Dann werde ich eben Baum! – „Frauen ohne Männer“ von Shahrnush Parsipur

Die iranische Autorin Shahrnush Parsipur hat „Frauen ohne Männer“ schon in den 1970er Jahren als eine Reihe von Novellen geschrieben. 1989 erschienen sie erstmals in Romanform und waren im Heimatland der Autorin sofort ausverkauft und verboten. 2009 erhielt die Film-Adaption „Women without men“ von Shirin Neshat einen Preis bei den Filmfestspielen in Venedig. 2012 erschien das Buch auf Deutsch bei Suhrkamp / Insel und 2019 auf Dänisch im Gyldendal-Verlag. Letztere Fassung hab ich gelesen – und für gut befunden. Warum? – Das will ich kurz zusammenfassen.

Cover Shahrnush Parsipur - Frauen ohne Männer - Suhrcamp Verlag

Shahrnush Parsipur
Frauen ohne Männer

Mit einem Nachwort der Autorin
Aus dem Farsi von Jutta Himmelreich

Erschienen: 13.08.2012
Bibliothek Suhrkamp 1471, Gebunden, 134 Seiten
ISBN: 978-3-518-22471-7


Für mich war es unglaublich exotisch, mental ins Teheran der 1950er Jahre einzutauchen. Auf den Straßen herrscht Aufruhr und Krieg, hinter den Haustüren Langeweile – nicht nur für die weiblichen Protagonisten. Deren Leben kreist beispielsweise um ihre Jungfräulichkeit, um die Fragen, wer das bessere Essen kocht und ob der Bruder der Freundin auf einen aufmerksam wird, wie man sich auch ohne Mann fortpflanzen könnte, wieso man alle Männer plötzlich ohne Köpfe sieht oder wann der nervige Ehemann nun endlich das Haus verlässt, damit man in Ruhe seinen Tagträumen nachgehen kann. Diese Lebenswelten von fünf sehr unterschiedlichen Frauen flicht die Autorin geschickt so zusammen, dass sie sich am Ende in einem wundersamen Garten in Karadsch (damals noch ein Dorf!) begegnen, eine Weile begleiten und wieder trennen. Im Mittelpunkt stehen Lebensträume – die Welt sehen, Parlamentsmitglied werden, eins werden mit der Natur.

Welche Wahl hast du im Leben?

In „Frauen ohne Männer“ geschehen unerwartete Dinge. Die realistischen Schilderungen münden plötzlich in magischen Transformationen und grotesken Ereignissen. Tod bedeutet nicht unbedingt das Ende, es erwächst Neues. Das menschliche Ich, die geschlechtliche Identität sprengt ihre Ketten, überschreitet Grenzen. Das alles schildert Shahrnush Parsipur mit einer ungeheuren Poesie.

Für dieses originelle und einzigartige Büchlein musste Shahrnush Parsipur zum zweiten Mal ins Gefängnis. Auch ihre anderen Bücher sind in ihrer Heimat verboten. Zusammengerechnet verbrachte sie fünf Jahre in Gefangenschaft. Heute lebt die Autorin in Kalifornien.

Von mir bekommt „Frauen ohne Männer“ eine absolute Leseempfehlung – weil es zum Nachdenken anregt, kurzweilig, ungewohnt und poetisch ist.

Bewertung: 5 von 5.
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Wann ist ein Roman ein Jugendbuch?

Im letzten Jahr habe ich einige Romane gelesen, die als Jugendbuch eingestuft bzw. mit der Angabe „ab 12“, „ab 14“ oder „ab 16 Jahren“ versehen waren – darunter diesen ab 12, diesen ab 14 und diesen ab 16. Viele dieser Bücher davon fand ich sehr spannend, manche vom Thema, Stil und dem Handlungsaufbau durchaus anspruchsvoll, bei anderen war die Story vorhersehbarer und der Stil einfacher gestrickt. Aber immer wieder drängte sich mir die Frage auf: Was macht einen Roman eigentlich zum Jugendbuch und wann sagt man, es sei ein Buch für Erwachsene? Kann man das überhaupt so genau unterscheiden? Und ist ein Roman durch das Attribut „Jugendbuch“ künstlerisch weniger wertvoll?

Bist du „raus aus dem Alter“?

Mir ist klar, dass reine Kinderbücher für Erwachsene oft zu in zu einfacher Sprache geschrieben sind und vielleicht auch Themen behandeln, die Erwachsene nicht mehr interessieren. Aber bei Jugendbüchern ist die Grenze nicht so deutlich zu ziehen. Ist ein Roman, der sich mit den Sorgen und Problemen von Teenagern und jungen Erwachsenen beschäftigt, in dem es zum Beispiel um Freundschaften, Selbstfindung und erste Liebe geht, für Ältere automatisch nicht mehr interessant? Mögen Erwachsene Bücher mit jungen Protagonisten automatisch nicht mehr lesen? Oder liegt es am Setting, das sich mit Schule und Elternhaus an der jugendlichen Realität orientiert? Vielleicht habe ich mich ja seitdem mental nicht weiterentwickelt, denn mich haben junge Romanfiguren noch nie gestört, wogegen mich sehr viel ältere Hauptpersonen viel eher irritiert haben.

Bist du „ab 12“, „ab 14“ oder eher „ab 16“?

Auf Wikipedia steht, dass die Altersangabe bei Literatur in Deutschland (im Gegensatz zu anderen Ländern) freiwillig ist. Aber sicherlich spielen bei den Angaben Aspekte des Jugendschutzes (z.B. in Bezug auf Gewalt und Sex) eine Rolle. Lustigerweise kann man durch die Altersangabe zum Beispiel erraten, ob das Liebespaar im Roman sich maximal küsst oder ob und in welcher Ausführlichkeit mehr passiert. Dass die „Heartless“-Trilogie von Sara Wolf ab 16 eingestuft ist, liegt vermutlich daran, dass hier anschaulich gestorben wird. Diese Alterskennzeichnung schließt aber eine ältere Zielgruppe nicht aus, sondern lediglich eine jüngere mit ein. Im erwähnten Wikipedia-Artikel steht übrigens auch: „Daher wird angenommen, dass diese Literatur verstärkt von Erwachsenen gelesen werde (z. B. Harry Potter oder Fantasy-Romane) und sich nur scheinbar an Jugendliche richte.“

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Image by Marco Wolff from Pixabay 

Kann das denn gut sein?

Manchmal haftet Kinder- und Jugendliteratur offenbar der Makel an, keine „richtige“ Literatur zu sein. Zum Beispiel forderte Manuela Schleswig 2015, zu diesem Zeitpunkt noch Bundesfamilienministerin, mehr Anerkennung für Jugendliteratur in diesem Land. Auch in dem Fachbuch „Aspekte der Kinder- und Jugendliteratur“ klagen die Autorinnen Bettina Bannasch und Eva Matthes offenbar über zu wenig Wertschätzung für dieses Buchgenre: „Der Trivialitätsverdacht behauptet sich hartnäckig … Vielleicht am verhängnisvollsten in dem Bemühen um Anerkennung von Kinder- und Jugendliteratur in der ‚seriösen‘ Literaturwissenschaft erweist sich ihre Beziehung zur Pädagogik. Ästhetik und Erziehung scheinen einander unversöhnlich gegenüberzustehen.“ (Hinweis: Ich habe das Buch nicht selbst gelesen, nur diese ausführliche Rezension!).

Persönlich glaube ich nicht, dass Kinder- und Jugendbücher die einzigen sind, die um literarische Anerkennung kämpfen müssen. Denn auch Unterhaltungsliteratur aller Art geht es schließlich im Vergleich zur sogenannten „Hochliteratur“ genauso. Ich finde die Begrifflichkeit fragwürdig – sollte nicht alle Literatur den Leser unterhalten? Und da halte ich es mit der „Schreibtrainerin“ Dr. Anette Huesmann, die dazu schreibt: Alle Bücher haben ihre Daseinsberechtigung. Die oft ideologisch geführte Diskussion um den Wert von Büchern scheint mir vollkommen am eigentlichen Sinn von Büchern vorbeizugehen.“ Aber das ist ein ganz anderes Thema.

Hast du noch Fantasie?

Merkwürdig finde ich, dass manche Artikel (wie der oben zitierte Wikipedia-Text) Fantasy-Literatur in einem Atemzug mit Jugendliteratur nennen. Als ob erwachsene Hirne keine erfundenen Welten mehr verarbeiten könnten und sich Fantasy-Literatur deshalb ganz automatisch an Kinder und Jugendliche richtet. Dabei geht es in den meisten Büchern um ganz universelle Dinge: Freundschaft, Liebe, Vertrauen und Betrug, Krieg und Frieden, Bedrohungen und Krisen – Sachen, die uns alle angehen und beschäftigen, egal in welchem Alter und Setting. Das hat nichts mit Wirklichkeitsflucht zu tun. Aber natürlich gibt es Fantasy für Kinder, für Jugendliche, für Erwachsene. Die Grenzen sind fließend.

Vielleicht spielt die Bezeichnung gar keine Rolle. Die meisten Bücher sind auch für Erwachsene geeignet, aber nicht alle auch für Jugendliche. Was sagst du? Und hast du auch schon mal aus Versehen ein Jugendbuch gelesen?

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Abenteuer und Emotionen (fast) ohne Ende: die Falaysia-Reihe von Ina Linger

Ich weiß nicht, was mich geritten hat, mir ausgerechnet Band 1 einer 7-teiligen Fantasy-Reihe auszusuchen, als mir angeboten wurde, mir eines der E-Books der Autorin Ina Linger zum rezensieren auszusuchen. Wahrscheinlich liegt es daran, dass ich die Grundidee vom perfiden Spiel der Magier mit einer geheimnisvollen Parallelwelt spannend fand. Nachdem ich mich erst einmal hineingefunden hatte in das Falaysia-Universium, hing ich dann doch wie ein Fisch an der Angel und musste einfach auch den Rest lesen. Ich hab mir also das Komplettpaket gekauft und wage daher zu behaupten, hier weitgehend unabhängig meine Meinung äußern zu können. Ein kurzer Überblick:


Worum geht’s?

Die Hauptpersonen dieser Fantasy-Reihe plagt ein ähnlich traumatisches Schicksal: Wie Schachfiguren sind sie von Magiern in eine fremde, mittelalterliche Welt versetzt worden, ohne zunächst zu wissen, welche Rolle sie dort spielen sollen und wie sie der Situation entkommen können. Ina Linger hat mit Falaysia eine bildgewaltige, wenn auch nicht sonderlich originelle Fantasy-Welt mit eigenen Sprachen und teilweise auch neuen Fabelwesen erschaffen, die aber die Handlung nie entscheidend dominieren. Im Zentrum der Geschichte stehen stattdessen Machtinteressen, Magie und Liebe.

Seit die Ende 20-jährige Psychologin Jenna von einem Magier völlig unvorbereitet in diese Welt geworfen wurde, findet sie kaum eine ruhige Minute, sondern erlebt ein Abenteuer nach dem anderen. Nach und nach erfährt sie mehr über die Welt, in der sie sich nun befindet – nicht zuletzt durch Leon, den sie dort kennenlernt und mit dem sie sich allmählich anfreundet. Und noch jemandem begegnet sie immer wieder: Dem Kriegerfürsten Marek, den sie nicht nur äußerst bedrohlich, sondern auch noch sehr anziehend findet – und der Leons Erzfeind ist. Als ein ganz besonderer Stein ausgerechnet auf sie reagiert, befindet sich Jenna endgültig im Mittelpunkt der Intrigen der Mächtigen in dieser vom Krieg gebeutelten Welt.

Liebe auf den zweiten Blick

Der Einstieg ist mir aus mehreren Gründen nicht ganz leicht gefallen. Einerseits musste ich mich an die Erzählweise gewöhnen und zunächst mit dem relativ distanzierten Erzähler vier Kapitel in Folge vier mir noch unbekannten Figuren über die Schulter blicken. Danach wechselte die Perspektive glücklicherweise nur noch zwischen Hauptperson Jenna und ihrem Freund Leon hin und her. Am Anfang und Ende jedes Bands erfährt der Leser, was Jennas Bruder Benjamin und ihre Tante Melina über Jennas Verbleib herausfinden. Davor schildert ein Prolog noch Erlebnisse einer weiteren Person. Dieses Prinzip hat Ina Linger in allen Bänden bewundernswert konsequent beibehalten und nach dem ersten Teil hatte ich mich daran gewöhnt. Andererseits fiel es mir zunächst schwer, mich zu orientieren. Befand ich mich nun im Mittelalter? Oder im Jetzt? Erst in Kapitel 4 erfuhr ich dann, dass sich Jennas ursprüngliche Heimat mitsamt Internet und Telefon im heutigen England befindet. Denn der zuvor geschilderte Hinterhof, in dem ihre Tante Melina lebt, hätte um 1900 in Berlin genauso aussehen können. Teilweise kam es mir sehr merkwürdig vor, wenn die Figuren häufig nicht bei ihrem Namen, sondern zum Beispiel mit „die junge Frau“, „der Krieger“ und „die Verfolgte“ umschrieben wurden. Damit habe ich lange gefremdelt, hatte aber auch das Gefühl, dass die Autorin im Laufe der Reihe sprachlich immer flüssiger geschrieben hat – oder mir ist es dann nicht mehr so aufgefallen.

Buch-Titel „Falaysia Band II: Trachonien“ – Ina Linger hat ihre Cover übrigens selbst gestaltet.

Die Hauptperson Jenna schließt man recht schnell ins Herz, denn sie ist durch und durch gut, beinahe naiv gutgläubig, wie ein Lamm unter Wölfen. Trotzdem fand ich ihre Figur nicht unglaubwürdig, denn mit ihrem psychologischen Einfühlungsvermögen und ihrer Willensstärke gelang es ihr trotzdem immer wieder, sich durch schwierige Situationen zu manövrieren. Und natürlich hat auch sie schwache Phasen – wenn ihr für meinen Geschmack auch manchmal zu oft die Tränen gekommen sind und es schwer war, ihr bei der wochenlangen Verarbeitung eines Traumas zusehen zu müssen.

Leon, aus dessen Perspektive genauso oft erzählt wurde, blieb für mich ein minder klar umrissener Charakter. Auch fand ich es oft etwas weniger spannend, Leons Erlebnissen zu folgen, als Jennas – was aber oft so ist bei Büchern, die zwischen zwei Perspektiven wechseln. Leon ist traumatisiert und pessimistisch, gewinnt durch Jenna aber Schritt für Schritt seine Hoffnung zurück. Obwohl er kein klischeehafter Krieger ist, scheint er doch ein geschickter Kämpfer und Stratege zu sein. Die innige Freundschaft zwischen ihm und Jenna hat mich oft verunsichert – soll es noch eine Romanze werden oder liegt es nur an mir, dass ich nie einen männlichen Kumpel hatte, den ich ohne Hintergedanken so umarmen und Wangenküsschen hätte geben konnte wie Jenna Leon? Andererseits finde ich genau diese vorbehaltlosen, ehrlichen, gefühlvollen Freundschaften toll, die in dieser Geschichte so oft auftauchen. Leon war mir nicht immer durchweg sympathisch, denn er hat besonders zu Beginn eine extrem rachsüchtige Seite. Aber gerade in der Weiterentwicklung und Veränderung der Charaktere liegt die Stärke Ina Lingers, wie ich finde.

Marek, die dritte Hauptperson, hat offenbar jahrzehntelang hart an seinem bösen Image gearbeitet und er kann auch durchaus sehr brutal, gehässig und zynisch sein. Gleichzeitig ist er hochintelligent – und ja, auch er hatte keine glückliche Kindheit. Natürlich schält Psychologin Jenna Schicht für Schicht den „wahren“ Kern der Persönlichkeit dieses Mannes heraus – was oft nur knapp am Klischee vorbeischrammt. Nicht nur in Bezug auf Marek muss man als Leser damit klar kommen, dass sich die Autorin besonders viel Zeit nimmt, um mit psychologischer Gründlichkeit in die Gefühlswelt ihrer Figuren einzutauchen. Glücklicherweise ist Ina Linger klug genug, auch Marek seine Ecken und Kanten bis zum Schluss zu lassen.

Kein Schwarz und Weiß

Es sind nicht nur die vielen Kämpfe und schweren körperlichen Herausforderungen, sondern gerade die Spannung zwischen diesen drei Hauptfiguren sowie die Konflikte zwischen vielen anderen toll ausgearbeiteten Charakteren, die diese Geschichte so fesselnd machen. Nicht alle Figuren finde ich bis zum Ende klar durchdacht und umrissen. Manche innige Freundschaften entstehen mir beinahe zu schnell. Aber bis zum Schluss fügen sich immer wieder neue Puzzleteile zusammen, bleiben viele Optionen offen und geschehen überraschende Wendungen – das bewundere ich sehr, wenn man die Länge der ganzen Geschichte bedenkt. Alles in allem bekommt man mit „Falaysia“ eine mitreißende Fantasy-Saga in der es kein Schwarz und Weiß gibt, sondern eine Geschichte von Liebe und Freundschaft mit auch mal widersprüchliche Figuren, die einem ans Herz wachsen. Man muss sich allerdings auf lange Leseabende einstellen – und je nachdem wie diszipliniert man ist, auf Schlafmangel.

Bewertung: 4 von 5.
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Nachdenken übers Lesen: Beeinflussen die Jahreszeiten mein Leseverhalten?

Den Denkanstoß zu diesem Blogpost gaben mir Antonia vom Blog Lauter und Leise und Frank vom Blog Büchernarr mit ihrer aktuellen Montagsfrage #102. Und die kurze Antwort lautet schlicht und ergreifend: Nein. Obwohl man im Winter mit guten Gewissen die Nase in Bücher stecken könnte, entscheiden eher die äußeren Umstände und aktuelle Kreativitätsflauten über mein Leseverhalten.


Ich gebe es zu, ich habe ein Problem mit Büchern. Eingespannt in Arbeit, Familie und ambitionierte Freizeitprojekte (wie eben einen eigenen Roman schreiben zu wollen), ist es für mich manchmal hinderlich, regelrecht gefährlich, meine spärliche freie Zeit mit Lesen zu verbringen.

Romane sind für mich wie Drogen

Ganz lange Zeit habe ich deshalb nur noch Fachbücher gelesen, die mir beispielsweise Hintergrundwissen für das historische Setting meiner eigenen Fantasy-Geschichte vermittelt haben. Fachbücher haben die praktische Eigenschaft, dass ich sie problemlos wieder weglegen kann, wenn Schlafenszeit ist oder andere Aufgaben anstehen. Außerdem kann ich auch zwei-drei davon parallel lesen, ohne mich zu verzetteln.

Ganz anders sieht das mit Romanen aus. Ich meine natürlich Romane, die mir gefallen, die mich mitreißen, in deren Welt ich vollständig eintauche. Die sind der wirklich gefährliche Stoff. Denn einmal in einem schwachen Moment angefangen, lassen sie mich erst wieder los, wenn ich sie zu Ende gelesen habe. Deswegen fange ich manchmal gar nicht erst an zu lesen, weil ich gerade so viel anderes zu tun habe. Aus diesem Grund beginne ich auch keine Reihe, von der ich weiß, dass sie noch nicht beendet ist – denn ich kann es einfach nicht ausstehen, am Ende – nach so viel Qual und Aufopferung – mit einem Cliffhanger dazusitzen.

Frau mit E-Book-Reader (Beispielbild by Pexels from Pixabay)
Mein Problem: Einmal angefangen – kann ich nicht mehr aufhören zu lesen. (Beispielbild by Pexels from Pixabay)

Jetzt denkt ihr bestimmt, ich bin verrückt. Die Leute, die es im Alltag mit mir aushalten müssen, können das bestätigen. Ich glaube, sie seufzen jedes Mal innerlich, wenn ich einen neuen Roman beginne. Denn dann stehen zwei bis vier Tage an, in denen ich mental abwesend bin. Dann kann es passieren, dass ich auch noch mit der Zahnbürste im Mund weiterlese und obendrein eine Dreiviertelstunde lang Zähne putze, statt ins Bett zu gehen. Dass ich nur noch sechs Stunden schlafe, gereizt und am Ende der Lektüre ein mentales Wrack bin. Obwohl es natürlich auch Spaß macht, in diesen Welten zu versinken, den Alltag völlig auszuklinken und es mir auch für das eigene Schreiben ganz viel bringt – selbst bei Büchern, die ich hinterher nicht perfekt fand.

Ich lese schubweise und exzessiv, egal zu welcher Jahreszeit

Aber so einen selbstzerstörerischen Lesekonsum kann ich mir natürlich nicht permanent leisten und wenn ich einmal (mit dunklen Augenringen und einem Rest von Lebensenergie die letzten Seiten lesend) den Stop-Knopf gefunden habe, muss ich erst wieder Kräfte sammeln, bevor der Kreislauf von vorne beginnen kann. Zur Ehrenrettung der Autoren dieser Romane muss ich sagen, dass ich nach so einem Lesemarathon und einer Mütze Schlaf meine Kreativität wiedergefunden und richtig Lust habe, selbst weiterzuschreiben. Deswegen lese ich quasi schubweise, exzessiv, unabhängig von den Jahreszeiten. Dazwischen befinden sich mehr oder weniger lange, völlige Lesepausen. Und wenn ich dann eines Abends oder womöglich schon den zweiten Abend in Folge uninspiriert vor meinem eigenen Schreibprojekt sitze, wenn ich besonders müde bin und gar nicht mehr kreativ, dann kann es passieren, dass ich wieder schwach werde und „klick“, hab ich einen neuen, fesselnden Roman auf meinem E-Book-Reader.

Welche Trilogie das zuletzt war und was ich dafür auf mich genommen habe, um auch Teil 3 lesen zu können, erfahrt ihr dann in meinem nächsten Post.

Wer ebenfalls seine Gedanken zu seinem Leseverhalten teilen möchte, kann das noch den ganzen Tag lang tun und seinen Beitrag unter Antonias aktuellen Post verlinken.

Kann ein Autor auch ein guter Rezensent sein? – Zur Montagsfrage #98 von Lauter & Leise

Durch Elli vom Wortmagieblog bin ich gerade, zugegebenermaßen recht spät am Abend, auf die Montagsfrage im Blog Laut & Leise aufmerksam geworden. Dort wird heute gefragt: Kann ein Autor auch ein guter Rezensent sein? Das hat mich auch schon beschäftigt, eben, weil ich versuche beides zu sein.


Inspiration aus dem Netzwerk

Seit fünf Jahren arbeite ich an einem Fantasy-Roman, der nun langsam aber sicher fertig wird. Schreiben gehörte schon immer zu meinen Hobbys, während ich hauptberuflich ebenfalls Texte verfasse, aber eben fachliche oder Auftragstexte. Geschichten entstehen zu Hause. Seit einem Jahr blogge ich hier über das Schreiben und das Lesen – und ich muss sagen, dass mir beides schon weitergeholfen hat. Der Austausch mit anderen Schreibenden und Lesenden gibt mir Ideen und Inspiration, manchmal auch ganz konkrete Tools für das praktische Schreiben. Und das Lesen und Rezensieren der Bücher anderer Autoren lässt mich genauer darüber nachdenken, warum mir ein Buch gefällt oder auch nicht, sodass ich mich beim Schreiben dann bereits ertappt habe, auf solche „Erkenntnisse“ zu achten. Die Rezensionen anderer Buchblogger bringen mich zu neuen Büchern, die ich auch unbedingt noch lesen möchte. Alles in allem eine Win-Win-Situation!

Wann ist eine Rezension gut?

Aber ob ich dadurch anders rezensiere als andere, nur, weil ich nebenher auch selbst schreibe, weiß ich nicht. Natürlich kann ich mich einfühlen in die Autorinnen und Autoren, die vielleicht Monate oder Jahre mit ihrem „Baby“, ihrem Herzensprojekt verbracht haben und sich dann jede Kritik zu Herzen nehmen. Auch ich muss früher oder später mit Kritik von Lesern rechnen, wenn ich mein Buch veröffentlichen möchte und das macht mir auch Angst. Deshalb versuche ich meine Meinung immer gut zu begründen und zu beschreiben, warum mich etwas stört. Einfach drauflos zu schimpfen, finde ich nicht nur unfair, sondern auch unprofessionell. Und letztlich ist und bleibt jede Rezension eine subjektive Meinung.

Natürlich ist Rezensieren auch eine Zeitfrage. Während ich hier blogge, hätte ich an meinem Buch weiterarbeiten können. Aber manchmal ist Ablenkung nicht schlecht und Vernetzung schon gar nicht! Ein Blick über die eigene Tastatur quasi.

Ich fürchte mich auch nicht davor, andere Autoren zu empfehlen. Denn selbst wenn ich plötzlich fünf Romane pro Jahr publizieren würde, ich könnte den Buchmarkt nie alleine bedienen und auch nie alle Geschmäcker treffen. Denn glücklicherweise sind die verschieden. 😉

Buchblogger als Bedrohung für Literaturkritiker „alter Schule“

Manche Leute bezweifeln ja generell, dass Buchblogger hochwertige Rezensionen abgeben können. Dass die Literatur, die auf Blogs besprochen wird, tatsächlich („richtige“, hochwertige) Literatur ist. Immer mal wieder höre oder lese ich neidvolle Kommentare von klassischen Literaturrezensenten, die sich in ihrer „Macht“, Bücher fachgemäß richtig zu sezieren, angegriffen fühlen. Und ja, unser Urteil beeinflusst bestenfalls andere, animiert sie zum Lesen oder Nichtlesen.

Ganz wunderbar finde ich den schon ein Jahr alten Post „Die Buchkritik ist tot. Lang lebe die Buchkritik!“ von Maria AlMana, aus dem jahrzehntelange Erfahrung spricht. Sie hebt darin unter anderem hervor, dass man früher vom Schreiben über Bücher leben konnte und heute kaum noch – weil wir diese Inhalte quasi gratis in unserer Freizeit produzieren. Ihr Fazit ist dennoch, dass damit die Welt der Buchkritik demokratischer geworden ist, weil nun statt einzelne Literatur-Päpste das „bücherlesende und -liebende Volk“ die Macht an sich reißen würde. So sehe ich es auch: Rezensieren kann prinzipiell erst einmal jeder – ob Autor oder Leser, Hauptsache, er oder sie begründet seine bzw. ihre Maßstäbe und Meinung nachvollziehbar.

„Die Nebel von Skye“ – Romantische Schauergeschichte von Katharina Herzog

Eine unterhaltsame Gruselgeschichte mit viel Nebel, Geistern und einer ersten Liebe erzählt das Jugendbuch „Die Nebel von Skye“ von Katharina Herzog. Ich habe das Buch in der letzten Woche gemeinsam mit einer 9-jährigen Büchermotte gelesen. Nun bin ich zwar nicht mehr jugendlich und sie noch nicht, aber uns beiden hat das Lesen viel Spaß gemacht – ein Dankeschön geht hier an Verena vom Blog Lieblingsleseplatz, die das Buch neulich empfohlen hat.

Worum geht’s?

Die Hauptperson Enya kommt zwar aus Deutschland, wirkt mit ihrem keltischen Namen und ihren roten Haaren „schottischer als jeder Schotte“. Ihre chaotische Familie hat Geldsorgen und vor allem deswegen müssen alle der Einladung der reichen Großtante Mathilda folgen, die Silvester gemeinsam auf einem schottischen Schloss feiern möchte. In den wildromantischen Nebelschwaden spukt nicht nur ein Geist. Enya verliebt sich auch noch.

Buchcover "Die Nebel von Skye" von Katharina Herzog (Quelle: https://katharina-herzog.com/jugendbuch/die-nebel-von-skye/)

Loewe Verlag »
08.10.2020
Preis: € 14,95
Seitenzahl: 400
ISBN: 978-3-7432-0620-5
Erhältlich als: E-BookPaperback

(Bildquelle: Katharina Herzog)

Traumhafte Landschaft, überraschende Charaktere

Mir gefällt an dem Roman, dass man viel über die schottische Landschaft und ihre Sehenswürdigkeiten erfährt, die man auch real besuchen kann. Gleichzeitig bewegt sich diese „Romantasy“ nicht wie so häufig in einem Milieu von reichen Schülern oder Studentinnen, sondern es gibt trotz des mondänen Settings Geldsorgen und soziale Unterschiede. Beispielsweise gehören Jona und seine Großmutter zu den „Irish Travellers“, deren Wohnwagensiedlung aufgelöst werden soll. Die Thematik wird nur gestreift, aber es ist ein ungewöhnlicher Aspekt, der der Geschichte eine individuelle Note gibt.

Um die Landschaft der Isle of Skye ranken sich viele Legenden - Image by David Mark from Pixabay
Um die Landschaft der Isle of Skye ranken sich viele Legenden – Image by David Mark from Pixabay

Die verschiedenen Charaktere sind jeder auf ihre eigene Art und Weise sympathisch, auch wenn sie zunächst schrill oder schroff wirken. Viele verbergen kleine Geheimnisse, überraschende Details kommen später ans Licht. Die 16-jährige Hauptperson Enya verfolgt den großen Traum, Regisseurin zu werden und das Spukschloss-Setting und die Legende um die herumgeisternde Burgherrin Finola McLeod kommt ihr sehr gelegen. Aber auch um Großtante Mathilda ranken sich Geheimnisse und Jonas Oma, eine Wahrsagerin, sieht Gefahr in ihrer Kristallkugel. Auf diese Weise dreht sich die Geschichte zuallererst um die Rätsel, die Enya zu lösen versucht. Nebenbei verliebt sie sich in Jona, der aber auch etwas zu verbergen hat. Jona trägt zwar keine Designerklamotten, sondern fährt ein klappriges Auto, aber er sieht gut aus, hat ein Herz für Tiere und ist ziemlich nett.

Büchermottes Wertung

Meine 9-jährige Büchermotte, der ich das Buch vorgelesen habe, vergibt 4 von 5 Sternen. Den Stern Abzug gibt es von ihr nur, für eine klischeehafte Motorradszene, dafür dass Jona Enyas Hund als „Köter“ beschimpft hat und weil der hübsche Jona einfach zu hübsch ist. Sie wünscht sich mal ein Buch mit einem unspektakulären Jungen in der Hauptrolle 😉

Bewertung: 4 von 5.

Alles in allem: Eine klare Leseempfehlung, wenn man eine gemütliche Wohlfühl-Lektüre für regenverhangene Nebeltage sucht!

Wilde Sprünge: die Zeitreisen-Trilogie von Julie Cross

Der Zeitreise-Trilogie von Julie Cross muss ich einfach einen eigenen Blogpost widmen, so tief bin ich in den vergangenen Tagen in diese Welt eingetaucht! Konkret geht es um die drei Bände „Sturz in die Zeit“, „Feinde der Zeit“ und „Sturm der Zeit“, die aufeinander aufbauen. Sie sind Liebesgeschichte, Science-Fiction/Fantasy und Agenten-Thriller in einem.

Der Central Park in New York spielt eine zentrale Rolle in Julie Cross‘ Trilogie.
Foto: ORCInternational/Pixabay

Im Mittelpunkt der Geschichte steht der 19-jährige Jackson Meyer, der in einem schicken Apartment in New York wohnt, eine tolle Freundin (Holly) und einen besten Freund (Adam) hat und Literatur studiert. Sein Vater ist viel unterwegs, die Zwillingsschwester mit 14 gestorben und die Mutter ist noch viel länger tot. Als Leser lernt man Jackson erst nach und nach kennen. Ich fand es zuerst ungewöhnlich, dass eine Liebesgeschichte dort beginnt, wo das Paar schon einige Monate glücklich zusammenlebt – quasi da, wo andere Bücher aufhören. Aber kein Wunder, Julie Cross schafft es meisterhaft, dass sich ihre Figuren immer wieder von neuen kennen und lieben lernen müssen. Denn Jackson hat gerade herausgefunden, dass er durch die Zeit reisen kann. Zusammen mit seinem besten Freund experimentiert er damit, erforscht die ungewöhnlichen Fähigkeiten. Bis plötzlich zwei Männer auftauchen und Holly erschießen. An der Stelle hat man Holly noch gar nicht richtig kennengelernt. Jackson springt unter Schock in die Vergangenheit und kann nicht mehr zurück. Holly und Adam kennen ihn (noch) nicht, die Schule will er auch nicht nochmal besuchen und vor allem will er verhindern, dass der Mord nochmal geschieht. Dabei tauchen nach und nach mehr Rätsel und Geheimnisse auf.

Nichts ist, wie es scheint. Nichts ist endgültig. Alle Personen verändern sich, Tod ist nicht endgültig, die Zeit keine feste Größe. Die Zukunft ist veränderlich, die Folgen sind nicht abschätzbar. Selten habe ich ein Buch gelesen, dass so viele spannende Szenen so dicht aneinanderreihen konnte und trotzdem ergibt am Ende alles noch einen Sinn. Auch wenn man sich zwingt, das Buch kurz wegzulegen, grübelt man weiter über Konsequenzen und Lösungen nach.

Neben der tollen Erzählweise mag ich besonders die tiefgründigen und vielschichtigen Figuren. Alle haben Stärken und Schwächen, entwickeln und verändern sich. Darüber hinaus bieten die Romane auch Stoff, über zukünftige Entwicklungen und ihre Konsequenzen nachzudenken – zum Beispiel über die Auswirkungen von Klonen, Kriegen, Stürmen, Virus-Pandemien. Manches war als ich es 2020 gelesen habe, erschreckend aktuell.

All das macht für mich ein gutes Buch aus. – Eine klare Empfehlung!

Als ich gerade nach Illustrationen für den Beitrag suchte, bin ich über einen Trailer und ein Musikvideo zum Buch gestolpert:

Allerdings bin ich mir nicht sicher, ob ich es gut finde, Romanfiguren in Trailern und auf Buch-Covern bildlich darzustellen. Sie entsprechen so gut wie nie dem Bild, was ich beim Lesen im Kopf habe. Das ist ja gerade das Schöne am Lesen – das Kopfkino. Aber das ist schon wieder Stoff für einen neuen Blogpost!

Lese-Marathon: 10 Zeitreise-Romane

Zeitreisen als Stoff für Geschichten interessiert mich schon lange und gerade schreibe ich auch selbst an einem Zeitreise-Roman. Derzeit bleibt viel Zeit zum Lesen – Dank E-Book-Reader kommen die Bücher auch superschnell zu mir… In den letzten drei Monaten habe ich 10 Bücher gelesen, in denen es auf die ein oder andere Art um Zeit geht – Inspiration und Selbststudium.

Uhr um 1650 | aus der Sammlung des Victoria and Albert Museum in der Online-Bibliothek Europeana , Lizenz: CC BY

Kerstin Gier: Rubinrot / Smaragdgrün / Saphierblau

Seit Kerstin Gier 2009/10 mit ihrer Edelstein-Trilogie einen Bestseller landete, sind ziemlich viele Zeitreise-Romane im Jugendbuch-Genre erschienen, was ich erst bemerkt habe, als ich 2019 auf Kerstin Giers Bücher stieß. Obwohl ich leider nicht mehr jugendlich bin, hab ich die drei Romane in kurzer Zeit verschlungen. Kurz zusammengefasst geht es um ein 16-jähriges Mädchen namens Gwendolyn Shepherd, deren Familie sich gerade auf die erste Zeitreise von Gwendolyns verwöhnter Cousine Charlotte vorbereitet, die ein geheimnisvolles Zeitreise-Gen geerbt haben soll. Als dann aber nicht Charlotte, sondern Gwendolyn in der Zeit springt, gerät die Familie und eine Geheimgesellschaft in Aufruhr. Natürlich darf auch eine Liebesgeschichte und jede Menge Action nicht fehlen, doch ich wage zu behaupten, dass der Erfolg der Geschichte auch maßgeblich mit Kerstin Giers witziger Erzählweise zusammenhängt. So ist die Edelstein-Trilogie eine tolle Mischung aus Kriminalgeschichte, Romanze und Komödie.


Michael J. Sullivan: Zeitfuge

Ellis Rogers, ein 58-jähriger Wissenschaftler aus Detroid, hat in seiner Garage eine Zeitmaschine gebaut und als er erfährt, dass er unheilbar krank ist, probiert er sie aus und landet in einer fernen Zukunft. Die ist anders als er erwartet hat und er eine Sensation. Ich will nicht zu viel verraten, daher führe ich das jetzt nicht näher aus. Das Buch wirft an Hand dieser Zukunftsvision Fragen zur Gegenwart auf, die von unserem Umgang mit unserem Planeten über die Rolle von Religion bis hin zur Akzeptanz gleichgeschlechtlicher Beziehungen reichen. Schade, dass letzteres anno 2020 überhaupt noch ein Thema sein muss – für den fast 60-jährigen amerikanischen Protagonisten offenbar schon. Das Buch hat mich zugegebenermaßen nicht von Anfang an gepackt, es fiel mich schwer, mich in einen schwer kranken älteren Herrn einzuleben. Aus einer beinahe rein männlichen Perspektive geht es um irgendwie auch sehr amerikanische Probleme. Es hat ein paar Wochen gedauert, bis ich durch die ersten Kapitel gekommen bin. Aber sobald die Zeitreise endlich begonnen hatte, konnte mich die Geschichte so fesseln, dass ich sie zügig zu Ende gelesen habe.


Elisabeth Dommer: Sonnenwindhaus

Eine faszinierende Vorstellung: Zur Abwechslung einmal kein einzelner Mensch, sondern ein ganzes Haus reist durch die Zeit. Von einem Tag auf den anderen verschwindet Tristan Röver, der Klavierlehrer des Mädchens Annelie. Nach 11 Jahren taucht er wieder auf, allerdings um Jahrzehnte verjüngt und im Glauben, im Jahr 1930 zu leben. Elisabeth Dommer erzählt vom Zeitgeschehen, den bewegenden Lebensgeschichten verschiedener Menschen, von Liebe und Liebe zur Musik. Trotz nachdenklicher, in sich gekehrter Hauptpersonen und einer ruhigen Erzählweise fesselt die Geschichte. – Ich hab sie in nur zwei Tagen durchgelesen.


Sandra Regnier: Die Lilien-Reihe

Bei einem Ausritt mit ihrer Freundin landet die 16-jährige Julia plötzlich im Frankreich des 17. Jahrhunderts und trifft direkt auf eine Jagdgesellschaft Ludwigs XIV. Es sei einmal dahingestellt, ob der „Sonnenkönig“ wirklich ein kurios gekleidetes Mädchen an seinem Hof aufgenommen hätte, doch das Gedankenspiel gibt dem Leser die Gelegenheit tief in die Intrigen von Versailles einzutauchen. Ich habe den Eindruck gewonnen, dass die Autorin viel recherchiert und sich um historisch korrekte Fakten bemüht hat. Am Ende des Buchs erläutert sie genau, an welchen Stellen sie der Handlung zuliebe von der wahren Geschichte abgewichen ist. Herausgekommen ist eine unterhaltsame und auch spannende Geschichte mit Intrigen, Liebe und Kriminalfällen. Der einzige Makel des Buchs ist aus meiner Sicht das Ende, das mich mit großen Fragezeichen zurückgelassen hat. Inzwischen hab ich zwar auch die Erklärung der Autorin (Spoiler-Alarm!) dazu gelesen, aber so richtig zufriedenstellt mich das nicht.


Katharina Münz: Aus der Zeit gefallen

Eine Story, die zwar beim besten Willen nicht jugendfrei ist, aber durchaus ihren Reiz hat: Was wäre wenn es einen Wikinger direkt in unsere Gegenwart verschlagen würde? Katharina Münz erzählt die Geschichte sehr witzig aus ständig wechselnden Blickwinkeln, was sie auch sprachlich sehr eindrucksvoll kennzeichnet. Dieser Erzählstil stellt für mich das Herzstück des Romans dar und macht ihn auch so besonders. Gleichzeitig ist das Buch mitreißend und spannend geschrieben. Verzichten könnte ich persönlich gut und gerne auf Anspielungen von Romanen befreundeter Autoren und auf Rezepte, die in der Geschichte vorkommen und im Anhang weiter ausgeschmückt werden.

Triumph der Zeit, Blatt aus der Folge der Triumphe nach Petrarca . Pencz, Georg. Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg (Europeana.eu, CC0-Lizenz, freie Nachnutzung)

Sandra Regnier: Die Pan-Trilogie

Sandra Regniers Pan-Trologie nimmt den Leser nicht nur mit auf Zeitreise, sondern in eine Welt mit Menschen, Elfen, Nixen und Drachen. Bis ein (unglaublich gut aussehender) neuer Mitschüler namens Leaner FitzMor an ihre Schule kommt, hat Hauptperson Felicity Morgan ein eher normales Leben geführt, wenn sie auch neben der Schule ihrer Mutter abends in deren Pub aushelfen muss. Sympatisch macht sie, dass sie in ihrer Außenseiterrolle trotzdem selbstbewusst und schlagfertig ist und sich von Äußerlichkeiten nicht blenden lässt. Möchte man sich auf Elfen und Drachen einlassen, dann wird man mit einer sehr unterhaltsamen, spannenden Geschichte belohnt. Auch einige Ausflüge in die Vergangenheit sind dabei, wobei die in der Geschichte meines Erachtens keine zentrale Rolle spielen, sondern eher eine von vielen vorkommenden übernatürlichen Fähigkeiten sind. Gut fand ich, dass es im Buch keine klaren Linien zwischen „Gut“ und „Böse“ gibt. Zum Ende der Reihe hin hatte ich das Gefühl, dass die Autorin die Geschichte schnell beenden wollte – plötzlich ging es mir zu schnell und als Leser bekam man kaum Zeit, um von plötzlich sterbenden wichtigen Figuren gebührend Abschied zu nehmen.


Tanja Neise: Der Orden der weißen Orchidee 1 & 2

Die junge Übersetzerin Marie erbt den alten Bauernhof ihrer Urgroßmutter, die sie kaum kannte. Mit dem Hof „erbt“ sie aber auch ein Geheimnis, das sie durch die Zeit ins 19. Jahrhundert führt. Dort verliebt sie sich nicht nur, sondern gerät auch in Lebensgefahr und noch tiefer in die Vergangenheit. Ich bin auf die Geschichte aufmerksam geworden, weil die Zeitreise hier durch Bäume funktioniert. Die beiden Bücher lesen sich flüssig und unterhaltsam, wenn ich auch manchmal das Gefühl hatte, dass ich mich als Leser nicht genug in die Hauptpersonen einleben konnte und dass teilweise in der Geschichte einfach zu viel Zeit ins Land ging.


Myra McEntire: Hourglass (Teil 1)

Die Geschichte klang eigentlich spannend und war es in gewisser Weise auch: Die 17-jährige Emerson Cole, geprägt von einer traumatischen Vergangenheit, sieht Szenen aus vergangenen Zeiten mitten in ihrer Umgebung. Erst Michael Weaver von der geheimnisvollen Forschungseinrichtung Hourglass scheint sie zu verstehen. Durch ihn gerät Emerson blitzschnell in einen Strudel der Ereignisse und lernt in kurzer Zeit gefühlt hundert Menschen mit Superkräften kennen. Mir ist es etwas schwer gefallen, mich in Emersons Persönlichkeit – einerseits zurückgezogen, weil traumatisiert, andererseits schlagfertig und entschlossen – einzuleben. Zum anderen fand ich es sehr irritierend, als wie abgöttisch schön und perfekt Michael Weaver beschrieben wurde. Darüber hinaus fand ich die Handlung zu schnell und zu sprunghaft. Die Autorin nahm sich kaum Zeit, die verschiedenen, teilweise nicht unbedingt notwendigen mit geheimnisvollen Kräften begabten Figuren vorzustellen. Die Protagonistin akzeptierte die übernatürlichen Geschehnisse erstaunlich gelassen und wurde flux zur Heldin – ein bisschen wie Matrix im Schnelldurchlauf. Mich zumindest hat diese Erzählweise davon abgehalten, mir Band 2 zu kaufen.


Sabineee Berger: Zeitreise eines Ritters

Dieses E-Book hab ich mir gekauft, weil ich den Gedanken spannend finde, einen Ritter in die Gegenwart reisen zu lassen. Allerdings fand ich den Roman zwar in gewisser Weise unterhaltsam und teilweise witzig, aber nicht besonders tiefgründig. Weder hatte ich den Eindruck, dass eine historisch tiefgründige Recherche stattgefunden hat, noch dass ich mich als Leser besonders gut in die Figuren einleben konnte.


Katrin Brückmann: Feuer der Zeit

„Feuer der Zeit“ lehnt sich etwas an Diana Gabaldons Klassiker „Outlander“ an, nur, dass die Liebesszenen bei Katrin Brückmann nicht ganz so mitreißend und die Figuren nicht so überzeugend ausgearbeitet sind. Durch ein Mittsommernachtsfeuer gelangt die Hauptperson Rena direkt ins alte Germanien. Ihre Motivation, diesen Schritt bewusst zu tun, fand ich nicht ganz glaubwürdig. Allerdings scheint recht viel historische Recherche in die Romane eingeflossen zu sein, man erfährt einiges über die Zeit. Trotzdem gingen mir die Geschehnisse nicht richtig nahe, ich konnte mich nicht ganz in die Personen einleben. Den dritten Band habe ich dann auch nicht mehr gelesen. – Wobei ich auch bei Diana Gabaldon irgendwann nach 4 oder 5 Bänden aufgegeben habe. Manchmal ist weniger mehr.

Ich gestehe, ich lese bereits an einem weiteren Zeitreise-Roman – es wird wohl eine Fortsetzung dieses Blogposts geben müssen.

Was fasziniert euch an Zeitreisen?

Zwischen Wunder und Wirklichkeit

Viele Bücher lassen sich Genres eindeutig zuordnen: bodenständiger realitätsnaher Roman oder Fantasy, Sachbuch oder Kinderbuch, Krimi oder historischer Roman? Das sind die Genres, die beispielsweise die Literatur-Community Lovely Books ihren Mitgliedern anbietet. Aber manche Bücher bewegen sich irgendwo dazwischen und das macht es den Autoren, den Lesern und den Portalen/Verlagen manchmal nicht leicht.

Aber gerade solche Geschichten beschäftigen mich besonders – als Leser und als jemand, der gerne schreibt.

Howard Pyle: The Princess Dwells in the Oak Tree Where ye Wild Pigeons Come to Feed Her, for „The Wonder Clock, 1887, The Metropolitan Museum Purchase, Rogers Fund, 1926; transfered to the Print Department, 1967, CC0

Natürlich haben auch „normale“ Romane mit verlässlichem realistischen oder auch historischem Setting ihren Reiz und auch die lese ich gerne, wenn mich die Geschichte anspricht. Auch Fantasy-Romane, die ja meist eine ganz eigene Welt mit fabelhaften Gestalten erschaffen, habe ich schon gelesen und sogar geschrieben (aber nicht veröffentlicht). Was mich aber besonders reizt, ist, wenn die fantastische Welt in die gewöhnliche hineinsickert, wenn plötzlich der alltägliche Trott gebrochen wird durch Geschehnisse, die nicht sein können. Dann kann man die Frage stellen: Was wäre wenn?

Wenn Geschichten nicht ins Genre passen

Auch das Genre Science Fiction gefällt mir, weil es auslotet, was in Zukunft mit Hilfe der Entwicklungen moderner Technik und Wissenschaft vielleicht einmal sein könnte – oder auch nicht. Aber wohin mit den Geschichten, die nur teilweise fantastische Elemente enthalten? Zeitreise-Geschichten zum Beispiel, die ansonsten relativ realitätsnah bleiben. Meines Erachtens werden solche Bücher oft mangels Schublade nicht gefunden oder von Leuten gefunden, die gar keine fantastischen Elemente in ihrem Lesestoff haben wollten. Oder kennt jemand einen passenden Suchbegriff dafür?

Eine Meisterin solcher Geschichten ist übrigens die Thüringer Autorin Elisabeth Dommer. In diesem Jahr hat sie einen neuen Band mit wundersamen Erzählungen herausgebracht, der die eigene Wahrnehmung manchmal in Frage stellt und eben diese Grenzen zwischen Realität und Fantasie auslotet. „Der unheimliche Zauber der Sterne“ heißt das Buch, das elf mal kürzere, mal längere Geschichten beinhaltet, von denen die meisten fantastische Elemente besitzen.

Bücher im falschen Regal

Bei einer Lesung mit Elisabeth Dommer konnte ich aber an den Reaktionen des Publikums sehen, dass nicht alle Leute solche fantastischen Elemente in Geschichten akzeptieren wollen. Manchen gefällt es einfach nicht, sie wollen gern, dass die Dinge auf festem Boden stehen und so auch in Wirklichkeit passiert sein könnten. Wenn sie durch Zufall – zum Beispiel durch eine falsche Genre-Einordnung – an so ein Buch geraten, sind sie womöglich frustriert und geben dem Buch eine schlechte Kritik. Dann haben weder Leser noch Autor etwas davon.

Was sind eure Erfahrungen? Findet ihr in den gängigen Genre-Aufteilungen immer zielstrebig, wonach ihr sucht? Oder wählt ihr eure Lektüre ohnehin lieber an Hand der Buchcover oder auf Grund von Empfehlungen aus?

Wörter digital – 5 Gründe für E-Book-Reader

Irgendwie praktisch: E-Book-Reader | Foto: Perfecto_Capucine auf Pixabay

Seit meiner Kindheit schreibe und lese ich Geschichten. Lange Zeit wuchs meine Büchersammlung schneller und schneller – und irgendwann reichte der Platz nicht mehr aus. Ein E-Book-Reader hilft, das Platzproblem einzudämmen. Warum ich E-Books mag:

E-Books sind platzsparend

Inzwischen habe ich zwei E-Book-Reader und die Büchersammlung wächst langsamer. Nicht alle Bücher gibt es als E-Books, weshalb immer noch neue dazu kommen. Auch geschenkte Bücher tragen dazu bei, dass bei mir zu Hause neue gedruckte Bücher einziehen. Vor einigen Jahren habe ich begonnen, auszusortieren und Bücher zu verschenken oder Second Hand zu verkaufen.

E-Books sparen Papier

Für E-Books werden keine Bäume gefällt. Über die Frage, wie viel Papier ein gedrucktes Buch verbraucht, hat sich die Autorin Ute Kranz schon einmal Gedanken gemacht und kam zu dem Schluss, dass für ihre 5000 Bücher je nach Baumart 3-7 Bäume nötig waren. Dagegen hilft nur Recyclingpapier – oder das E-Book. Allerdings sind E-Books vermutlich nur ein wenig besser für die Umwelt, wie Deutschlandfunk Nova kürzlich recherchiert hat, denn die Herstellung eines Readers verbraucht so viele wertvolle Ressourcen wie ein Smartphone, allerdings nutzen die meisten Leute einen Reader viel länger und viel Strom frisst der Reader auch nicht.

E-Books sind leicht

Im Gegensatz zu gedruckten Büchern kann ich per E-Book-Reader hunderte Bücher mit in den Urlaub oder auf Dienstreise nehmen. Und ich finde auch, dass der Reader gut in der Hand liegt – gerade dicke Romane sind manchmal auf Dauer recht anstrengend festzuhalten.

E-Books sind schnell

Manchmal lese ich etwas über ein neues Buch und will es sofort lesen. Aber der nächste Laden ist weit und dann kann es sein, dass ich den Buchtitel schon wieder vergessen habe. Man könnte jetzt sagen, das spart Zeit und Geld 😉 Denn mit dem E-Book-Reader hab ich viele Bücher schnell gefunden und gekauft und kann sofort loslesen.

E-Books sind praktisch

Es gibt bei E-Book-Readern noch eine Menge kleiner Helferlein, die ein normales Buch nicht mitbringt. Der Reader merkt sich immer, wo man mit dem Lesen aufgehört hat. Man kann die Schriftgröße und die Helligkeit anpassen. Und zur Not und wenn man W-LAN hat kann man unbekannte Begriffe nachschlagen.

Was sagst du? Liest du lieber gedruckte oder digitale Bücher?