Fesselnde Fantasy: „Die Prinzessin von Kyrth“ von Lazarus Pi

Detail einer Statue, das deren Hand mit Fessel und Eisenkette zeigt.

Die Überschrift ist wörtlich gemein, auch das Buchcover lässt keinen Zweifel an einem der Hauptmotive dieses Fantasyromans von Lazarus Pi, der mir sein gerade neu erschienenes Buch als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat. Vielen Dank dafür! Der Roman ist eine Mischung aus Erotik, Fantasy und traditionellem Heldenepos. Die Leidensgeschichte der Hauptperson Lylana hat mich ein wenig an die Irrfahrten des Odysseus erinnert – es gibt eine Kapitänin, Intrigen, Reisen in fremde Länder mit wundersamen Geschöpfen und Gebräuchen. Allerdings wird Lylana deutlich öfter in Fesseln gelegt als Odysseus.

Buchcover Lazarus Pi "Die Prinzessin von Kyrth"

Lazarus Pi

Die Prinzessin von Kyrth

Fantasy / Erotik

Erschienen: 26. Juli 2021

ca. 300 Seiten

als E-Book, Taschenbuch oder Hardcover

Alle Infos


Worum geht’s?

Lylana ist erfolgreiche Kapitänin des Handelsschiffs ihres Vaters. Sie kehrt genau rechtzeitig zu ihrer geplanten Hochzeit mit ihrem Verlobten Iavo von einer gelungenen Handelsreise zurück. Diese Hochzeit wird allerdings vereitelt durch eine Intrige. Lylana wird verschleppt und verkauft und es vergehen für sie beschwerliche Jahrzehnte bis sie ihre Heimat wiedersieht.

Wie war’s?

Lazarus Pi entwirft eine anschaulich beschriebene Welt namens Gaia, in der ich mich – bis auf einige nicht näher beschriebene Tierarten – schnell gut zurechtgefunden habe. Es gibt verschiedene Länder bzw. Königreiche, neben den Menschen noch eine Vielzahl anderer Wesen, besondere Kleidungsstile und eine eigene Mythologie und Schöpfungsgeschichte. Besonders gut hat mir die Welt unter Wasser gefallen, die Lazarus Pi sehr fantasievoll ausschmückt. In der Welt Gaia scheinen Frauen wie Männer grundsätzlich gleichberechtigt zu sein – dafür gibt’s von mir einen großen Pluspunkt! In manchen Ländern von Gaia werden andere Wesen und wieder anderswo Menschen als Sklaven gehalten. Außerdem spielen Fesseln und Binden, Unterwerfung und Dominanz selbst in der Mythologie Gaias eine Rolle.

Die Geschichte wird in drei Abschnitten in der dritten Person erzählt. Vorwiegend folgt man Lylanas Perspektive, im dritten Abschnitt wird jedoch öfter aus Sicht ihrer Widersacher erzählt. Leider blieb durchgehend eine Distanz zwischen mir als Leserin und Lylana. Ihre Gefühle wirkten auf mich kaum greifbar, sie schien alles gleichmütig hinzunehmen und zu ertragen. Wenn ihr Schmerz beschrieben wird, dann war er für mich nicht mitreißend. Um Verstorbene habe ich nicht getrauert. Jahre vergingen wie im Flug. Trotzdem fand ich die Handlung interessant und spannend, sodass ich das Buch in wenigen Tagen durchgelesen habe. Ich wollte durchaus wissen, wie es mit Lylanas Odyssee weitergeht.

Die erste Sexszene am Anfang des Buchs kam für mich sehr abrupt. Ich möchte die Figuren doch gerne kennenlernen, bevor ich mit ihrem Intimleben konfrontiert werde. Das war mir bisher noch nicht bewusst, so einen Fall hatte ich noch nicht. Überhaupt ist Lylana vermutlich der Traum eines Mannes, der auf Fesselspiele steht. Selbst in Situationen, wo andere höchstwahrscheinlich Wut, Angst oder Panik empfinden würden, ist sie fähig, Lust zu verspüren. Überhaupt wird die Handlung hin und wieder von sehr plötzlichen erotischen Szenen unterbrochen, die sich nicht erst langsam anbahnen, sondern eher zufällig passieren.

Okay – Odysseus hat sich aus anderen Gründen fesseln lassen.
Bild: Ulysses [Odysseus] and the Sirens. Etching by P. Aquila after G. Rossi after Annibale Carracci. – Wellcome Collection, United Kingdom – CC BY.

Alles in allem finde ich, dass Lazarus Pi auf relativ wenige Seiten vergleichsweise viel Handlung packt. Oft habe ich mir gewünscht, dass die Gefühle der Hauptfiguren anschaulicher beschrieben würden und ich den Charakteren näher kommen könnte. Viele Figuren treten nur abschnittsweise in Lylanas Leben und verschwinden dann wieder. Einerseits habe ich mir mehr Intensität gewünscht, mehr Mitfiebern und Mitfühlen. Andererseits hat das Buch so wie es ist auch einen in sich geschlossenen, sehr traditionell märchenähnlichen Stil, bei dem ich einfach dem Verlauf der ereignisreichen, manchmal wundersamen Handlung mit Interesse gefolgt bin. Für die Lektüre solltest du ein Faible für mindestens eines der dieser beiden Dinge haben: Fantasy oder Bondage.

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