Dystopisches Setting, schockierende Mensch-Tier-Versuche, eine unerhörte Lovestory. Die Dystopie „SILVER CENTAURI“ wollte ich schon lesen, seit ich die Autorin Anja Dannenberg voriges Jahr auf der Frankfurter Buchmesse am Stand des Selfpublisher Verbands kennengelernt habe. Ähnlich wie ich veröffentlicht sie ihre Bücher im Selbstverlag und genau wie ich zeichnet sie auch selbst Illustrationen zu ihrer Geschichte. Schaut gern mal auf ihrer schönen Website vorbei. Ich folge ihr seither auf Instagram und werde noch dieses Jahr mit ihr zusammen zur Buchmesse nach Stuttgart fahren. Band 1 von Silver Centauri ist am 1. Juli 2024 erschienen und ich hab das Buch quasi sofort inhaliert.

Anja Dannenberg
SILVER CENTAURI – FELINE SEELE (Band 1)
2024
444 Seiten
als Schmuckausgabe, Taschenbuch und E-Book verfügbar
Worum geht’s?
Die 19-jährige Faith verliert mit dem Tod ihrer Mutter alles, was sie hat. Selbst ihre Pflegeausbildung kann sie sich nicht mehr leisten. Voller Hoffnung und völlig ahnungslos reist sie zum Arbeitsplatz ihres geheimnisvollen Vaters, von dem sie nur einen Brief und eine Halskette hat. Er arbeitet im Forschungsinstitut Silver Centauri, einem riesigen Urwald- und Hochhaus-Komplex unter einer Glaskuppel. Aber das Forschungsinstitut birgt ein schauriges Geheimnis.
Die zweite Hauptperson ist der Mutant FEL4-142, dessen Hass auf die Menschen mit jedem Experiment wächst, dem diese ihn unterziehen. In der Geschichte treffen er und Faith nicht nur einmal aufeinander. Ein Vorfall kostet sie beide fast das Leben und kettet sie dann eng aneinander.
Wie war’s?
Ich konnte das Buch nicht aus der Hand legen. Anja Dannenberg erzählt ihre Geschichte behutsam und einfühlsam. Trotzdem sollte sich, wer Zweifel hegt, die Content Notes zu im Buch angesprochenen schwer verdaulichen Themen durchlesen.
Eindrucksvoll lässt die Autorin ein Forschungsinstitut erstehen, das zwar schockierend, aber nicht vollkommen unrealistisch erscheint. Traumatische Erfahrungen, zarte Annäherungen, hartnäckiges Augenverschließen und allmähliches Hinterfragen beschreibt sie nachvollziehbar und realistisch, ebenso wie Machtmissbrauch, Geldgier, skrupellose Forschungsmethoden und wie man diese vor sich selbst rechtfertigen kann.
Die Lektüre wirft Fragen auf und rückt auch aktuell existierende Probleme in den Fokus: Wo liegen die Grenzen der Wissenschaft? Wie viele Gefühle haben Tiere? Was gibt uns das Recht, über sie zu verfügen wie über Gegenstände und Besitz oder sie gar zu missbrauchen und zu misshandeln?
Den Mutanten FEL4-142 schildert die Autorin sehr glaubwürdig – weder lächerlich noch niedlich, sondern würdevoll und mit eigener Persönlichkeit – als verstörend tierisch und menschlich zugleich. Die Konversation zwischen ihm und Faith erinnert an den Versuch auf einer Fremdsprache zu kommunizieren, von der man nur ein paar Brocken beherrscht. Und doch passiert da ganz viel zwischen den einsilbigen Repliken, sodass sehr tiefgründige Charaktere, auch Nebencharaktere, entstehen.
Band 1 endet hoffnungsvoll, lässt mich aber gleichzeitig voller Ungeduld auf Band 2 zurück. Absolute Leseempfehlung!

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