5 historische Zitate übers Lesen

Læsende dame, 1925 Ilsted, Peter Statens Museum for Kunst, CC0

Nicht nur heute ist Lesen populär (und sogar gesund, wie ich in meinem Post „10 Fakten übers Lesen“ beschrieben habe). Auch früher wurde gelesen – und darüber philosophiert. Ich finde es faszinierend und beruhigend zu wissen, dass sich frühere Generationen ganz ähnliche Gedanken gemacht haben wie wir.

Das Titelbild heißt übrigens „Læsende dame“ und wurde 1925 vom dänischen Künstler Peter Ilsted gemalt (Sammlung Statens Museum for Kunst, Gemeinfrei).

Hier kommt eine kleine Auswahl an Zitaten zum Lesen:

Jean Paul

Der Dichter Jean Paul (1763-1825) war im frühen 19. Jahrhundert genauso berühmt wie Johann Wolfgang von Goethe. Sein Buch Hesperus oder 45 Hundposttage wurde sein Durchbruch, ein Bestseller, das zweitmeistverkaufte Buch nach Die Leiden des jungen Werther. Kleiner Fakt am Rande: Während Johann Gottfried von Herder, Christoph Martin Wieland und Johann Wilhelm Ludwig Gleim das Buch bejubelten, gefiel es Goethe und Schiller nicht. Jean Paul wird folgendes Zitat über das Lesen zugeschrieben:

Bücher lesen
heißt wandern gehen in ferne Welten,
aus den Stuben über die Sterne.

Jean Paul

Marie von Ebner-Eschenbach

Die mährisch-österreichische Schriftstellerin Marie von Ebner-Eschenbach (1830-1916) wurde berühmt für ihre psychologischen Erzählungen. Ungewöhnlich für die damalige Zeit war, dass sie als Frau eine Uhrmacher-Ausbildung absolvierte. Ihre Uhrensammlung befindet sich heute im Uhrenmuseum Wien. Eine ihrer ersten erfolgreichen Erzählungen hieß denn auch Lotti die Uhrmacherin. Sie schrieb aber auch Dramen, Romane und Aphorismen. 1900 erhielt sie als erste Frau ein Ehrendoktorat der Universität Wien.

Lesen ist ein großes Wunder.

Marie von Ebner-Eschenbach, Gesammelte Schriften, 1. Band, Berlin 1893

Hans Wilhelm von Thümmel

Der Geheime Rat und Minister Hans Wilhelm von Thümmel (1744-1824) war in erster Linie ein Staatsmann. Als Dichter stand er im Schatten seines älteren Bruders Moritz August von Thümmel (1738-1817). Dennoch schrieb er zwei Büchlein mit Aphorismen, von denen viele heute noch sinnig sind. Einer davon lautet:

Ist es wahr? Ist es verständlich? sei die Regel deiner Beurtheilung jedes Buchs, das dir unter die Hände kommt. Der Geschmack eines Jeden hat das Recht, zu sagen: mir gefällt es nicht. Aber verdamme es nicht, denn die Anzahl und der Geschmack der Leser ist Legion.

Hans Wilhelm von Thümmel,
Aphorismen aus den Erfahrungen eines Sieben und Siebzigjährigen

Voltaire

Der berühmte französischer Philosoph der Aufklärungszeit Voltaire (1694-1778), eigentlich François-Marie Arouet, zählte zu den meistgelesenen und einflussreichsten Autoren seiner Zeit. Er soll einmal gesagt haben:

Es gibt Menschen, die nur lesen, um dem Schriftsteller Fehler nachzuweisen. Wer ohne Vorurteile liest, wird das Richtige lesen.

Voltaire

Friedrich Schleiermacher 

Der Theologe und Philosoph Friedrich Schleiermacher (1768- 1834) schrieb vor allem Fachliteratur, aber auch einige Aphorismen. Er soll gesagt haben:

Das Lesen ist ein Thermometer, die Bildung des Volkes zu messen.

Friedrich Schleiermacher

Liest man alle Zitate nacheinander, ergibt sich – wie ich finde – beinahe ein größerer Zusammenhang. Findet ihr nicht auch?

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