Jeder in seiner eigenen Zeit – „Mein Herz in deiner Welt“ von Sarah Short

Bild von monicore auf Pixabay

In diesem Buch geht es um Zeitreisen, dachte ich zuerst. Aber nein, es geht um Ausflüge in Parallelwelten. Nichtsdestotrotz, das Thema finde ich immer spannend, weshalb ich Sarah Shorts Roman „Mein Herz in deiner Welt“ als E-Book gelesen habe. Die Idee finde ich gut, aber mit der Umsetzung hatte ich meine Probleme. Warum, möchte ich hier in der Rezension erklären.

Cover Sarah Short "Mein Herz in deiner Welt"

Sarah Short

Mein Herz in deiner Welt

Isbn: 978 3947288 427

Print: 376 Seiten

Verlag: Hawkify Digital


Worum geht’s?

Hauptperson Maggie, eine 26 Jahre alte, autovernarrte Grundschullehrerin, ist mit ihrem Leben unzufrieden. Das scheint vor allem an der Trennung von ihrem Freund zu liegen und daran, dass sie sich von einem befristeten Job zum nächsten hangeln muss. Genau in dem Moment, als sie sich wünscht, die Zeit noch einmal zurückzudrehen, findet sie ein besonderes Amulett. Es spricht Latein! Was Maggie fließend versteht! (Ich hab auch das Latinum, aber offenbar ist bei mir weniger hängen geblieben …) Mit Hilfe ihrer Freundin Louisa findet Maggie heraus, dass das Amulett eine Tür öffnen kann, die zurück in ihr altes Jugendzimmer führt. Unter Alkoholeinfluss packt sie ihre Sachen, regelt noch schnell ihre Finanzen und geht durch diese Tür …

Wie war’s?

Ich hatte Probleme in die Geschichte einzusteigen, denn über viele Seiten suhlt sich Hauptperson Maggie quasi in ihrem Selbstmitleid, es passiert kaum etwas und noch dazu hatte ich nicht das Gefühl, dass es ihr so schlecht geht, dass ich an ihrer Stelle die Zeit hätte zurückdrehen wollen. Eine richtige, dringende Notlage (eine schwere Krankheit? der Tod eines geliebten Menschen?) hätte mich mehr überzeugt, als dass Maggie sich quasi von der Freundin überreden lässt! Dinge, die für die spätere Geschichte entscheidend sind (der Fund des Medaillons, ein Autounfall) geschehen eher zufällig. Aber nachdem Maggie durch diese Tür gegangen ist, nimmt das Erzähltempo glücklicherweise Fahrt auf.

Ganz ehrlich: Würdest du in deinen 15-jährigen Körper zurückreisen wollen? Ich nicht.

Aber Sarah Short schildert dann ganz anschaulich Maggies Unsicherheit, sich in der anderen Welt zurechtzufinden. Noch dazu verliebt sie sich – die Schilderung dieser Beziehung ist der Autorin richtig gut gelungen. Die Vergangenheit entpuppt sich schnell als Paralleluniversum und als ich richtig in der Geschichte drin war, tauchte plötzlich wieder eine Tür auf und Maggie musste (aus mir nicht ganz nachvollziehbaren Gründen) die nette Parallelwelt verlassen. Eigentlich konnte ich sehr viele Wendungen in der Geschichte nicht richtig nachvollziehen, meistens fehlte es mir an einer überzeugenden Erklärung.

„Wenn jeder sich in seiner eigenen Zeit bewegte, ob noch im ersten Anlauf oder, wie ich, bereits im zweiten oder dritten?“

aus „Mein Herz in deiner Welt“ von Sarah Short

Recht gelungen fand ich aber Maggies Persönlichkeit. Ich mochte, dass sie bodenständig ist und ein Mädchen ist, das gern an Autos schraubt. Sie bereut, nicht von Anfang an das gemacht zu haben, was ihr am meisten Spaß macht. Die Botschaft, dass eine Vernunftentscheidung (zum Beispiel ein Studium statt der Wunschausbildung zu wählen) nicht unbedingt glücklich macht, ist wahr und wichtig.

Sarah Shorts spirituelle Erklärung für die Parallelwelten bzw. diejenigen, die sie steuern, fand ich nicht überzeugend. Da hat mir die pseudo-wissenschaftliche Herangehensweise der Zimt-Trilogie von Dagmar Bach besser gefallen. Noch durchdachter und stimmiger setzt die Parallelwelten-Theorie Julie Cross in ihrer Zeitreise-Trilogie um.

Der „Showdown“ kam bei Sarah Short im Vergleich zum langsam und ausführlich erzählten Start der Geschichte ziemlich schnell und abrupt. Aber manche Zitate und Denkansätze fand ich schön. Die 26-jährige Maggie im Körper der 15-jährigen überlegt zum Beispiel, ob sie vielleicht nicht die einzige ist, die in einem anderen Körper steckt: „Was bedeutete Zeit, wenn sie nicht für alle Menschen die gleichen Gesetze schuf? Wenn jeder sich in seiner eigenen Zeit bewegte, ob noch im ersten Anlauf oder, wie ich, bereits im zweiten oder dritten?“

So regt Sarah Shorts „Mein Herz in deiner Welt“ doch zumindest zum Nachdenken an über die Zeit und das eigene Leben.

Bewertung: 3 von 5.

1 Kommentar

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s