Nachts in einer anderen Welt: Die „Bücher der Mitternacht“ von Rose Snow

Ein bisschen ist das ja in Wirklichkeit tatsächlich so: Wir legen uns ins Bett, machen die Augen zu und tauchen ein in eine Traumwelt. Für die Hauptpersonen der Dilogie „12 – Die Bücher der Mitternacht“ des Autoren-Duos Rose Snow ist das auch so, nur extremer. Denn Nacht für Nacht führen sie quasi ein zweites Leben in einer fantastischen Traumwelt.

Rose Snow: Bücher der Mitternacht Bd.1 und Bd.2
Verlag: Ravensburger Verlag
ISBN: 978-3-473-40190-1
Seitenzahl: 447
Altersempfehlung: ab 14 Jahren
Erscheinungstermin: 1. Januar 2020


Worum geht’s?

Harper Bennets Freund liegt nach einem Umfall im Koma und sie fühlt sich schuldig. Im richtigen Leben ist Harper zwar mit der Schule fertig, weiß aber noch nicht so recht, was sie danach machen soll. Deswegen jobbt sie in einer Schuhladenkette, die zum Imperium einer extrem reichen Familie gehört. Gleichzeitig beginnt sie nachts von einer geheimnisvollen, dunklen Stadt zu träumen, vor deren Toren irgendwie altmodisch, aber doch freizügig und verführerisch gekleidete Menschen Schlange stehen, um eingelassen zu werden. Dort und im richtigen Leben taucht plötzlich Cajus Counterville, der Sohn der steinreichen Schuhladen-Dynastie, auf und behauptet, dass er ihr helfen kann, ihren Freund aus dem Koma zu befreien – braucht dazu aber genau genommen ihre Mithilfe. Harper hat eine Menge Vorurteile gegen den arroganten, reichen Cajus und die beiden streiten sich ganz herzallerliebst. Worauf das hinausläuft, ahnt ihr. Was es mit Harpers Freund auf sich hat, möchte ich auch noch nicht verraten.

Spannende Welt, leider einige Klischees

Rose Snow verstehen es, mitreißende Bücher zu schreiben. Einmal angefangen, saugt einen die Story regelrecht ins Buch. Mit Noctaris, der dunklen Traumstadt, haben die beiden Autorinnen eine verruchte, zauberhafte Welt geschaffen, in der alles möglich ist. Die Menschen, die sich hier tummeln, sind angeblich nur die besonders Kreativsten, aber auch hier geht es letztlich zu wie überall auf der Welt – es gibt solche und solche. Mir haben die vielen magischen Details und Facetten gut gefallen und auch die Szenen, in denen Harper in ihrer Gutgläubigkeit in peinliche Situationen geschlittert ist. Auch gab es kaum einen Charakter, der nicht mehrere Seiten hätte – es gibt kein plakatives Gut und Böse, was ich sehr schätze.

er lateinische Schriftzug "nox et amor, vinumque, nihil moderabile suadent" hier im Bild heißt frei überstezt: "Die Nacht, die Liebe und der Wein kennen keine Zurückhaltung" und passt hervorragend zu den Büchern der Mitternacht von Rose Snow (Bild: "Die Nacht", Hans Sebald Beham, 16. Jahrhundert, Rijksmuseum, Public Domain)
Der lateinische Schriftzug „nox et amor, vinumque, nihil moderabile suadent“ hier im Bild heißt frei überstezt: „Die Nacht, die Liebe und der Wein kennen keine Zurückhaltung“ und passt hervorragend zu den Büchern der Mitternacht von Rose Snow (Bild: „Die Nacht“, Hans Sebald Beham, 16. Jahrhundert, Rijksmuseum, Public Domain)

Die besondere Kreativität der Träumenden stellt für mich eine der Problemzonen der Geschichte dar. Harper und Cajus gehören zu den besonders Begabten, Kreativen, sonst könnten sie nachts nicht in die Traumwelt reisen. Also musste ein kreatives Hobby her, das die beiden ungleichen Charaktere verbindet – die Malerei. Allerdings haben Rose Snow es nicht geschafft, mich als Leserin glaubhaft davon zu überzeugen, dass die beiden wirklich so künstlerisch begabt oder auch nur interessiert sind. Harper schon eher, sie verarbeitet ihre Eindrücke gern in rauschhaften Malanfällen. Aber bei Cajus kam das eher aufgesetzt rüber und die Fachsimpelei über berühmte Werke der Kunstgeschichte hat es auch nicht eindrücklicher vermittelt. (Ich zeichne und male übrigens selbst, aber ich bin selten über historische oder moderne Kunst so furchtbar ins Schwärmen gekommen, aber vielleicht bin ich da ja ein Sonderfall.)

Mit Harper selbst konnte ich mich ganz gut identifizieren, bis auf ihr Verhältnis zu ihrem Freund. Da dieser ja von Anfang an im Koma lag, hatte ich als Leser nie eine besondere Verbindung zu ihm und konnte auch Harpers Gefühle für ihn nicht nachvollziehen. Harper selbst ist einerseits zwar nicht auf den Mund gefallen, andererseits durchaus zurückhaltend oder schüchtern. Auf jeden Fall ist sie so unentschlossen, was ihre Lebensplanung und ihr Selbstbewusstsein angeht, dass sie den Anstoß von außen braucht, um auf ihr Herz zu hören. Im Laufe der Geschichte entwickelt sie zum Glück aber auch eigene Handlungskraft und Mut.

Hervorragend fand ich den Charakter von Harpers bestem Freund, der mit seinem Selbstbewusstsein, seiner Imperfektion und seinem Witz wirklich erfrischend und untypisch daher kam.

Umso klischeehafter ist die Figur Cajus Conterville geraten. Klar, wir alle lieben die dunklen, geheimnisvollen Typen in diesen Geschichten. Aber muss er dann auch noch überirdisch gut aussehen und exorbitant reich sein? Ich meine, wir beschweren uns immer, dass Frauen auch anno 2020 noch mehrheitlich auf Männer stehen, die erfolgreicher sind, als sie selbst und das quasi alle Beteiligten extrem unter Druck setzt. Vielleicht müssen mal andere Vorbilder her! Die Geschichte hätte auch ohne den Reichtum und Erfolg funktioniert.

Einen Ausflug in die Traumwelt wert

Alles in allem lebt die Geschichte glücklicherweise auch nicht nur von der sich anbahnenden Lovestory, sondern dreht sich tatsächlich um die actiongeladenen Geschehnisse in der Traumwelt. Wer also eine mitreißende Lektüre sucht, kann hier nichts falsch machen. Punktabzug gebe ich für die verwendeten Klischees.

Bewertung: 4 von 5.

Kann ein Autor auch ein guter Rezensent sein? – Zur Montagsfrage #98 von Lauter & Leise

Durch Elli vom Wortmagieblog bin ich gerade, zugegebenermaßen recht spät am Abend, auf die Montagsfrage im Blog Laut & Leise aufmerksam geworden. Dort wird heute gefragt: Kann ein Autor auch ein guter Rezensent sein? Das hat mich auch schon beschäftigt, eben, weil ich versuche beides zu sein.


Inspiration aus dem Netzwerk

Seit fünf Jahren arbeite ich an einem Fantasy-Roman, der nun langsam aber sicher fertig wird. Schreiben gehörte schon immer zu meinen Hobbys, während ich hauptberuflich ebenfalls Texte verfasse, aber eben fachliche oder Auftragstexte. Geschichten entstehen zu Hause. Seit einem Jahr blogge ich hier über das Schreiben und das Lesen – und ich muss sagen, dass mir beides schon weitergeholfen hat. Der Austausch mit anderen Schreibenden und Lesenden gibt mir Ideen und Inspiration, manchmal auch ganz konkrete Tools für das praktische Schreiben. Und das Lesen und Rezensieren der Bücher anderer Autoren lässt mich genauer darüber nachdenken, warum mir ein Buch gefällt oder auch nicht, sodass ich mich beim Schreiben dann bereits ertappt habe, auf solche „Erkenntnisse“ zu achten. Die Rezensionen anderer Buchblogger bringen mich zu neuen Büchern, die ich auch unbedingt noch lesen möchte. Alles in allem eine Win-Win-Situation!

Wann ist eine Rezension gut?

Aber ob ich dadurch anders rezensiere als andere, nur, weil ich nebenher auch selbst schreibe, weiß ich nicht. Natürlich kann ich mich einfühlen in die Autorinnen und Autoren, die vielleicht Monate oder Jahre mit ihrem „Baby“, ihrem Herzensprojekt verbracht haben und sich dann jede Kritik zu Herzen nehmen. Auch ich muss früher oder später mit Kritik von Lesern rechnen, wenn ich mein Buch veröffentlichen möchte und das macht mir auch Angst. Deshalb versuche ich meine Meinung immer gut zu begründen und zu beschreiben, warum mich etwas stört. Einfach drauflos zu schimpfen, finde ich nicht nur unfair, sondern auch unprofessionell. Und letztlich ist und bleibt jede Rezension eine subjektive Meinung.

Natürlich ist Rezensieren auch eine Zeitfrage. Während ich hier blogge, hätte ich an meinem Buch weiterarbeiten können. Aber manchmal ist Ablenkung nicht schlecht und Vernetzung schon gar nicht! Ein Blick über die eigene Tastatur quasi.

Ich fürchte mich auch nicht davor, andere Autoren zu empfehlen. Denn selbst wenn ich plötzlich fünf Romane pro Jahr publizieren würde, ich könnte den Buchmarkt nie alleine bedienen und auch nie alle Geschmäcker treffen. Denn glücklicherweise sind die verschieden. 😉

Buchblogger als Bedrohung für Literaturkritiker „alter Schule“

Manche Leute bezweifeln ja generell, dass Buchblogger hochwertige Rezensionen abgeben können. Dass die Literatur, die auf Blogs besprochen wird, tatsächlich („richtige“, hochwertige) Literatur ist. Immer mal wieder höre oder lese ich neidvolle Kommentare von klassischen Literaturrezensenten, die sich in ihrer „Macht“, Bücher fachgemäß richtig zu sezieren, angegriffen fühlen. Und ja, unser Urteil beeinflusst bestenfalls andere, animiert sie zum Lesen oder Nichtlesen.

Ganz wunderbar finde ich den schon ein Jahr alten Post „Die Buchkritik ist tot. Lang lebe die Buchkritik!“ von Maria AlMana, aus dem jahrzehntelange Erfahrung spricht. Sie hebt darin unter anderem hervor, dass man früher vom Schreiben über Bücher leben konnte und heute kaum noch – weil wir diese Inhalte quasi gratis in unserer Freizeit produzieren. Ihr Fazit ist dennoch, dass damit die Welt der Buchkritik demokratischer geworden ist, weil nun statt einzelne Literatur-Päpste das „bücherlesende und -liebende Volk“ die Macht an sich reißen würde. So sehe ich es auch: Rezensieren kann prinzipiell erst einmal jeder – ob Autor oder Leser, Hauptsache, er oder sie begründet seine bzw. ihre Maßstäbe und Meinung nachvollziehbar.

Polarlichter in Island - Image by darrenquigley32 from Pixabay

Island-Romantik mit Elfen: Jugend-Romantasy „Faye“ von Katharina Herzog

Nachdem die Büchermotte und ich uns zuletzt über Katharina Herzogs „Die Nebel von Skye“ hergemacht hatten, mussten wir auch das Vorgängerbuch „Faye – Herz aus Licht und Lava“ noch mitnehmen. Darin geht die mentale Reise nach Island – ein Land, in dem ich immer noch nicht war, in das ich aber unbedingt einmal reisen möchte. Offensichtlich dürfen bei einer Romantasy in diesem Setting die Elfen und ein düsterer, aber anziehender Typ nicht fehlen.

Loewe Verlag »
24.07.2019
Preis: € 18,95
Seitenzahl: 400
ISBN: 978-3-743-20191-0

Erhältlich als: E-BookHardcover

(Bildquelle: Katharina Herzog)


Worum geht’s?

Die 17-jährige Faye aus München kann gut mit Pflanzen und will mal Biologie studieren. Wir steigen in die Story ein, als sie als Teil einer grünen Protestgruppe und um einem zwielichtigen Typen zu imponieren Hanfpflanzen vor die Polizeiwache pflanzt. Sie lebt allein mit ihrer Mutter und hat ihren Vater nie kennengelernt. Weil sie durch ihre Protestgruppe mit der Polizei angeeckt ist, zwingt ihre Mutter sie, in den Herbstferien mit ihr nach Island zu fahren. Dort soll die Mutter als Architektin den Baubeginn eines Hotels begleiten. Allerdings soll für das Hotel ein uralter Holunderbusch gefällt werden, der das Tor zur Elfenwelt darstellt. Schnell schlägt sich Faye auf die Seite der Gegner des Baus und lernt nach und nach die nordische Mythologie kennen und allerhand magische Gestalten. Und natürlich ist nicht sicher, ob der gutaussehende, aber düstere und irgendwie auch deprimierte Aron auf ihrer Seite steht oder nicht.

Ganz schön viel Mythologie, durchschaubare Handlung

Katharina Herzog beschreibt Island und seine sehenswerte Landschaft wirklich schön und auch sehr humorvoll. Einige Sprachbilder haben uns beide zum Lachen gebracht durch ihren Witz und ihre Ungewöhnlichkeit.

Es gibt in „Faye“ ein paar sehr erfrischende, untypische Charaktere, wie beispielsweise die Gastgeberin der kleinen Pension, in der Faye und ihre Mutter wohnen, und der Postbote Hakon. Auch in die Hauptperson Faye konnte ich mich prima hineindenken. Ich mochte es, dass sie so gut mit Pflanzen umgehen kann und genau weiß, was ihr liegt und was sie im Leben machen will. Allerdings hätte dieses Pflanzenwissen durchaus noch eine entscheidendere Rolle in der Geschichte einnehmen können, statt nur Fayes Charakter zu formen. Außerdem ist Faye manchmal etwas schwer von Begriff. Da hat man als (erwachsene) Leserin bereits verstanden, was Sache ist und worauf die Geschichte hinauslaufen wird, während Faye sich noch eine realitätsnahe Erklärung einredet.

Warum es in der Geschichte neben Elfen auch Riesen brauchte, verstehe ich nicht. Das ist zwar lustig, für die eigentliche Handlung aber redundant. Auch Thors Hammer, wo doch die nordischen Götter sonst keine Rolle spielen, musste nicht unbedingt sein. Auch manche „Superkräfte“, die Faye plötzlich besitzt, tragen gar nicht zum Gelingen der Handlung bei und hätten nicht sein müssen.

Negativ aufgefallen ist mir, dass mehrere Charaktere rauchen und dadurch ausgerechnet noch besonders chillig und cool rüberkommen sollen. Das gehört meiner Meinung nach nicht in ein Jugendbuch, auch wenn dem Rauchen sicher immer noch etwas Verwegenes anhaftet, könnte man als Autorin Verantwortung übernehmen.

Viele Orte, die im Roman vorkommen, gibt es wirklich - zum Beispiel das Flugzeugwrack am schwarzen Strand. (Image by Pexels from Pixabay)
Viele Orte, die im Roman vorkommen, gibt es wirklich – zum Beispiel das Flugzeugwrack am schwarzen Strand. (Image by Pexels from Pixabay)

Die sich anbahnende Liebesgeschichte zwischen Faye und Aron konnte mich nicht überzeugen. An sich kann ich mich durchaus in Aron einleben. Vielleicht liegt meine Skepsis daran, dass ich in letzter Zeit einfach zu viel über düstere, aggressive und von Selbsthass zerfressene Jungs gelesen habe, die leider nichts für ihre traurige Vergangenheit können. Und deren Leben sich dann durch die unsterbliche Liebe zur Hauptperson radikal ändert. Das ist ohne Frage romantisch. Aber es vermittelt auch den Eindruck, dass man seelische Probleme durch andere Menschen einfach abschütteln kann. In der Realität geht das langfristig nicht gut und man sollte auch umgekehrt nicht glauben, seinen Partner therapieren zu können.

Büchermottes Wertung

Meine 9-jährige Büchermotte, der ich mal wieder vorgelesen habe, vergibt 3 von 5 Sternen. Abzüge gibt es für Aron, der ihr wegen seiner Aggression und seiner Nikotinsucht unsympathisch war. Außerdem gab es auch hier wieder die klischeehafte Motorrad-Szene. Im Gegensatz zu mir, hat sie die Handlung übrigens nicht bereits vorhergesehen – von daher ist die Spannungskurve für jüngere Leser trotzdem gut. Das Buch ist unterhaltsam und flüssig geschrieben und wir hatten viel Spaß beim gemeinsamen Lesen. Und an der Sache mit den Klischees und der Vorhersehbarkeit hat Katharina Herzog in ihrem nächsten Roman „Die Nebel von Skye“ tatsächlich erfolgreich gearbeitet.

Bewertung: 3 von 5.

Test: Spracherkennung und Diktier-Apps als Schreibhilfe

Kennt ihr diese Leute mit Kopfhörern in den Ohren, die im Park scheinbar angeregte Selbstgespräche führen? Sieht komisch aus, finde ich. Normalerweise bin ich kein Freund davon, in ein Mikro oder Handy zu sprechen. Ich telefoniere auch nicht gerne und wenn mir jemand eine Sprachnachricht schickt, nervt mich das, weil der Augenblick selten passend ist, um sie anzuhören. Aber ein Beitrag von Tinkerhalo vom Blog Writenia hat mich trotzdem auf die Idee gebracht, mit Spracherkennungssoftware und Diktierfunktionen zu experimentieren. Hier kommt ein kleiner Testbericht.

Ein Stapel bunter Notizbücher auf einem Holztisch.
Ich schreibe am liebsten zuerst mit Bleistift in hübsche Notizbücher, die ich unterwegs immer dabei haben kann. Das Abtippen ist dann schon der erste Überarbeitungsschritt.

Bisher habe ich meinen Roman handschriftlich mit Bleistift in Notizbücher geschrieben. Sieht hübsch aus, aber mir fehlen nun immer noch drei Hefte, die ich abtippen und anschließend überarbeiten muss. Auf Dauer führt es zu Nackenkrämpfen, wenn man stundenlang zwischen Notizbuch und Notebook hin- und herschaut. Das war für mich der ausschlaggebende Grund, zu testen, ob mir eine Diktierfunktion und Spracherkennung die Arbeit erleichtern könnte.

Zwei Spracherkennungsprogramme im Test: Windows Spracherkennung und Google Speech Notes

Inzwischen stehen eine Reihe verschiedener Spracherkennungsprogramme zur Verfügung. Auf Windows-Computern gibt es beispielsweise eine eigene Spracherkennungs-App (einfach „Spracherkennung“ in die Suchleiste eingeben!). Die kann man in allen Programmen nutzen, allerdings habe ich den Eindruck, dass hier immer nur Satzweise Inhalte erkannt und eingefügt werden können (korrigiert mich, wenn es einfach an meinem Unvermögen lag!). Außerdem spuckte das Programm durchaus sehr kuriose Texte aus. Der „unglaubliche Anblick“ wurde zum „unglaublichen Ankläger“ und aus dem Satz „Ihre Anziehsachen drehen sich im Wäschetrockner“ entstand das poetische „Ihre Einzelsachen Krähen sich im Wäschetrockner“. Das kann aber natürlich an meiner undeutlichen Aussprache liegen…

Deutlich besser funktionierte bei mir die Chrome-Browser-Erweiterung Speech Notes von Google. Mit einem Headset habe ich einfach meine Notizen vorgelesen, Satzzeichen angesagt und es kam ein halbwegs erkennbarer Text heraus, den ich dann im Anschluss noch einmal Korrektur gelesen und verbessert habe. Das sorgt zwar für Abwechslung in der Arbeitsroutine, ich habe allerdings festgestellt, dass diese Arbeitsweise genauso lange dauert wie konzentriertes Abtippen. Möglicherweise beugt es aber Nackenschmerzen vor!

Die Spracherkennung funktioniert schon überraschend gut, es gibt aber noch eine Menge Verbesserungspotential. Häufig als Testsieger in Sachen korrekter Spracherkennung wird das Programm Dragon genannt. Weil die Home-Version aber 150 Euro kostet und ich ja nur teste, habe ich es nicht probiert.

Wer kann noch andere Apps empfehlen?

„Die Nebel von Skye“ – Romantische Schauergeschichte von Katharina Herzog

Eine unterhaltsame Gruselgeschichte mit viel Nebel, Geistern und einer ersten Liebe erzählt das Jugendbuch „Die Nebel von Skye“ von Katharina Herzog. Ich habe das Buch in der letzten Woche gemeinsam mit einer 9-jährigen Büchermotte gelesen. Nun bin ich zwar nicht mehr jugendlich und sie noch nicht, aber uns beiden hat das Lesen viel Spaß gemacht – ein Dankeschön geht hier an Verena vom Blog Lieblingsleseplatz, die das Buch neulich empfohlen hat.

Worum geht’s?

Die Hauptperson Enya kommt zwar aus Deutschland, wirkt mit ihrem keltischen Namen und ihren roten Haaren „schottischer als jeder Schotte“. Ihre chaotische Familie hat Geldsorgen und vor allem deswegen müssen alle der Einladung der reichen Großtante Mathilda folgen, die Silvester gemeinsam auf einem schottischen Schloss feiern möchte. In den wildromantischen Nebelschwaden spukt nicht nur ein Geist. Enya verliebt sich auch noch.

Buchcover "Die Nebel von Skye" von Katharina Herzog (Quelle: https://katharina-herzog.com/jugendbuch/die-nebel-von-skye/)

Loewe Verlag »
08.10.2020
Preis: € 14,95
Seitenzahl: 400
ISBN: 978-3-7432-0620-5
Erhältlich als: E-BookPaperback

(Bildquelle: Katharina Herzog)

Traumhafte Landschaft, überraschende Charaktere

Mir gefällt an dem Roman, dass man viel über die schottische Landschaft und ihre Sehenswürdigkeiten erfährt, die man auch real besuchen kann. Gleichzeitig bewegt sich diese „Romantasy“ nicht wie so häufig in einem Milieu von reichen Schülern oder Studentinnen, sondern es gibt trotz des mondänen Settings Geldsorgen und soziale Unterschiede. Beispielsweise gehören Jona und seine Großmutter zu den „Irish Travellers“, deren Wohnwagensiedlung aufgelöst werden soll. Die Thematik wird nur gestreift, aber es ist ein ungewöhnlicher Aspekt, der der Geschichte eine individuelle Note gibt.

Um die Landschaft der Isle of Skye ranken sich viele Legenden - Image by David Mark from Pixabay
Um die Landschaft der Isle of Skye ranken sich viele Legenden – Image by David Mark from Pixabay

Die verschiedenen Charaktere sind jeder auf ihre eigene Art und Weise sympathisch, auch wenn sie zunächst schrill oder schroff wirken. Viele verbergen kleine Geheimnisse, überraschende Details kommen später ans Licht. Die 16-jährige Hauptperson Enya verfolgt den großen Traum, Regisseurin zu werden und das Spukschloss-Setting und die Legende um die herumgeisternde Burgherrin Finola McLeod kommt ihr sehr gelegen. Aber auch um Großtante Mathilda ranken sich Geheimnisse und Jonas Oma, eine Wahrsagerin, sieht Gefahr in ihrer Kristallkugel. Auf diese Weise dreht sich die Geschichte zuallererst um die Rätsel, die Enya zu lösen versucht. Nebenbei verliebt sie sich in Jona, der aber auch etwas zu verbergen hat. Jona trägt zwar keine Designerklamotten, sondern fährt ein klappriges Auto, aber er sieht gut aus, hat ein Herz für Tiere und ist ziemlich nett.

Büchermottes Wertung

Meine 9-jährige Büchermotte, der ich das Buch vorgelesen habe, vergibt 4 von 5 Sternen. Den Stern Abzug gibt es von ihr nur, für eine klischeehafte Motorradszene, dafür dass Jona Enyas Hund als „Köter“ beschimpft hat und weil der hübsche Jona einfach zu hübsch ist. Sie wünscht sich mal ein Buch mit einem unspektakulären Jungen in der Hauptrolle 😉

Bewertung: 4 von 5.

Alles in allem: Eine klare Leseempfehlung, wenn man eine gemütliche Wohlfühl-Lektüre für regenverhangene Nebeltage sucht!

Welche Möglichkeiten gibt es, unter Pseudonym zu schreiben?

Dass Autoren und Autorinnen ihre Werke unter Pseudonym, sprich unter einem Künstlernamen, veröffentlichen, ist nicht neu. In Zeiten der Impressumspflicht gibt es aber einige Hindernisse. Hier meine Überlegungen und Erfahrungen dazu.

Frau geht im Nebel eine Straße entlang - Symbolbild - Image by Free-Photos from Pixabay
Viele Autoren wollen unerkannt bleiben (Image by Free-Photos from Pixabay)

In der Geschichte finden sich eine Menge berühmte Schriftsteller, die zeitlebens unter Pseudonym geschrieben haben, zum Beispiel Novalis, der eigentlich Friedrich Freiherr von Hardenberg hieß, oder Samuel Langhorne Clemens, der seine Werke unter dem Namen Mark Twain veröffentlichte. Voltaire, der in Wirklichkeit auch ganz anders hieß, soll über hundert verschiedene Pseudonyme benutzt haben.

1000 gute Gründe für ein Pseudonym

Manchmal dienen Pseudonyme einfach der Abkürzung und Vereinfachung eines komplizierten oder langen Namens. Oder verleihen einem Allerweltsnamen ein individuelles Flair. Hinter manchen Pseudonymen verbergen sich gleich mehrere Autoren, wie es bei Iny Lorentz und Rose Snow der Fall ist.

Mit dem Klang, mit dem Geschlecht und der Herkunft eines Namens folgen aber auch eine ganze Reihe Schubladen und Vorurteile. Besonders Frauen veröffentlichten ihre Werke gern unter männlichem Pseudonym, wahrscheinlich einfach um ernst genommen zu werden: Mir fallen zum Beispiel Emilie von Binzer (alias Ernst Ritter), Victoria Benedictsson (alias Ernst Ahlgren), Aurore Dupin (alias George Sand) und Karen Blixen ein, die unter einer ganzen Reihe von Pseudonymen schrieb: Tania Blixen, Isak Dinesen, Osceola, Peter Lawless, Pierre Andrézel, Nozdref’s Cook. Die britische Schriftstellerin Mary Shelley veröffentlichte ihren weltberühmten Roman „Frankenstein“ zunächst sogar anonym. Umgekehrt gibt es aber auch Männer, die in von Frauen dominierten Genres lieber unter weiblichem Pseudonym veröffentlichen – ebenfalls, um nicht vorverurteilt zu werden. Hans Magnus Enzensberger beispielsweise veröffentlichte erotische Erzählungen unter dem Pseudonym Elisabeth Ambras.

Portrait der Schriftstellerin George Sand, 19. Jahrhundert (Quelle: Rijksmuseum, Europeana, CC0)
Portrait der Schriftstellerin George Sand, 19. Jahrhundert (Quelle: Rijksmuseum, Europeana, CC0)

Manchmal passt ein Buch inhaltlich auch einfach nicht zu dem Image, das man ansonsten pflegt, oder in das literarische Genre, in dem man sich bereits einen Namen gemacht hat. Mein bürgerliches Ich beispielsweise veröffentlicht normalerweise eher Fachtexte oder schreibt für Auftraggeber und über ganz andere Themen. Möchte ich nun aber einen Fantasy-Roman veröffentlichen, könnte das die „seriösen“ Veröffentlichungen negativ beeinträchtigen oder meine sonstigen Leser verwirren. Deswegen blogge ich hier lieber unter Pseudonym, um beides besser voneinander trennen zu können.

Impressum frisst Pseudonym

Gleich als ich meinen Blog einrichtete, musste ich feststellen, dass ein Pseudonym schnell mit der Impressumspflicht kollidiert. Denn ein Impressum muss eine Adresse enthalten, über die man tatsächlich Post empfangen kann. Auch selbst veröffentlichte E-Books und Bücher brauchen einen Herausgeber mit Postanschrift.

Um dabei nicht doch seine Identität offenlegen zu müssen und damit das Pseudonym obsolet werden zu lassen, gibt es verschiedene Möglichkeiten:

  • die Adresse eines Freundes/Bekannten verwenden oder die von (eigenen) Firmen – hier muss man aber beachten, dass die Person, die im Impressum steht, rechtlich für den Inhalt der Website oder des Buchs haftet
  • hat man einen Verlag, dann erscheinen immerhin die Bücher unter der Verlagsanschrift – für eigene Blogs, Websites und Social Media-Profile braucht man aber trotzdem noch ein eigenes Impressum
  • es gibt Firmen, die gegen Gebühr einen Impressumsservice anbieten
  • und auch Schreibprogramme wie Patchwork und Papyrus bieten einen solchen Impressumsservice an (über meine ersten Erfahrungen mit Patchwork habe ich hier geschrieben)

Nicht immer nur ein Vorteil

Gerade, wenn man sein Buch durch Lesungen vermarkten oder anderweitig an die Öffentlichkeit treten möchte, kann das Pseudonym schnell auffliegen. Auch die Pflege von Social Media-Kanälen gestaltet sich schwieriger ohne Fotos und Videos des Autors.

Schreibt man unter einem Namen des anderen Geschlechts, kann das auch beim Publikum für Verwirrung sorgen. Hier empfiehlt es sich gegebenenfalls auf einen geschlechtsneutralen Namen auszuweichen.

Tipp: Eine umfangreiche Sammlung von Schriftsteller-Pseudonymen gibt es bei Buecher Wiki

Welche Möglichkeiten gibt es, ein Buch zu veröffentlichen?

Wenn man ein Buch geschrieben hat und es veröffentlichen will, bieten sich einem inzwischen viel mehr Möglichkeiten als in der Vergangenheit, als Autoren ausschließlich auf Verlage angewiesen waren. Da ich selbst gerade die Vor- und Nachteile der verschiedenen Arten der Veröffentlichung abwäge, möchte ich daraus einen kleinen Überblick erstellen. Bitte ergänzt und korrigiert mich per Kommentar, sollte ich etwas vergessen haben. Ich plane, die verschiedenen Themen in eigenen Blogposts zu vertiefen.

Buch geschrieben – und dann? Das sind die verschiedenen Möglichkeiten zur Veröffentlichung.

1. Der klassische Weg: Die Buchveröffentlichung über einen Verlag

Trotz aller neuer Möglichkeiten, bietet es sich natürlich immer noch an, einen Verlag zu finden, der neben der Bucherstellung mit Lektorat, Layout, Covergestaltung hoffentlich auch die Vermarktung in die Hand nimmt.

Das Manuskript direkt an einen Verlag senden

Um überhaupt die Verlage auf sich aufmerksam zu machen, kann man sie einerseits direkt anschreiben. Da viele Verlage aber unzählige unaufgefordert eingesendete Manuskripte bekommen, stehen dabei die Chancen für unbekannte Autoren eher schlecht.

Die Zusammenarbeit mit einer Literatur-Agentur

Deshalb sollte man abwägen, sich zuerst bei einer Agentur zu bewerben, die dann hoffentlich den Markt viel besser kennt als man selbst und hervorragende Kontakte in die Verlagshäuser pflegt. Viele Verlage vertrauen dem Urteil einer angesehenen Agentur eher, als Experimente einzugehen. Die Agentur kassiert dann eine Provision für die Vermittlung, die ungefähr 15-20 Prozent des Erfolgshonorars entspricht. Je erfolgreicher das Buch wird, desto mehr verdienen Verlag, Agentur und Autor. Dafür übernimmt die Agentur die Optimierung der „Bewerbungsunterlagen“ für ein Buch, die Vertragsverhandlungen und die Abrechnung mit dem Verlag.

Hier habe ich eine Liste mit Agenturen, die auch Fantasy verlegen, erstellt. Weitere Listen sind geplant.

2. Der unabhängige Weg: Self-Publishing

Hat man weder bei Agenturen noch bei Verlagen Erfolg gehabt, kann man sein Buch immer noch selbst veröffentlichen. Auch dafür stehen (inzwischen) verschiedene Wege offen. Die Akzeptanz von Werken im Eigenverlag auf dem Buchmarkt wächst.

Self-Publishing über Dienstleister

Egal, auf welcher Plattform man sein Buch als Self-Publisher anbieten möchte, man muss sich auch selbst um Lektorat, Gestaltung und Vermarktung kümmern. Um erfolgreich zu sein, muss man hier besonders viel Aufwand betreiben. Manche Anbieter wollen ein E-Book exklusiv vertreiben, andere sind offener. Wichtig ist auch zu wissen, dass es verschiedene E-Book-Formate gibt, die nicht jeder Reader lesen kann. Gerade Amazon (Kindle) setzt hier auf sein eigenes System. Hierzu plane ich definitiv noch vertiefende Blogposts. Einen tollen Einstieg und Überblick bietet die Seite Selfpublisherbibel.

Druckkostenzuschussverlage

Sucht man per Suchmaschine nach einem Verlag, stolpert man sehr schnell über sogenannte Druckkostenzuschussverlage. Hier kostet die Veröffentlichung den Autor sehr viel Geld und am Ende bleibt die Vermarktung trotzdem vor allem an ihm selbst hängen. Viele abschreckende Beispiele solcher Verträge gibt es hier. – Dann doch lieber zu Amazon oder einen eigenen Verlag gründen!

Gleich selbst Verleger werden?

Hat man ohnehin ein Faible für Vermarktung, dann kann man durchaus auch überlegen, einen eigenen kleinen Verlag zu gründen. Natürlich sollte man sich bewusst sein, dass man seine Zeit dann nicht ausschließlich mit Schreiben verbringen kann, sondern auch für Kommunikation, Vermarktung, Buchhaltung und Finanzen aufwenden muss. Das sollte man nur tun, wenn einem das auch Spaß macht!

Lügen, Wahrheiten und einige Klischees im romantischen Cornwall

Manche Orte scheinen sich als besonders begehrte Romanschauplätze zu manifestieren. Cornwall zum Beispiel. Als ich neulich die drei Bücher der Lügenwahrheit („Ein Augenblick für immer“) von Rose Snow verschlungen habe, war meine Lektüre von Sandra Regniers Pan-Trilogie noch gar nicht so lange her. Deswegen kam mir das wildromantische Setting mit tosendem Meer, kleinen Küstenorten und Steinkreisen doch sehr bekannt vor. Aber von Anfang an.

Das Cover "Ein Augenblick für immer - Das erste Buch der Lügenwahrheit" von Rose Snow fotografiert an einem Baumstamm
Cover „Ein Augenblick für immer – Das erste Buch der Lügenwahrheit“ von Rose Snow

Zwei mysteriöse Jungs und eine aufregende Gabe

Die Bücher der Lügenwahrheit ordnen die Autorinnen selbst ins Genre „Romantasy“ (Romanze + Fantasie) ein – die Hauptfiguren sind etwa 17 Jahre alt. Obwohl ich schon länger keine 17 mehr bin, lese ich auch solche an Jugendliche gerichtete Romane sehr gerne.

Ich mag die Grundidee von Rose Snows Lügenwahrheit-Trilogie: Die Hauptperson June zieht von Frankfurt nach Cornwall, um ein Jahr bei ihrem Onkel zu wohnen, dort in eine Schule zu gehen und sich aufs Studium vorzubereiten. Dort erwacht in ihr eine geheimnisvolle Gabe, die sich scheinbar innerhalb der Familie vererbt: Nach dem Besuch eines Steinkreises kann sie plötzlich zielsicher zwischen Wahrheit und Lüge unterscheiden. Den Steinkreis hätte es meiner Meinung nach dafür nicht unbedingt gebraucht, er wird in vielen anderen Romanen schon quasi überstrapaziert. Aber mit Lüge und Wahrheit lassen sich hervorragende Konflikte und Gedankenspiele zaubern. Für zusätzliche Spannung sorgen Junes beiden geheimnisvollen Cousins, ihre magischen Gaben und die Dreiecksbeziehung, die sich dann entspinnt. Und ein Fluch, den es aufzuhalten gilt.

B. Cotham (-), Water Mill Lamorna Cove, Cornwall, 19th century (Quelle: Statens Museum for Kunst, Europeana, CC0)

Durchgehend spannend – leider zu viele Klischees

Das Autoren-Duo Rose Snow schafft es, die Spannung in der Geschichte durchgehend aufrecht zu erhalten und schreibt auch mit einem gewissen Humor. Am witzigsten finde ich, dass die Hauptperson June den Tick hat, hin und wieder an mehr oder weniger passenden Stellen Statistiken einzuwerfen. Ich liebe Statistiken 😉 Ich mag den Schreibstil von Rose Snow wirklich, weshalb ich sicher auch einige ihrer anderen Buchreihen lesen werde.

Meine Lieblingsfiguren im Buch sind Junes neue britische Freunde Lily und Grayson, die mit ihrem witzigen Geplauder die Geschichte angenehm aufmischen.

Für meinen Geschmack hätte der Fluch kein „echter“ (klischeehafter) Fluch (mit Donner, Geist, Hexe, Leiche und allem drum und dran!) sein müssen. Und dann noch in Cornwall, wo Flüche und Magie offenbar an jeder Ecke lauern. Die Spannung um die geheimnisvollen Gaben hätte vielleicht auch etwas subtiler aufgebaut werden können, überraschender womöglich.

Die begehrten Cousins müssten wegen mir auch nicht quasi überirdisch gut aussehen und noch dazu abnormal reich sein. Ich meine, welche Art von Männern möchte Frau Anno 2020 denn anschmachten? Offenbar müssen sie immer noch gutaussehend, stark und etwas schroff und noch dazu reich sein… Ich weiß gar nicht, WIE OFT Cousin Blake Hauptperson June insgesamt retten musste! Dabei ist sie beschrieben als ein intelligentes, schlagfertiges, sportliches Mädchen.

Alles in allem bekommt man hier aber zuverlässig unterhaltsame und spannende Lektüre. Für einen lange bleibenden Eindruck reicht es bei mir allerdings nicht.

Wie ist deine Meinung? Welche Klischees aus Romanen liest du gerne/nicht so gerne und warum?

Wie geht Schreiben mit dem Autorenprogramm Patchwork?

Zum Schreiben habe ich normalerweise nur zunächst Papier und Bleistift und im zweiten Durchgang ein einfaches Textprogramm wie Word oder OpenOffice Writer gebraucht. Doch letztes Jahr stieß ich zufällig darauf, dass es auch Schreibprogramme speziell für Autoren gibt, die noch viel mehr Tools bieten, die einem die Organisation einer längeren Geschichte oder eines Romans erleichtern können. Nichts davon ist meiner Meinung nach etwas, was man nicht anders – d.h. gratis und mit herkömmlichen Mitteln – auch hinbekommt. Die Stärke der Programme liegt aber darin, dass sie viele Funktionen bündeln. Hier kommt mein Fazit nach 4 Monaten Test.

Notizbuch und Bleistift am Strand,
Immer noch mein erster Schritt beim Schreiben: Bleistift und Papier an jedem erdenklichen Ort.

Patchwork Autorenprogramm oder Papyrus Autor?

Nach einiger Recherche habe ich die Programme Papyrus und Patchwork in der Testversion ausprobiert. Mit beiden Programmen kann man sein Buchprojekt nicht nur niederschreiben, sondern auch planen, die Recherche ordnen und sortieren, überarbeiten und in verschiedene E-Book-Formate und Print-Layouts exportieren. Das Testen würde ich auf jeden Fall empfehlen, denn beides sind Bezahlprogramme.

Schließlich habe ich mich für Patchwork entschieden, obwohl Papyrus die aufgeräumtere und übersichtlichere Programm-Oberfläche hat. Ausschlaggebend für mich waren die Tools zur dramaturgischen Planung des Erzählstrangs, zum Entwerfen der Charaktere und die ausgefeilte Rechtschreib- und Stil-Korrektur. Ich denke aber, dass beide Programme beinahe genauso viel können – die Entscheidung ist letztlich Geschmackssache.

Fazit nach 4 Monaten Test

Inzwischen nutze ich Patchwork seit vier Monaten. Ich arbeite so, dass ich meinen Roman zuerst per Hand in hübsche Notizbücher schreibe – einfach, weil ich die leichter unterwegs herausholen und ohne Umschweife losschreiben kann. Im Alltag bleiben mir oft nur eine halbe Stunde hier und eine Stunde da zum Schreiben. Da lohnt es sich kaum, den Computer zu starten. Wenn ich das Geschriebene dann irgendwann abtippe, ist das bereits der erste Korrekturdurchlauf.

Jetzt habe ich Patchwork auf einem neuen USB-Stick mit besonders viel Platz installiert, sodass mein Buchprojekt nicht von einem bestimmten Rechner abhängig ist. Das macht das Programm ganz sicher ein wenig langsamer als auf dem PC, gibt mir aber wertvolle Flexibilität, ohne die ich in meinem Alltag kaum weiter käme.

Je länger mein Projekt wurde, desto öfter musste ich mühevoll nachschlagen – wie alt war gleich noch einmal Person C und hieß das Mädchen Anne oder Anna? Habe ich dies und das bereits erwähnt oder nicht? In Patchwork kann ich Figurenlisten mitsamt Steckbrief, Bildern usw. anlegen und mir im Text hervorheben lassen, wann ein Charakter erwähnt wird.

Screenshot Autorenprogramm Patchwork
Screenshot: Autorenprogramm Patchwork – links die Szenenübersicht, in der Mitte der Text, rechts eine kurze Zusammenfassung der Szene.

Patchwork arbeitet nicht mit einem großen Textblock, sondern man teilt sein Buch nach einzelnen Kapiteln und Szenen auf, die man jeweils benennen und kurz zusammenfassen kann. Ich kann meinen Szenen ein Datum verpassen, an dem sie spielen und ich mag die Funktion, jede Szene kurz zu beschreiben. Das gibt Struktur und Fokus und man verliert sich weniger in Unwichtigkeiten. Außerdem finde ich die Funktion, mir jederzeit beim Tippen eine ausführliche Liste von Synonymen anzeigen zu lassen, sehr praktisch.

Eine Funktion, die mir sehr ans Herz gewachsen ist, ist die Recherche-Datenbank, die Bilder, PDF-Dateien, Notizen und Website-Links thematisch sortiert übersichtlich bündelt, sodass ich meine Hintergrundinfos schnell wiederfinde.

Alle anderen Funktionen – eine Art Reißbrett, um Szenen zu entwerfen, die Timeline, mit der man auch Zeitsprünge und Erzählperspektive verwalten kann sowie alles was mit Überarbeitung, Korrektur und Layout zu tun hat, habe ich noch gar nicht richtig benutzt. Manches habe ich nicht beim ersten Probieren herausgefunden – zum Beispiel wie ich Vignetten im Layout platziere oder ob ich aus dem Text heraus auf meine Recherche verlinken kann (nein, im Moment leider nicht!). Aber es gibt auf YouTube sehr gute Anleitungsvideos und ein reges Hilfsforum. Und wem das nicht recht, der kann in der Facebook-Gruppe zum Schreiben, dem Schreibblog von Patchwork oder in einer der Arbeitsgemeinschaften vorbeischauen. Es scheint eine ganze Community dahinter zu stecken.

Dieser Post ist daher nur ein Zwischen-Fazit zu Patchwork. Der nächste Erfahrungsbericht kommt bestimmt.

Gerne freue ich mich bis dahin über eure Erfahrungen und Meinungen zu solchen Programmen. Wie schreibt ihr?

Zukunftsszenario oder Verschwörungstheorie: „Eden Academy“ von Lauren Miller

Das Buch „Eden Academy“ (im Original „Free to Fall“) von Lauren Miller hat mich mit seiner Grundidee begeistert: Erschienen 2014, zeichnet es ein Szenario um das Jahr 2030 herum. Die Welt ähnelt unserer heutigen, aber die digitale Technik hat sich mit gleichbleibender Geschwindigkeit weiterentwickelt. Die heute großen Tech-Konzerne sind von einer einzigen, alles beherrschenden Firma verdrängt worden, die den Menschen ein begehrtes Smartphone buchstäblich an die Hand gibt, das deren Alltag zum Besseren lenkt. Mit seiner Entscheidungs-App Lux hilft es bei der Wahl des Essens, des Partners, der Ausbildung und macht so das Leben einfacher, besser und glücklicher – oder?

Deutsches Buchcover von „Eden Academy“, erschienen im Ravensburger Verlag

Bis die Hauptperson Rory an die begehrte Elite-Universität Eden Academy kommt, folgt sie diesen neusten digitalen Gadgets wie die meisten anderen blind. In der neuen Stadt lernt sie den Punk North kennen, der sich obwohl oder weil er sich damit auskennt, nicht von der Technik lenken lassen will. Nach und nach kommt Rory einer riesigen Verschwörung auf die Spur, was sie in Lebensgefahr bringt. „Eden Academy“ ist eine Art Tech Thriller, garniert mit einer Liebesgeschichte.

Kann man trotz Technik selber denken?

Die Autorin wirft spannende Fragen auf: Wie viel sollte ein Konzern bestimmen dürfen? Hören wir auf selbst zu denken und auf unsere innere Stimme zu vertrauen, wenn wir auf Technik vertrauen? Können wir von Technik manipuliert werden?

Manchmal hatte ich Sorge, dass die christliche Symbolik im Buch überhand nehmen würde, dass die weitläufiger interpretierbare „innere Stimme“ komplett durch Gott ersetzt werden würde. Aber die Autorin hat es gerade noch geschafft, diese Frage dem Leser zur eigenen Interpretation offen zu lassen. Auch die Balance zwischen Technikbegeisterung und Technikfeindlichkeit gelingt ihr nur haarscharf. Weder das blinde Vertrauen noch der wahnhafte Verschwörungsglaube sind meiner Meinung nach angebracht. Denn wenn wir ehrlich sind, ist ein Zurück zum Papiergeld und zur Schreibmaschine auch nicht die Lösung. Doch das Buch regt zum Selberdenken, Reflektieren und zu einem gesunden Misstrauen an, was ich allen, die sich tagtäglich mit Smartphones, Computern, Social Media Netzwerken und Medien aller Art umgeben nur wünschen kann.

Das Buch „Eden Academy“ richtet sich an junge Erwachsene ab 12 Jahre, ist aber auch für Ältere spannend zu lesen.

So klingt der offizielle englische Trailer zum Buch: