Die Hoffnung stirbt … Über T. B. Brandls „Die letzte Hoffnung“

Foto eines Vulkans im Stillen Meer um 1887, Etnografiska Museet

Die Hoffnung stirbt zuletzt, oder? Und tatsächlich sterben im Klima-Thriller „Die letzte Hoffnung“ von T. B. Brandl noch richtig viele Menschen vor ihr. Möglicherweise überlebt sie aber auch, die Hoffnung, das hängt von uns ab. Ich habe das Buch als Rezensionsexemplar bekommen und möchte es hier vorstellen.

Das Beitragsbild, eine Schwarzweißfotografie von Arthur Ekström (1860-1924), stammt aus der Sammlung des schwedischen Etnografiska museet. Das Foto eines Vulkans einer Inselgruppe im Stillen Meer entstand um 1887.

Buchcover in grün und schwarz "Die letzte Hoffnung" von T.B. Brandl

T. B. Brandl

Die letzte Hoffnung

Erscheinungsdatum: 01.07.2026

ISBN: 9783696382667

Umfang: 526 Seiten

Verlag: BoD – Books on Demand


Worum geht’s?

Auch im Jahr 2046 hat es die Menschheit immer noch nicht geschafft, die Rettung des Planeten und ihr eigenes Überlebens zur Priorität Nummer 1 zu machen. Schnell bekommt man das Gefühl, dass in diesem Zukunftsszenario auch weitere 20 Jahre kaum etwas verändert haben – außer, dass es noch heißer geworden ist, es noch größere Flüchtlingswellen, anhaltendere Dürreperioden und noch verheerendere Überschwemmungen gibt.

Das Buch ist aus vielen verschiedenen Perspektiven geschrieben, doch im Mittelpunkt steht Chloe Cortez, eine engagierte junge Frau, die mit Herzblut bei den Vereinten Nationen arbeitet. Nach einem verzweifelten Aufruf zu richtig, richtig außergewöhnlichen Lösungsvorschlägen zur Rettung der Menschheit schlägt ihre Stunde – in mehrfacher Hinsicht. Ihr aberwitziger Plan, der die Grenzen der Moral überschreitet, findet Gehör. Doch kann man so einen Plan überhaupt kontrollieren? Und wenn ja, wer übernimmt hier die Kontrolle? Teil dieses Plans wird unfreiwillig auch der Drogendealer Jack Simmons, dem eine ganz besondere Hauptrolle dabei zugedacht ist.

Wie war’s?

T. B. Brandl schafft es trotz der vielen unterschiedlichen personellen Blickwinkel mit wenigen Sätzen, eine Verbindung zur jeweiligen handelnden Person aufzubauen. Egal, ob sie später im Buch wieder auftaucht oder wir wie ein Schlaglicht eine Momentaufnahme aus ihrem Leben (oder Sterben) präsentiert bekommen, die Sätze berühren. Trotz der Schwere des Themas schwingt ein humoristischer, manchmal sarkastischer Zug in den Beschreibungen mit, der mir gut gefallen hat. Was bleibt einem manchmal noch anderes als Galgenhumor?

In „Die letzte Hoffnung“ bewegen sich die meisten Protagonisten durch moralische Grauzonen. Manche opfern Freiheit und Menschlichkeit für ein hehres Ziel, andere streben einzig und allein nach persönlicher Macht. Das Buch wirft Fragen auf, zeichnet Muster menschlicher moralischer Abgründe nach und stellt unser Unvermögen bloß, so komplexen Problemen wie dem globalen Klimawandel etwas entgegenzusetzen. Es lässt uns schwanken zwischen Hoffnung und Resignation.

Die Dystopie „Die letzte Hoffnung“ ist so nah an unserer aktuellen Wirklichkeit, dass sie beinahe keine Dystopie mehr ist. Wann ist uns das Schicksal unserer Kinder egal geworden?, fragt der Autor mit seiner Geschichte. Mich hat die Lektüre ein wenig deprimiert. Ist es uns die Zukunft unserer Kinder denn wirklich egal? Schnell fühlt man sich zu klein, zu unwichtig, zu machtlos, um etwas auszurichten angesichts der alles umfassenden Katastrophe. Aber ich bin so verblendet optimistisch, dass ich immer noch hoffen will, dass die Menschheit noch die Kurve kriegt, auch wenn es wirklich nicht den Anschein macht.

„Die letzte Hoffnung“ ist ein spannender Thriller, bei dem es um Macht und Ideologie, Skrupellosigkeit und Gleichgültigkeit, Not und Ignoranz, Glaube und Hoffnung geht. Ein Buch, das zum Nachdenken anregt und dass ich sehr empfehlen kann.

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