Logisch! Logisch? – Wir nehmen Bücher unterschiedlich wahr

Korrekturfassung Roman Tala T

Wie wichtig ist uns die Logik in der Handlung von Büchern? Sind uns überraschende Wendungen in einer Geschichte vielleicht viel wichtiger? Darum geht es diese Woche bei der Montagsfrage im Blog Lauter & Leise, gestellt von Torstens Bücherecke. Ich möchte das Thema mit meinen aktuellen Schreiberfahrungen verknüpfen.

Ein paar Mal habe ich hier im Blog schon davon erzählt, dass ich selber mitten in einem längeren Romanprojekt stecke. Inzwischen ist es über ein halbes Jahr her, dass ich die gesamte Geschichte fertig geschrieben habe. Seitdem überarbeite ich sie. Einerseits lese ich selbst Korrektur, andererseits habe ich inzwischen über fünf Testleserinnen gefunden, mit denen ich mich im Anschluss ans Lesen austauschen kann. Zum Beispiel über die Logik der Handlung.

Jeder empfindet Bücher anders

Zunächst musste ich feststellen, dass ich von meinen Testleserinnen teilweise sehr unterschiedliches Feedback bekomme. Ich muss dazu sagen, dass es zwar alles Frauen sind (fragt mich nicht, wieso), aber dass sie eine Altersspanne zwischen 17 und 70 haben. Naturgemäß gibt es da verschiedene Vorlieben. Einerseits sind sich alle einig, dass die Handlung nach dem ersten Drittel bis zum Ende hin extrem spannend ist. Das freut mich natürlich wahnsinnig.

Prompt habe ich nach dem ersten Feedback begonnen, das erste Drittel mehr zu raffen und zu straffen und zu kürzen, damit der Roman auch da nicht zu langatmig wird. Dann kam plötzlich von anderen Testleserinnen die Rückmeldung, dass sie alles stimmig fanden und da gar nichts kürzen würden. Eine dritte wünschte sich sogar bestimmte Passagen noch etwas vertiefender dargestellt und Gefühle ausführlicher beschrieben.

An der Stelle habe ich erstmal aufgehört mit Redigieren, weil die unterschiedlichen Rückmeldungen mich verwirrt haben. Es gibt keinen einheitlichen Tenor und natürlich keine einfache Lösung. Jeder sieht die Dinge ein kleines bisschen anders. Manche überlesen Passagen und kleine Hinweise. Die einen interpretieren Details als besonders wichtig, die andere überlesen. Jeder liest aus seinem eigenen Alltag und Erfahrungshorizont heraus. Ich als Autor kann es nicht allen recht machen und muss mir vor allem selbst darüber klar werden, wie ich die Geschichte am liebsten hätte.

Am Ende müssen alle Rätsel gelöst sein

In einem sehr produktiven Gespräch mit zwei der Testleserinnen ist mir aber klar geworden, dass es in Sachen Logik noch Unstimmigkeiten gibt. Nicht alle Handlungswendungen werden ausreichend erklärt. Nicht alle Rätsel ordentlich gelöst. Manchmal dachte ich, ich hätte etwas deutlich genug erklärt, aber das kam bei den Leserinnen gar nicht an. Da muss ich noch einmal nacharbeiten, denn damit halte ich es selbst genauso wie Sophia und Torsten und Elli in ihren heutigen Blogposts zur Montagsfrage. Noch wichtiger als die überraschenden Wendungen ist, dass die Handlung in sich schlüssig ist. Gerne darf eine Geschichte unterwegs verwirrend sein, wenn sich am Ende alles aufklärt.

Kennt ihr diese klassische Romanszene, in der der Bösewicht gegen Ende hin – am besten kurz bevor er die Hauptperson töten will – nochmal ellenlang ausführlich seine Beweggründe erklärt? Wo er lange hätte siegen können, wenn er nicht so unglaublich ausschweifend geredet hätte? Das ist, wie ich finde, eine ziemlich unelegante und einfallslose Art, alle Wirren des Plots aufzulösen. Kommt einfach zu häufig vor. Aber manchmal ist es gar nicht so einfach – weswegen ich wohl noch eine ganze Weile länger über meiner Geschichte brüten werde. Als Zwischenfazit muss ich aber festhalten: Das Feedback meiner Testleserinnen hat die Geschichte schon jetzt weitergebracht und verbessert. Und darüber hinaus hilft es mir, dran zu bleiben an dieser langen Korrekturphase.

11 Kommentare

  1. Also wenn ich Bücher lese, die einen langen Anlauf haben, dann kann es gerne passieren, dass ich die Lust verliere. Meine Tante hat es zum Beispiel so gemacht: schaffen es die ersten 50 Seiten sie nicht zu fesseln, legt sie es weg. Ich mache es unterschiedlich. Es kann schon mal passieren, dass ich bis zur Hälfte oder auch Länger durchhalte.

    Deswegen, denke ich, das 1. Drittel bisschen zu kürzen ist bestimmt nicht verkehrt.
    Was das Ende angeht. Hm…Ja – das ist Fingerspitzengefühl. Wenn es zu plötzlich aufgelöst wird, fühle ich mich dann ein bisschen hilflos und verloren und denke da fehlt doch irgendwas…

    Echt nicht einfach ein schlüssiges Buch zu schreiben. Ich drücke die Daumen, dass du das richtig Gefühl für dich findest.

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    1. Danke dir, Rina! Ja, ich versuche die Balance zu finden zwischen 1) es soll nicht zu langatmig werden und 2) alle Figuren und das Setting müssen ausreichend vorgestellt werden. Aber manches sieht man auch erst mit etwas Abstand zum Schreiben und dem Feedback von anderen. Übrigens hab ich mal gelesen, dass die ersten 15 Seiten eines Buchs entscheidend sind. Ich weiß aber leider nicht mehr, wo 😦
      Liebe Grüße, Tala

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      1. Die ersten 15 Seiten….das ist bisschen hart….Also ich denke wirklich 50 Seiten muss man schon mal geben.
        Nicht umsonst sagen viele Ratgeber, dass man sein geschriebenes erstmal eine Zeitlang weglegen soll um Abstand zu gewinnen. Dann kann man das nüchterner bearbeiten.
        Wirklich nicht einfach.
        Bei meinen Kurzgeschichten ist da kein Problem. Da liest man mal drüber und korrigiert bisschen, das wars – aber ein Buch..uff..

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      2. Ja – tatsächlich. Ich hab sie lange gemieden, da ich mal bei King welche erwischt habe, die wirklich schlecht waren und somit das auf andere projiziert habe. Aber mittlerweile mag ich sie sehr gerne. Es ist absolut gut für zwischen drin.
        Auch das Schreiben solcher Geschichten hat mich ihnen näher gebracht

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