Wenn der Mensch zur Beute wird: Über „Regen“ von Cid Mattausch

Äste eines Baumes spiegeln sich in einer Pfütze

Magst du Regen? – In ihrer Horror-Dystopie „Regen“ zeichnet die Autorin Cid Mattausch eine düstere nahe Zukunft, in der die Wolkendecke nur selten aufreißt und es regnet, regnet, regnet. Das wäre ja noch auszuhalten. Aber leider gibt noch die „Schatten“.

Buch-Cover "Regen" von Cid Mattausch

Cid Mattausch

Regen – Wo die Schatten lauern

Dystopie

2026

516 Seiten

ab 18 Jahren


Worum geht’s?

Raynes Haus mitten im Wald ist eine Festung. Wenn die Dämmerung hereinbricht, lässt sie Metallwände herunterfahren und schließt sich ein. Denn draußen lauern „Nachtschatten“, wilde Bestien, für die Menschen eine willkommene Beute sind. Nur leider ist ihr Mann Roland an diesem Abend nicht nach Hause zurückgekehrt. Auch am nächsten Morgen taucht er nicht auf und Rayne beginnt, zu suchen. Um diese Suche dreht sich das gesamte Buch.

Wie war’s?

Vor dem Hintergrund von Raynes Suche nach Roland entfaltet sich nach und nach die düstere, postapokalyptische Welt. Es ist unklar, woher die Bestien kommen, die sich unsichtbar machen können, wenn sie Menschen jagen. Doch durch diese Fähigkeit, sich unsichtbar zu machen, sorgen sie für stetes Unbehagen und viele actionreiche, auch blutige Szenen. Gerne hätte ich noch mehr über sie erfahren, auch wenn schon einiges unternommen wird, um ihrer Herkunft und ihrer Biologie auf den Grund zu gehen.

Die Menschen, die sich mit den neuen Lebensumständen arrangiert bzw. bis dato überlebt haben, verschanzen sich nachts in kleinen Ortschaften oder schlafen in unterirdischen Bunkern. Wertvoll für die Gemeinschaft sind diejenigen, die etwas zum Überleben beitragen bzw. etwas eintauschen können. Rayne kann sich selbst versorgen und verteidigen, sie ist misstrauisch und ungesellig. Es ist klar, dass sie durch frühere Erlebnisse so hart im nehmen geworden ist. Sie ist eine beeindruckend starke Protagonistin, die einerseits sorgfältig plant, andererseits impulsiv werden kann. Um Roland wiederzufinden, riskiert sie alles und ertauscht sich Hilfe von Ex-Soldat Zeke, der immer einen dummen Spruch auf den Lippen hat. Zeke folgt aber einer ganz anderen Motivation als Rayne. Bald wird beiden klar, dass die Nachtschatten ihr geringstes Problem sind.

Das Buch ist durchweg spannend, ständig schweben die Protagonisten in Lebensgefahr und bei Weitem nicht alle überleben. Rayne und Zeke sind ein ungleiches Team. Trotz der erlebten Schrecken gibt es viele witzige Szenen mit verbalem Schlagabtausch. Viele der Nebencharaktere waren sehr individuell und teilweise vielschichtiger als zunächst gedacht. Einige sind mir sogar ans Herz gewachsen. Nur Raynes Bangen um Roland hat mich relativ kalt gelassen, weil ich Roland nie „kennengelernt“, sondern immer nur durch Raynes Erinnerung erlebt habe.

Fazit

„Regen“ ist eine spannende Dystopie mit Horror-Elementen. Ich konnte die Nässe, die Dunkelheit, die Gefahr beim Lesen regelrecht spüren … und vielleicht auch riechen. Eine grundlegende Erkenntnis: Was für ein Luxus ist es doch für uns Menschen in der realen Welt, ganz oben von der Nahrungskette zu stehen und nicht, wie in „Regen“ ein Beutetier zu sein. Wir sollten es viel mehr genießen, abends unbekümmert durch den Wald laufen zu können!

Zu „Regen“ wird noch einen weiteren Teil und ein Prequel geben, aber das Buch lässt sich auf jeden Fall auch unabhängig davon lesen.

3 Kommentare

  1. Vielen lieben Dank fürs Lesen und die Zeit, die du dir genommen hast, um das Feedback zu schreiben. Ich finde es toll. Dein Fazit, gerade mit dem Luxus, ist sehr treffend.

    Viele Grüße

    Cid

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