Brauchen Bücher Add-ons?

Eine Frau hält drei Bücher in der Hand, dahinter sieht man stapelweise Bücher (Bild von Ahmad Ardity auf Pixabay)

Manche Bücher sind nicht nur Bücher! Als Leser wird man (wenn man mag) Teil eines Clubs mit Insiderwissen, man kann sich mit Give-Aways ausstatten, mit anderen über die Geschichte und ihre Charaktere austauschen und vielleicht produziert man selbst eine Fortsetzung des Buchs als Fan-Fiction. Dank Internet wird es auch für Autoren einfacher, Zusatzmaterial zu einer Geschichte zur Verfügung zu stellen – alternative Enden, ein Spin-off, Zeichnungen der Hauptpersonen, Orte, Landkarten, Wörterbücher. Aber brauchen wir – Leser wie Autoren – das wirklich? Darum geht es in der aktuellen Montagsfrage im Blog lauter & leise.

Das liebe Marketing

Der Kampf um Aufmerksamkeit für neue Bücher ist enorm. Neben den etablierten Verlagen, versuchen Selfpublisher auf sich aufmerksam zu machen. Natürlich sind Bücher mit ausgefallenen Vermarktungsstrategien im Vorteil, wenn sie aus dieser Masse herausstechen. Aber gleichzeitig ist es auch einleuchtend, dass es nicht zu jeder Geschichte eine Community wie um die Harry Potter-Reihe geben kann.

Meiner Meinung nach sollte das Drumherum einen Mehrwert haben. Zum Beispiel finde ich es bei langen (Fantasy-)Reihen sinnvoll, wenn man Figuren nachschlagen und Landkarten herunterladen kann. Nicht immer lässt sich in E-Books alles lesbar darstellen. Ich persönlich lese oder sehe auf YouTube auch gerne (nach dem Beenden des Buchs) Interviews mit den Autorinnen und Autoren, in denen von der Entstehung der Geschichte erzählt wird. Merchandising brauche ich persönlich nicht.

Was mir schon gut gefällt, sind Blogs oder Websites der Autorinnen und Autoren, die Hintergrundinfos geben, kleine Trailer und Zeichnungen und Entwürfe. Wie zum Beispiel Julia Dippel, die für ihre Reihe Cassardim eine eigene Website mit Zusatzmaterial, Trailer und selbstkomponierten Liedern produziert hat. Das ist beeindruckend und weil es eben gar nicht jeder kann, sticht das aus der Masse hervor. Gleichzeitig bleibt die Autorin authentisch, weil sie selbst an der Produktion dieser Inhalte beteiligt ist. Wenn ein großer Verlag so etwas kreiert, kann das Ergebnis auch schnell unpersönlich werden.

Ein Buch sollte für sich stehen

Aus Lesersicht sind diese Ansätze notwendig, damit ich ein Buch finde. Ein Buch, das erst auf Suchseite 10 im Onlinebuchhandel auftaucht und in den meisten Buchläden gar nicht vorrätig ist, muss ich als Leserin erstmal entdecken. Ich persönlich finde neuen Lesestoff inzwischen über Blogs und Social Media. Von daher gehört Vermarktung zu einem Buch wohl oder übel dazu und immer öfter stehen Autorinnen und Autoren damit alleine da.

Über die Bekanntmachung des Buches hinaus, brauche ich als Leserin keine Add-ons. Ein Buch sollte in sich abgeschlossen sein. Wenn Fans online daraus mehr machen wollen oder die Autorin zufällig noch tolle Lieder schreibt, dann ist das schön – aber es geht für mich auch ohne.

Was sagt ihr? Weitere Gedanken zum Thema findet ihr in den anderen Beiträgen, die Antonia unter ihrem Blogbeitrag listet.

9 Kommentare

  1. Ich bin in allen Punkten deiner Meinung. Hintergrundinfos zum jeweiligen Buch finde ich ebenfalls interessant, aber sie sind für mich auch kein Muss.

    Das ganze Merchandising, gerade bei Büchern, die ihre Leser erst finden müssen, halte ich für völlig übertrieben. Ich glaube auch nicht, dass mit exklusiven Buchboxen und allem möglichen Schnickschnack mehr echte Leser gewonnen werden können. Abgesehen von dem ein oder anderen Buchblogger, der sich freut, wenn er die Accessoires, mit denen er ein schönes Foto machen kann, gleich mitgeliefert bekommt.

    Mich jedenfalls vermag man damit nicht ködern. Ich kann auf das ganze Klimbim gut und gerne verzichten.

    Aber mir steht schon oft der Mund sperangelweit offen, wenn ich sehe, welchen Aufwand Autoren und Verlage hier betreiben. Doch wer die schöneren Add-Ons hat, hat halt nicht automatisch auch das bessere Buch.

    Ich lese sowieso die meiste Belletristik auf meinem Ebookreader. Und daran reizt mich u.a. die reine Reduktion auf den Text.

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    1. Ja, ich lese auch fast nur noch E-Books. Da sind nicht mal mehr die Cover wahnsinnig entscheidend. Zumindest hab ich in letzter Zeit auch eine ganze Reihe Bücher gelesen TROTZ ihrer Cover, die mir nicht gefallen haben 😉 Und oft war das auch gut so. Aber natürlich ist ein gewisses Maß an Vermarktung leider notwendig, damit man erst einmal zu den Büchern findet…

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      1. „TROTZ ihres Covers“: 😄 Ja, solche Bücher kenne ich auch. Aber lieber außen pfui und innen hui als umgekehrt.

        Nun, ein wenig Erfahrung in Sachen Vermarktung habe ich ja schon sammeln können im Rahmen meiner Trilogie. Mit Zitaten, Leserunden und Signieraktionen lässt sich schon auch einiges erreichen. Ich hab auf jeglichen Schnickschnack verzichtet und Werbung hab ich auch nicht viel betrieben, aber mir schon viel Mühe bei der Covergestaltung und der Innenillustration (beim Print) gegeben. Für ein Debüt und noch dazu im Selgpublishing bin ich eigentlich sehr happy darüber, wie viele Leser von sich aus zu den Büchern gefunden und sie rezensiert/ bewertet haben.

        Es kommt natürlich immer darauf an, welche Ziele man sich steckt. Für andere ist meine „Reichweite“ eher mickrig.

        Aber die beste Werbung ist immer noch das nächste Buch, sofern es mit dem/den Vorherigen mithalten kann. Deshalb bin ich jetzt auch froh, wenn ich endlich wieder zum Schreiben komme. 😘

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      2. Danke für deine Erfahrungen! Das macht doch Hoffnung, dass du dir auch ohne den großen „Schnickschnack“ ganz klassisch eine Leserschaft aufbauen konntest. Und ja, das Cover sollte zum Buch passen und professionell aussehen. Wir hatten uns ja schonmal bei dir im Blog drüber ausgetauscht: Ich finde, deine Cover sind dir richtig schön gelungen!!!
        Ich wünsch dir ganz viel Erfolg beim Weiterschreiben!
        Tala

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  2. Hey Tala,

    ich finde, es besteht ein Unterschied zwischen Extrakrams, den Autor_innen oder Fans produzieren (darunter Kurzgeschichten oder Wikis) und allem, was vom Verlag kommt. Bei Autor_innen und Fans kann man davon ausgehen, dass diese Inhalte aus Leidenschaft entstehen und meist sogar einen Mehrwert haben. Bei Verlagen handelt es sich um reine, kalkulierte Werbung, die keinen anderen Zweck verfolgt, als Aufmerksamkeit zu generieren. Dadurch sind Social Media – Kanäle für fiktive Figuren, Websites für einzelne Bücher, aber auch Printmaterial sehr kurzlebig und bieten mir einfach keinen dauerhaften Mehrwert, weshalb ich darauf verzichten kann.

    Montagsfrage auf dem wortmagieblog
    Liebe Grüße,
    Elli

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    1. Hallo Elli,
      stimmt, das ist ein wichtiger Unterscheidungspunkt. Auch einen Social Media-Kanal kann man als Autorin bestimmt aus Leidenschaft oder einfach aus Spaß an der Sache betreiben. (Natürlich sollte das Buch auch ohne diesen funktionieren!) Ich persönlich kann auf reine Werbeprodukte auch prima verzichten. Ich brauch auch nicht das 100. Lesezeichen für meinen E-Book-Reader 😉 Hach, diese Frage bietet wirklich Stoff zum Nachdenken!
      LG, Tala

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