Mein Lese-Tipp zum #femtember: „I’m every woman“ von Liv Strömquist

Kennt ihr die Aktion #femtember, die auf feministische Literatur und solche Themen überhaupt aufmerksam macht? Einen Überblick über die verschiedenen Beiträge gibt es hier im Blog „Im Buchwinkel“. Solche Themen beschäftigen mich eigentlich ganzjährig (zum Beispiel hier, da, dort und dort). Aber ich möchte speziell zu diesem Anlass auf eine Graphic Novel aus Schweden hinweisen und euch „I’m every woman“ von Liv Strömquist vorstellen.

Lasst euch von meinem etwas anderen Buchcover nicht stören, ich hab das Comic auf Dänisch gelesen. Ich musste etwas suchen, aber ich glaube, das schwedische Original heißt „Einsteins nya fru“ (Einsteins neue Frau) und ist eine erweiterte Neuauflage der Graphic Novel „Einsteins fru“ von 2008.

I’m every woman

Text & Zeichnung: Liv Strömquist

Übersetzung aus dem Schwedischen von Katharina Erben

Veröffentlicht: Mar. 2019

Buch: 112 Seiten, vierfarbig, Softcover

ISBN: 978-3-964450-001-2


Worum geht’s?

In verschiedenen, thematisch völlig unabhängigen Kapiteln stellt Liv Strömquist auf witzige bis bizarre Art Frauen vor, die in der Geschichte übergangen worden sind und denen das Leben (oder genauer gesagt: ihre Männer) übel mitgespielt haben. Popstars, Frauen berühmter Männer, aber auch fiktive Heldinnen sind darunter. Ich nenne mal einige: Britney Spears, Priscilla Presley, Marge Simpson, Yoko Ono, Jenny Marx. Dazu gibt es kurze Comic-Strips zu Themen wie Homosexualität, dem klassischen Familienmodell und plakatähnliche Illustrationen.

Wie war’s?

Ganz oft geht es in den Episoden, die Liv Strömquist herauspickt, um berühmte Männer der Geschichte – Popstars, Philosophen, Wissenschaftler, Künstler – und ihre Frauen, deren Anteil am Erfolg der Herren nicht wirklich erinnert wird. Die Autorin erzählt die Geschichte aus Frauensicht, oft auf detaillierter Faktenbasis. Auf diese Art wirken Albert Einstein, Edvard Munch und Elvis Presley leider nicht mehr halb so sympathisch. Wut und Witz schwingen gleichermaßen mit.

Seite aus der dänischen Ausgabe von Liv Strömquists "I am every woman". Auf der linken Seite die Simpsons in vertauschten Rollen.
Seite aus der dänischen Ausgabe von Liv Strömquists „I am every woman“. Auf der linken Seite die Simpsons in vertauschten Rollen.

Am Ende der Lektüre saß ich nachdenklich da: Wären manche dieser Männer ohne ihre Frauen vielleicht nie so berühmt geworden? Oder wären umgekehrt manche der Frauen berühmt geworden, wenn die Gesellschaft ihre Leistung anerkannt hätte? Und generell: Gehört zu einem berühmten Menschen zwangsläufig ein sich aufopfernder Partner, der seine Bedürfnisse zurückstellt oder geht es auch anders? Und kenne ich Männer, die sich ebenso für ihre Partnerin einsetzen wie Marge für Homer Simpson?

Die 43-jährige Liv Strömquist zählt zu den bekanntesten Comiczeichnerinnen Schwedens. Sie hat eine Vielzahl Preise, Stipendien und sogar zwei Ehrendoktorwürden erhalten. In ihren Comics greift sie oft gesellschaftskritische Themen auf. Im Avant-Verlag sind von ihr noch weitere Comics mit feministischen Themen erschienen, zum Beispiel „Der Ursprung der Welt“ und „Der Ursprung der Liebe“.

5 Kommentare

  1. Hey Tala =)

    Wie schön, dass du auch beim #femtember mitmachst! Ich habe deinen Beitrag direkt auf der Übersichtsseite verlinkt.
    Falls du auf den Geschmack gekommen bist und nach weiteren feministischen Comics zusätzlich zu denen von Liv Strömquist suchst, ich habe hier noch zwei Beiträge voller Empfehlungen. Vielleicht ist da auch was für dich dabei?
    Feministische Comics

    Gefällt 1 Person

  2. Danke für den Tipp, das Buch klingt gut, hatte es zwar schon irgendwie bemerkt, aber bisher ohne rechten Drang mich dem mehr zu widmen. Der femtember klingt weniger gut. Man gestatte mr diese subjektive Meinung, die daherrührt, dass ich derzeit mit Feministinnen andernorts diskutiere, warum Männerliteratur irgendwie als allgemeingültig gilt und Fraunliteratur als speziell. Die historischen Gründe liegen woanders, die aktuellen gründe aber genau bei solchen Aktionen. Die ich damit keineswegs schlechtmachen will, sie betoniert nur eben den Eindruck JETZT KOMMT WAS FRAUENSPEZIFISCHES. Das sehe ich als Problem, solange es sowas gibt wird das mit der gleiche gerechten Wahrnehmung wohl nix. Wobei ich dir die Frage JA WIE DENN DANN? auch nicht beantworten kann, ha. Liebe Grüße!

    Gefällt 1 Person

    1. Ja, wobei die hier mehrheitlich empfohlenen Bücher schon sehr spezifisch das Thema angehen, statt einfach nur „ganz normale von Frauen geschriebene Bücher“ zu sein, so geballt bekommt man das vielleicht nur durch so eine Aktion. Aber ich finde es übrigens gut, dass du das Thema an anderer Stelle regelmäßig diskutierst. Der Dialog ist ein gutes Format dafür, die gegenseitige Wahrnehmung der Sache auszuloten.
      Viele Grüße!

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