Perlen gegen die Dunkelheit – Über „Die schwarze Perle von Nevianar“ von B. Weber

Der Schwarze See von Alwin Tölle ( - ) - Badisches Landesmuseum Karlsruhe, Germany - CC0.

Den Fantasy-Roman „Die schwarze Perle von Nevianar – Gefahrvolles Erbe“ habe ich von der Autorin B. Weber als Rezensionsexemplar bekommen (vielen Dank dafür!) und möchte das Buch hier vorstellen.

Das Beitragsbild zeigt der Schwarzen See bei Kitzbühl, in dem sich der Wilde Kaiser, im Hintergrund, spiegelt. – Das Foto von Alwin Tölle aus der Sammlung des Badischen Landesmuseums Karlsruhe (gefunden bei Europeana, CC0) hat zwar ganz und gar nichts mit dem Buch zu tun, passt aber irgendwie doch ganz gut zur geheimnisvollen Welt Nevianar mit der dort drohenden Dunkelheit.

Buchcover mit schwarzer Perle vor dunklem Hintergrund

B. Weber

Die schwarze Perle von Nevianar – Gefahrvolles Erbe

Erschienen: 2024

bei Tredition

ISBN: 978-3-384-08374-6

Seiten: 636


Zu Beginn der Geschichte lernen wir Hauptperson Grace Goodhard bei der Beerdigung ihrer Großmutter Agatha kennen. Grace hat Agatha sehr lange nicht gesehen, obwohl sie ihr einmal nahestand. Hier zu Beginn fiel es mir leicht, mich in Grace einzuleben und in die Handlung einzusteigen. Wie im Märchen gibt es eine wirklich garstige Stiefmutter und Grace tritt vorsichtig, unsicher und zurückhaltend auf. Unerwartet erbt sie das Haus ihrer Großmutter und damit auch eine bedeutsame Halskette mit schwarzer Perle. Sie legt sie an und gelangt unerwartet in eine rückständige, einfachere Welt: Nevianar, die sie nicht freundlich empfängt.

Ich möchte nicht weiter spoilern, aber: Den Anfang fand ich spannend und mitreißend, trotz des allwissenden Erzählstils, der mir generell eher weniger gut gefällt – ich wäre lieber die ganze Zeit bei Grace‘ Erleben geblieben. Aber später dann, das gebe ich offen zu, ist es mir nicht mehr ganz leicht gefallen, mich in Grace einzuleben. Mit ihrer Reise nach Nevianar wird nicht nur ihre Umgebung altertümlich, auch die Erzählweise des Buchs passt sich an Nevianar an – selbst in den Momenten, als Grace‘ Sicht und Gedanken geschildert werden.

B. Webers Erzählweise ist klassisch und handwerklich gut, doch durch den allwissenden Erzähler blieb eine vergleichsweise große Distanz zu allen Charakteren, auch zu Grace. Nicht immer fand ich ihr Verhalten nachvollziehbar, oft gingen mir wichtige Entwicklungen zu schnell, gerade die Reisewege und Kriegsvorbereitungen zogen sich für meinen Geschmack aber zu lange hin. Weil ich ein schlechtes Namensgedächtnis habe, fiel es mir auch manchmal schwer, alle Nebenpersonen zuzuordnen. Mit den Seiten wuchsen mir die Hauptcharaktere dann trotzdem ans Herz und gegen Ende wurde die Geschichte richtig spannend.

Neben der Abenteuerhandlung um die Bedeutung der Perlen gibt es noch ein weiteres wichtiges Thema im Roman: Die Unterschiede zwischen Nevianar und unserer Welt, die Machtverhältnisse und die Rolle der Geschlechter. Grace erstreitet sich Respekt und erreicht auch die ein oder andere Veränderung, muss aber auch Zugeständnisse machen, was ich realistisch und glaubwürdig fand. Gerade die Momente, in denen die beiden Welten sich rieben, fand ich interessant. Zu meinen Favoriten zählten auch die Szenen, die in unserer Welt spielten.

Es war schön, wie im Lauf der Handlung mehr und mehr Zusammenhänge aufgeklärt wurden, auch wenn ich gern noch mehr über die Verbindung zwischen unserer Welt und Nevianar erfahren hätte oder über die Dunkelheit, die es als zentrale Bedrohung zu bekämpfen galt. Das Finale und das Ende der Geschichte haben mir sehr gut gefallen und mich auch mit den vorangegangenen Längen versöhnt.

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