Name bitte … was? – Namen von Protagonisten in Büchern

Seit einigen Tagen beschäftigt mich ein Thema, das zeitlos ist: Ist der Name meiner Romanheldin passend?

Zunächst vorweg: Ich hab nicht vor, sie jetzt, wo meine Geschichte zu 80 Prozent fertig geschrieben ist, umzubenennen. Sie und ihr Name sind mir ans Herz gewachsen. Ihr Name wird im Handlungsverlauf von verschiedenen Protagonisten auf unterschiedliche Art ausgesprochen oder für Wortspiele genutzt – das würde mit einem neuen Namen gar nicht funktionieren. Aber was, wenn meine potentiellen Leserinnen und Lesern den Namen doof finden? Was macht ihr, wenn ihr den Namen einer Hauptperson partout nicht ausstehen könnt? Brecht ihr das Buch ab?

Wie komme ich denn darauf?

Eigentlich hat es mich bisher gar nicht gekümmert, was andere zu den Namen meiner Protagonisten sagen. Mir fällt es auch nicht schwer, Namen zu finden. Bei „Lindenherz“ war es mir wichtig, dass beide Hauptfiguren zeitlose Namen tragen – so zeitlos, dass der Name Katharina heute genauso verbreitet ist wie vor 800 Jahren. Und der Name Johann liegt gerade wieder im Trend.

Frau mit Kapuzenpulli und wehendem lockigen Haar schaut nach links
Manchmal zeichne ich meine Romanfiguren – und Namen wähle ich immer mit bedacht.

Auch für mein neues Buchprojekt habe ich schnell Namen gefunden, die mir gut gefallen. Mit Namen verbinde ich oft auch eine Persönlichkeit, manchmal bedeuten sie etwas oder kommen aus einem bestimmten Kulturkreis. Andere Male erfinde ich einen Namen völlig neu. – Für mich ist es auch wichtig, dass sich ein Name gut merken und aussprechen lässt.

Nun also, wo ich meine Sci-Fi-Dilogie fast fertig geschrieben habe, schreibt mir eine befreundete Autorin, mit der ich mich viel über mein Geschriebenes austausche, dass sie den Namen meiner Protagonistin total unattraktiv und nicht besonders weiblich findet. Ob ich mir den nicht nochmal überdenken möchte. – Und ja, ich hab darüber nachgedacht. Tagelang sogar. Aber nein, ich will nicht. Es würde sich falsch anfühlen, das zu tun. Leider bin ich nun trotzdem verunsichert, wie andere Leute darauf reagieren werden. Deshalb der Blogpost, um einfach meine Gedanken zu teilen.

Was macht ihr, wenn ihr den Namen einer Romanfigur nicht mögt?

Manchmal passt es einfach nicht. Man denkt sich: Jemanden mit diesem Namen soll ich sympathisch oder gar attraktiv finden? Vielleicht ist es ein Name, der gerade nicht modern ist. Oder man kennt einen absolut unausstehlichen Namensträger, an den man bei jedem dritten Satz des Buchs denken muss. Oder man kann den Namen partout nicht aussprechen, geschweige denn, ihn sich merken, weil er eine so extravagante Eigenkreation des Autors ist…

Ich denke, in solchen Fällen habe ich drüberweg gelesen. Oder sogar die Protas gedanklich umbenannt. Manchmal war meine gedankliche Aussprache auch weit weg von der, die die Autorin dann auf einer Lesung nannte. Aber im Endeffekt hab ich das Buch deshalb nicht weggelegt. Wie geht es euch damit?

Zeichenblock und Stift, eine Schwarz-Weiß-Zeichnung von einem jungen Mann auf einem Klappstuhl mit hinter dem Kopf verschränkten Armen
Diese Szene aus meinem neuen Romanprojekt hab ich gezeichnet, um mir die Körperhaltung meines Protagonisten besser vorzustellen.

Nehmen wir mal Edward Cullen aus „Twilight“ von Stephenie Meyer. Edward ist nicht wirklich ein Name, den ich mit Attraktivität verbinde, bis dahin stand er bei mir eher für „Uropa“ – was der Geschichte aber keinen Abbruch getan hat. Und für einen um 1900 herum geborenen Vampir ist Edward auch super passend. Seit ein paar Jahren wird der Name wieder modern und sicher nicht nur, weil die Twilight-Fans Eltern werden, sondern weil Namen zyklisch wieder modern werden. Die Namen unserer Elterngeneration finden wir alle ziemlich … altmodisch. Die Namen unserer Urgroßeltern hingegen klingen meist fremd und exotisch, wir kennen keine Namensträger persönlich und deshalb werden sie wieder attraktiv.

Was ich noch beobachtet habe: Wie bei Edward ist letztlich nicht der Name entscheidend, sondern der Roman wird diesen Namen prägen und der Charakter des Protagonisten zeichnet letztlich ein neues Bild in unserem Kopf. Plötzlich kann jemand mit einem Namen, den wir zu anfangs komisch oder gar abstoßend fanden, cool sein. Selbst, wenn ein Schulkamerad oder Arbeitskollege dieses Namens unausstehlich ist, kann eine tolle Romanfigur das ausbügeln. So geht es mir zumindest.

Namen sind … Geschmackssache

„Schall und Rauch“, hat Goethe Gretchen in „Faust“ sagen lassen. – Was nicht stimmt, denn wissenschaftlich belegt ist, dass wir Dinge, die ähnlich heißen wie wir selbst, sympathischer finden und dass Menschen mit bestimmten Namen bevorzugt oder benachteiligt werden.

Illustration von Goethes Gretche
Goethes Gretchen und Faust in einer Illustration von I. Szumacher um 1861-70, Muzeum Narodowe Warszawie, CC0 (Link: https://cyfrowe.mnw.art.pl/pl/katalog/779959)

Aber letztlich sind Namen auch Geschmackssache. Es spielt eine Rolle, wie alt man ist und aus welchem Kulturkreis man kommt, wie man einen Namen wahrnimmt.

So muss ich wohl damit leben, dass es manchen Leserinnen und Lesern gehen wird wie meiner Freundin. Und andere rufen wie eine andere Freundin: „Der Name ist toll, so würde ich später mal meine Tochter nennen!“

Tja, und wie der Name lautet, erfahrt ihr irgendwann im Laufe dieses Jahres, wenn ich Band 1 der Dilogie veröffentliche.

21 Kommentare

  1. Mit Namen verhält es sich, wie mit anderen Details eines Romans: Man kann unmöglich ‚everybodys darling‘ sein! Kennt jemand einen Hannes, der einst gemein war und der Name verhasst wurde, so war es vielleicht die erste große Liebe (samt Namen). Deswegen gibt es schließlich auch so viele Namen!

    Vorsicht ist aus meiner Sicht nur geboten, wenn es selbst erdachte ‚Kunstnamen‘ sind, wie sie gerne in High Fantasy Verwendung finden und es Gebilde sind, für die sowohl die Zunge als auch das Gedächtnis der Leser:innen Spezialyoga machen muss. 🤯

    Wer ein Buch nur abbricht, weil er/sie einen Namen nicht mag, ist kein ernstzunehmender Leser.

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    1. Hihi, Spezial-Zungen-Yoga, das hab ich bei manchen Fantasy-Namen auch schon mal gedacht – aber (oh Wunder), ich kann mich an keinen davon noch erinnern.
      Wie immer hast du natürlich recht, man kann es nicht allen recht machen und ich sag es mir auch immer wieder. Aber nachdenklich macht es mich ja doch. Der Blogpost ist jetzt zur endgültigen Überwindung dieser Grübelei gedacht 🙂 Also danke dir für die mentale Unterstützung!
      LG, Tala

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      1. Das kann ich absolut nachvollziehen, ich bin eigentlich auch jemand, der sich Namen nicht gut merkt. Mein ausgewählter Name wird auf jeden Fall kurz und prägnant 🙂

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  2. Aus meiner subjektiven Lesersicht muss der Name in erster Linie ins Setting passen. Ich würde also einen Bauernsohn aus dem süddeutschen Raum in der frühen Neuzeit fünfzehnhundertirgendwas nicht unbedingt Malte-Sokrates nennen, oder so. 🙂

    Im besten Fall merkt man sich Namen der Hauptfiguren eine halbe Ewigkeit – mir geht es beispielsweise mit Kai Meyers „Die Alchimistin“ so, die er vor Ewigkeiten „Auro Institoris“ nannte. Das bleibt hängen. Im schlechtesten Fall liest man aber einfach drüber weg und denkt sich: „Na gut, irgendwie muss er sie ja heißen“.

    Ich würde mir in Summe also nicht den Kopf darüber zerbrechen.

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  3. über Namen habe ich mir bei Romanen lange keine Gedanken gemacht, bis ich in die Dostojewski Hölle hinabgestiegen bin und ich mit der für uns Mitteleuropäer sehr anstrengenden russischen Namensgebung konfrontiert wurde. Bei den Brüdern Karamasov gab es die Figur des Pavel Fyodorovich Smerdyakov, der Nachname bedeutet wohl soviel wie der Sohn der Stinkerin…Obwohl man ungefähr auf jeder halben Seite bei Dostojewski überlegen muss, wer denn nun jetzt gemeint sei, haben mich alle Romane von Dostojewski restlos eingesogen und nicht mehr losgelassen. Was ich sagen will: Wenn die Geschichte gut ist, sind Namen wirklich Schall und Rauch….Wenn deine Geschichte gut ist, brauchst du dir um Namen keine Gedanken machen!

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  4. Also ich habe noch nie ein Buch wegen eines Namens abgebrochen. Es gab vor kurzem ein High Fantasy Buch, wo ich bei der Aussprache eines Namens beim Lesen immer wieder kurz gestolpert bin und regelmäßig gedanklich verschiedene Varianten ausprobiert habe, wie der Name denn nun eigentlich ausgesprochen wird, das hat den Lesefluss zwar kurz unterbrochen, aber war für mich kein Grund das Buch zur Seite zu legen. Grundsätzlich nehme ich die meisten Namen ganz nicht so bewusst war, ich bin eher der Typ Mensch, der für die Rezension nochmal sämtliche Namen nachschlagen muss, weil er sie vergessen hat 🙈

    Gefällt 2 Personen

    1. Hallo Lucy,
      jetzt, wo du das so schreibst, muss ich feststellen, dass mir das auch manchmal so geht. Dass ich die Namen für die Rezension nochmal nachschauen muss. So gesehen, hast du total recht, so wichtig sind die Namen gar nicht. Auch, wenn Autoren sich manchmal gefühlt wochenlang den Kopf darüber zerbrechen 🙂
      Alles Liebe und danke für deinen aufmunternden Kommentar!
      Tala

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    1. Liebe Ingrid,
      vielen Dank für die aufmunternden Worte!!! Ja, ich denke, mein Bauchgefühl schreit mir förmlich zu: Der Name muss bleiben 🙂
      Aber die lieben Rückmeldungen hier, bestärken mich nochmal darin.
      Viele liebe Grüße,
      Tala

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  5. Hallo,
    Ich bin jemand, der sich sehr schwer tut Namen zu merken. Bei vielen Charakteren ist das echt ein Problem. Aber wenn es wirklich mal einen Namen gibt, der mir nicht gefallen sollte, oder so unaussprechlich, dann lese ich meist drüber weg.
    Es kann passieren, dass ich immer mal hängen bleibe und das den Fluss stört, aber ich habe auch noch kein Buch abgebrochen, weil der Name nicht passt.
    Ich denke, du hast den Namen gewählt, weil er einfach zu deinem Charakter passt.
    Ich selbst muss mich beim Schreiben immer überwinden, nicht immer die selben zu nutzen…ich mag immer sehr gerne Anna – wahrscheinlich hiess ich in einem vorherigen Leben mal so…hihi..
    Schönen Sonntag

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    1. Anna ist ja auch ein schöner, zeitloser Name, vorwärts wie rückwärts gleich 🙂 Überhaupt, wie du sagst, sind kurze Namen auch sehr schön. Meine neue Geschichte spielt ja in einem zukünftigen Setting, aber ich hab trotzdem drauf verzichtet, neue Namen zu erfinden. Man sieht ja, wie alt die heute verwendeten Namen teilweise sind – die gab’s auch im Mittelalter schon. In meinem Buch haben sich nur alle Kulturen vermischt, also kommen die Namen aus aller Welt.
      Ganz liebe Grüße und danke fürs Mitdiskutieren!
      Tala

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  6. Mit den Figuren in Romanen und mit ihren Namen verhält es sich wie mit den wirklichen Kindern in der wirklichen Welt. Der Autor setzt seine Figur in die Welt und gibt ihr ihren Namen. Manchmal überlegt er hin und her, wie es auch die Eltern eines Neugeborenen tun, aber irgendwann mal muss man ja doch zum Standesamt und die Geburt des Kindes anzeigen. So. Der Autor hat also sein Kind in die Welt gesetzt, und einen Namen hat es auch bekommen. Und jetzt wächst das Kind. Jeder Autor weiß, er hat dann nicht mehr so viel zu sagen. Das Kind wächst und entwickelt sich und sagt und macht Sachen, da denkt der Autor, na aber hör mal … Der Name aber, der bleibt immer derselbe. Kann passieren, das Kind wird erwachsen und sagt, jetzt heiß ich aber anders. Wenn die Figur das selber sagt, dann, und nur dann, sollte der Autor auf sein Kind hören und den Namen ändern. Manchmal passiert das sogar, da ist das Kind noch klein, und es stampft mit dem Fuß auf und sagt, ich heiß aber nicht Katharina, ich heiß Lene. Kann passieren. Was sagen dann die geduldigen Eltern? Also gut, wenn dein Herz dran hängt, dann bist du eben von jetzt an Lene. Und Lene wächst heran und wird erwachsen und geht hinaus in die Welt und heißt immer noch Lene, und niemand weiß mehr, dass die Eltern ursprünglich sich mal einen anderen Namen gedacht hatten. Kann alles passieren. Aber das letzte Wort, das hat die Figur selber.

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    1. Das hast du total schön gesagt! Ich bin ja immer noch am Überarbeiten und werde mal verstärkt hinhören, was meine Figur so äußert. Aber eigentlich scheint sie doch zufrieden zu sein mit ihrem Namen. 🙂
      Ganz lieben Dank für deinen Kommentar!

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