Zeitreisen als Beruf – Über Monika Peetz Fantasy-Reihe „Das Herz der Zeit“ 1-3

Sternenhimmel - Bild von Pexels auf Pixabay

Im Laufe der letzten Wochen haben ich alle drei Bände von „Das Herz der Zeit“ von Monika Peetz als Hörbuch gehört. Die Hörbuch-Fassung mit der Sprecherin Nina Reithmeier fand ich sehr angenehm. Die drei Cover gefallen mir gut. Die Geschichte selbst war interessant, aber nicht immer fesselnd und lässt einige Fragen offen. Zwischen den Bänden gibt es Qualitätsunterschiede. Hier im Blogpost versuche ich zu beschreiben, warum.

Band 1: „Das Herz der Zeit: Die unsichtbare Stadt“

Monika Peetz

Das Herz der Zeit: Die unsichtbare Stadt
(Band 1)

Ungekürzte Lesung mit Nina Reithmeier

670 Minuten Laufzeit
ISBN 978-3-8449-2033-8
Erschienen am 19.02.2019


Zeitreisen ziehen mich ja immer magisch an. Teil 1 hab ich als Hörbuch gekauft und beim Zeichnen gehört. Ich fand es spannend, aber nicht so spannend, dass ich nicht mehr abbrechen wollte. Zunächst führt die Autorin sehr ausführlich in Hauptperson Lenas Welt eine recht normale Jugendliche mit schlauer bester Freundin, einem Schwarm und einer tragischen Vergangenheit. Zuerst mochte ich Lena gern, ihre Handlungen konnte ich voll und ganz nachvollziehen. Während ich zu Beginn dachte, die Geschichte wird immer aus Lenas Sicht erzählt, wechselte die Autorin plötzlich den Schreibstil und schilderte Szenen, die Freundin Bobbie ohne Lena erlebte, wechselte sogar in Schwarm Jonas‘ Perspektive und in die des geheimnisvollen Dante. Noch vor Lena lernten wir als Leser die „unsichtbare Stadt“ kennen. Je mehr Lena dieser auf die Spur kommt, desto weniger konnte ich ihre Reaktionen nachvollziehen. Statt Dante Löcher in den Bauch zu fragen, ist sie fahrig, ungeduldig und will mit dem Kopf durch die Wand. Hey, da ist jemand, der offensichtlich nicht menschlich ist, Superkräfte hat und pflichterfüllend wie eine Ameise für die Menschheit arbeitet. Warum zur Hölle tut er das? Lena akzeptiert er einfach. Auch was Dante an Lena findet – so wie er sie erlebt hat – verstand ich einfach nicht. Wieso half er ihr? Was erhoffte er sich davon? Und plötzlich bezeichnete ihn Lena als einen lieben Freund, da hatte ich keine Ahnung, woher diese gemeinsame Basis kommen sollte. Die beiden hörten sich ja gar nicht zu. Lena macht in der Geschichte noch mehrere Kehrtwendungen, ganz sicher folgt die Autorin da auch wichtigen Regeln der Literatur: Lass deinen Helden Fehler machen, auf die Nase fallen, und so weiter. Aber mir fehlte das gewisse Etwas, das ich nicht genau benennen kann – die Nachvollziehbarkeit der Handlungen. Vielleicht hätte es funktioniert, wenn Monika Peetz die Ereignisse in der unsichtbaren Stadt genauso ausführlich und gründlich geschildert hätte, wie das anfängliche Intro in Lenas scheinbar stinknormales Teenager-Leben. Von daher lautet mein Fazit zu Band 1: spannend, aber nicht überzeugend. Aber überzeugend genug, dass ich mir Band 2 auch noch kaufe. Wie soll ich sonst eine Meinung zur Reihe haben?

Band 2: „Das Herz der Zeit: Die Nacht der Eulen“

Monika Peetz

Das Herz der Zeit: Die Nacht der Eulen (Band 2)

Ungekürzte Lesung mit Nina Reithmeier

625 Minuten Laufzeit
ISBN 978-3-8449-2229-5
Erschienen am 15.10.2019


Band 2 der Trilogie hat mir besser gefallen, als der erste Teil. Die Entscheidungen von Hauptperson Lena wurden nachvollziehbarer, sie handelte weniger naiv und etwas überlegter. Im Bezug auf die sich anbahnende Liebesbeziehung und auch auf die Freundschaft zu Dante, fragte ich mich jedoch trotzdem die ganze Zeit: Wann bitte waren sich die beiden in Band 1 spürbar näher gekommen? Wann hatte Dante sich eigentlich so verhalten wie Lena ihn sieht („mein lieber, verrückter Dante“)? Hier klafft für mich eine Lücke zwischen dem Eindruck, den die Hauptpersonen offenbar gewonnen haben und dem, was ich als Leser durch die Schilderung der Autorin mitbekommen habe. Schön fand ich, dass auch Lenas Freundin Bobby wieder eine ganz eigene Rolle mit eigenen Herausforderungen spielte. Auch die Szenen in der Vergangenheit – um 1900 – fand ich sehr lebendig geschildert. Hier schreckt die Autorin auch vor heute noch aktuellen Themen – zum Beispiel der Rolle der Frau – nicht zurück. Gelungen sind die kleinen Anstöße, die ausreichen, um bereits die Zukunft zu beeinflussen. Die Intrigen des Großen und Ganzen um die Politik der unsichtbaren Stadt wirkten eher unausgegoren und verwirrend – und haben mich weniger gefesselt, als die kleinen Erlebnisse unterwegs.

Band 3: „Das Herz der Zeit: Die vergessenen Geschichten“

Monika Peetz

Das Herz der Zeit: Die vergessenen Geschichten
(Band 3)

Ungekürzte Lesung mit Nina Reithmeier

625 Minuten Laufzeit
ISBN 978-3-8449-2420-6
Erschienen am 16.06.2020


Meiner Meinung nach hat sich die Qualität der Geschichte im Laufe der drei Teile von Monika Peetz „Im Herz der Zeit“ immer weiter gesteigert. Vielleicht liegt es daran, dass die Autorin alles als einen großen, nicht als drei einzelne Romane geplant hat. Im ersten Band ist die Hauptperson Lena naiv, selbstzentriert und stellt nahezu keine der Fragen, die sich mir als Leser aufdrängen. Im Laufe der Geschichte entwickelt sie sich und beginnt auch darüber nachzudenken, wie einzelne Handlungen die Zukunft beeinflussen, über Moral und Missbrauch des Zeitreisens und sie ändert auch ihre Haltung zum eigenen Leben. Schön finde ich, dass Band 3 in Bezug auf unsere eigene, aktuelle Zukunft und Gegenwart zum Nachdenken anregt und auch hier an drängende aktuelle Probleme angeknüpft wird. Die Zukunft im Jahr 2032, die Monika Peetz zeichnet, ist düster, aber realistisch. Das Ende fand ich nicht perfekt, aber in Ordnung. Nicht ganz zufrieden gestellt hat mich die Behandlung des Zeitreise-Themas generell und die Aufklärung und Besprechung der Vergangenheit der „unsichtbaren Stadt“ und ihrer Bewohner. Ihre Geschichte bleibt schwammig und ihre Existenz hat mich nie überzeugt.

Die Zeitreisen in „Herz der Zeit“

Die Sicht auf Zeitreisen in Monika Peetz‘ Buchreihe ist ungewöhnlich. Die Zeitreisenden sind keine Menschen, was leider nicht näher erläutert wird. Denn: Was sind sie dann? Sie sehen aus wie Menschen und benehmen sich wie Menschen. Leben sie wirklich ewig? Warum tun sie, was sie tun? Denn was sie tun klingt nach wahnsinnig viel Arbeit, Disziplin, Altruismus, den die Charaktere, die man kennenlernt, nicht wirklich ausstrahlen. Außer Dante und Coco benimmt sich im Laufe der Geschichte niemand diesem Ideal entsprechend. Also, was erhoffen sie sich? Was will die Zeitmeisterin und wie ist sie in diese Position gekommen? Durch Geburt, ja, aber das bleibt alles sehr nebulös. Und wer sind die Menschen, die WO GENAU Beschwerden bei der „Agentur für Schicksalsschläge“ einreichen? Die Buchidee wirft so viele spannende Fragen auf, die aber weitgehend unberührt bleiben, weil Hauptperson Lena kaum Fragen stellt.

Der „Chronometer“ der Zeitreisen hat mich stark an den „Chronographen“ der Edelstein-Trilogie von Kerstin Gier erinnert. Auch die schlaue Freundin Bobby passt da ins Klischee genau wie die schrille, verwöhnte, reiche Klassenkameradin Cloe. Man kann sagen: Das Charakterdesign ist nicht gerade ausgefallen, aber immerhin bekommt Bobby eine eigene Hauptrolle und entwickelt sich ebenfalls weiter. Dante ist erfrischend anders als andere männliche Charaktere in vielen Jugendbüchern, wenn auch nicht ganz greifbar: Ist er nun aufrührerisch, draufgängerisch oder doch eher zurückhaltend und schüchtern? Wahrscheinlich liegt es an Lenas naiver, impulsiver Art, dass er ihr gegenüber so vernünftig und vorsichtig wirkt. Und an den Namen konnte ich mich eher schlecht gewöhnen, weil ich immer an den mittelalterlichen Philosophen denken musste.

Fazit

Alles in allem, ist die Geschichte unterhaltsam und regt auch zum kritischen Nachdenken über unsere eigene Gegenwart an (das ist für mich das absolute Plus dieser Reihe!). Im Zentrum steht aber vor allem die persönliche Entwicklung der Hauptpersonen, ihrer Freundschaft und die Frage von Machtmissbrauch, als die Zeitreise-Welt an sich. Ich persönlich fand die Hauptperson Lena besonders am Anfang zu einfach gestrickt und naiv – man hätte sie durchaus auf höherem geistigem Niveau starten lassen können, ich bilde mir ein, das kann man einer normalen 15-jährigen zutrauen. Aber im Laufe der Geschichte konnte ich mich mit ihr anfreunden. Trotzdem ist Trilogie keine von denen, die ich nie beiseite legen konnte. Ich hab sie über einige Wochen nebenher als Hörbuch gehört. In der Bewertung schwanke ich zwischen 3 und 4 von 5 Sternen.

Bewertung: 3 von 5.

3 Kommentare

  1. Liebe Tala,

    das geht mit mit Hauptfiguren ähnlich. Sie dürfen Fehler haben und Fehler machen, aber sobald ich sie im Laufe der Geschichte „verliere“, ist es schwer, sich da wieder hinein zu finden. Die Nachvollziehbarkeit von Handlungen macht eine Erzählung erst glaubwürdig. Es klingt so, als hätte dir die Glaubwürdigkeit gefehlt…
    Ich habe die Reihe selbst nicht gelesen, muss ich dazu sagen 🙂

    Liebe Grüße
    Kasia

    Gefällt 1 Person

    1. Liebe Kasia,
      vielen Dank für deinen Kommentar! Ja, letztlich hast du recht, mir fehlte die Glaubwürdigkeit. Aber das kann natürlich jemand anders wieder völlig anders beurteilen. Vielleicht ist die Hauptperson einfach nicht „mein Typ“ gewesen 🙂
      Viele liebe Grüße,
      Tala

      Gefällt 1 Person

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