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Ohne Herz, aber nicht herzlos – Die Fantasy-Trilogie „Heartless“

Sara Wolfs Geschichte über das Mädchen Zera, dessen Herz sich im Besitz einer Hexe befindet, und ihr Bemühen, wieder menschlich zu werden, hat mich neulich total in ihren Bann gezogen. Obwohl mich die Grundidee erstmal abgeschreckt hat: Zera soll ihr Herz wiederbekommen, wenn sie den Hexen das Herz eines gut aussehenden Prinzen bringt und wird zu einer Art Bräute-Casting an einen Königshof dieser Fantasy-Welt geschickt. Ehrlich, ich dachte, das kann nur kitschig werden: Hexe, Herz, Prinz – das klingt nach Klischee. Aber Sara Wolf hat mich positiv überrascht.

Ich musste (wie immer) unbedingt alle Bände lesen, was zu einer kleinen Odyssee eskalierte: Band 1 hatte ich mir als Hörbuch-Download gekauft, um nebenher Fotos sortieren zu können (ich hab den MP3-Player dann quasi permanent auf – übler Cliffhanger…). Band 2 gab es leider (noch?) nicht als Hörbuch, also hab ich mir das E-Book gekauft und in den nächsten Tagen verschlungen, nur um dann festzustellen, dass es Band 3 noch nicht auf Deutsch gab, weil er Anfang November 2020 erst auf Englisch erschienen ist. Also hab ich das Original als E-Book gelesen. Übrigens sind die englischen Titel sehr klangvoll und gefallen mir besser als die deutsche Übersetzung, die dem ganzen noch mehr diesen kitschigen Touch verleiht: Bring me their hearts, Find me their bones, Send me their souls. Hier ein Überblick über die Reihenfolge:

Sara Wolf

Heartless, Band 1: Der Kuss der Diebin
Ravensburger Verlag
ISBN: 978-3-473-47935-1

Heartless, Band 2: Das Herz der Verräterin
Ravensburger Verlag
ISBN: 978-3-473-40191-8

Bring Me Their Hearts, #3: Send Me Their Souls (auf Englisch)
Entangled: Teen
ISBN-10 : 1682815072

Empfohlen ab 16 Jahre
Bildquelle: Ravensburger Verlag


Worum geht’s?

Wir befinden uns in einer gut ausgearbeiteten Fantasy-Welt mit Hexen, die „Herzlose“ als Diener oder wahlweise auch als Bodyguards einsetzen. Hauptperson Zera wäre gestorben, wenn „ihre“ Hexe sie nicht zur Herzlosen gemacht hätte. Zu ihrem Unleben gehört einerseits, dass sie nicht sterben kann und dass ihre Wunden durch die Magie der Hexe wieder verheilen, andererseits aber auch, dass sie trotzdem Schmerzen fühlen kann und dass eine Stimme in ihrem Kopf („die Glut“) sie beinahe in den Wahnsinn treibt, wenn sie nicht einmal am Tag rohes Fleisch isst. In dieser Welt stehen sich Menschen und Hexen feindlich gegenüber. Außerdem gibt es noch drei andere Arten von nicht-menschlichen Wesen, die ich sehr originell finde (endlich mal keine Elfen, Drachen und Orks!), die ebenfalls eine wichtige Rolle in der Geschichte spielen. Dass Zeras Auftrag, dem Prinzen sein Herz im wortwörtlichen Sinne zu stehlen, zu emotionalen Konflikten führt, ist vorprogrammiert. Denn dass Zera eine „Herzlose“ ist, bedeutet nicht, dass sie kein Gewissen hat oder sich nicht verlieben kann. Diese Gefühle begleiten sie durch alle drei Bände, ohne dass sie Selbstzweck der Story sind. Im Zentrum der actionreichen Geschichte stehen Zeras persönlicher Kampf und ihre Entwicklung und wie sie nebenbei versucht, die Welt zu retten. Es geht, kurz gesagt, um Selbstermächtigung, Freundschaft und Gerechtigkeit.

Sprachlich elegant, divers, originell

Sara Wolf kleidet ihre Geschichte in elegante und ungewöhnliche Sprachbilder, die mir wunderbar gefallen haben. Absolut positiv überrascht haben mich aber die vielen starken Charaktere, die sie geschaffen hat. Bestimmt kennt ihr alle die Figur „geheimnisvoller, gutaussehender Typ mit dunklem Geheimnis“, in den sich die Hauptperson eines Romans garantiert verliebt. Hier ist es umgekehrt, denn diese Beschreibung trifft auf Zera zu. Auch wenn Prinz Lucien gut mithalten kann, Zeras Geheimnis ist noch dunkler. Gleichzeitig ist sie frech, witzig, selbstbewusst und unerschrocken. Als Leser folgt man ihren inneren Konflikten und ihre Entscheidungen sind immer logisch und nachvollziehbar. Neben Zera gibt es weitere starke, sogar queere Frauen, die entscheidend zur Geschichte beitragen. Es gibt Figuren, denen durch harte Arbeit ein gesellschaftlicher Aufstieg gelingt, obwohl ihresgleichen sonst systematisch diskriminiert werden. Niemand hier ist perfekt und niemandem gelingt alles auf Anhieb oder im Alleingang. Alle drei Bände waren durchweg spannend und schnitten auch große, allgemeine Fragen unserer Gesellschaft an. Von mir gibt es 5 Sterne! Einziger Makel – das Ende fand ich etwas unausgegoren, aber vielleicht sind mir auf der Fremdsprache auch ein paar Nuancen entgangen.

Bewertung: 5 von 5.
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Unerkannte Parallelgesellschaft: „Der Hüter der fünf Leben“ von Nica Stevens

Liam ist anders als die anderen. Die 17-jährige Vivien will sein Geheimnis unbedingt lüften und gerät dabei selbst in Gefahr. Die Jugend-Romantasy-Geschichte „Der Hüter der fünf Leben“ der deutschen Fantasy-Autorin Nica Stevens haben die Büchermotte und ich als Hörbuch gehört. Die Geschichte fesselt, lässt aber noch Luft nach oben.

Nica Stevens
Hüter der fünf Leben
Sprecher: Reithmeier, Nina

Verlag: XPUB / XPUB GmbH
Gesamtlaufzeit: 600 Min.
Erscheinungstermin: April 2017
Sprache: Deutsch
ISBN-13: 9783945703595


Worum geht’s?

Die mentale Reise geht nach Kanada. Hauptperson Vivien lebt bei ihrem Großvater, der unbedingt möchte, dass sie einmal eine erfolgreiche Anwältin in seiner Kanzlei wird. Vivien weiß noch nicht genau, was sie will – ihr Herz zieht sie in die Berge, in den Nationalpark, in dem ihr Vater arbeitet und in dem sie mit ihm und seinen Freunden unbeschwerte Kindheitstage verbracht hat. Als sie in den Sommerferien dort ankommt, trifft sie auch Liam, ihren Freund aus Kindertagen, wieder. Nur, dass er inzwischen erwachsen geworden ist, atemberaubend gut aussieht und sich total abweisend benimmt. Schnell findet Vivien heraus, dass er etwas verbirgt. Sie will unbedingt hinter sein Geheimnis kommen und kommt ihm dabei nicht nur näher, sondern bringt sich auch selbst in große Gefahr.

Gern etwas tiefgründiger

Die Hauptpersonen Vivien und Liam fand ich sehr sympathisch und ihre Handlungen meistens nachvollziehbar. Beide sind eher ruhige und introvertierte Charaktere. Während Liam durchgehend sehr stimmig dargestellt ist, fand ich Viviens Handlungen nicht immer passend oder nachvollziehbar. Zum Beispiel kam mir die Stelle, an der sie Liam beinahe erpresst, ihr mehr über sein Geheimnis zu erzählen, unpassend – ich an seiner Stelle hätte sie ab diesem Moment gehasst, bei mir als Leser hat sie damit einiges an Sympathie eingebüßt. Ein bisschen mehr Feingefühl hätte besser zu ihrem sonstigen Auftreten gepasst – still, aber neugierig und mutig.

Weißkopfseeadler
Spielt auch eine Rolle in der Geschichte (Image by Rob Brown from Pixabay)

Viviens Großvater erschien als durch und durch unfreundlicher Protagonist. Es war schwer, sich vorzustellen, dass Vivien irgendwie an ihm hängen könnte. Ein paar gute Eigenschaften hätten hier nicht geschadet, um ihre Gefühle, ihr Verhalten und ihren inneren Konflikt glaubwürdiger zu gestalten und um vielleicht auch den späteren Schockeffekt zu vergrößern. So kam alles nicht sonderlich überraschend.

Besonders genervt hat mich Viviens angeblich so gute Freundin Leslie, die durch ständiges Zetern, viele Schimpfwörter und einen ganz außergewöhnlichen Mangel an Feingefühl aufgefallen ist. Ich weiß, sie sollte vor allem Witz in die Handlung bringen – aber das ist nur teilweise geglückt. Alles in allem ist sie ein nicht ganz geglückter Charakter vom Typ „rebellisches, aber treues Großmaul“.

Glücklicherweise hat die Autorin in Bezug auf Liams Geheimnis eine ganz eigene (Parallel-)Welt erfunden, die nicht die gängigen Fantasy-Figuren aufmarschieren lässt, obwohl viele von deren Eigenschaften wieder auftauchen. Aber gerade so eine neue Welt hätte wahrscheinlich doch ein paar mehr Seiten oder Bände erfordert, um sie glaubwürdig erscheinen zu lassen und dem Leser die Chance zu geben, sich richtig einzuleben. Beinahe ging alles etwas zu schnell, gerade zum Ende hin – aber vielleicht lag das teilweise auch am Medienformat, dass ich die Geschichte als Hörbuch gehört, statt sie als Buch gelesen zu haben.

Büchermottes Wertung

Mit „Der Hüter der fünf Leben“ bekommt man eine spannende und romantische Geschichte. Aber uns haben nicht alle Protagonisten überzeugt, weshalb wir nicht ganz so intensiv mit ihnen mitfiebern konnten wie bei manch anderen Büchern. Auch hinsichtlich der Originalität und Stimmigkeit der Geschichte gibt es noch Luft nach oben.

Bewertung: 3 von 5.

Nachts in einer anderen Welt: Die „Bücher der Mitternacht“ von Rose Snow

Ein bisschen ist das ja in Wirklichkeit tatsächlich so: Wir legen uns ins Bett, machen die Augen zu und tauchen ein in eine Traumwelt. Für die Hauptpersonen der Dilogie „12 – Die Bücher der Mitternacht“ des Autoren-Duos Rose Snow ist das auch so, nur extremer. Denn Nacht für Nacht führen sie quasi ein zweites Leben in einer fantastischen Traumwelt.

Rose Snow: Bücher der Mitternacht Bd.1 und Bd.2
Verlag: Ravensburger Verlag
ISBN: 978-3-473-40190-1
Seitenzahl: 447
Altersempfehlung: ab 14 Jahren
Erscheinungstermin: 1. Januar 2020


Worum geht’s?

Harper Bennets Freund liegt nach einem Umfall im Koma und sie fühlt sich schuldig. Im richtigen Leben ist Harper zwar mit der Schule fertig, weiß aber noch nicht so recht, was sie danach machen soll. Deswegen jobbt sie in einer Schuhladenkette, die zum Imperium einer extrem reichen Familie gehört. Gleichzeitig beginnt sie nachts von einer geheimnisvollen, dunklen Stadt zu träumen, vor deren Toren irgendwie altmodisch, aber doch freizügig und verführerisch gekleidete Menschen Schlange stehen, um eingelassen zu werden. Dort und im richtigen Leben taucht plötzlich Cajus Counterville, der Sohn der steinreichen Schuhladen-Dynastie, auf und behauptet, dass er ihr helfen kann, ihren Freund aus dem Koma zu befreien – braucht dazu aber genau genommen ihre Mithilfe. Harper hat eine Menge Vorurteile gegen den arroganten, reichen Cajus und die beiden streiten sich ganz herzallerliebst. Worauf das hinausläuft, ahnt ihr. Was es mit Harpers Freund auf sich hat, möchte ich auch noch nicht verraten.

Spannende Welt, leider einige Klischees

Rose Snow verstehen es, mitreißende Bücher zu schreiben. Einmal angefangen, saugt einen die Story regelrecht ins Buch. Mit Noctaris, der dunklen Traumstadt, haben die beiden Autorinnen eine verruchte, zauberhafte Welt geschaffen, in der alles möglich ist. Die Menschen, die sich hier tummeln, sind angeblich nur die besonders Kreativsten, aber auch hier geht es letztlich zu wie überall auf der Welt – es gibt solche und solche. Mir haben die vielen magischen Details und Facetten gut gefallen und auch die Szenen, in denen Harper in ihrer Gutgläubigkeit in peinliche Situationen geschlittert ist. Auch gab es kaum einen Charakter, der nicht mehrere Seiten hätte – es gibt kein plakatives Gut und Böse, was ich sehr schätze.

er lateinische Schriftzug "nox et amor, vinumque, nihil moderabile suadent" hier im Bild heißt frei überstezt: "Die Nacht, die Liebe und der Wein kennen keine Zurückhaltung" und passt hervorragend zu den Büchern der Mitternacht von Rose Snow (Bild: "Die Nacht", Hans Sebald Beham, 16. Jahrhundert, Rijksmuseum, Public Domain)
Der lateinische Schriftzug „nox et amor, vinumque, nihil moderabile suadent“ hier im Bild heißt frei überstezt: „Die Nacht, die Liebe und der Wein kennen keine Zurückhaltung“ und passt hervorragend zu den Büchern der Mitternacht von Rose Snow (Bild: „Die Nacht“, Hans Sebald Beham, 16. Jahrhundert, Rijksmuseum, Public Domain)

Die besondere Kreativität der Träumenden stellt für mich eine der Problemzonen der Geschichte dar. Harper und Cajus gehören zu den besonders Begabten, Kreativen, sonst könnten sie nachts nicht in die Traumwelt reisen. Also musste ein kreatives Hobby her, das die beiden ungleichen Charaktere verbindet – die Malerei. Allerdings haben Rose Snow es nicht geschafft, mich als Leserin glaubhaft davon zu überzeugen, dass die beiden wirklich so künstlerisch begabt oder auch nur interessiert sind. Harper schon eher, sie verarbeitet ihre Eindrücke gern in rauschhaften Malanfällen. Aber bei Cajus kam das eher aufgesetzt rüber und die Fachsimpelei über berühmte Werke der Kunstgeschichte hat es auch nicht eindrücklicher vermittelt. (Ich zeichne und male übrigens selbst, aber ich bin selten über historische oder moderne Kunst so furchtbar ins Schwärmen gekommen, aber vielleicht bin ich da ja ein Sonderfall.)

Mit Harper selbst konnte ich mich ganz gut identifizieren, bis auf ihr Verhältnis zu ihrem Freund. Da dieser ja von Anfang an im Koma lag, hatte ich als Leser nie eine besondere Verbindung zu ihm und konnte auch Harpers Gefühle für ihn nicht nachvollziehen. Harper selbst ist einerseits zwar nicht auf den Mund gefallen, andererseits durchaus zurückhaltend oder schüchtern. Auf jeden Fall ist sie so unentschlossen, was ihre Lebensplanung und ihr Selbstbewusstsein angeht, dass sie den Anstoß von außen braucht, um auf ihr Herz zu hören. Im Laufe der Geschichte entwickelt sie zum Glück aber auch eigene Handlungskraft und Mut.

Hervorragend fand ich den Charakter von Harpers bestem Freund, der mit seinem Selbstbewusstsein, seiner Imperfektion und seinem Witz wirklich erfrischend und untypisch daher kam.

Umso klischeehafter ist die Figur Cajus Conterville geraten. Klar, wir alle lieben die dunklen, geheimnisvollen Typen in diesen Geschichten. Aber muss er dann auch noch überirdisch gut aussehen und exorbitant reich sein? Ich meine, wir beschweren uns immer, dass Frauen auch anno 2020 noch mehrheitlich auf Männer stehen, die erfolgreicher sind, als sie selbst und das quasi alle Beteiligten extrem unter Druck setzt. Vielleicht müssen mal andere Vorbilder her! Die Geschichte hätte auch ohne den Reichtum und Erfolg funktioniert.

Einen Ausflug in die Traumwelt wert

Alles in allem lebt die Geschichte glücklicherweise auch nicht nur von der sich anbahnenden Lovestory, sondern dreht sich tatsächlich um die actiongeladenen Geschehnisse in der Traumwelt. Wer also eine mitreißende Lektüre sucht, kann hier nichts falsch machen. Punktabzug gebe ich für die verwendeten Klischees.

Bewertung: 4 von 5.

Polarlichter in Island - Image by darrenquigley32 from Pixabay

Island-Romantik mit Elfen: Jugend-Romantasy „Faye“ von Katharina Herzog

Nachdem die Büchermotte und ich uns zuletzt über Katharina Herzogs „Die Nebel von Skye“ hergemacht hatten, mussten wir auch das Vorgängerbuch „Faye – Herz aus Licht und Lava“ noch mitnehmen. Darin geht die mentale Reise nach Island – ein Land, in dem ich immer noch nicht war, in das ich aber unbedingt einmal reisen möchte. Offensichtlich dürfen bei einer Romantasy in diesem Setting die Elfen und ein düsterer, aber anziehender Typ nicht fehlen.

Loewe Verlag »
24.07.2019
Preis: € 18,95
Seitenzahl: 400
ISBN: 978-3-743-20191-0

Erhältlich als: E-BookHardcover

(Bildquelle: Katharina Herzog)


Worum geht’s?

Die 17-jährige Faye aus München kann gut mit Pflanzen und will mal Biologie studieren. Wir steigen in die Story ein, als sie als Teil einer grünen Protestgruppe und um einem zwielichtigen Typen zu imponieren Hanfpflanzen vor die Polizeiwache pflanzt. Sie lebt allein mit ihrer Mutter und hat ihren Vater nie kennengelernt. Weil sie durch ihre Protestgruppe mit der Polizei angeeckt ist, zwingt ihre Mutter sie, in den Herbstferien mit ihr nach Island zu fahren. Dort soll die Mutter als Architektin den Baubeginn eines Hotels begleiten. Allerdings soll für das Hotel ein uralter Holunderbusch gefällt werden, der das Tor zur Elfenwelt darstellt. Schnell schlägt sich Faye auf die Seite der Gegner des Baus und lernt nach und nach die nordische Mythologie kennen und allerhand magische Gestalten. Und natürlich ist nicht sicher, ob der gutaussehende, aber düstere und irgendwie auch deprimierte Aron auf ihrer Seite steht oder nicht.

Ganz schön viel Mythologie, durchschaubare Handlung

Katharina Herzog beschreibt Island und seine sehenswerte Landschaft wirklich schön und auch sehr humorvoll. Einige Sprachbilder haben uns beide zum Lachen gebracht durch ihren Witz und ihre Ungewöhnlichkeit.

Es gibt in „Faye“ ein paar sehr erfrischende, untypische Charaktere, wie beispielsweise die Gastgeberin der kleinen Pension, in der Faye und ihre Mutter wohnen, und der Postbote Hakon. Auch in die Hauptperson Faye konnte ich mich prima hineindenken. Ich mochte es, dass sie so gut mit Pflanzen umgehen kann und genau weiß, was ihr liegt und was sie im Leben machen will. Allerdings hätte dieses Pflanzenwissen durchaus noch eine entscheidendere Rolle in der Geschichte einnehmen können, statt nur Fayes Charakter zu formen. Außerdem ist Faye manchmal etwas schwer von Begriff. Da hat man als (erwachsene) Leserin bereits verstanden, was Sache ist und worauf die Geschichte hinauslaufen wird, während Faye sich noch eine realitätsnahe Erklärung einredet.

Warum es in der Geschichte neben Elfen auch Riesen brauchte, verstehe ich nicht. Das ist zwar lustig, für die eigentliche Handlung aber redundant. Auch Thors Hammer, wo doch die nordischen Götter sonst keine Rolle spielen, musste nicht unbedingt sein. Auch manche „Superkräfte“, die Faye plötzlich besitzt, tragen gar nicht zum Gelingen der Handlung bei und hätten nicht sein müssen.

Negativ aufgefallen ist mir, dass mehrere Charaktere rauchen und dadurch ausgerechnet noch besonders chillig und cool rüberkommen sollen. Das gehört meiner Meinung nach nicht in ein Jugendbuch, auch wenn dem Rauchen sicher immer noch etwas Verwegenes anhaftet, könnte man als Autorin Verantwortung übernehmen.

Viele Orte, die im Roman vorkommen, gibt es wirklich - zum Beispiel das Flugzeugwrack am schwarzen Strand. (Image by Pexels from Pixabay)
Viele Orte, die im Roman vorkommen, gibt es wirklich – zum Beispiel das Flugzeugwrack am schwarzen Strand. (Image by Pexels from Pixabay)

Die sich anbahnende Liebesgeschichte zwischen Faye und Aron konnte mich nicht überzeugen. An sich kann ich mich durchaus in Aron einleben. Vielleicht liegt meine Skepsis daran, dass ich in letzter Zeit einfach zu viel über düstere, aggressive und von Selbsthass zerfressene Jungs gelesen habe, die leider nichts für ihre traurige Vergangenheit können. Und deren Leben sich dann durch die unsterbliche Liebe zur Hauptperson radikal ändert. Das ist ohne Frage romantisch. Aber es vermittelt auch den Eindruck, dass man seelische Probleme durch andere Menschen einfach abschütteln kann. In der Realität geht das langfristig nicht gut und man sollte auch umgekehrt nicht glauben, seinen Partner therapieren zu können.

Büchermottes Wertung

Meine 9-jährige Büchermotte, der ich mal wieder vorgelesen habe, vergibt 3 von 5 Sternen. Abzüge gibt es für Aron, der ihr wegen seiner Aggression und seiner Nikotinsucht unsympathisch war. Außerdem gab es auch hier wieder die klischeehafte Motorrad-Szene. Im Gegensatz zu mir, hat sie die Handlung übrigens nicht bereits vorhergesehen – von daher ist die Spannungskurve für jüngere Leser trotzdem gut. Das Buch ist unterhaltsam und flüssig geschrieben und wir hatten viel Spaß beim gemeinsamen Lesen. Und an der Sache mit den Klischees und der Vorhersehbarkeit hat Katharina Herzog in ihrem nächsten Roman „Die Nebel von Skye“ tatsächlich erfolgreich gearbeitet.

Bewertung: 3 von 5.

„Die Nebel von Skye“ – Romantische Schauergeschichte von Katharina Herzog

Eine unterhaltsame Gruselgeschichte mit viel Nebel, Geistern und einer ersten Liebe erzählt das Jugendbuch „Die Nebel von Skye“ von Katharina Herzog. Ich habe das Buch in der letzten Woche gemeinsam mit einer 9-jährigen Büchermotte gelesen. Nun bin ich zwar nicht mehr jugendlich und sie noch nicht, aber uns beiden hat das Lesen viel Spaß gemacht – ein Dankeschön geht hier an Verena vom Blog Lieblingsleseplatz, die das Buch neulich empfohlen hat.

Worum geht’s?

Die Hauptperson Enya kommt zwar aus Deutschland, wirkt mit ihrem keltischen Namen und ihren roten Haaren „schottischer als jeder Schotte“. Ihre chaotische Familie hat Geldsorgen und vor allem deswegen müssen alle der Einladung der reichen Großtante Mathilda folgen, die Silvester gemeinsam auf einem schottischen Schloss feiern möchte. In den wildromantischen Nebelschwaden spukt nicht nur ein Geist. Enya verliebt sich auch noch.

Buchcover "Die Nebel von Skye" von Katharina Herzog (Quelle: https://katharina-herzog.com/jugendbuch/die-nebel-von-skye/)

Loewe Verlag »
08.10.2020
Preis: € 14,95
Seitenzahl: 400
ISBN: 978-3-7432-0620-5
Erhältlich als: E-BookPaperback

(Bildquelle: Katharina Herzog)

Traumhafte Landschaft, überraschende Charaktere

Mir gefällt an dem Roman, dass man viel über die schottische Landschaft und ihre Sehenswürdigkeiten erfährt, die man auch real besuchen kann. Gleichzeitig bewegt sich diese „Romantasy“ nicht wie so häufig in einem Milieu von reichen Schülern oder Studentinnen, sondern es gibt trotz des mondänen Settings Geldsorgen und soziale Unterschiede. Beispielsweise gehören Jona und seine Großmutter zu den „Irish Travellers“, deren Wohnwagensiedlung aufgelöst werden soll. Die Thematik wird nur gestreift, aber es ist ein ungewöhnlicher Aspekt, der der Geschichte eine individuelle Note gibt.

Um die Landschaft der Isle of Skye ranken sich viele Legenden - Image by David Mark from Pixabay
Um die Landschaft der Isle of Skye ranken sich viele Legenden – Image by David Mark from Pixabay

Die verschiedenen Charaktere sind jeder auf ihre eigene Art und Weise sympathisch, auch wenn sie zunächst schrill oder schroff wirken. Viele verbergen kleine Geheimnisse, überraschende Details kommen später ans Licht. Die 16-jährige Hauptperson Enya verfolgt den großen Traum, Regisseurin zu werden und das Spukschloss-Setting und die Legende um die herumgeisternde Burgherrin Finola McLeod kommt ihr sehr gelegen. Aber auch um Großtante Mathilda ranken sich Geheimnisse und Jonas Oma, eine Wahrsagerin, sieht Gefahr in ihrer Kristallkugel. Auf diese Weise dreht sich die Geschichte zuallererst um die Rätsel, die Enya zu lösen versucht. Nebenbei verliebt sie sich in Jona, der aber auch etwas zu verbergen hat. Jona trägt zwar keine Designerklamotten, sondern fährt ein klappriges Auto, aber er sieht gut aus, hat ein Herz für Tiere und ist ziemlich nett.

Büchermottes Wertung

Meine 9-jährige Büchermotte, der ich das Buch vorgelesen habe, vergibt 4 von 5 Sternen. Den Stern Abzug gibt es von ihr nur, für eine klischeehafte Motorradszene, dafür dass Jona Enyas Hund als „Köter“ beschimpft hat und weil der hübsche Jona einfach zu hübsch ist. Sie wünscht sich mal ein Buch mit einem unspektakulären Jungen in der Hauptrolle 😉

Bewertung: 4 von 5.

Alles in allem: Eine klare Leseempfehlung, wenn man eine gemütliche Wohlfühl-Lektüre für regenverhangene Nebeltage sucht!

Lügen, Wahrheiten und einige Klischees im romantischen Cornwall

Manche Orte scheinen sich als besonders begehrte Romanschauplätze zu manifestieren. Cornwall zum Beispiel. Als ich neulich die drei Bücher der Lügenwahrheit („Ein Augenblick für immer“) von Rose Snow verschlungen habe, war meine Lektüre von Sandra Regniers Pan-Trilogie noch gar nicht so lange her. Deswegen kam mir das wildromantische Setting mit tosendem Meer, kleinen Küstenorten und Steinkreisen doch sehr bekannt vor. Aber von Anfang an.

Das Cover "Ein Augenblick für immer - Das erste Buch der Lügenwahrheit" von Rose Snow fotografiert an einem Baumstamm
Cover „Ein Augenblick für immer – Das erste Buch der Lügenwahrheit“ von Rose Snow

Zwei mysteriöse Jungs und eine aufregende Gabe

Die Bücher der Lügenwahrheit ordnen die Autorinnen selbst ins Genre „Romantasy“ (Romanze + Fantasie) ein – die Hauptfiguren sind etwa 17 Jahre alt. Obwohl ich schon länger keine 17 mehr bin, lese ich auch solche an Jugendliche gerichtete Romane sehr gerne.

Ich mag die Grundidee von Rose Snows Lügenwahrheit-Trilogie: Die Hauptperson June zieht von Frankfurt nach Cornwall, um ein Jahr bei ihrem Onkel zu wohnen, dort in eine Schule zu gehen und sich aufs Studium vorzubereiten. Dort erwacht in ihr eine geheimnisvolle Gabe, die sich scheinbar innerhalb der Familie vererbt: Nach dem Besuch eines Steinkreises kann sie plötzlich zielsicher zwischen Wahrheit und Lüge unterscheiden. Den Steinkreis hätte es meiner Meinung nach dafür nicht unbedingt gebraucht, er wird in vielen anderen Romanen schon quasi überstrapaziert. Aber mit Lüge und Wahrheit lassen sich hervorragende Konflikte und Gedankenspiele zaubern. Für zusätzliche Spannung sorgen Junes beiden geheimnisvollen Cousins, ihre magischen Gaben und die Dreiecksbeziehung, die sich dann entspinnt. Und ein Fluch, den es aufzuhalten gilt.

B. Cotham (-), Water Mill Lamorna Cove, Cornwall, 19th century (Quelle: Statens Museum for Kunst, Europeana, CC0)

Durchgehend spannend – leider zu viele Klischees

Das Autoren-Duo Rose Snow schafft es, die Spannung in der Geschichte durchgehend aufrecht zu erhalten und schreibt auch mit einem gewissen Humor. Am witzigsten finde ich, dass die Hauptperson June den Tick hat, hin und wieder an mehr oder weniger passenden Stellen Statistiken einzuwerfen. Ich liebe Statistiken 😉 Ich mag den Schreibstil von Rose Snow wirklich, weshalb ich sicher auch einige ihrer anderen Buchreihen lesen werde.

Meine Lieblingsfiguren im Buch sind Junes neue britische Freunde Lily und Grayson, die mit ihrem witzigen Geplauder die Geschichte angenehm aufmischen.

Für meinen Geschmack hätte der Fluch kein „echter“ (klischeehafter) Fluch (mit Donner, Geist, Hexe, Leiche und allem drum und dran!) sein müssen. Und dann noch in Cornwall, wo Flüche und Magie offenbar an jeder Ecke lauern. Die Spannung um die geheimnisvollen Gaben hätte vielleicht auch etwas subtiler aufgebaut werden können, überraschender womöglich.

Die begehrten Cousins müssten wegen mir auch nicht quasi überirdisch gut aussehen und noch dazu abnormal reich sein. Ich meine, welche Art von Männern möchte Frau Anno 2020 denn anschmachten? Offenbar müssen sie immer noch gutaussehend, stark und etwas schroff und noch dazu reich sein… Ich weiß gar nicht, WIE OFT Cousin Blake Hauptperson June insgesamt retten musste! Dabei ist sie beschrieben als ein intelligentes, schlagfertiges, sportliches Mädchen.

Alles in allem bekommt man hier aber zuverlässig unterhaltsame und spannende Lektüre. Für einen lange bleibenden Eindruck reicht es bei mir allerdings nicht.

Wie ist deine Meinung? Welche Klischees aus Romanen liest du gerne/nicht so gerne und warum?