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Unerkannte Parallelgesellschaft: „Der Hüter der fünf Leben“ von Nica Stevens

Liam ist anders als die anderen. Die 17-jährige Vivien will sein Geheimnis unbedingt lüften und gerät dabei selbst in Gefahr. Die Jugend-Romantasy-Geschichte „Der Hüter der fünf Leben“ der deutschen Fantasy-Autorin Nica Stevens haben die Büchermotte und ich als Hörbuch gehört. Die Geschichte fesselt, lässt aber noch Luft nach oben.

Nica Stevens
Hüter der fünf Leben
Sprecher: Reithmeier, Nina

Verlag: XPUB / XPUB GmbH
Gesamtlaufzeit: 600 Min.
Erscheinungstermin: April 2017
Sprache: Deutsch
ISBN-13: 9783945703595


Worum geht’s?

Die mentale Reise geht nach Kanada. Hauptperson Vivien lebt bei ihrem Großvater, der unbedingt möchte, dass sie einmal eine erfolgreiche Anwältin in seiner Kanzlei wird. Vivien weiß noch nicht genau, was sie will – ihr Herz zieht sie in die Berge, in den Nationalpark, in dem ihr Vater arbeitet und in dem sie mit ihm und seinen Freunden unbeschwerte Kindheitstage verbracht hat. Als sie in den Sommerferien dort ankommt, trifft sie auch Liam, ihren Freund aus Kindertagen, wieder. Nur, dass er inzwischen erwachsen geworden ist, atemberaubend gut aussieht und sich total abweisend benimmt. Schnell findet Vivien heraus, dass er etwas verbirgt. Sie will unbedingt hinter sein Geheimnis kommen und kommt ihm dabei nicht nur näher, sondern bringt sich auch selbst in große Gefahr.

Gern etwas tiefgründiger

Die Hauptpersonen Vivien und Liam fand ich sehr sympathisch und ihre Handlungen meistens nachvollziehbar. Beide sind eher ruhige und introvertierte Charaktere. Während Liam durchgehend sehr stimmig dargestellt ist, fand ich Viviens Handlungen nicht immer passend oder nachvollziehbar. Zum Beispiel kam mir die Stelle, an der sie Liam beinahe erpresst, ihr mehr über sein Geheimnis zu erzählen, unpassend – ich an seiner Stelle hätte sie ab diesem Moment gehasst, bei mir als Leser hat sie damit einiges an Sympathie eingebüßt. Ein bisschen mehr Feingefühl hätte besser zu ihrem sonstigen Auftreten gepasst – still, aber neugierig und mutig.

Weißkopfseeadler
Spielt auch eine Rolle in der Geschichte (Image by Rob Brown from Pixabay)

Viviens Großvater erschien als durch und durch unfreundlicher Protagonist. Es war schwer, sich vorzustellen, dass Vivien irgendwie an ihm hängen könnte. Ein paar gute Eigenschaften hätten hier nicht geschadet, um ihre Gefühle, ihr Verhalten und ihren inneren Konflikt glaubwürdiger zu gestalten und um vielleicht auch den späteren Schockeffekt zu vergrößern. So kam alles nicht sonderlich überraschend.

Besonders genervt hat mich Viviens angeblich so gute Freundin Leslie, die durch ständiges Zetern, viele Schimpfwörter und einen ganz außergewöhnlichen Mangel an Feingefühl aufgefallen ist. Ich weiß, sie sollte vor allem Witz in die Handlung bringen – aber das ist nur teilweise geglückt. Alles in allem ist sie ein nicht ganz geglückter Charakter vom Typ „rebellisches, aber treues Großmaul“.

Glücklicherweise hat die Autorin in Bezug auf Liams Geheimnis eine ganz eigene (Parallel-)Welt erfunden, die nicht die gängigen Fantasy-Figuren aufmarschieren lässt, obwohl viele von deren Eigenschaften wieder auftauchen. Aber gerade so eine neue Welt hätte wahrscheinlich doch ein paar mehr Seiten oder Bände erfordert, um sie glaubwürdig erscheinen zu lassen und dem Leser die Chance zu geben, sich richtig einzuleben. Beinahe ging alles etwas zu schnell, gerade zum Ende hin – aber vielleicht lag das teilweise auch am Medienformat, dass ich die Geschichte als Hörbuch gehört, statt sie als Buch gelesen zu haben.

Büchermottes Wertung

Mit „Der Hüter der fünf Leben“ bekommt man eine spannende und romantische Geschichte. Aber uns haben nicht alle Protagonisten überzeugt, weshalb wir nicht ganz so intensiv mit ihnen mitfiebern konnten wie bei manch anderen Büchern. Auch hinsichtlich der Originalität und Stimmigkeit der Geschichte gibt es noch Luft nach oben.

Bewertung: 3 von 5.

Welche Möglichkeiten gibt es, unter Pseudonym zu schreiben?

Dass Autoren und Autorinnen ihre Werke unter Pseudonym, sprich unter einem Künstlernamen, veröffentlichen, ist nicht neu. In Zeiten der Impressumspflicht gibt es aber einige Hindernisse. Hier meine Überlegungen und Erfahrungen dazu.

Frau geht im Nebel eine Straße entlang - Symbolbild - Image by Free-Photos from Pixabay
Viele Autoren wollen unerkannt bleiben (Image by Free-Photos from Pixabay)

In der Geschichte finden sich eine Menge berühmte Schriftsteller, die zeitlebens unter Pseudonym geschrieben haben, zum Beispiel Novalis, der eigentlich Friedrich Freiherr von Hardenberg hieß, oder Samuel Langhorne Clemens, der seine Werke unter dem Namen Mark Twain veröffentlichte. Voltaire, der in Wirklichkeit auch ganz anders hieß, soll über hundert verschiedene Pseudonyme benutzt haben.

1000 gute Gründe für ein Pseudonym

Manchmal dienen Pseudonyme einfach der Abkürzung und Vereinfachung eines komplizierten oder langen Namens. Oder verleihen einem Allerweltsnamen ein individuelles Flair. Hinter manchen Pseudonymen verbergen sich gleich mehrere Autoren, wie es bei Iny Lorentz und Rose Snow der Fall ist.

Mit dem Klang, mit dem Geschlecht und der Herkunft eines Namens folgen aber auch eine ganze Reihe Schubladen und Vorurteile. Besonders Frauen veröffentlichten ihre Werke gern unter männlichem Pseudonym, wahrscheinlich einfach um ernst genommen zu werden: Mir fallen zum Beispiel Emilie von Binzer (alias Ernst Ritter), Victoria Benedictsson (alias Ernst Ahlgren), Aurore Dupin (alias George Sand) und Karen Blixen ein, die unter einer ganzen Reihe von Pseudonymen schrieb: Tania Blixen, Isak Dinesen, Osceola, Peter Lawless, Pierre Andrézel, Nozdref’s Cook. Die britische Schriftstellerin Mary Shelley veröffentlichte ihren weltberühmten Roman „Frankenstein“ zunächst sogar anonym. Umgekehrt gibt es aber auch Männer, die in von Frauen dominierten Genres lieber unter weiblichem Pseudonym veröffentlichen – ebenfalls, um nicht vorverurteilt zu werden. Hans Magnus Enzensberger beispielsweise veröffentlichte erotische Erzählungen unter dem Pseudonym Elisabeth Ambras.

Portrait der Schriftstellerin George Sand, 19. Jahrhundert (Quelle: Rijksmuseum, Europeana, CC0)
Portrait der Schriftstellerin George Sand, 19. Jahrhundert (Quelle: Rijksmuseum, Europeana, CC0)

Manchmal passt ein Buch inhaltlich auch einfach nicht zu dem Image, das man ansonsten pflegt, oder in das literarische Genre, in dem man sich bereits einen Namen gemacht hat. Mein bürgerliches Ich beispielsweise veröffentlicht normalerweise eher Fachtexte oder schreibt für Auftraggeber und über ganz andere Themen. Möchte ich nun aber einen Fantasy-Roman veröffentlichen, könnte das die „seriösen“ Veröffentlichungen negativ beeinträchtigen oder meine sonstigen Leser verwirren. Deswegen blogge ich hier lieber unter Pseudonym, um beides besser voneinander trennen zu können.

Impressum frisst Pseudonym

Gleich als ich meinen Blog einrichtete, musste ich feststellen, dass ein Pseudonym schnell mit der Impressumspflicht kollidiert. Denn ein Impressum muss eine Adresse enthalten, über die man tatsächlich Post empfangen kann. Auch selbst veröffentlichte E-Books und Bücher brauchen einen Herausgeber mit Postanschrift.

Um dabei nicht doch seine Identität offenlegen zu müssen und damit das Pseudonym obsolet werden zu lassen, gibt es verschiedene Möglichkeiten:

  • die Adresse eines Freundes/Bekannten verwenden oder die von (eigenen) Firmen – hier muss man aber beachten, dass die Person, die im Impressum steht, rechtlich für den Inhalt der Website oder des Buchs haftet
  • hat man einen Verlag, dann erscheinen immerhin die Bücher unter der Verlagsanschrift – für eigene Blogs, Websites und Social Media-Profile braucht man aber trotzdem noch ein eigenes Impressum
  • es gibt Firmen, die gegen Gebühr einen Impressumsservice anbieten
  • und auch Schreibprogramme wie Patchwork und Papyrus bieten einen solchen Impressumsservice an (über meine ersten Erfahrungen mit Patchwork habe ich hier geschrieben)

Nicht immer nur ein Vorteil

Gerade, wenn man sein Buch durch Lesungen vermarkten oder anderweitig an die Öffentlichkeit treten möchte, kann das Pseudonym schnell auffliegen. Auch die Pflege von Social Media-Kanälen gestaltet sich schwieriger ohne Fotos und Videos des Autors.

Schreibt man unter einem Namen des anderen Geschlechts, kann das auch beim Publikum für Verwirrung sorgen. Hier empfiehlt es sich gegebenenfalls auf einen geschlechtsneutralen Namen auszuweichen.

Tipp: Eine umfangreiche Sammlung von Schriftsteller-Pseudonymen gibt es bei Buecher Wiki