Raus aus der Zweisamkeit – über Tini Widers „Ein Lied, mein Leben und was sonst noch schiefgehen kann“

Frau mit Gitarre, Finger in Nahaufnahme, Hintergrund verschwommen (Bild: Pexels auf Pixabay)

Seit ich „Zeitenchaos“ gelesen und die Autorin interviewt habe, treffe ich sie gefühlt auf allen Kanälen immer wieder: Egal, ob Instagram, Facebook, Twitter oder ein Workshop des Selfpublisher-Verbands, Tini Wider ist garantiert aktiv dabei. Sehr beeindruckend! So konnte ich es also gar nicht übersehen, als sie zu ihrem Buch „Ein Lied, mein Leben und was sonst noch schiefgehen kann“ eine Leserunde auf LovelyBooks ausrief. Ich hab mir das E-Book gekauft und mich spontan angeschlossen. Bereut hab ich das nicht, denn das Buch hatte ich an nur drei Abenden durchgelesen!

Buchcover "Ein Lied, mein Leben und was sonst noch schiefgehen kann" von Tini Wider

Tini Wider

Ein Lied, mein Leben und was sonst noch schiefgehen kann

Erscheinungsdatum: 27.10.2020
Verlag: alle Infos zum Buch (Tredition)
Seitenzahl: 368

ISBN: 978-3-347-15194-9


Worum geht’s?

Die 17jährige Lilly hat gleich mehrere schlimme Schicksalsschläge zu verarbeiten, als sie zu Beginn der Geschichte bei ihrer Oma in Berlin einzieht. „Oma“ weckt jetzt die falschen Assoziationen, denn Lillys Oma dreht einen Dokumentarfilm und ist ständig unterwegs. Lilly selbst verarbeitet ihren Schmerz am liebsten, indem sie auf der Gitarre eigene Songs komponiert. Nur vor Publikum aufzutreten traut sich das eher stille Mädchen nicht zu. Am Potsdamer Platz stolpert sie quasi in Jamie, ein fröhliches Mädchen, hinein, das Lillys neustes Lied bei einem Wettbewerb einreichen will. Diesen Wettbewerb veranstaltet ausgerechnet der Rockstar, der Lillys Vater sein soll, davon aber nichts weiß. Die Chance, ihn endlich kennenzulernen?

Wie war’s?

Das Buch mit dem wahnsinnig langen Titel ist eine Märchenadaption. Wenn nicht schon der Beschreibungstext den Zusammenhang zum Märchen „Die Gänsemagd“ hergestellt hätte, dann wäre mir das vermutlich erst sehr spät während des Lesens aufgefallen. Aber bei genauer Betrachtung ist es tatsächlich eine märchenhafte, traurig-schöne Geschichte, in der das Gute am Ende siegt. (Kennt ihr die „Gänsemagd“ von den Gebrüdern Grimm? Ich hab das Märchen immer gemocht. Der sprechende Pferdekopf, nach dem sich Hans Fallada benannt hat, kommt bei Tini aber glücklicherweise nicht vor.)

Ich fand den Einstieg in die Geschichte sehr schön. Bei manchen Büchern fällt es mir schwer, eine Protagonistin zu betrauern, die ich gar nicht kennengelernt habe. Aber Tini Widers Erzählweise lässt die verstorbene Mutter so lebendig werden, dass mir sogar ein paar Mal Tränen in den Augen standen. Dass sich die Geschichte anfangs langsam und still entwickelt, passt zum Thema, alles andere hätte sich wohl falsch angefühlt.

Nebenher entwickelt sich eine zarte Liebesgeschichte, die mir auch sehr gut gefallen hat. Sie ist frei von üblichen Klischees, den beiden werden stattdessen ganz andere Steine in den Weg gelegt. Die Hauptrolle spielt aber – wie im Märchen – der Konflikt zwischen den beiden Mädchen und es gibt passend dazu auch ein magisches Element.

Am allerbesten hat mir Lilly und ihre Liebe zur Musik gefallen. Wann trifft man denn sonst auf eine weibliche Protagonistin, die eine Lehre zur Instrumentenbauerin absolviert und eigene Songs komponiert?

Alles in allem ist es trotz des traurigen Themas eine Geschichte zum Wohlfühlen und die Hoffnung macht.

8 Kommentare

  1. Ja, das ist in der Tat eine wunderschöne Idee und obwohl die Protagonistin alterstechnisch locker meine Tochter sein könnte, kann ich mich schon allein aufgrund deiner Beschreibung mit ihr identifizieren.

    Mir gibt die Gitarre auch unglaublich viel. Derzeit ist sie meine wirksamste Seelenmedizin. Mein Traum ist es auch, in naher Zukunft eigene Songs zu schreiben. Deshalb befasse ich mich sogar freiwillig mit Musiktheorie.

    Ist die Autorin auch als Musikerin unterwegs? Ich glaub, ich muss gleich mal gucken gehen …

    Liebe Grüße!

    Gefällt 1 Person

    1. Nein, das hatte ich Tini Wider auch gleich gefragt, aber sie mag natürlich Musik, schrieb sie. Ich hab auch schon ein paar Mal überlegt, ein Lied zu schreiben. Aber erstens kann ich keine Noten und dann scheitere ich grandios an einem Liedtext. Was mir für ein Buch total leicht fällt, finde ich in Liedform unglaublich schwer. Aber das muss bei dir ja nicht so sein – ich wünsch dir ganz viel Erfolg!
      LG, Tala

      Gefällt 1 Person

      1. Danke dir❣ Ich glaube tatsächlich das Texten wird mir wesentlich leichter fallen als das Komponieren.

        Deshalb richte ich meinen Fokus jetzt auch vermehrt auf die Musiktheorie und Harmonielehre. Beim Spielen habe ich zunächst mit Liedbegleitung – da ich ja auch gerne singe – und daher mit Akkorden und Tabulaturen angefangen. Inzwischen spiele ich auch viel nach Noten.

        Aber das war für mich ein Prozess über mehrere Jahre hinweg. Noch vor einiger Zeit wäre ich heillos überfordert mit den ganzen Tonarten und Tonleitern und ihrer Beziehung zueinander gewesen. Und ich finde das schon wichtig, um eine stimmige und schöne Melodie zu erschaffen. Mal sehen. Wird noch dauern.

        Gefällt 1 Person

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