Wie geht Schreiben mit dem Autorenprogramm Patchwork?

Zum Schreiben habe ich normalerweise nur zunächst Papier und Bleistift und im zweiten Durchgang ein einfaches Textprogramm wie Word oder OpenOffice Writer gebraucht. Doch letztes Jahr stieß ich zufällig darauf, dass es auch Schreibprogramme speziell für Autoren gibt, die noch viel mehr Tools bieten, die einem die Organisation einer längeren Geschichte oder eines Romans erleichtern können. Nichts davon ist meiner Meinung nach etwas, was man nicht anders – d.h. gratis und mit herkömmlichen Mitteln – auch hinbekommt. Die Stärke der Programme liegt aber darin, dass sie viele Funktionen bündeln. Hier kommt mein Fazit nach 4 Monaten Test – und ein Update nach 1,5 Jahren.

Notizbuch und Bleistift am Strand,
Immer noch mein erster Schritt beim Schreiben: Bleistift und Papier an jedem erdenklichen Ort.

Patchwork Autorenprogramm oder Papyrus Autor?

Nach einiger Recherche habe ich die Programme Papyrus und Patchwork in der Testversion ausprobiert. Mit beiden Programmen kann man sein Buchprojekt nicht nur niederschreiben, sondern auch planen, die Recherche ordnen und sortieren, überarbeiten und in verschiedene E-Book-Formate und Print-Layouts exportieren. Das Testen würde ich auf jeden Fall empfehlen, denn beides sind Bezahlprogramme.

Schließlich habe ich mich für Patchwork entschieden, obwohl Papyrus die aufgeräumtere und übersichtlichere Programm-Oberfläche hat. Ausschlaggebend für mich waren die Tools zur dramaturgischen Planung des Erzählstrangs, zum Entwerfen der Charaktere und die ausgefeilte Rechtschreib- und Stil-Korrektur. Ich denke aber, dass beide Programme beinahe genauso viel können – die Entscheidung ist letztlich Geschmackssache.

Den Überblick behalten mit Patchwork

Inzwischen nutze ich Patchwork seit vier Monaten. Ich habe so gearbeitet, dass ich meinen Roman „Lindenherz“ zuerst per Hand in hübsche Notizbücher geschrieben habe – einfach, weil ich die leichter unterwegs herausholen und ohne Umschweife losschreiben kann. Im Alltag bleiben mir oft nur eine halbe Stunde hier und eine Stunde da zum Schreiben. Da lohnt es sich kaum, den Computer zu starten. Wenn ich das Geschriebene dann irgendwann abtippe, ist das bereits der erste Korrekturdurchlauf.

Schreibtischplatz mit Laptop und geöffnetem Schreibprogramm an einem historischen Schreibtisch
Nach 1,5 Jahren ist Patchwork ein fester Bestandteil meiner Schreibprojekte geworden.

Jetzt habe ich Patchwork auf einem neuen USB-Stick mit besonders viel Platz installiert, sodass mein Buchprojekt nicht von einem bestimmten Rechner abhängig ist. Das macht das Programm ganz sicher ein wenig langsamer als auf dem PC, gibt mir aber wertvolle Flexibilität, ohne die ich in meinem Alltag kaum weiter käme.

Super Überblick über „Requisiten“

Je länger mein Roman wurde, desto öfter musste ich mühevoll nachschlagen – wie alt war gleich noch einmal Person C und hieß die Magd Anne oder Anna? Habe ich dies und das bereits erwähnt oder nicht? In Patchwork kann ich Figurenlisten mitsamt Steckbrief, Bildern usw. anlegen und mir im Text hervorheben lassen, wann ein Charakter erwähnt wird.

Thumbnail Trailer "Lindenherz - 824 Jahre durch die Zeit" von Tala T. Alsted, links im Bild ein Mann mit wehenden Haar und Mante
Zeichnungen oder Beispielbilder der Haupt- und Nebenfiguren können beim Schreiben helfen. In Patchwork kann man Figuren, Gegenstände und Orte mit Text und Bild erfassen und im Buchprojekt hervorheben lassen. Per Click geht’s zum Trailer von „Lindenherz“, wovon dieses Bild stammt.

Auch Orte und Gegenstände können als Requisiten mit Beschreibung und Bild vermerkt werden – zum Beispiel der geheimnisvolle Spiegel, durch den meine Hauptperson Katharina in „Lindenherz“ 824 Jahre durch die Zeit reist oder die Kette, die sie Johann schenkt und die nach hunderten Seiten erst wieder auftaucht.

Patchwork arbeitet mit Szenen

Patchwork arbeitet nicht mit einem großen Textblock, sondern man teilt sein Buch nach einzelnen Kapiteln und Szenen auf, die man jeweils benennen und kurz zusammenfassen kann. Ich kann meinen Szenen ein Datum verpassen, an dem sie spielen, und ich mag die Funktion, jede Szene kurz zu beschreiben. Das gibt Struktur und Fokus und man verliert sich weniger in Unwichtigkeiten. Außerdem finde ich die Funktion, mir jederzeit beim Tippen eine ausführliche Liste von Synonymen anzeigen zu lassen, sehr praktisch.

Screenshot Autorenprogramm Patchwork
Screenshot: Autorenprogramm Patchwork – links die Szenenübersicht, in der Mitte der Text, rechts eine kurze Zusammenfassung der Szene.

Außerdem sorgt die Szenen-Aufteilung für häufigere Erfolgserlebnisse: Eine Szene ist schneller geschrieben oder redigiert, als ein ganzes Kapitel. Und dann kann man per gelbem, orangen oder grünem Häkchen den Stand der Bearbeitung übersichtlich markieren.

Eine Funktion, die mir sehr ans Herz gewachsen ist, ist die Recherche-Datenbank, die Bilder, PDF-Dateien, Notizen und Website-Links thematisch sortiert übersichtlich bündelt, sodass ich meine Hintergrundinfos schnell wiederfinde.

Update im Dezember 2021: Roman überarbeiten mit Patchwork

Im vergangenen Jahr hab ich meinen Roman „Lindenherz“ noch mehrfach überarbeitet. Patchwork bietet beispielsweise eine Stilprüfung und zeigt Wortwiederholungen an. Auch eine Rechtschreibprüfung gibt es natürlich. Am meisten profitiert habe ich von der Vorlesefunktion – denn gerade bei selbstgeschriebenen Texten überliest man Fehler schnell. Hier im Blogpost habe ich mein Vorgehen ganz ausführlich beschrieben.

Screenshot aus dem Autorenprogramm Patchwort von der laufenden Überarbeitung meines Romans „Lindenherz – 824 Jahre durch die Zeit“

Patchwork speichert den Text auf Wunsch in die verschiedenste Textformate, zum Beispiel auch Word oder als E-Book-Datei.

Beim Export in Word ist mir später aufgefallen, dass die Microsoft-Rechtschreibprüfung noch einmal Fehler anzeigt, die Patchwork „übersehen“ hat. Umgekehrt findet die Prüfung von Patchwork Fehler, die Word übergeht. Nobody is perfect.

Support und Community

Andere Funktionen – zum Beispiel eine Art Reißbrett, um Szenen zu entwerfen, und eine Timeline, mit der man auch Zeitsprünge und Erzählperspektive verwalten kann, habe ich noch gar nicht richtig benutzt. Manches habe ich nicht beim ersten Probieren herausgefunden – zum Beispiel wie ich Vignetten im Layout platziere oder ob ich aus dem Text heraus auf meine Recherche verlinken kann (nein, im Moment leider nicht!). Aber es gibt auf YouTube sehr gute Anleitungsvideos und ein reges Hilfsforum. Und wem das nicht recht, der kann in der Facebook-Gruppe zum Schreiben, dem Schreibblog von Patchwork oder in einer der Arbeitsgemeinschaften vorbeischauen. Es steckt eine ganze Community dahinter und Programmautor Martin ist jederzeit persönlich mit Support und Tipps zur Stelle.

Gerne freue ich mich über eure Erfahrungen und Meinungen zu Schreibprogrammen. Wie schreibt ihr? Was nutzt ihr für Tools zum Schreiben? Tipp: Eine Liste über hilfreiche Tools zum Schreiben habe ich hier angelegt.

9 Kommentare

  1. Das war ein interessanter Beitrag. Ich mache es ähnlich, schreibe erst in Notizbücher oder nutze die Diktierfunktion des Handys. Allerdings schreibe ich in Word, zumindest bisher. Klappt eigentlich ganz gut, das mit den Handlungssträngen kann bei längeren Texten evtl. wirklich ein Problem sein. Ich habe meinen Schreibratgeber „Liest du noch oder schreibst du endlich?“ auch in Word geschrieben. Mit richtig formatierten Überschriften/Kapiteln ging das super. Trotzdem überlege ich mir auch, ein Autorenprogramm anzuschaffen. Mal schauen…

    Gefällt 1 Person

    1. Mit Diktierfunktion zu arbeiten ist auch eine interessante Herangehensweise! Da musst du aber ganz genau wissen, wie du dich ausdrücken möchtest! Ich glaube, mein aktuelles Projekt ist so ausgeufert, dass ich mit dem Autorenprogramm das Gefühl habe, besser den Überblick behalten zu können. Aber ich denke, man kann es auch mit mehreren Word-Dokumenten (Figuren, Storyline, Recherche) ebenso gut hinbekommen. Es arbeitet ja auch jeder anders. Ich freu mich immer, Einblicke in die Arbeitsweise von anderen zu bekommen! Danke für deinen Kommentar!

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