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Fantastische Häuser – 3 Fragen an Elisabeth Dommer

Mit diesem Post möchte ich eine neue Blog-Reihe „3 Fragen an“ starten, um Autorinnen und Autoren damit ein Podium bieten, über ihre Arbeit und ihre Bücher zu erzählen.

In der ersten Folge spricht die Schriftstellerin Elisabeth Dommer über fantastische Häuser, die als Motiv immer wieder in ihren Geschichten auftauchen. Ein herzliches Dankeschön an Elisabeth, dass sie sich die Zeit genommen hat!

Frage 1: Eines meiner Lieblingsbücher von dir ist „Sonnenwindhaus“. Das Haus mit dem klangvollen Namen ist fantastisch und geheimnisvoll – und ermöglicht es der Hauptperson, Augenblicke aus einer anderen Zeit zu erleben. Was hat dich dazu inspiriert?

Wie es mir oft geschieht: Ich sehe etwas, was mich anspricht – eine glasklare Spieglung im Wasser,  eine sonderbare Lichtstimmung. Oder eben ein Haus wie jenes eine in Buckow in der Märkischen Schweiz. Vor vielen Jahren war ich dort im Urlaub, und da sah ich es an einer ruhigen Straße am See. Es hatte ein großes Jugendstilfenster, und ich begann damit bereits zu phantasieren. Das Motiv gab allerdings noch nicht viel her; das im Buch beschriebene Glasbild fand ich erst viel später im Internet. Das hatte diese „Toröffnung“ in sich, und da ging es bei mir richtig los. (Mehr dazu unten)

Frage 2: Auch in deiner Geschichte „Der Mond, der Schnee, der Name“, die in dem Geschichten-Band „Der unheimliche Zauber der Sterne“ erschienen ist, gibt es so ein Haus, in dem verschiedene Zeiten wie Schichten übereinander zu liegen scheinen. Gibt es ein reales Vorbild für dieses Haus?

Ja und nein. Dieses Haus sah ich auf einem Wintergemälde, allerdings umgeben von vergnügten Leuten. In meiner Geschichte befindet es sich hingegen in merkwürdigen Zwischenphasen von belebt und unbelebt. Da wirkt eine andere Idee mit. Ich saß in einem Kirchenkonzert und dachte plötzlich: Wenn man das Konzert nun von draußen hört, auch die erleuchteten Fenster sieht, doch sobald man die Tür öffnet, um teilzuhaben, ist drinnen alles leer und finster? Wie wäre das? Und was wäre da? Tja, so funktioniert das bei mir.

Frage 3: Was fasziniert dich mehr an diesem Motiv – das Haus als die Kulisse für so viele verschiedene menschliche Schicksale oder die vergehende Zeit, die dieses relativ konstante und langlebige Gebäude uns vor Augen führt?

Das ist deine schwierigste Frage. Im Grunde trifft beides zu, aber die Hauptfaszination scheint mir woanders zu liegen. In „Der Mond, der Schnee, der Name“ ist das Haus der Treffpunkt zweier Menschen, die verschiedenen Seins-Ebenen entstammen – und das ist es, was mich interessiert. Und das „Sonnenwindhaus“ mit seinem Zeitphänomen bietet der jungen Frau Annelie die Möglichkeit, den vor Jahren verschwundenen Tristan Röver, einen Mann mittleren Alters, den sie als Kind liebte wie einen Vater, nun als jungen Mann kennenzulernen – und ihn recht anders zu finden, bis hin zur Frage: Ist das tatsächlich er? Wobei natürlich ein Stück Zeitgeschichte mitspielt. Eben das wollte ich gestalten. Eine zentrale Frage der Literatur ist doch immer: Was wäre, wenn …? Ja, was wäre, wenn wir zum Beispiel den geliebten alten Vater, Großvater, Freund, Ehemann wirklich als Junge oder jungen Mann erleben könnten, statt nur Fotos zu sehen und etwas erzählt zu bekommen? Also, ich fände das höchst aufregend! Und wem das zu phantastisch ist – viele Geschichten erzählen nun mal, was im „wahren“ Leben nicht stattfinden kann, und das macht einen Teil ihres Reizes aus. Wenn man sich auf die Gedanken und Emotionen einlässt, kann dies das eigene Leben genauso bereichern und erweitern wie das sogenannte normale Leben. Mir geht es jedenfalls so. Und darum schreibe ich weiter und weiter …


Ich danke dir für diese philosophischen Gedanken, die mir aus der Seele sprechen. Wenn ich es mir recht überlege, bildet die Frage „Was wäre wenn?“ auch den Ausgangspunkt für mein aktuelles Schreibprojekt.

Hier die beiden angesprochenen Bücher im Überblick:

Elisabeth Dommer
Sonnenwindhaus

Shaker Media, Aachen 2016
Titelillustration: Elisabeth Dommer
235 Seiten,
Preis: 14,90 €,
ISBN: 978-3-95631-447-6

Erhältlich: über Buchhandel und direkt über www.shaker-media.de

Elisabeth Dommer
Der unheimliche Zauber der Sterne
Erzählungen

Shaker Media Aachen 2018
ISBN: 978-3-95631-705-7
241 Seiten, Broschur,
Preis 14,90 €

Erhältlich: über Buchhandel und direkt über www.shaker-media.de

Hier geht es zur Website von Elisabeth Dommer

Wie geht Schreiben mit dem Autorenprogramm Patchwork?

Zum Schreiben habe ich normalerweise nur zunächst Papier und Bleistift und im zweiten Durchgang ein einfaches Textprogramm wie Word oder OpenOffice Writer gebraucht. Doch letztes Jahr stieß ich zufällig darauf, dass es auch Schreibprogramme speziell für Autoren gibt, die noch viel mehr Tools bieten, die einem die Organisation einer längeren Geschichte oder eines Romans erleichtern können. Nichts davon ist meiner Meinung nach etwas, was man nicht anders – d.h. gratis und mit herkömmlichen Mitteln – auch hinbekommt. Die Stärke der Programme liegt aber darin, dass sie viele Funktionen bündeln. Hier kommt mein Fazit nach 4 Monaten Test.

Notizbuch und Bleistift am Strand,
Immer noch mein erster Schritt beim Schreiben: Bleistift und Papier an jedem erdenklichen Ort.

Patchwork Autorenprogramm oder Papyrus Autor?

Nach einiger Recherche habe ich die Programme Papyrus und Patchwork in der Testversion ausprobiert. Mit beiden Programmen kann man sein Buchprojekt nicht nur niederschreiben, sondern auch planen, die Recherche ordnen und sortieren, überarbeiten und in verschiedene E-Book-Formate und Print-Layouts exportieren. Das Testen würde ich auf jeden Fall empfehlen, denn beides sind Bezahlprogramme.

Schließlich habe ich mich für Patchwork entschieden, obwohl Papyrus die aufgeräumtere und übersichtlichere Programm-Oberfläche hat. Ausschlaggebend für mich waren die Tools zur dramaturgischen Planung des Erzählstrangs, zum Entwerfen der Charaktere und die ausgefeilte Rechtschreib- und Stil-Korrektur. Ich denke aber, dass beide Programme beinahe genauso viel können – die Entscheidung ist letztlich Geschmackssache.

Fazit nach 4 Monaten Test

Inzwischen nutze ich Patchwork seit vier Monaten. Ich arbeite so, dass ich meinen Roman zuerst per Hand in hübsche Notizbücher schreibe – einfach, weil ich die leichter unterwegs herausholen und ohne Umschweife losschreiben kann. Im Alltag bleiben mir oft nur eine halbe Stunde hier und eine Stunde da zum Schreiben. Da lohnt es sich kaum, den Computer zu starten. Wenn ich das Geschriebene dann irgendwann abtippe, ist das bereits der erste Korrekturdurchlauf.

Jetzt habe ich Patchwork auf einem neuen USB-Stick mit besonders viel Platz installiert, sodass mein Buchprojekt nicht von einem bestimmten Rechner abhängig ist. Das macht das Programm ganz sicher ein wenig langsamer als auf dem PC, gibt mir aber wertvolle Flexibilität, ohne die ich in meinem Alltag kaum weiter käme.

Je länger mein Projekt wurde, desto öfter musste ich mühevoll nachschlagen – wie alt war gleich noch einmal Person C und hieß das Mädchen Anne oder Anna? Habe ich dies und das bereits erwähnt oder nicht? In Patchwork kann ich Figurenlisten mitsamt Steckbrief, Bildern usw. anlegen und mir im Text hervorheben lassen, wann ein Charakter erwähnt wird.

Screenshot Autorenprogramm Patchwork
Screenshot: Autorenprogramm Patchwork – links die Szenenübersicht, in der Mitte der Text, rechts eine kurze Zusammenfassung der Szene.

Patchwork arbeitet nicht mit einem großen Textblock, sondern man teilt sein Buch nach einzelnen Kapiteln und Szenen auf, die man jeweils benennen und kurz zusammenfassen kann. Ich kann meinen Szenen ein Datum verpassen, an dem sie spielen und ich mag die Funktion, jede Szene kurz zu beschreiben. Das gibt Struktur und Fokus und man verliert sich weniger in Unwichtigkeiten. Außerdem finde ich die Funktion, mir jederzeit beim Tippen eine ausführliche Liste von Synonymen anzeigen zu lassen, sehr praktisch.

Eine Funktion, die mir sehr ans Herz gewachsen ist, ist die Recherche-Datenbank, die Bilder, PDF-Dateien, Notizen und Website-Links thematisch sortiert übersichtlich bündelt, sodass ich meine Hintergrundinfos schnell wiederfinde.

Alle anderen Funktionen – eine Art Reißbrett, um Szenen zu entwerfen, die Timeline, mit der man auch Zeitsprünge und Erzählperspektive verwalten kann sowie alles was mit Überarbeitung, Korrektur und Layout zu tun hat, habe ich noch gar nicht richtig benutzt. Manches habe ich nicht beim ersten Probieren herausgefunden – zum Beispiel wie ich Vignetten im Layout platziere oder ob ich aus dem Text heraus auf meine Recherche verlinken kann (nein, im Moment leider nicht!). Aber es gibt auf YouTube sehr gute Anleitungsvideos und ein reges Hilfsforum. Und wem das nicht recht, der kann in der Facebook-Gruppe zum Schreiben, dem Schreibblog von Patchwork oder in einer der Arbeitsgemeinschaften vorbeischauen. Es scheint eine ganze Community dahinter zu stecken.

Dieser Post ist daher nur ein Zwischen-Fazit zu Patchwork. Der nächste Erfahrungsbericht kommt bestimmt.

Gerne freue ich mich bis dahin über eure Erfahrungen und Meinungen zu solchen Programmen. Wie schreibt ihr?