Bist du gut, mittel, schlecht? Über „Ein Friedensepos“ von N. Jay

Dunkle nächtliche Landschaft mit einem brennenden Dorf im Hintergrund, Bild von Aert van der Neer aus der Sammlung des Statens Museum for Kunst.

Die Dystopie „Ein Friedensepos: Du weißt es auch!“, Auftakt einer Trilogie von N. Jay, erzählt von einer dreigeteilten Welt. Per Gehirnscan wird kategorisiert: Bist du gut oder schlecht oder irgendwo dazwischen? Je nach Ergebnis kommst du als rechtschaffener Mensch nach Lightfield, wo alles utopisch schön ist, oder als niederträchtiger Mensch nach Zeptaros, wo das Dasein ein einziger Überlebenskampf ist. Oder du bleibst in Wellwald, der Grauzone.

Das Beitragsbild für diesen Artikel ist ein Ölgemälde von Aert van der Neer aus dem 17. Jahrhundert aus der Sammlung des Statens Museum for Kunst in Dänemark (Public Domain).

Buch-Cover "Ein Friedensepos" von N. Jay in Grautönen gehalten und mit einer Schlange im Vordergrund und einer Seerose weiter hinten

N. Jay

Ein Friedensepos – Du weißt es auch!

2026

363 Seiten

Bookmundo

ISBN: 9789403871226

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Worum geht’s?

Sadie fühlt sich wohl in Wellwald. Sie ist waghalsig und frech und bestreitet ihren Unterhalt mit dem Schwarzmarkt-Verkauf von gefälschten Testergebnissen. Regeln versteht sie als Aufforderung, sie zu brechen. Dass sie immer wieder mit der Polizei in Konflikt kommt, scheint sie nicht weiter zu kümmern. Durch Zufall wird der Pazifist Gabe in eine ihrer halsbrecherischen Fluchten vor der Polizei hineingezogen. Sie werden getestet und – zur Überraschung aller – soll Sadie nach Lightfield und Gabe nach Zeptaros. Es muss ein Fehler vorliegen. Nach ein paar paradiesischen Tagen in Lightfield bekommt Sadie dann doch ein schlechtes Gewissen und macht sich auf die lebensgefährliche Suche nach Gabe.

Wie war’s?

Der Welt-Entwurf von „Ein Friedensepos“ ist spannend. Durch die Einteilung der Menschen soll Frieden gewährleistet werden. Doch was, wenn jemand falsch kategorisiert wird? Und gibt es wirklich durch und durch gute und durch und durch schlechte Menschen? Darum kreist der Roman, ohne dass die Fragen zu plakativ gestellt werden.

Sowohl Sadie als auch Gabe fand ich am Anfang gewöhnungsbedürftig und irritierend. Sie waren mir erst einmal zu überzeichnet frech bzw. zu friedliebend und gutgläubig. Aber ich mochte, dass beide – auf ihre jeweilige Art – trotzdem nicht richtig ins System passten.

N. Jay erzählt in knappen, einfachen Worten, es passiert unglaublich viel in schnellem Tempo und manchmal fragte ich mich, wie Sadie und Gabe so viele Verletzungen so locker wegstecken konnten. Den Ausdruck „mittelalterliche Verhältnisse“ für Zeptaros empfand ich als Beleidigung fürs Mittelalter, denn gemeint waren am Ende nur die Klischees, die wir aus Filmen und Büchern kennen, die aber mit den tausend Jahren Geschichte nicht viel zu tun haben – sorry, das ist ein Schaden, der aus meiner Arbeit in einem Museum resultiert, und meinem Versuch im Zeitreise-Roman „Lindenherz“ mit ein paar dieser Klischees aufzuräumen. Sonst gefiel mir besonders die Beschreibung von Lightfield, aber auch hinter Zeptaros steckt ein System, das sich erst nach und nach herauskristallisiert.

Trotz der kleinen Kritikpunkte konnte mich die Geschichte von Sadie und Gabe dann immer mehr einfangen und ich habe sie wirklich gern gelesen. Das Ende kam überraschend, gefällt mir aber gut, denn es baut große Spannung für Band 2 auf.

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