Zeitreisen für Kunsthistoriker – Die Zeitreise-Trilogie von Marina Neumeier

Wenn Marina Neumeier es bei einem Band belassen hätte, wäre meine Rezension gnädiger ausgefallen. Aber inzwischen stecke ich schon ewig in Band 3 fest und weiß nicht, ob ich ihn beenden werde. Ich möchte versuchen zu erklären, warum es mir so geht.

Cover Aquarius von Marina Neumeier

Marina Neumeier

Aquarius – Herz über Kopf durch die Zeit

Erschienen am 06.04.2020
404 Seiten
EAN 978-3-492-50348-8

Piper Verlag

Teil 2: Leonis

Teil 3: Serpentis


Worum geht’s?

Die Kunsthistorik-Studentin Rosalie wird bei einer Ausstellungseröffnung in ein Gemälde gesaugt und befindet sich unvermittelt in der Werkstatt des berühmten Malers Botticelli. Die Story erinnert sehr stark an Kerstin Giers Edelsteintrilogie: Tausche Edelsteine durch Sternzeichen! Einige, zu bestimmten Zeitpunkten geborene Auserwählte können durch die Zeit reisen. Es gibt eine geheime Gesellschaft von vor allem Männern, die das seit Jahrhunderten koordiniert. Auch ein gutaussehender und arroganter Mitzeitreisender darf nicht fehlen. Und es treibt ein Bösewicht sein Unwesen, der durch die Zeit geistert und gestoppt werden muss. Er will sogar das gleiche wie der bei Kerstin Gier. Das sind erschreckend viele Parallelen!

Wie war’s?

Ein riesiger Pluspunkt für Marina Neumeier sind die vielen Extrainfos zur Kunstgeschichte der italienischen Renaissancezeit, die diese Trilogie vermittelt. Die Vorstellung, durch ein Gemälde genau an seinen Entstehungsort zu schlüpfen, ist faszinierend. Einmal zu nah herantreten und in Sandro Botticellis Werkstatt stehen und den Duft der Farben einatmen. Oder direkt neben Leonardo da Vinci landen, der sein noch unfertiges Bild durch die Landschaft schleppt, auf dem Weg nach Rom. Oder mit dem Jungen Tizian flirten. Oder Albrecht Dürer nach dem Geheimnis seiner perfekten Frisur fragen. Für angehende Kunsthistoriker und Fans dieser Epoche gibt es hier einiges an Flair und gut recherchiertem Spezialwissen.

Sandro Botticelli. Primavera Detail: Flora von Sandro Botticelli – KU Leuven, Belgium – Public Domain. Das Bild spielt im Band 1 eine zentrale Rolle. Die Hauptperson Rosalie wird ungefähr so beschrieben wie die Flora in „Primavera“ – hübsch, blond, das Make-up immer perfekt aufgelegt. Das Beitragsbild zeigt das gesamte Gemälde. Natürlich ist es im Original ein farbiges Ölgemälde, das man in den Uffizien ansehen kann. Dieses gibt es aber nicht mit Public Domain-Lizenz.

Die Figuren sind nett. Die Handlung ist eigentlich spannend, zumindest passiert ständig etwas: Rätsel müssen gelöst, verlorene Dinge und Menschen wiedergefunden und Bösewichte besiegt werden. Aber so richtig warm geworden bin ich nicht mit den beiden Hauptpersonen.

Die Liebesgeschichte baut auf eine übernatürliche Anziehungskraft, die offenbar jegliches ruppiges Benehmen ausradiert. Ich habe spätestens in Band 2 aufgehört mitzufiebern, ein einziges Buch hätte mir völlig gereicht. Auch der Story hätte es keinen Abbruch getan, denn eigentlich wiederholt sich das Schema. Nach Band 1 war ich sogar entsetzt, dass ich aus Versehen eine Trilogie begonnen hatte! Irgendwie war es mir beim Kauf von Band 1 nicht klar geworden.

Hauptperson Rosalie ist einerseits ängstlich, andererseits naiv-impulsiv bis frech. Manchmal kamen ihre Entschlüsse für mich unlogisch. Was erwartet sie sich von einem spontanen Einschleichen in den Vatican? (Band 2) Es gab keine Hinweise auf eine Vermutung, die sie hat. Es trieb die Handlung nur unmerklich voran.

Canale Grande, Venedig, Italien, 1883. Swedish National Museum of Science and Technology. Public Domain bei Europeana
Canale Grande, Venedig, Italien, 1883. Swedish National Museum of Science and Technology. Public Domain bei Europeana

Vieles passiert schrecklich zufällig. Dass Rosalie Botticelli kennenlernt, verstehe ich ja noch, weil sie direkt in seiner Werkstatt landet. Aber dann begegnet sie auch immer wieder ZUFÄLLIG weiteren wichtigen historische Persönlichkeiten oder einflussreichen erfundenen Figuren, die ihr weiterhelfen können. In Band 3 hilft nach langer Suche wieder der Zufall. Das ist unglaublich praktisch für die Romanhandlung, aber nicht sehr überzeugend. Ich hab es dann aber akzeptiert und weitergelesen.

Alles in allem ist es aber keine Trilogie, die ich nicht aus der Hand legen konnte – wie die Edelsteintrilogie beispielsweise. Ehrlich gesagt hab ich sie monatelang liegengelassen und die letzten 200 Seiten hab ich bis heute noch nicht gelesen. Fairerweise möchte ich aber hinzufügen, dass die Reihe auf Lovely Books durchweg gute Rezensionen erhalten hat. Macht euch also gern selbst ein Bild!

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