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Wann ist ein Roman ein Jugendbuch?

Im letzten Jahr habe ich einige Romane gelesen, die als Jugendbuch eingestuft bzw. mit der Angabe „ab 12“, „ab 14“ oder „ab 16 Jahren“ versehen waren – darunter diesen ab 12, diesen ab 14 und diesen ab 16. Viele dieser Bücher davon fand ich sehr spannend, manche vom Thema, Stil und dem Handlungsaufbau durchaus anspruchsvoll, bei anderen war die Story vorhersehbarer und der Stil einfacher gestrickt. Aber immer wieder drängte sich mir die Frage auf: Was macht einen Roman eigentlich zum Jugendbuch und wann sagt man, es sei ein Buch für Erwachsene? Kann man das überhaupt so genau unterscheiden? Und ist ein Roman durch das Attribut „Jugendbuch“ künstlerisch weniger wertvoll?

Bist du „raus aus dem Alter“?

Mir ist klar, dass reine Kinderbücher für Erwachsene oft zu in zu einfacher Sprache geschrieben sind und vielleicht auch Themen behandeln, die Erwachsene nicht mehr interessieren. Aber bei Jugendbüchern ist die Grenze nicht so deutlich zu ziehen. Ist ein Roman, der sich mit den Sorgen und Problemen von Teenagern und jungen Erwachsenen beschäftigt, in dem es zum Beispiel um Freundschaften, Selbstfindung und erste Liebe geht, für Ältere automatisch nicht mehr interessant? Mögen Erwachsene Bücher mit jungen Protagonisten automatisch nicht mehr lesen? Oder liegt es am Setting, das sich mit Schule und Elternhaus an der jugendlichen Realität orientiert? Vielleicht habe ich mich ja seitdem mental nicht weiterentwickelt, denn mich haben junge Romanfiguren noch nie gestört, wogegen mich sehr viel ältere Hauptpersonen viel eher irritiert haben.

Bist du „ab 12“, „ab 14“ oder eher „ab 16“?

Auf Wikipedia steht, dass die Altersangabe bei Literatur in Deutschland (im Gegensatz zu anderen Ländern) freiwillig ist. Aber sicherlich spielen bei den Angaben Aspekte des Jugendschutzes (z.B. in Bezug auf Gewalt und Sex) eine Rolle. Lustigerweise kann man durch die Altersangabe zum Beispiel erraten, ob das Liebespaar im Roman sich maximal küsst oder ob und in welcher Ausführlichkeit mehr passiert. Dass die „Heartless“-Trilogie von Sara Wolf ab 16 eingestuft ist, liegt vermutlich daran, dass hier anschaulich gestorben wird. Diese Alterskennzeichnung schließt aber eine ältere Zielgruppe nicht aus, sondern lediglich eine jüngere mit ein. Im erwähnten Wikipedia-Artikel steht übrigens auch: „Daher wird angenommen, dass diese Literatur verstärkt von Erwachsenen gelesen werde (z. B. Harry Potter oder Fantasy-Romane) und sich nur scheinbar an Jugendliche richte.“

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Kann das denn gut sein?

Manchmal haftet Kinder- und Jugendliteratur offenbar der Makel an, keine „richtige“ Literatur zu sein. Zum Beispiel forderte Manuela Schleswig 2015, zu diesem Zeitpunkt noch Bundesfamilienministerin, mehr Anerkennung für Jugendliteratur in diesem Land. Auch in dem Fachbuch „Aspekte der Kinder- und Jugendliteratur“ klagen die Autorinnen Bettina Bannasch und Eva Matthes offenbar über zu wenig Wertschätzung für dieses Buchgenre: „Der Trivialitätsverdacht behauptet sich hartnäckig … Vielleicht am verhängnisvollsten in dem Bemühen um Anerkennung von Kinder- und Jugendliteratur in der ‚seriösen‘ Literaturwissenschaft erweist sich ihre Beziehung zur Pädagogik. Ästhetik und Erziehung scheinen einander unversöhnlich gegenüberzustehen.“ (Hinweis: Ich habe das Buch nicht selbst gelesen, nur diese ausführliche Rezension!).

Persönlich glaube ich nicht, dass Kinder- und Jugendbücher die einzigen sind, die um literarische Anerkennung kämpfen müssen. Denn auch Unterhaltungsliteratur aller Art geht es schließlich im Vergleich zur sogenannten „Hochliteratur“ genauso. Ich finde die Begrifflichkeit fragwürdig – sollte nicht alle Literatur den Leser unterhalten? Und da halte ich es mit der „Schreibtrainerin“ Dr. Anette Huesmann, die dazu schreibt: Alle Bücher haben ihre Daseinsberechtigung. Die oft ideologisch geführte Diskussion um den Wert von Büchern scheint mir vollkommen am eigentlichen Sinn von Büchern vorbeizugehen.“ Aber das ist ein ganz anderes Thema.

Hast du noch Fantasie?

Merkwürdig finde ich, dass manche Artikel (wie der oben zitierte Wikipedia-Text) Fantasy-Literatur in einem Atemzug mit Jugendliteratur nennen. Als ob erwachsene Hirne keine erfundenen Welten mehr verarbeiten könnten und sich Fantasy-Literatur deshalb ganz automatisch an Kinder und Jugendliche richtet. Dabei geht es in den meisten Büchern um ganz universelle Dinge: Freundschaft, Liebe, Vertrauen und Betrug, Krieg und Frieden, Bedrohungen und Krisen – Sachen, die uns alle angehen und beschäftigen, egal in welchem Alter und Setting. Das hat nichts mit Wirklichkeitsflucht zu tun. Aber natürlich gibt es Fantasy für Kinder, für Jugendliche, für Erwachsene. Die Grenzen sind fließend.

Vielleicht spielt die Bezeichnung gar keine Rolle. Die meisten Bücher sind auch für Erwachsene geeignet, aber nicht alle auch für Jugendliche. Was sagst du? Und hast du auch schon mal aus Versehen ein Jugendbuch gelesen?

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Fantastische Häuser – 3 Fragen an Elisabeth Dommer

Mit diesem Post möchte ich eine neue Blog-Reihe „3 Fragen an“ starten, um Autorinnen und Autoren damit ein Podium bieten, über ihre Arbeit und ihre Bücher zu erzählen.

In der ersten Folge spricht die Schriftstellerin Elisabeth Dommer über fantastische Häuser, die als Motiv immer wieder in ihren Geschichten auftauchen. Ein herzliches Dankeschön an Elisabeth, dass sie sich die Zeit genommen hat!

Frage 1: Eines meiner Lieblingsbücher von dir ist „Sonnenwindhaus“. Das Haus mit dem klangvollen Namen ist fantastisch und geheimnisvoll – und ermöglicht es der Hauptperson, Augenblicke aus einer anderen Zeit zu erleben. Was hat dich dazu inspiriert?

Wie es mir oft geschieht: Ich sehe etwas, was mich anspricht – eine glasklare Spieglung im Wasser,  eine sonderbare Lichtstimmung. Oder eben ein Haus wie jenes eine in Buckow in der Märkischen Schweiz. Vor vielen Jahren war ich dort im Urlaub, und da sah ich es an einer ruhigen Straße am See. Es hatte ein großes Jugendstilfenster, und ich begann damit bereits zu phantasieren. Das Motiv gab allerdings noch nicht viel her; das im Buch beschriebene Glasbild fand ich erst viel später im Internet. Das hatte diese „Toröffnung“ in sich, und da ging es bei mir richtig los. (Mehr dazu unten)

Frage 2: Auch in deiner Geschichte „Der Mond, der Schnee, der Name“, die in dem Geschichten-Band „Der unheimliche Zauber der Sterne“ erschienen ist, gibt es so ein Haus, in dem verschiedene Zeiten wie Schichten übereinander zu liegen scheinen. Gibt es ein reales Vorbild für dieses Haus?

Ja und nein. Dieses Haus sah ich auf einem Wintergemälde, allerdings umgeben von vergnügten Leuten. In meiner Geschichte befindet es sich hingegen in merkwürdigen Zwischenphasen von belebt und unbelebt. Da wirkt eine andere Idee mit. Ich saß in einem Kirchenkonzert und dachte plötzlich: Wenn man das Konzert nun von draußen hört, auch die erleuchteten Fenster sieht, doch sobald man die Tür öffnet, um teilzuhaben, ist drinnen alles leer und finster? Wie wäre das? Und was wäre da? Tja, so funktioniert das bei mir.

Frage 3: Was fasziniert dich mehr an diesem Motiv – das Haus als die Kulisse für so viele verschiedene menschliche Schicksale oder die vergehende Zeit, die dieses relativ konstante und langlebige Gebäude uns vor Augen führt?

Das ist deine schwierigste Frage. Im Grunde trifft beides zu, aber die Hauptfaszination scheint mir woanders zu liegen. In „Der Mond, der Schnee, der Name“ ist das Haus der Treffpunkt zweier Menschen, die verschiedenen Seins-Ebenen entstammen – und das ist es, was mich interessiert. Und das „Sonnenwindhaus“ mit seinem Zeitphänomen bietet der jungen Frau Annelie die Möglichkeit, den vor Jahren verschwundenen Tristan Röver, einen Mann mittleren Alters, den sie als Kind liebte wie einen Vater, nun als jungen Mann kennenzulernen – und ihn recht anders zu finden, bis hin zur Frage: Ist das tatsächlich er? Wobei natürlich ein Stück Zeitgeschichte mitspielt. Eben das wollte ich gestalten. Eine zentrale Frage der Literatur ist doch immer: Was wäre, wenn …? Ja, was wäre, wenn wir zum Beispiel den geliebten alten Vater, Großvater, Freund, Ehemann wirklich als Junge oder jungen Mann erleben könnten, statt nur Fotos zu sehen und etwas erzählt zu bekommen? Also, ich fände das höchst aufregend! Und wem das zu phantastisch ist – viele Geschichten erzählen nun mal, was im „wahren“ Leben nicht stattfinden kann, und das macht einen Teil ihres Reizes aus. Wenn man sich auf die Gedanken und Emotionen einlässt, kann dies das eigene Leben genauso bereichern und erweitern wie das sogenannte normale Leben. Mir geht es jedenfalls so. Und darum schreibe ich weiter und weiter …


Ich danke dir für diese philosophischen Gedanken, die mir aus der Seele sprechen. Wenn ich es mir recht überlege, bildet die Frage „Was wäre wenn?“ auch den Ausgangspunkt für mein aktuelles Schreibprojekt.

Hier die beiden angesprochenen Bücher im Überblick:

Elisabeth Dommer
Sonnenwindhaus

Shaker Media, Aachen 2016
Titelillustration: Elisabeth Dommer
235 Seiten,
Preis: 14,90 €,
ISBN: 978-3-95631-447-6

Erhältlich: über Buchhandel und direkt über www.shaker-media.de

Elisabeth Dommer
Der unheimliche Zauber der Sterne
Erzählungen

Shaker Media Aachen 2018
ISBN: 978-3-95631-705-7
241 Seiten, Broschur,
Preis 14,90 €

Erhältlich: über Buchhandel und direkt über www.shaker-media.de

Hier geht es zur Website von Elisabeth Dommer

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Abenteuer und Emotionen (fast) ohne Ende: die Falaysia-Reihe von Ina Linger

Ich weiß nicht, was mich geritten hat, mir ausgerechnet Band 1 einer 7-teiligen Fantasy-Reihe auszusuchen, als mir angeboten wurde, mir eines der E-Books der Autorin Ina Linger zum rezensieren auszusuchen. Wahrscheinlich liegt es daran, dass ich die Grundidee vom perfiden Spiel der Magier mit einer geheimnisvollen Parallelwelt spannend fand. Nachdem ich mich erst einmal hineingefunden hatte in das Falaysia-Universium, hing ich dann doch wie ein Fisch an der Angel und musste einfach auch den Rest lesen. Ich hab mir also das Komplettpaket gekauft und wage daher zu behaupten, hier weitgehend unabhängig meine Meinung äußern zu können. Ein kurzer Überblick:


Worum geht’s?

Die Hauptpersonen dieser Fantasy-Reihe plagt ein ähnlich traumatisches Schicksal: Wie Schachfiguren sind sie von Magiern in eine fremde, mittelalterliche Welt versetzt worden, ohne zunächst zu wissen, welche Rolle sie dort spielen sollen und wie sie der Situation entkommen können. Ina Linger hat mit Falaysia eine bildgewaltige, wenn auch nicht sonderlich originelle Fantasy-Welt mit eigenen Sprachen und teilweise auch neuen Fabelwesen erschaffen, die aber die Handlung nie entscheidend dominieren. Im Zentrum der Geschichte stehen stattdessen Machtinteressen, Magie und Liebe.

Seit die Ende 20-jährige Psychologin Jenna von einem Magier völlig unvorbereitet in diese Welt geworfen wurde, findet sie kaum eine ruhige Minute, sondern erlebt ein Abenteuer nach dem anderen. Nach und nach erfährt sie mehr über die Welt, in der sie sich nun befindet – nicht zuletzt durch Leon, den sie dort kennenlernt und mit dem sie sich allmählich anfreundet. Und noch jemandem begegnet sie immer wieder: Dem Kriegerfürsten Marek, den sie nicht nur äußerst bedrohlich, sondern auch noch sehr anziehend findet – und der Leons Erzfeind ist. Als ein ganz besonderer Stein ausgerechnet auf sie reagiert, befindet sich Jenna endgültig im Mittelpunkt der Intrigen der Mächtigen in dieser vom Krieg gebeutelten Welt.

Liebe auf den zweiten Blick

Der Einstieg ist mir aus mehreren Gründen nicht ganz leicht gefallen. Einerseits musste ich mich an die Erzählweise gewöhnen und zunächst mit dem relativ distanzierten Erzähler vier Kapitel in Folge vier mir noch unbekannten Figuren über die Schulter blicken. Danach wechselte die Perspektive glücklicherweise nur noch zwischen Hauptperson Jenna und ihrem Freund Leon hin und her. Am Anfang und Ende jedes Bands erfährt der Leser, was Jennas Bruder Benjamin und ihre Tante Melina über Jennas Verbleib herausfinden. Davor schildert ein Prolog noch Erlebnisse einer weiteren Person. Dieses Prinzip hat Ina Linger in allen Bänden bewundernswert konsequent beibehalten und nach dem ersten Teil hatte ich mich daran gewöhnt. Andererseits fiel es mir zunächst schwer, mich zu orientieren. Befand ich mich nun im Mittelalter? Oder im Jetzt? Erst in Kapitel 4 erfuhr ich dann, dass sich Jennas ursprüngliche Heimat mitsamt Internet und Telefon im heutigen England befindet. Denn der zuvor geschilderte Hinterhof, in dem ihre Tante Melina lebt, hätte um 1900 in Berlin genauso aussehen können. Teilweise kam es mir sehr merkwürdig vor, wenn die Figuren häufig nicht bei ihrem Namen, sondern zum Beispiel mit „die junge Frau“, „der Krieger“ und „die Verfolgte“ umschrieben wurden. Damit habe ich lange gefremdelt, hatte aber auch das Gefühl, dass die Autorin im Laufe der Reihe sprachlich immer flüssiger geschrieben hat – oder mir ist es dann nicht mehr so aufgefallen.

Buch-Titel „Falaysia Band II: Trachonien“ – Ina Linger hat ihre Cover übrigens selbst gestaltet.

Die Hauptperson Jenna schließt man recht schnell ins Herz, denn sie ist durch und durch gut, beinahe naiv gutgläubig, wie ein Lamm unter Wölfen. Trotzdem fand ich ihre Figur nicht unglaubwürdig, denn mit ihrem psychologischen Einfühlungsvermögen und ihrer Willensstärke gelang es ihr trotzdem immer wieder, sich durch schwierige Situationen zu manövrieren. Und natürlich hat auch sie schwache Phasen – wenn ihr für meinen Geschmack auch manchmal zu oft die Tränen gekommen sind und es schwer war, ihr bei der wochenlangen Verarbeitung eines Traumas zusehen zu müssen.

Leon, aus dessen Perspektive genauso oft erzählt wurde, blieb für mich ein minder klar umrissener Charakter. Auch fand ich es oft etwas weniger spannend, Leons Erlebnissen zu folgen, als Jennas – was aber oft so ist bei Büchern, die zwischen zwei Perspektiven wechseln. Leon ist traumatisiert und pessimistisch, gewinnt durch Jenna aber Schritt für Schritt seine Hoffnung zurück. Obwohl er kein klischeehafter Krieger ist, scheint er doch ein geschickter Kämpfer und Stratege zu sein. Die innige Freundschaft zwischen ihm und Jenna hat mich oft verunsichert – soll es noch eine Romanze werden oder liegt es nur an mir, dass ich nie einen männlichen Kumpel hatte, den ich ohne Hintergedanken so umarmen und Wangenküsschen hätte geben konnte wie Jenna Leon? Andererseits finde ich genau diese vorbehaltlosen, ehrlichen, gefühlvollen Freundschaften toll, die in dieser Geschichte so oft auftauchen. Leon war mir nicht immer durchweg sympathisch, denn er hat besonders zu Beginn eine extrem rachsüchtige Seite. Aber gerade in der Weiterentwicklung und Veränderung der Charaktere liegt die Stärke Ina Lingers, wie ich finde.

Marek, die dritte Hauptperson, hat offenbar jahrzehntelang hart an seinem bösen Image gearbeitet und er kann auch durchaus sehr brutal, gehässig und zynisch sein. Gleichzeitig ist er hochintelligent – und ja, auch er hatte keine glückliche Kindheit. Natürlich schält Psychologin Jenna Schicht für Schicht den „wahren“ Kern der Persönlichkeit dieses Mannes heraus – was oft nur knapp am Klischee vorbeischrammt. Nicht nur in Bezug auf Marek muss man als Leser damit klar kommen, dass sich die Autorin besonders viel Zeit nimmt, um mit psychologischer Gründlichkeit in die Gefühlswelt ihrer Figuren einzutauchen. Glücklicherweise ist Ina Linger klug genug, auch Marek seine Ecken und Kanten bis zum Schluss zu lassen.

Kein Schwarz und Weiß

Es sind nicht nur die vielen Kämpfe und schweren körperlichen Herausforderungen, sondern gerade die Spannung zwischen diesen drei Hauptfiguren sowie die Konflikte zwischen vielen anderen toll ausgearbeiteten Charakteren, die diese Geschichte so fesselnd machen. Nicht alle Figuren finde ich bis zum Ende klar durchdacht und umrissen. Manche innige Freundschaften entstehen mir beinahe zu schnell. Aber bis zum Schluss fügen sich immer wieder neue Puzzleteile zusammen, bleiben viele Optionen offen und geschehen überraschende Wendungen – das bewundere ich sehr, wenn man die Länge der ganzen Geschichte bedenkt. Alles in allem bekommt man mit „Falaysia“ eine mitreißende Fantasy-Saga in der es kein Schwarz und Weiß gibt, sondern eine Geschichte von Liebe und Freundschaft mit auch mal widersprüchliche Figuren, die einem ans Herz wachsen. Man muss sich allerdings auf lange Leseabende einstellen – und je nachdem wie diszipliniert man ist, auf Schlafmangel.

Bewertung: 4 von 5.
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Die Antwort auf alle Fragen liegt in der Bonbondose: Die Zimt-Trilogie von Dagmar Bach

Die „Zimt“-Trilogie von Dagmar Bach habe ich gemeinsam mit der 9-jährigen Büchermotte laut gelesen und nachdem unsere Meinungen diesmal auseinander gingen, habe ich mich entschieden, diesmal alleine der Büchermotte die Bewertung der Geschichte zu überlassen – und sie vergibt volle 5 Sterne!

Zimt und weg

Die vertauschten Welten der Victoria King

Zimt, Band 1

  • Verlag: FISCHER Kinder- und Jugendtaschenbuch
  • Erscheinungstermin: 24.06.2020
  • Lieferstatus: Verfügbar
  • 336 Seiten
  • empfohlenes Alter: ab 12 Jahre
  • ISBN: 978-3-7335-0243-0
  • Autorin: Dagmar Bach

Zimt und zurück

Die vertauschten Welten der Victoria King

Zimt, Band 2

  • Verlag: FISCHER Kinder- und Jugendtaschenbuch
  • Erscheinungstermin: 24.06.2020
  • Lieferstatus: Verfügbar
  • 384 Seiten
  • empfohlenes Alter: ab 12 Jahre
  • ISBN: 978-3-7335-0244-7
  • Autorin: Dagmar Bach

Zimt und ewig

Die vertauschten Welten der Victoria King

Zimt, Band 3

  • Verlag: FISCHER Kinder- und Jugendbuch
  • Erscheinungstermin: 21.09.2017
  • Lieferstatus: Verfügbar
  • 400 Seiten
  • empfohlenes Alter: ab 12 Jahre
  • ISBN: 978-3-7373-4049-6
  • Autorin: Dagmar Bach

Worum geht’s?

Die Grundidee der „Zimt“-Trilogie ist ein tolles Gedankenspiel: Was wäre wenn ein Detail im Leben anders verlaufen wäre, würde sich dann gleich auch alles andere ändern? Wie wäre mein Leben verlaufen, wenn ich an diesem oder jenem Punkt nicht genau diese Entscheidung getroffen hätte? Wäre mein Alltag nun völlig anders, wenn damals nicht zufällig dies und das passiert wäre? Wenn Victoria King Zimtduft in die Nase steigt, passiert meist etwas Außergewöhnliches – sie tauscht den Platz mit ihrem Alter Ego aus einer Parallelwelt, die ihrer eigenen zwar ähnelt, aber nicht völlig gleich ist. Das wirft nicht nur Fragen auf, sondern bringt auch einiges durcheinander.

Liebenswürdig und witzig

Zwei der größten Pluspunkte der „Zimt“-Reihe sind der Sprachwitz und die Situationskomik, mit der Dagmar Bach uns mit in Victoria Kings Leben nimmt. Dabei wird man als Leser in Victorias Freundeskreis aufgenommen – so zumindest fühlt es sich an, wenn sie in der Ich-Form erzählt, fast wie in einem Brief an eine gute Freundin. Diesen Eindruck unterstreichen noch die Checklisten, Nachrichten und Briefchen, die manchmal in den Text eingestreut werden.

In Victorias Umfeld gibt es unglaublich viele Figuren mit liebenswürdigen, schrägen Eigenschaften: Allen voran ihre Mutter, die mit ihrer Dreistigkeit, ihrem England-Tick, ihrer Liebe zu vornehmen Hüten und Tee-Tassen mit witzigen Sprüchen immer wieder für Erheiterung sorgt, ohne dabei an Glaubhaftigkeit zu verlieren. Beim Lesen bekamen wir richtig Lust, uns auch solche Tassen anzuschaffen wie zum Beispiel die mit der Aufschrift „Hat die Blume einen Knick, war der Schmetterling zu dick“. Vickys Tante Polly ist ganz die verschrobene Wissenschaftlerin mit verrückten Einfällen – gegen die Originalität von Vickys Mum aber schon fast ein Klischee.

Vickys Freunde Pauline, Nicolas und Konstantin sind durchweg sympathisch und witzig, ohne nicht jeder eigene Stärken und Schwächen zu haben. Darüber hinaus präsentiert uns Dagmar Bach noch eine ganze Reihe unglaublich nerviger, aber dafür umso witzigerer Charaktere: darunter die chaotischen und vollends abgedrehten Großeltern, den „Bürgermeister“ und den verfressenen Dauer-Gast Röschen mit ihrem gelehrigen Beo.

Im Laufe der drei Bände lernt man die Bewohner der liebenswürdigen Kleinstadt, in der die Geschichte spielt, immer besser kennen. Manche vollziehen dabei auch erstaunliche Entwicklungen. Bis auf die außergewöhnliche Tatsache, dass Vicky in Parallelwelten springt, führt sie das Leben eines ganz normalen Teenagers. Die Probleme mit Freunden und der ersten Liebe beschreibt die Autorin sehr realitätsnah und nachvollziehbar.

Für erwachsene Leser fallen diese Schilderungen des stinknormalen Teenager-Alltags manchmal etwas langatmig aus. Auch der Handlungsverlauf war für mich größtenteils sehr vorhersehbar, was der Geschichte für mich viel Spannung genommen hat. Darüber hinaus gab es zu Beginn jedes neuen Bands sehr umständliche Wiederholungen des vorher Geschehenen – was vielleicht toll ist, wenn viel Zeit vergangen ist seit dem letzten Lesen, aber nicht, wenn man alles in einem Rutsch liest wie wir. Aber die Büchermotte fand das wiederum überhaupt nicht schlimm und wahrscheinlich hat es ihr gerade wegen der ausführlichen Einblicke in den Alltag einer 14-jährigen so gut gefallen.

Büchermottes Wertung

Die Büchermotte (9 Jahre) vergibt 5 Sterne. Bestimmt wird sie auch bald das Sequel „Zimt und verwünscht“ lesen, das die Trilogie fortsetzt.

Bewertung: 5 von 5.
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Ohne Herz, aber nicht herzlos – Die Fantasy-Trilogie „Heartless“

Sara Wolfs Geschichte über das Mädchen Zera, dessen Herz sich im Besitz einer Hexe befindet, und ihr Bemühen, wieder menschlich zu werden, hat mich neulich total in ihren Bann gezogen. Obwohl mich die Grundidee erstmal abgeschreckt hat: Zera soll ihr Herz wiederbekommen, wenn sie den Hexen das Herz eines gut aussehenden Prinzen bringt und wird zu einer Art Bräute-Casting an einen Königshof dieser Fantasy-Welt geschickt. Ehrlich, ich dachte, das kann nur kitschig werden: Hexe, Herz, Prinz – das klingt nach Klischee. Aber Sara Wolf hat mich positiv überrascht.

Ich musste (wie immer) unbedingt alle Bände lesen, was zu einer kleinen Odyssee eskalierte: Band 1 hatte ich mir als Hörbuch-Download gekauft, um nebenher Fotos sortieren zu können (ich hab den MP3-Player dann quasi permanent auf – übler Cliffhanger…). Band 2 gab es leider (noch?) nicht als Hörbuch, also hab ich mir das E-Book gekauft und in den nächsten Tagen verschlungen, nur um dann festzustellen, dass es Band 3 noch nicht auf Deutsch gab, weil er Anfang November 2020 erst auf Englisch erschienen ist. Also hab ich das Original als E-Book gelesen. Übrigens sind die englischen Titel sehr klangvoll und gefallen mir besser als die deutsche Übersetzung, die dem ganzen noch mehr diesen kitschigen Touch verleiht: Bring me their hearts, Find me their bones, Send me their souls. Hier ein Überblick über die Reihenfolge:

Sara Wolf

Heartless, Band 1: Der Kuss der Diebin
Ravensburger Verlag
ISBN: 978-3-473-47935-1

Heartless, Band 2: Das Herz der Verräterin
Ravensburger Verlag
ISBN: 978-3-473-40191-8

Bring Me Their Hearts, #3: Send Me Their Souls (auf Englisch)
Entangled: Teen
ISBN-10 : 1682815072

Empfohlen ab 16 Jahre
Bildquelle: Ravensburger Verlag


Worum geht’s?

Wir befinden uns in einer gut ausgearbeiteten Fantasy-Welt mit Hexen, die „Herzlose“ als Diener oder wahlweise auch als Bodyguards einsetzen. Hauptperson Zera wäre gestorben, wenn „ihre“ Hexe sie nicht zur Herzlosen gemacht hätte. Zu ihrem Unleben gehört einerseits, dass sie nicht sterben kann und dass ihre Wunden durch die Magie der Hexe wieder verheilen, andererseits aber auch, dass sie trotzdem Schmerzen fühlen kann und dass eine Stimme in ihrem Kopf („die Glut“) sie beinahe in den Wahnsinn treibt, wenn sie nicht einmal am Tag rohes Fleisch isst. In dieser Welt stehen sich Menschen und Hexen feindlich gegenüber. Außerdem gibt es noch drei andere Arten von nicht-menschlichen Wesen, die ich sehr originell finde (endlich mal keine Elfen, Drachen und Orks!), die ebenfalls eine wichtige Rolle in der Geschichte spielen. Dass Zeras Auftrag, dem Prinzen sein Herz im wortwörtlichen Sinne zu stehlen, zu emotionalen Konflikten führt, ist vorprogrammiert. Denn dass Zera eine „Herzlose“ ist, bedeutet nicht, dass sie kein Gewissen hat oder sich nicht verlieben kann. Diese Gefühle begleiten sie durch alle drei Bände, ohne dass sie Selbstzweck der Story sind. Im Zentrum der actionreichen Geschichte stehen Zeras persönlicher Kampf und ihre Entwicklung und wie sie nebenbei versucht, die Welt zu retten. Es geht, kurz gesagt, um Selbstermächtigung, Freundschaft und Gerechtigkeit.

Sprachlich elegant, divers, originell

Sara Wolf kleidet ihre Geschichte in elegante und ungewöhnliche Sprachbilder, die mir wunderbar gefallen haben. Absolut positiv überrascht haben mich aber die vielen starken Charaktere, die sie geschaffen hat. Bestimmt kennt ihr alle die Figur „geheimnisvoller, gutaussehender Typ mit dunklem Geheimnis“, in den sich die Hauptperson eines Romans garantiert verliebt. Hier ist es umgekehrt, denn diese Beschreibung trifft auf Zera zu. Auch wenn Prinz Lucien gut mithalten kann, Zeras Geheimnis ist noch dunkler. Gleichzeitig ist sie frech, witzig, selbstbewusst und unerschrocken. Als Leser folgt man ihren inneren Konflikten und ihre Entscheidungen sind immer logisch und nachvollziehbar. Neben Zera gibt es weitere starke, sogar queere Frauen, die entscheidend zur Geschichte beitragen. Es gibt Figuren, denen durch harte Arbeit ein gesellschaftlicher Aufstieg gelingt, obwohl ihresgleichen sonst systematisch diskriminiert werden. Niemand hier ist perfekt und niemandem gelingt alles auf Anhieb oder im Alleingang. Alle drei Bände waren durchweg spannend und schnitten auch große, allgemeine Fragen unserer Gesellschaft an. Von mir gibt es 5 Sterne! Einziger Makel – das Ende fand ich etwas unausgegoren, aber vielleicht sind mir auf der Fremdsprache auch ein paar Nuancen entgangen.

Bewertung: 5 von 5.

Feiert ihr mit? – Ein großer Schritt für mich

Ich bin gerade ganz euphorisch – vielleicht habt ihr Lust, mit mir zu feiern! Gerade habe ich die letzten handschriftlich geschriebenen Seiten meines Fantasy-Projekts eingetippt.

Die Idee lag schon ewig, in einer Datei und in meinem Kopf. Zum Inhalt nenne ich nur ein paar Stichworte: eine Zeitreise, die klassische Suche nach der eigenen Identität, mitsamt Liebe und Freundschaft. Im April 2017 hab ich angefangen, mit Bleistift in ein grünes Notizbüchlein, erste Zeilen zu schreiben. Am 25. Oktober 2020 fand ich endlich ein passendes Ende – rund 154.000 Wörter später und seit soeben alle auch digital. Das ist ein wahnsinnig schönes Gefühl!

Die Notizbücher sind mir seither überall hin gefolgt. Jedes einzelne durfte einiges mit mir erleben. Eins hat mit mir ein wunderschönes Winterwochenende in einer Holzhütte im Thüringer Wald verbracht, bei dem wir meterhoch eingeschneit sind. Mehrere lagen mit mir in Dänemark am Strand, vielleicht liegen noch Sandkörner zwischen den Seiten. Und eins durfte mich auf eine Recherchereise nach Mainz begleiten – verwinkelte Gassen, romantische Fachwerkhäuser, monumentale Domkirche.

Bäume im Schneesturm
Orte inspirieren! Ich erinnere mich recht deutlich, dass ich in dieser schönen Umgebung im Dezember 2017 an diesem Buchprojekt gearbeitet habe.

Die Protagonisten sind wie gute Freunde für mich geworden, die mich schon fast vier Jahre lang begleiten. Und trotzdem muss ich sie mir jetzt noch einmal mit anderen Augen anschauen.

Auf zur nächsten Runde!

Denn das Buch ist jetzt noch lange nicht fertig. Inzwischen habe ich eine beeindruckende Liste mit Dingen, die ich noch verfeinern, kürzen, umschreiben oder radikal ändern möchte. Jetzt, da die Story von Anfang bis Ende steht, muss ich noch einmal intensiv am Stil arbeiten. Und kann man sich wirklich erlauben in einem Buch zuerst im Präteritum und später im Präsens zu schreiben? Würde das beim Lesen nerven? Ich bin noch unschlüssig.

aufgeschlagenes Notizbuch
Ich schreibe gern zuerst handschriftlich, schon dabei habe ich mehrfach überarbeitet und am Text gefeilt. Und dann sieht es einfach hübsch aus und passt in den Rucksack.

Immer wieder finde ich auch durch eure Blogposts und beim Lesen anderer Bücher neue Inspiration. Deswegen habe ich es nicht bereut, vor einem Jahr diesen Blog gestartet zu haben. Ein großes Dankeschön für Ideen und Austausch! Und ein riesiges Danke schon einmal an die, die sich bereits als Testleser angeboten haben! Das ist der übernächste Schritt, mich einem „fremden“ Urteil zu stellen.

Ich freue mich schon, wenn ich heute Abend weitermachen kann. – Jetzt muss ich erstmal arbeiten, denn leider ist das Schreiben nicht meine hauptberufliche Beschäftigung.

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Unerkannte Parallelgesellschaft: „Der Hüter der fünf Leben“ von Nica Stevens

Liam ist anders als die anderen. Die 17-jährige Vivien will sein Geheimnis unbedingt lüften und gerät dabei selbst in Gefahr. Die Jugend-Romantasy-Geschichte „Der Hüter der fünf Leben“ der deutschen Fantasy-Autorin Nica Stevens haben die Büchermotte und ich als Hörbuch gehört. Die Geschichte fesselt, lässt aber noch Luft nach oben.

Nica Stevens
Hüter der fünf Leben
Sprecher: Reithmeier, Nina

Verlag: XPUB / XPUB GmbH
Gesamtlaufzeit: 600 Min.
Erscheinungstermin: April 2017
Sprache: Deutsch
ISBN-13: 9783945703595


Worum geht’s?

Die mentale Reise geht nach Kanada. Hauptperson Vivien lebt bei ihrem Großvater, der unbedingt möchte, dass sie einmal eine erfolgreiche Anwältin in seiner Kanzlei wird. Vivien weiß noch nicht genau, was sie will – ihr Herz zieht sie in die Berge, in den Nationalpark, in dem ihr Vater arbeitet und in dem sie mit ihm und seinen Freunden unbeschwerte Kindheitstage verbracht hat. Als sie in den Sommerferien dort ankommt, trifft sie auch Liam, ihren Freund aus Kindertagen, wieder. Nur, dass er inzwischen erwachsen geworden ist, atemberaubend gut aussieht und sich total abweisend benimmt. Schnell findet Vivien heraus, dass er etwas verbirgt. Sie will unbedingt hinter sein Geheimnis kommen und kommt ihm dabei nicht nur näher, sondern bringt sich auch selbst in große Gefahr.

Gern etwas tiefgründiger

Die Hauptpersonen Vivien und Liam fand ich sehr sympathisch und ihre Handlungen meistens nachvollziehbar. Beide sind eher ruhige und introvertierte Charaktere. Während Liam durchgehend sehr stimmig dargestellt ist, fand ich Viviens Handlungen nicht immer passend oder nachvollziehbar. Zum Beispiel kam mir die Stelle, an der sie Liam beinahe erpresst, ihr mehr über sein Geheimnis zu erzählen, unpassend – ich an seiner Stelle hätte sie ab diesem Moment gehasst, bei mir als Leser hat sie damit einiges an Sympathie eingebüßt. Ein bisschen mehr Feingefühl hätte besser zu ihrem sonstigen Auftreten gepasst – still, aber neugierig und mutig.

Weißkopfseeadler
Spielt auch eine Rolle in der Geschichte (Image by Rob Brown from Pixabay)

Viviens Großvater erschien als durch und durch unfreundlicher Protagonist. Es war schwer, sich vorzustellen, dass Vivien irgendwie an ihm hängen könnte. Ein paar gute Eigenschaften hätten hier nicht geschadet, um ihre Gefühle, ihr Verhalten und ihren inneren Konflikt glaubwürdiger zu gestalten und um vielleicht auch den späteren Schockeffekt zu vergrößern. So kam alles nicht sonderlich überraschend.

Besonders genervt hat mich Viviens angeblich so gute Freundin Leslie, die durch ständiges Zetern, viele Schimpfwörter und einen ganz außergewöhnlichen Mangel an Feingefühl aufgefallen ist. Ich weiß, sie sollte vor allem Witz in die Handlung bringen – aber das ist nur teilweise geglückt. Alles in allem ist sie ein nicht ganz geglückter Charakter vom Typ „rebellisches, aber treues Großmaul“.

Glücklicherweise hat die Autorin in Bezug auf Liams Geheimnis eine ganz eigene (Parallel-)Welt erfunden, die nicht die gängigen Fantasy-Figuren aufmarschieren lässt, obwohl viele von deren Eigenschaften wieder auftauchen. Aber gerade so eine neue Welt hätte wahrscheinlich doch ein paar mehr Seiten oder Bände erfordert, um sie glaubwürdig erscheinen zu lassen und dem Leser die Chance zu geben, sich richtig einzuleben. Beinahe ging alles etwas zu schnell, gerade zum Ende hin – aber vielleicht lag das teilweise auch am Medienformat, dass ich die Geschichte als Hörbuch gehört, statt sie als Buch gelesen zu haben.

Büchermottes Wertung

Mit „Der Hüter der fünf Leben“ bekommt man eine spannende und romantische Geschichte. Aber uns haben nicht alle Protagonisten überzeugt, weshalb wir nicht ganz so intensiv mit ihnen mitfiebern konnten wie bei manch anderen Büchern. Auch hinsichtlich der Originalität und Stimmigkeit der Geschichte gibt es noch Luft nach oben.

Bewertung: 3 von 5.

Nachts in einer anderen Welt: Die „Bücher der Mitternacht“ von Rose Snow

Ein bisschen ist das ja in Wirklichkeit tatsächlich so: Wir legen uns ins Bett, machen die Augen zu und tauchen ein in eine Traumwelt. Für die Hauptpersonen der Dilogie „12 – Die Bücher der Mitternacht“ des Autoren-Duos Rose Snow ist das auch so, nur extremer. Denn Nacht für Nacht führen sie quasi ein zweites Leben in einer fantastischen Traumwelt.

Rose Snow: Bücher der Mitternacht Bd.1 und Bd.2
Verlag: Ravensburger Verlag
ISBN: 978-3-473-40190-1
Seitenzahl: 447
Altersempfehlung: ab 14 Jahren
Erscheinungstermin: 1. Januar 2020


Worum geht’s?

Harper Bennets Freund liegt nach einem Umfall im Koma und sie fühlt sich schuldig. Im richtigen Leben ist Harper zwar mit der Schule fertig, weiß aber noch nicht so recht, was sie danach machen soll. Deswegen jobbt sie in einer Schuhladenkette, die zum Imperium einer extrem reichen Familie gehört. Gleichzeitig beginnt sie nachts von einer geheimnisvollen, dunklen Stadt zu träumen, vor deren Toren irgendwie altmodisch, aber doch freizügig und verführerisch gekleidete Menschen Schlange stehen, um eingelassen zu werden. Dort und im richtigen Leben taucht plötzlich Cajus Counterville, der Sohn der steinreichen Schuhladen-Dynastie, auf und behauptet, dass er ihr helfen kann, ihren Freund aus dem Koma zu befreien – braucht dazu aber genau genommen ihre Mithilfe. Harper hat eine Menge Vorurteile gegen den arroganten, reichen Cajus und die beiden streiten sich ganz herzallerliebst. Worauf das hinausläuft, ahnt ihr. Was es mit Harpers Freund auf sich hat, möchte ich auch noch nicht verraten.

Spannende Welt, leider einige Klischees

Rose Snow verstehen es, mitreißende Bücher zu schreiben. Einmal angefangen, saugt einen die Story regelrecht ins Buch. Mit Noctaris, der dunklen Traumstadt, haben die beiden Autorinnen eine verruchte, zauberhafte Welt geschaffen, in der alles möglich ist. Die Menschen, die sich hier tummeln, sind angeblich nur die besonders Kreativsten, aber auch hier geht es letztlich zu wie überall auf der Welt – es gibt solche und solche. Mir haben die vielen magischen Details und Facetten gut gefallen und auch die Szenen, in denen Harper in ihrer Gutgläubigkeit in peinliche Situationen geschlittert ist. Auch gab es kaum einen Charakter, der nicht mehrere Seiten hätte – es gibt kein plakatives Gut und Böse, was ich sehr schätze.

er lateinische Schriftzug "nox et amor, vinumque, nihil moderabile suadent" hier im Bild heißt frei überstezt: "Die Nacht, die Liebe und der Wein kennen keine Zurückhaltung" und passt hervorragend zu den Büchern der Mitternacht von Rose Snow (Bild: "Die Nacht", Hans Sebald Beham, 16. Jahrhundert, Rijksmuseum, Public Domain)
Der lateinische Schriftzug „nox et amor, vinumque, nihil moderabile suadent“ hier im Bild heißt frei überstezt: „Die Nacht, die Liebe und der Wein kennen keine Zurückhaltung“ und passt hervorragend zu den Büchern der Mitternacht von Rose Snow (Bild: „Die Nacht“, Hans Sebald Beham, 16. Jahrhundert, Rijksmuseum, Public Domain)

Die besondere Kreativität der Träumenden stellt für mich eine der Problemzonen der Geschichte dar. Harper und Cajus gehören zu den besonders Begabten, Kreativen, sonst könnten sie nachts nicht in die Traumwelt reisen. Also musste ein kreatives Hobby her, das die beiden ungleichen Charaktere verbindet – die Malerei. Allerdings haben Rose Snow es nicht geschafft, mich als Leserin glaubhaft davon zu überzeugen, dass die beiden wirklich so künstlerisch begabt oder auch nur interessiert sind. Harper schon eher, sie verarbeitet ihre Eindrücke gern in rauschhaften Malanfällen. Aber bei Cajus kam das eher aufgesetzt rüber und die Fachsimpelei über berühmte Werke der Kunstgeschichte hat es auch nicht eindrücklicher vermittelt. (Ich zeichne und male übrigens selbst, aber ich bin selten über historische oder moderne Kunst so furchtbar ins Schwärmen gekommen, aber vielleicht bin ich da ja ein Sonderfall.)

Mit Harper selbst konnte ich mich ganz gut identifizieren, bis auf ihr Verhältnis zu ihrem Freund. Da dieser ja von Anfang an im Koma lag, hatte ich als Leser nie eine besondere Verbindung zu ihm und konnte auch Harpers Gefühle für ihn nicht nachvollziehen. Harper selbst ist einerseits zwar nicht auf den Mund gefallen, andererseits durchaus zurückhaltend oder schüchtern. Auf jeden Fall ist sie so unentschlossen, was ihre Lebensplanung und ihr Selbstbewusstsein angeht, dass sie den Anstoß von außen braucht, um auf ihr Herz zu hören. Im Laufe der Geschichte entwickelt sie zum Glück aber auch eigene Handlungskraft und Mut.

Hervorragend fand ich den Charakter von Harpers bestem Freund, der mit seinem Selbstbewusstsein, seiner Imperfektion und seinem Witz wirklich erfrischend und untypisch daher kam.

Umso klischeehafter ist die Figur Cajus Conterville geraten. Klar, wir alle lieben die dunklen, geheimnisvollen Typen in diesen Geschichten. Aber muss er dann auch noch überirdisch gut aussehen und exorbitant reich sein? Ich meine, wir beschweren uns immer, dass Frauen auch anno 2020 noch mehrheitlich auf Männer stehen, die erfolgreicher sind, als sie selbst und das quasi alle Beteiligten extrem unter Druck setzt. Vielleicht müssen mal andere Vorbilder her! Die Geschichte hätte auch ohne den Reichtum und Erfolg funktioniert.

Einen Ausflug in die Traumwelt wert

Alles in allem lebt die Geschichte glücklicherweise auch nicht nur von der sich anbahnenden Lovestory, sondern dreht sich tatsächlich um die actiongeladenen Geschehnisse in der Traumwelt. Wer also eine mitreißende Lektüre sucht, kann hier nichts falsch machen. Punktabzug gebe ich für die verwendeten Klischees.

Bewertung: 4 von 5.

„Die Nebel von Skye“ – Romantische Schauergeschichte von Katharina Herzog

Eine unterhaltsame Gruselgeschichte mit viel Nebel, Geistern und einer ersten Liebe erzählt das Jugendbuch „Die Nebel von Skye“ von Katharina Herzog. Ich habe das Buch in der letzten Woche gemeinsam mit einer 9-jährigen Büchermotte gelesen. Nun bin ich zwar nicht mehr jugendlich und sie noch nicht, aber uns beiden hat das Lesen viel Spaß gemacht – ein Dankeschön geht hier an Verena vom Blog Lieblingsleseplatz, die das Buch neulich empfohlen hat.

Worum geht’s?

Die Hauptperson Enya kommt zwar aus Deutschland, wirkt mit ihrem keltischen Namen und ihren roten Haaren „schottischer als jeder Schotte“. Ihre chaotische Familie hat Geldsorgen und vor allem deswegen müssen alle der Einladung der reichen Großtante Mathilda folgen, die Silvester gemeinsam auf einem schottischen Schloss feiern möchte. In den wildromantischen Nebelschwaden spukt nicht nur ein Geist. Enya verliebt sich auch noch.

Buchcover "Die Nebel von Skye" von Katharina Herzog (Quelle: https://katharina-herzog.com/jugendbuch/die-nebel-von-skye/)

Loewe Verlag »
08.10.2020
Preis: € 14,95
Seitenzahl: 400
ISBN: 978-3-7432-0620-5
Erhältlich als: E-BookPaperback

(Bildquelle: Katharina Herzog)

Traumhafte Landschaft, überraschende Charaktere

Mir gefällt an dem Roman, dass man viel über die schottische Landschaft und ihre Sehenswürdigkeiten erfährt, die man auch real besuchen kann. Gleichzeitig bewegt sich diese „Romantasy“ nicht wie so häufig in einem Milieu von reichen Schülern oder Studentinnen, sondern es gibt trotz des mondänen Settings Geldsorgen und soziale Unterschiede. Beispielsweise gehören Jona und seine Großmutter zu den „Irish Travellers“, deren Wohnwagensiedlung aufgelöst werden soll. Die Thematik wird nur gestreift, aber es ist ein ungewöhnlicher Aspekt, der der Geschichte eine individuelle Note gibt.

Um die Landschaft der Isle of Skye ranken sich viele Legenden - Image by David Mark from Pixabay
Um die Landschaft der Isle of Skye ranken sich viele Legenden – Image by David Mark from Pixabay

Die verschiedenen Charaktere sind jeder auf ihre eigene Art und Weise sympathisch, auch wenn sie zunächst schrill oder schroff wirken. Viele verbergen kleine Geheimnisse, überraschende Details kommen später ans Licht. Die 16-jährige Hauptperson Enya verfolgt den großen Traum, Regisseurin zu werden und das Spukschloss-Setting und die Legende um die herumgeisternde Burgherrin Finola McLeod kommt ihr sehr gelegen. Aber auch um Großtante Mathilda ranken sich Geheimnisse und Jonas Oma, eine Wahrsagerin, sieht Gefahr in ihrer Kristallkugel. Auf diese Weise dreht sich die Geschichte zuallererst um die Rätsel, die Enya zu lösen versucht. Nebenbei verliebt sie sich in Jona, der aber auch etwas zu verbergen hat. Jona trägt zwar keine Designerklamotten, sondern fährt ein klappriges Auto, aber er sieht gut aus, hat ein Herz für Tiere und ist ziemlich nett.

Büchermottes Wertung

Meine 9-jährige Büchermotte, der ich das Buch vorgelesen habe, vergibt 4 von 5 Sternen. Den Stern Abzug gibt es von ihr nur, für eine klischeehafte Motorradszene, dafür dass Jona Enyas Hund als „Köter“ beschimpft hat und weil der hübsche Jona einfach zu hübsch ist. Sie wünscht sich mal ein Buch mit einem unspektakulären Jungen in der Hauptrolle 😉

Bewertung: 4 von 5.

Alles in allem: Eine klare Leseempfehlung, wenn man eine gemütliche Wohlfühl-Lektüre für regenverhangene Nebeltage sucht!

Lese-Marathon: 10 Zeitreise-Romane

Zeitreisen als Stoff für Geschichten interessiert mich schon lange und gerade schreibe ich auch selbst an einem Zeitreise-Roman. Derzeit bleibt viel Zeit zum Lesen – Dank E-Book-Reader kommen die Bücher auch superschnell zu mir… In den letzten drei Monaten habe ich 10 Bücher gelesen, in denen es auf die ein oder andere Art um Zeit geht – Inspiration und Selbststudium.

Uhr um 1650 | aus der Sammlung des Victoria and Albert Museum in der Online-Bibliothek Europeana , Lizenz: CC BY

Kerstin Gier: Rubinrot / Smaragdgrün / Saphierblau

Seit Kerstin Gier 2009/10 mit ihrer Edelstein-Trilogie einen Bestseller landete, sind ziemlich viele Zeitreise-Romane im Jugendbuch-Genre erschienen, was ich erst bemerkt habe, als ich 2019 auf Kerstin Giers Bücher stieß. Obwohl ich leider nicht mehr jugendlich bin, hab ich die drei Romane in kurzer Zeit verschlungen. Kurz zusammengefasst geht es um ein 16-jähriges Mädchen namens Gwendolyn Shepherd, deren Familie sich gerade auf die erste Zeitreise von Gwendolyns verwöhnter Cousine Charlotte vorbereitet, die ein geheimnisvolles Zeitreise-Gen geerbt haben soll. Als dann aber nicht Charlotte, sondern Gwendolyn in der Zeit springt, gerät die Familie und eine Geheimgesellschaft in Aufruhr. Natürlich darf auch eine Liebesgeschichte und jede Menge Action nicht fehlen, doch ich wage zu behaupten, dass der Erfolg der Geschichte auch maßgeblich mit Kerstin Giers witziger Erzählweise zusammenhängt. So ist die Edelstein-Trilogie eine tolle Mischung aus Kriminalgeschichte, Romanze und Komödie.


Michael J. Sullivan: Zeitfuge

Ellis Rogers, ein 58-jähriger Wissenschaftler aus Detroid, hat in seiner Garage eine Zeitmaschine gebaut und als er erfährt, dass er unheilbar krank ist, probiert er sie aus und landet in einer fernen Zukunft. Die ist anders als er erwartet hat und er eine Sensation. Ich will nicht zu viel verraten, daher führe ich das jetzt nicht näher aus. Das Buch wirft an Hand dieser Zukunftsvision Fragen zur Gegenwart auf, die von unserem Umgang mit unserem Planeten über die Rolle von Religion bis hin zur Akzeptanz gleichgeschlechtlicher Beziehungen reichen. Schade, dass letzteres anno 2020 überhaupt noch ein Thema sein muss – für den fast 60-jährigen amerikanischen Protagonisten offenbar schon. Das Buch hat mich zugegebenermaßen nicht von Anfang an gepackt, es fiel mich schwer, mich in einen schwer kranken älteren Herrn einzuleben. Aus einer beinahe rein männlichen Perspektive geht es um irgendwie auch sehr amerikanische Probleme. Es hat ein paar Wochen gedauert, bis ich durch die ersten Kapitel gekommen bin. Aber sobald die Zeitreise endlich begonnen hatte, konnte mich die Geschichte so fesseln, dass ich sie zügig zu Ende gelesen habe.


Elisabeth Dommer: Sonnenwindhaus

Eine faszinierende Vorstellung: Zur Abwechslung einmal kein einzelner Mensch, sondern ein ganzes Haus reist durch die Zeit. Von einem Tag auf den anderen verschwindet Tristan Röver, der Klavierlehrer des Mädchens Annelie. Nach 11 Jahren taucht er wieder auf, allerdings um Jahrzehnte verjüngt und im Glauben, im Jahr 1930 zu leben. Elisabeth Dommer erzählt vom Zeitgeschehen, den bewegenden Lebensgeschichten verschiedener Menschen, von Liebe und Liebe zur Musik. Trotz nachdenklicher, in sich gekehrter Hauptpersonen und einer ruhigen Erzählweise fesselt die Geschichte. – Ich hab sie in nur zwei Tagen durchgelesen.


Sandra Regnier: Die Lilien-Reihe

Bei einem Ausritt mit ihrer Freundin landet die 16-jährige Julia plötzlich im Frankreich des 17. Jahrhunderts und trifft direkt auf eine Jagdgesellschaft Ludwigs XIV. Es sei einmal dahingestellt, ob der „Sonnenkönig“ wirklich ein kurios gekleidetes Mädchen an seinem Hof aufgenommen hätte, doch das Gedankenspiel gibt dem Leser die Gelegenheit tief in die Intrigen von Versailles einzutauchen. Ich habe den Eindruck gewonnen, dass die Autorin viel recherchiert und sich um historisch korrekte Fakten bemüht hat. Am Ende des Buchs erläutert sie genau, an welchen Stellen sie der Handlung zuliebe von der wahren Geschichte abgewichen ist. Herausgekommen ist eine unterhaltsame und auch spannende Geschichte mit Intrigen, Liebe und Kriminalfällen. Der einzige Makel des Buchs ist aus meiner Sicht das Ende, das mich mit großen Fragezeichen zurückgelassen hat. Inzwischen hab ich zwar auch die Erklärung der Autorin (Spoiler-Alarm!) dazu gelesen, aber so richtig zufriedenstellt mich das nicht.


Katharina Münz: Aus der Zeit gefallen

Eine Story, die zwar beim besten Willen nicht jugendfrei ist, aber durchaus ihren Reiz hat: Was wäre wenn es einen Wikinger direkt in unsere Gegenwart verschlagen würde? Katharina Münz erzählt die Geschichte sehr witzig aus ständig wechselnden Blickwinkeln, was sie auch sprachlich sehr eindrucksvoll kennzeichnet. Dieser Erzählstil stellt für mich das Herzstück des Romans dar und macht ihn auch so besonders. Gleichzeitig ist das Buch mitreißend und spannend geschrieben. Verzichten könnte ich persönlich gut und gerne auf Anspielungen von Romanen befreundeter Autoren und auf Rezepte, die in der Geschichte vorkommen und im Anhang weiter ausgeschmückt werden.

Triumph der Zeit, Blatt aus der Folge der Triumphe nach Petrarca . Pencz, Georg. Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg (Europeana.eu, CC0-Lizenz, freie Nachnutzung)

Sandra Regnier: Die Pan-Trilogie

Sandra Regniers Pan-Trologie nimmt den Leser nicht nur mit auf Zeitreise, sondern in eine Welt mit Menschen, Elfen, Nixen und Drachen. Bis ein (unglaublich gut aussehender) neuer Mitschüler namens Leaner FitzMor an ihre Schule kommt, hat Hauptperson Felicity Morgan ein eher normales Leben geführt, wenn sie auch neben der Schule ihrer Mutter abends in deren Pub aushelfen muss. Sympatisch macht sie, dass sie in ihrer Außenseiterrolle trotzdem selbstbewusst und schlagfertig ist und sich von Äußerlichkeiten nicht blenden lässt. Möchte man sich auf Elfen und Drachen einlassen, dann wird man mit einer sehr unterhaltsamen, spannenden Geschichte belohnt. Auch einige Ausflüge in die Vergangenheit sind dabei, wobei die in der Geschichte meines Erachtens keine zentrale Rolle spielen, sondern eher eine von vielen vorkommenden übernatürlichen Fähigkeiten sind. Gut fand ich, dass es im Buch keine klaren Linien zwischen „Gut“ und „Böse“ gibt. Zum Ende der Reihe hin hatte ich das Gefühl, dass die Autorin die Geschichte schnell beenden wollte – plötzlich ging es mir zu schnell und als Leser bekam man kaum Zeit, um von plötzlich sterbenden wichtigen Figuren gebührend Abschied zu nehmen.


Tanja Neise: Der Orden der weißen Orchidee 1 & 2

Die junge Übersetzerin Marie erbt den alten Bauernhof ihrer Urgroßmutter, die sie kaum kannte. Mit dem Hof „erbt“ sie aber auch ein Geheimnis, das sie durch die Zeit ins 19. Jahrhundert führt. Dort verliebt sie sich nicht nur, sondern gerät auch in Lebensgefahr und noch tiefer in die Vergangenheit. Ich bin auf die Geschichte aufmerksam geworden, weil die Zeitreise hier durch Bäume funktioniert. Die beiden Bücher lesen sich flüssig und unterhaltsam, wenn ich auch manchmal das Gefühl hatte, dass ich mich als Leser nicht genug in die Hauptpersonen einleben konnte und dass teilweise in der Geschichte einfach zu viel Zeit ins Land ging.


Myra McEntire: Hourglass (Teil 1)

Die Geschichte klang eigentlich spannend und war es in gewisser Weise auch: Die 17-jährige Emerson Cole, geprägt von einer traumatischen Vergangenheit, sieht Szenen aus vergangenen Zeiten mitten in ihrer Umgebung. Erst Michael Weaver von der geheimnisvollen Forschungseinrichtung Hourglass scheint sie zu verstehen. Durch ihn gerät Emerson blitzschnell in einen Strudel der Ereignisse und lernt in kurzer Zeit gefühlt hundert Menschen mit Superkräften kennen. Mir ist es etwas schwer gefallen, mich in Emersons Persönlichkeit – einerseits zurückgezogen, weil traumatisiert, andererseits schlagfertig und entschlossen – einzuleben. Zum anderen fand ich es sehr irritierend, als wie abgöttisch schön und perfekt Michael Weaver beschrieben wurde. Darüber hinaus fand ich die Handlung zu schnell und zu sprunghaft. Die Autorin nahm sich kaum Zeit, die verschiedenen, teilweise nicht unbedingt notwendigen mit geheimnisvollen Kräften begabten Figuren vorzustellen. Die Protagonistin akzeptierte die übernatürlichen Geschehnisse erstaunlich gelassen und wurde flux zur Heldin – ein bisschen wie Matrix im Schnelldurchlauf. Mich zumindest hat diese Erzählweise davon abgehalten, mir Band 2 zu kaufen.


Sabineee Berger: Zeitreise eines Ritters

Dieses E-Book hab ich mir gekauft, weil ich den Gedanken spannend finde, einen Ritter in die Gegenwart reisen zu lassen. Allerdings fand ich den Roman zwar in gewisser Weise unterhaltsam und teilweise witzig, aber nicht besonders tiefgründig. Weder hatte ich den Eindruck, dass eine historisch tiefgründige Recherche stattgefunden hat, noch dass ich mich als Leser besonders gut in die Figuren einleben konnte.


Katrin Brückmann: Feuer der Zeit

„Feuer der Zeit“ lehnt sich etwas an Diana Gabaldons Klassiker „Outlander“ an, nur, dass die Liebesszenen bei Katrin Brückmann nicht ganz so mitreißend und die Figuren nicht so überzeugend ausgearbeitet sind. Durch ein Mittsommernachtsfeuer gelangt die Hauptperson Rena direkt ins alte Germanien. Ihre Motivation, diesen Schritt bewusst zu tun, fand ich nicht ganz glaubwürdig. Allerdings scheint recht viel historische Recherche in die Romane eingeflossen zu sein, man erfährt einiges über die Zeit. Trotzdem gingen mir die Geschehnisse nicht richtig nahe, ich konnte mich nicht ganz in die Personen einleben. Den dritten Band habe ich dann auch nicht mehr gelesen. – Wobei ich auch bei Diana Gabaldon irgendwann nach 4 oder 5 Bänden aufgegeben habe. Manchmal ist weniger mehr.

Ich gestehe, ich lese bereits an einem weiteren Zeitreise-Roman – es wird wohl eine Fortsetzung dieses Blogposts geben müssen.

Was fasziniert euch an Zeitreisen?