Sei glücklich oder stirb! – „Gemma“ von Charlotte Richter

Bild von Bessi auf Pixabay

Das Buch „Gemma“ von Charlotte Richter hat mich mit seiner ungewöhnlichen Idee gefesselt: Eine außerirdische Präsenz zwingt die Menschheit zum Glücklichsein. Wer negative Gefühle zulässt, dem droht früher oder später der Tod.

Cover "Gemma sei glücklich oder stirb" von Charlotte Richter (Arena Verlag)

Charlotte Richter

Gemma. Sei glücklich oder stirb

Artikelnummer: 978-3-401-60543-2
Alter ab: 12 Jahre
Seitenzahl: 464

Cover: Arena Verlag


Worum geht’s?

Die Handlung spielt 80 Jahre in der Zukunft, in der das Leben auf der Erde durch eine Art Meteoriteneinschlag mit außerirdischer Präsenz an Board radikal verändert wurde. Die Sonne wird verdeckt von einem mysteriösen Glanz, der alles in einen orangenen Schein taucht. Seit diesem Ereignis ist es so, dass sich alle Menschen, die einen gewissen Grad an Depression erreicht haben, einfach verschwinden.

Betroffen sind nur Menschen – Tiere und Pflanzen wachsen unbehelligt weiter wie eh und je. Während sich die menschliche Bevölkerungszahl radikal verkleinert hat, erholt sich die Natur. Klimawandel, Umweltkatastrophen, Ressourcenknappheit – das alles gehört der Vergangenheit an. Die Menschheit musste erhebliche technische Rückschritte hinnehmen.

Text handschriftlich: I am happy :-) (Bild von Fathromi Ramdlon auf Pixabay )
Bist du glücklich? (Bild von Fathromi Ramdlon auf Pixabay =

Aber es gibt auch „Innovationen“. Alle Menschen tragen einen Stein an einer Kette um den Hals, der deutlich zeigt, wie sie sich fühlen. Wer nicht glücklich genug ist, muss in Quarantäne, denn Depression gilt als ansteckend. Die Gesellschaft hat radikale Strategien entwickelt, um möglichst viele Menschen bei positiver Laune zu halten und es wird an weiteren Innovationen geforscht.

In dieser Welt lebt also die jugendliche Hauptperson Gemma, die als eine von wenigen einen Platz am renommiertesten Forschungszentrum ergattern kann. Ihr Ziel ist es, ihren Vater zu retten, der sich bereits in Quarantäne befindet. Am Forschungszentrum gilt es unter anderem zu lernen, wie man in Träume depressiver Menschen eintaucht und deren seelischen Zustand zu verbessern. Gelernt und experimentiert wird an verurteilten Rebellen, die das aufgezwungene Glückssystem unterwandern, u.a. indem sie ihre Steine manipulieren und Akzeptanz fordern für unglückliche und traurige Gefühle. So lernt Gemma Keno kennen und beginnt nach und nach selbst das System zu hinterfragen.

Tasse mit Botschaft "Smile and the world smiles with you"
Gemmas ganze Welt ist vollgepflastert mit solchen positiven Botschaften (Bild von Here and now, unfortunately, ends my journey on Pixabay auf Pixabay)

Wie war’s?

Die Handlung wird aus Sicht von Gemma erzählt, die zurückhaltend und still, aber entschlossen und mutig ist. Im Gegensatz zu anderen Menschen fürchtet sie sich nicht vor dem „Glanz“, der wie eine Glocke über der Erde liegt, sondern schaut gern zum Himmel hinauf. Mehr noch, der Anblick des orangenen Schimmers gibt ihr Kraft. Trotz schwerer Schicksalsschläge zeigte der Stein um ihren Hals bisher immer die höchste Glücksstufe an. Unter anderem deshalb wird sie an der Akademie zugelassen.

Als sie dort auf den ebenfalls introvertierten Keno trifft, entwickelt sich zwischen den beiden ganz langsam eine enge Beziehung, die die Geschichte zwar begleitet, aber nie die Hauptaufmerksamkeit an sich reißt. Ich mochte diese unspektakuläre Liebesgeschichte sehr, weil sie so realitätsnah, glaubwürdig und sympathisch ist. Da gibt es keine Spielereien und Täuschungen, sondern eine ganz allmähliche Annäherung. Darüber hinaus ist Keno kein muskelbepackter, arroganter Superheld, sondern ein recht normaler, intelligenter und prinzipientreuer junger Mann. Gemma und er passen prima zusammen.

Kerze mit der Aufschrift "Happyness is not a destination it is a way of life" (Bild von Christo Anestev auf Pixabay)
Werden wir vielleicht auch permanent dazu angehalten, glücklich zu sein? (Bild von Christo Anestev auf Pixabay)

Interessant ist vor allem Charlotte Richters Gedankenspiel: Was wäre wenn so eine Welt existieren würde? Wie würde die Menschheit reagieren? Und über allem steht natürlich die Frage: Wie sehr werden negative Gefühle, Trauer und Depression eigentlich in unserer Gesellschaft akzeptiert? Sollten wir wirklich immer danach streben, glücklich zu sein? Ich fand die von Charlotte Richter entworfene Gesellschaft, das Ambiente und die Beschreibungen des verfallenen Vergangenen – quasi unserer Zeit – sehr anschaulich und fantasievoll.

Etwas enttäuscht war ich von der späteren Auflösung der Hintergründe der Entstehung des Glanzes. Ich hatte das Gefühl, als sei das nicht endgültig erklärt und gelöst. Auch die Nebenhandlung mit Gemmas bester Freundin wirkte etwas konstruiert und war vielleicht nicht einmal notwendig für die Geschichte.

Alles in allem fand ich das Buch aber toll und die Büchermotte und ich haben es innerhalb von kürzester Zeit durchgelesen. Klare Leseempfehlung!

Bewertung: 4.5 von 5.

Zum Roman gibt es übrigens ein YouTube-Interview mit der Autorin Charlotte Richter auf dem Kanal des Arena Verlags:

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