Schaurig schön: „Cassardim 1: Jenseits der goldenen Brücke“ von Julia Dippel

Bild von Aristeidis Tsitiridis auf Pixabay

Dieser Auftakt zur Fantasy-Buchreihe „Cassardim“ von Julia Dippel hat mich ziemlich mitgerissen – nicht nur, weil er mit eigener Website, Soundtrack, Trailer und Zeichnungen daherkommt! Die Geschichte entführt den Leser in eine Fantasy-Welt, in der es nicht nur faszinierend-fremde Kreaturen und ausdrucksstarke Völker gibt, sondern auch beeindruckende Landschaften, die ein Eigenleben besitzen. Die ersten hundert Seiten hält die Autorin eine atemberaubende Spannung aufrecht, die auch danach nur wenig nachlässt. Hier kommt meine Rezension von Band 1 – Band 2 hab ich mir schon gekauft, während der dritte und letzte Band (leider) noch geschrieben wird.

Cassardim

Jenseits der Goldenen Brücke

von Julia Dippel 

Ab 13 Jahre
528 Seiten
Erschienen am: 17. 10. 2019
ISBN: 978-3-522-65412-8

Thienemann-Esslinger Verlag


Worum geht’s?

Hauptperson Amaia, die ihre Geschichte aus der Ich-Perspektive erzählt, ist gerade zum achten Mal sechszehn geworden. Aus genau diesem Grund muss ihre Familie immer wieder umziehen und alle Kontakte abbrechen – weil ihre Eltern, Geschwister und sie viel langsamer altern. Zuerst dachte ich an Twilight! Aber Amaia weiß selbst nicht, was mit ihr nicht stimmt. Mit einem geheimen Notizbuch und einem Wiegenlied, an das sie sich gedanklich klammert, sammelt sie Informationen und wehrt sich gegen die mentale Manipulation durch ihre Eltern. Als die einen geheimnisvollen Gefangenen im Keller einsperren, der ist wie sie, sieht Amaia ihre Chance gekommen, endlich mehr zu erfahren. Sie ahnt nicht, dass sich ihr Leben damit unumkehrbar verändert. Denn Noár – so heißt der grausame wie attraktive Mann – führt sie und ihre Geschwister wenig später in ihre unbekannte Heimat Cassardim, das Reich der Toten, und an den dortigen Kaiserhof voller Intrigen, Gefahren und Machtspiele.

Wie war’s?

Zuallererst: Spannend! Amaia rutscht von einem lebensgefährlichen Abenteuer mit machthungrigen Personen und teilweise furcht- oder ekelerregenden Monstern ins nächste. Die Welt Cassardim, die Julia Dippel zeichnet, ist überraschend und vielfältig. Die Völker und Kreaturen entsprechen keinen Fantasy-Standards, sind aber auch nicht völlig ausgefallen. Erfrischend finde ich die geschilderten Landschaften und allen voran den eigenwilligen goldenen Berg, Cassardims Zentrum der Macht. Obwohl es in diesem Reich der Toten auch eine Fürstin des Wolkenreichs (der Himmel) und ein Schattenreich (die Hölle) gibt, heißt das noch lange nicht, dass damit die Persönlichkeit der dort beheimateten Charaktere dem zu erwartendem Klischee entspricht. Dafür bin ich der Autorin sehr dankbar!

Parallel zu ausgefeilten Ränkespielen um die Macht und immer neuen Wendungen, entspinnt sich auch eine fesselnde Romanze, die leider nicht ganz ohne Stereotype und vor allem nicht ohne riesige Muskeln auskommt. Wegen mir hätten Anhimmeln und Beschreibungen trainierter Oberkörper ein wenig sparsamer eingesetzt werden können. Auch fand ich, dass selten eine Hauptperson in einem Buch so oft gewürgt wurde wie die arme Amaia! Und immer und immer wieder wird sie von Noár gerettet – glücklicherweise darf auch Amaia in starken Augenblicken die Handlung bestimmen und ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen.

Trotz dieser kleinen Makel fand ich fast alle Charaktere sehr gelungen, denn auch Nebenfiguren sind facettenreich und individuell. Neben Amaia und Noár sind mir Moe, Nox, Rhome, Pash und Zoey ans Herz gewachsen. Ob es wirklich ein Buch für Jugendliche zwischen 13 und 16 ist, darüber lässt sich streiten. Ich würde eher „ab 13“ sagen – nach oben offen.

Das gewisse Extra

Wie ich eingangs schon erwähnt habe, hat mich, die ebenfalls gerade an einer längeren Fantasy-Story schreibt, eins besonders geflasht: Julia Dippels „Cassardim“ ist (wie schon ihre Reihe Izara, die ich aber noch nicht gelesen habe) nicht nur ein Buch, sondern ein Gesamtkunstwerk! Sie schreibt mitreißende Geschichten und gestaltet dazu Websites, zeichnet Szenen und Charaktere daraus, produziert Trailer dazu und komponiert sogar Songs, die sie teilweise selbst singt.

Ich muss das an dieser Stelle mal teilen:

Buch-Trailer zu „Cassardim“ – die Autorin Julia Dippel hat ihn selbst produziert und singt das Lied dazu.

Ich bin selbst jemand, der schreibt, zeichnet und routiniert und kreativ im Web unterwegs ist. Aber ein Lied zum Buch ist mir bisher noch nicht in den Sinn gekommen – davor ziehe ich meinen virtuellen Hut! Weil ich dadurch so neugierig auf die Autorin (und Theater- und Musical-Regisseurin) geworden bin, hab ich mir zum Beispiel dieses YouTube-Interview mit ihr angeschaut, das Rubyredbooks mit ihr geführt hat.

Von mir gibt es eine ganz klare Lese-Empfehlung und Band 2 ist schon auf meinem E-Book-Reader.

Bewertung: 4.5 von 5.

3 Kommentare

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