede. Beispielsweise gehören Jona und seine Großmutter zu den „Irish Travellers“, deren Wohnwagensiedlung aufgelöst werden soll. Die Thematik wird nur gestreift, aber es ist ein ungewöhnlicher Aspekt, der der Geschichte eine individuelle Note gibt.

Um die Landschaft der Isle of Skye ranken sich viele Legenden - Image by David Mark from Pixabay
Um die Landschaft der Isle of Skye ranken sich viele Legenden – Image by David Mark from Pixabay

Die verschiedenen Charaktere sind jeder auf ihre eigene Art und Weise sympathisch, auch wenn sie zunächst schrill oder schroff wirken. Viele verbergen kleine Geheimnisse, überraschende Details kommen später ans Licht. Die 16-jährige Hauptperson Enya verfolgt den großen Traum, Regisseurin zu werden und das Spukschloss-Setting und die Legende um die herumgeisternde Burgherrin Finola McLeod kommt ihr sehr gelegen. Aber auch um Großtante Mathilda ranken sich Geheimnisse und Jonas Oma, eine Wahrsagerin, sieht Gefahr in ihrer Kristallkugel. Auf diese Weise dreht sich die Geschichte zuallererst um die Rätsel, die Enya zu lösen versucht. Nebenbei verliebt sie sich in Jona, der aber auch etwas zu verbergen hat. Jona trägt zwar keine Designerklamotten, sondern fährt ein klappriges Auto, aber er sieht gut aus, hat ein Herz für Tiere und ist ziemlich nett.

Büchermottes Wertung

Meine 9-jährige Büchermotte, der ich das Buch vorgelesen habe, vergibt 4 von 5 Sternen. Den Stern Abzug gibt es von ihr nur, für eine klischeehafte Motorradszene, dafür dass Jona Enyas Hund als „Köter“ beschimpft hat und weil der hübsche Jona einfach zu hübsch ist. Sie wünscht sich mal ein Buch mit einem unspektakulären Jungen in der Hauptrolle 😉

Bewertung: 4 von 5.

Alles in allem: Eine klare Leseempfehlung, wenn man eine gemütliche Wohlfühl-Lektüre für regenverhangene Nebeltage sucht!

Welche Möglichkeiten gibt es, unter Pseudonym zu schreiben?

Dass Autoren und Autorinnen ihre Werke unter Pseudonym, sprich unter einem Künstlernamen, veröffentlichen, ist nicht neu. In Zeiten der Impressumspflicht gibt es aber einige Hindernisse. Hier meine Überlegungen und Erfahrungen dazu.

Frau geht im Nebel eine Straße entlang - Symbolbild - Image by Free-Photos from Pixabay
Viele Autoren wollen unerkannt bleiben (Image by Free-Photos from Pixabay)

In der Geschichte finden sich eine Menge berühmte Schriftsteller, die zeitlebens unter Pseudonym geschrieben haben, zum Beispiel Novalis, der eigentlich Friedrich Freiherr von Hardenberg hieß, oder Samuel Langhorne Clemens, der seine Werke unter dem Namen Mark Twain veröffentlichte. Voltaire, der in Wirklichkeit auch ganz anders hieß, soll über hundert verschiedene Pseudonyme benutzt haben.

1000 gute Gründe für ein Pseudonym

Manchmal dienen Pseudonyme einfach der Abkürzung und Vereinfachung eines komplizierten oder langen Namens. Oder verleihen einem Allerweltsnamen ein individuelles Flair. Hinter manchen Pseudonymen verbergen sich gleich mehrere Autoren, wie es bei Iny Lorentz und Rose Snow der Fall ist.

Mit dem Klang, mit dem Geschlecht und der Herkunft eines Namens folgen aber auch eine ganze Reihe Schubladen und Vorurteile. Besonders Frauen veröffentlichten ihre Werke gern unter männlichem Pseudonym, wahrscheinlich einfach um ernst genommen zu werden: Mir fallen zum Beispiel Emilie von Binzer (alias Ernst Ritter), Victoria Benedictsson (alias Ernst Ahlgren), Aurore Dupin (alias George Sand) und Karen Blixen ein, die unter einer ganzen Reihe von Pseudonymen schrieb: Tania Blixen, Isak Dinesen, Osceola, Peter Lawless, Pierre Andrézel, Nozdref’s Cook. Die britische Schriftstellerin Mary Shelley veröffentlichte ihren weltberühmten Roman „Frankenstein“ zunächst sogar anonym. Umgekehrt gibt es aber auch Männer, die in von Frauen dominierten Genres lieber unter weiblichem Pseudonym veröffentlichen – ebenfalls, um nicht vorverurteilt zu werden. Hans Magnus Enzensberger beispielsweise veröffentlichte erotische Erzählungen unter dem Pseudonym Elisabeth Ambras.

Portrait der Schriftstellerin George Sand, 19. Jahrhundert (Quelle: Rijksmuseum, Europeana, CC0)
Portrait der Schriftstellerin George Sand, 19. Jahrhundert (Quelle: Rijksmuseum, Europeana, CC0)

Manchmal passt ein Buch inhaltlich auch einfach nicht zu dem Image, das man ansonsten pflegt, oder in das literarische Genre, in dem man sich bereits einen Namen gemacht hat. Mein bürgerliches Ich beispielsweise veröffentlicht normalerweise eher Fachtexte oder schreibt für Auftraggeber und über ganz andere Themen. Möchte ich nun aber einen Fantasy-Roman veröffentlichen, könnte das die „seriösen“ Veröffentlichungen negativ beeinträchtigen oder meine sonstigen Leser verwirren. Deswegen blogge ich hier lieber unter Pseudonym, um beides besser voneinander trennen zu können.

Impressum frisst Pseudonym

Gleich als ich meinen Blog einrichtete, musste ich feststellen, dass ein Pseudonym schnell mit der Impressumspflicht kollidiert. Denn ein Impressum muss eine Adresse enthalten, über die man tatsächlich Post empfangen kann. Auch selbst veröffentlichte E-Books und Bücher brauchen einen Herausgeber mit Postanschrift.

Um dabei nicht doch seine Identität offenlegen zu müssen und damit das Pseudonym obsolet werden zu lassen, gibt es verschiedene Möglichkeiten:

  • die Adresse eines Freundes/Bekannten verwenden oder die von (eigenen) Firmen – hier muss man aber beachten, dass die Person, die im Impressum steht, rechtlich für den Inhalt der Website oder des Buchs haftet
  • hat man einen Verlag, dann erscheinen immerhin die Bücher unter der Verlagsanschrift – für eigene Blogs, Websites und Social Media-Profile braucht man aber trotzdem noch ein eigenes Impressum
  • es gibt Firmen, die gegen Gebühr einen Impressumsservice anbieten
  • und auch Schreibprogramme wie Patchwork und Papyrus bieten einen solchen Impressumsservice an (über meine ersten Erfahrungen mit Patchwork habe ich hier geschrieben)

Nicht immer nur ein Vorteil

Gerade, wenn man sein Buch durch Lesungen vermarkten oder anderweitig an die Öffentlichkeit treten möchte, kann das Pseudonym schnell auffliegen. Auch die Pflege von Social Media-Kanälen gestaltet sich schwieriger ohne Fotos und Videos des Autors.

Schreibt man unter einem Namen des anderen Geschlechts, kann das auch beim Publikum für Verwirrung sorgen. Hier empfiehlt es sich gegebenenfalls auf einen geschlechtsneutralen Namen auszuweichen.

Tipp: Eine umfangreiche Sammlung von Schriftsteller-Pseudonymen gibt es bei Buecher Wiki