Leider ein „Kronenkrampf“

Rostige Krone liegt auf Moos - Bild von S. Hermann & F. Richter auf Pixabay

Die Büchermotte und ich haben seit einiger Zeit mal wieder ein Buch zusammen gelesen. Und zwar: Kronenkampf. Geschmiedetes Schicksal“ von Valentina Fast, erschienen im Carlsen Verlag. Der Roman (empfohlen ab 14 Jahren) erhält im Netz überwiegend gute und sehr gute Bewertungen. Leider konnte er uns nur mäßig begeistern.

Kronenkampf. Geschmiedetes Schicksal

von Valentina Fast

Erscheinungstermin: 28. Juni 2021
Seitenzahl: 400
ISBN978-3-551-58452-6
Lesealter: ab 14 Jahren

Bildrechte und weitere Infos gibt’s beim Carlsen Verlag


Worum geht’s?

Das Königreich Alandra wird von zwei Königen oder Königinnen regiert, die den Thron nicht erben und auch nicht verheiratet sind, sondern die den jeweiligen Kampf um ihren Thron gewonnen haben. Denn nur der oder die Stärkste darf regieren, weil das Land von grausamen Monstern, den Dragen, bedroht wird. Die Buchbeschreibung kündigt an, dass Hauptperson Fiana ein dunkles Geheimnis hütet und dass diesem Geheimnis ein attraktiver Mann, der Bruder des Königs, gefährlich nahe kommt. Zuletzt bleibt ihr keine andere Möglichkeit, als am Kronenkampf teilzunehmen oder zu sterben. So weit, so spannend.

Wie war’s?

Zunächst einmal lässt der Titel ja vermuten, dass es eine Art Tribute of Panem wird, ein einziger langer Kampf um die Krone des Landes Alandra. Aber leider nimmt der eigentlich Kampf, der tatsächlich spannend beschrieben ist, nur einen vergleichsweise kleinen Teil der Geschichte ein.

Natürlich rechnet man mit einer irgendwie gearteten „gefährlichen“ Liebe, die die Autorin auch tatsächlich zu beschreiben versucht. Leider hat sie uns beide von Anfang an nicht davon überzeugen können. Sowohl der Büchermotte als auch mir war einerseits völlig unverständlich, was die Hauptperson an ihrem Angebeteten findet, zumal der sie verraten hat. Es wurden zwar ein paar Brocken hingeworfen: er sei attraktiv, muskulös, sie könne ihre Blicke nicht von ihm lassen. Und ihm ging es plötzlich genauso. Leider kam bei uns nichts davon an, keine Spannung, kein Mitfiebern, kein Verständnis für die Gefühle. Von daher warteten wir bei den Liebesszenen jeweils, dass es endlich mit den Actionszenen weiterging.

Leider hat Fiana noch zwei Freundinnen, die einerseits ganz nett, andererseits aber auch nicht wahnsinnig tiefgründig waren. Nichtsdestotrotz passiert in der Geschichte Schlag auf Schlag ganz viel, es wird gekämpft, gestorben, gereist und geheiratet. Besonders anstrengend fand ich die kitschigen Liebesdialoge, wo doch von den Gefühlen so wenig im Text transportiert wurde.

Die Welt und das Königreich Alandra an sich fand ich recht interessant. Das Konzept, dass der Thron nicht vererbt, sondern im Turnus umkämpft wird, finde ich gut. Auch dass die Autorin hier Frauen und Männer völlig gleichberechtigt antreten ließ und sie offenbar auch gleiche Chancen auf den Thron hatten. Das stand ein wenig im Kontrast zum ansonsten sehr märchenhaften Setting im Palast mit unpraktischen Kleidern und kunstvollen Frisuren. Selbst die Büchermotte hat mehrfach gerufen: „Du willst kämpfen! Warum ziehst du dir dann ein langes Kleid an?“

Einen Kritikpunkt habe ich an der Welt trotzdem: Die Dragen, furchterregende Monster – wir haben so darauf gehofft, dass hier das klischeehafte Schwarzweiß noch aufgebrochen wird. Dass sie nicht durch und durch böse sind.

Und last but not least: Die Sprache. Nun bin ich vielleicht vorbelastet, denn die letzten drei Monate hab ich damit verbracht, die Sprache meines eigenen Romans zu verschlimmbessern. Und sicher werden auch da hinterher noch massig Fehler sein und ihr dürft euch über mich beschweren. Aber beim „Kronenkampf“, immerhin einem im Verlag erschienenen Buch, sind mir sehr viele Wortwiederholungen und ähnliche Formulierungen aufgefallen. Und auf dem Höhepunkt einer Liebeserklärung heißt es: „Denn nichts auf dieser Welt könnte mich jemals davon abhalten, von deiner Seite zu weichen.“ Na dann.

Zusammenfassend: Wir fanden das Tempo zu schnell, die Charaktere zu oberflächlich, die Gefühle nicht überzeugend, das Böse zu Böse und die Sprache mangelhaft. Von daher will ich jetzt gar keine Sterne-Bewertung abzugeben. Macht euch lieber euer eigenes Bild, vielleicht sind wir zu streng, denn wie gesagt – laut Bewertungen gefällt die Geschichte dem Großteil der Leserinnen sehr und sie finden sie – im Gegensatz zu uns – sehr romantisch. Geschmäcker sind eben verschieden.

5 Kommentare

  1. Der Schnitzer in der Liebeserklärung ist schon heftig. 😆 Auch wenn ich mir aus meiner eigenen Erfahrung heraus sehr gut vorstellen kann, wie der zustande gekommen ist. Doch sowas MUSS ein Lektor sehen!

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    1. Ja, das hoffte ich bisher zumindest. Und ja, ich weiß auch, wie sowas passiert. Da kommen durch nachträgliche Änderungen die ganz groteske Dinge zustande! In diesem Fall hat es natürlich die ganze Szene, die ja romantisch sein soll, ins Surreale gerissen. — Immerhin denke ich durch die Lektüre gerade sehr über Sprache nach. Es ist schon erstaunlich, was kleine, feine Änderungen in der Wortwahl bewirken können. Ob der Text mich mitnimmt, oder nicht. Und natürlich ist das bei jedem anders.

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      1. Ja, und häufig lernt man ja gerade durch Negativbeispiele besonders viel. Das geht mir auch so.

        Wie du schon sagst: Manchmal sind es gar keine groben Fauxpas, sondern nur Winzigkeiten, welche eine Aussage ins Gegenteil verkehren oder eine komplett andere Stimmung erzeugen.

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      2. Bei einem Selfpublisher ohne Lektorat hätte ich auch gar nicht so deutlich kritisiert, aber bei einem Verlag hat man immer noch die Erwartungshaltung, dass da viel Zeit in die Überarbeitung investiert wurde. Ich will aber auch nicht bösartig sein. Wie du schon sagst, ich hab was gelernt 🙂

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      3. Kritisch ist nicht gleich bösartig. Und es ist ja nicht irgendein Verlag, sondern der, der in Deutschland „Harry Potter“ herausgebracht hat. Und vor dem Hintergrund, dass Selfpublisher nach wie vor skeptisch beäugt und als Autoren zweiter Klasse angesehen werden, während bei Verlagsöffentlichungen oftmals der größte Schrott belobhudelt wird, ist ein gewisses Gegengewicht, sofern gerechtfertigt, umso wertvoller.

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