Roman überarbeiten mit dem Autorenprogramm Patchwork

Neulich im November habe ich hier gejubelt, als ich die letzten handschriftlichen Notizen meines Romans abgetippt hatte. Seitdem überarbeitete ich noch einmal Aufbau, Stil und Rechtschreibung, bevor ich das Buch einigen Testlesern geben möchte. Ich habe mich nun erstmal auf das inhaltliche erste Drittel beschränkt, dann kann ich mich in drei Schritten durch den Roman arbeiten, der immerhin aktuelle 730 Normseiten umfasst. Dabei ist mir das Autorenprogramm Patchwork, das ich letzten Jahr entdeckt habe, eine große Hilfe. Hier kommt mein Erfahrungsbericht dazu. (Und nein, ich bekomme von Patchwork dafür keine Rabatte! 😉

Lindenblatt gezeichnet (Tala T.)

Ein kurzer Hintergrund zu meinem Romanprojekt:
Durch einen Spiegel gelangt Katharina 824 Jahre in die Vergangenheit – und wieder zurück. Dabei begegnet ihr Johann, der ihr gleichzeitig vertraut und fremd vorkommt. Das wirft nicht nur Fragen auf, sondern führt Katharina auch auf die Spur von bislang gut gehüteten Geheimnissen.

Bild: Wenn ich nicht an dem Roman arbeite, zeichne ich gerne zur Story passende Dinge – zum Beispiel ein Lindenblatt.


Schritt 1: Aufbau der Story

Als erstes habe ich begonnen, alles noch einmal von vorn zu lesen. Ich hatte mir vorgenommen, zu kürzen und die Handlung zu straffen. Gleichzeitig habe ich die Geschichte noch einmal auf ihre Logik und Nachvollziehbarkeit geprüft, wichtige Figuren früher eingeführt und Settings, die öfter auftauchen, eher beschrieben. Was soll ich sagen – jetzt ist die Story nicht kürzer, sondern länger geworden!

Patchwork ist praktischerweise so aufgebaut, dass man einzelne Szenen mühelos verschieben und neu ordnen kann. Das fand ich in diesem Bearbeitungsschritt sehr hilfreich. Hier habe ich auch schon mal meine ersten Erfahrungen mit dem Programm beschrieben.

Schritt 2: Stil und Ausdruck

Im zweiten Schritt gehe ich nun Stil, Ausdruck, Rechtschreibung und Grammatik durch. Rechtsschreibfehler zeigt das Programm schon während des Schreibens an, genau wie ausführliche Synonymlisten. Aber jetzt habe ich den Menüpunkt „Prüfen“ benutzt, der über besondere Duden-Korrektur-Tools verfügt.

Die Stil-Prüfung

Hier verfügt Patchwork über eine Stil-Prüfung. Diese kann man auf die Stufen „schwach“, „mittel“ und „stark“ einstellen und dann markiert das Programm beispielsweise Füllwörter wie „möglicherweise“, „eben“, „gar“, „sehr“ und so weiter. Man kann dann ja selbst entscheiden, wie viel davon wirklich wichtig ist für die Szene bzw. ob die Wörter tatsächlich eine Funktion erfüllen. Darüber hinaus wird angezeigt, wenn man Phrasen oder abgedroschene Redewendungen benutzt, sehr lange Sätze formuliert, viel Passiv verwendet oder Wertungen vornimmt. Hier ein Screenshot aus dem Programm:

Screenshot aus der laufenden Bearbeitung aus meinem Roman „824“ (Arbeitstitel)

Prüfung auf Wortwiederholungen

Habe ich meine Szene mit der Stil-Prüfung bearbeitet, lasse ich mir noch Wortwiederholungen anzeigen. Beim Ersetzen immer wieder verwendeter Wörter hilft dann im Zweifel auch das integrierte Synonymwörterbuch. In manchen Fällen ist dieser Schritt aber auch sehr kniffelig. Auf dem Screenshot hier habe ich die meisten Wiederholungen schon beseitigt…

Screenshot Autorenprogramm Patchwort Roman "824" Tala T
Screenshot aus dem Autorenprogramm Patchwort von der laufenden Überarbeitung meines Romans „824“ (Arbeitstitel)

Vorlese-Funktion

Total cool finde ich die Vorlese-Funktion. „Microsoft Hedda Desktop – German“ ist zwar nicht perfekt und hat ein paar Macken (z.B. liest die Computerstimme immer „sonstiges“, wenn ein „sonst“ am Satzende steht!), aber wenn man sich den Textabschnitt noch einmal anhört, findet man auch Flüchtigkeitsfehler. Oft entstehen ja beim Überarbeiten gleich neue Fehler, indem man irgendwo ein „en“ vergisst oder ähnliches. Beim Zuhören fällt das auf. Hier noch eine kleine Hörprobe 😉

Hörprobe: Übrigens: Bei ca. 2 Minuten hat die Computerstimme ziemliche Probleme mit dem Wort „Geschoss“ 😉

Einen ganz ausführlichen Überblick über die Korrektur-Funktionen von Patchwork findet ihr hier auf der Website des Programms.

Mein Plan ist es nun, mich Schritt für Schritt noch einmal durch das ganze Projekt zu arbeiten. Dann hoffe ich auf die Unterstützung erster Testleser (es gibt schon Freiwillige, was mich sehr freut!) – und danach muss ich bestimmt noch einiges anpassen! Ich halte euch auf dem Laufenden. Mein Ziel ist es, dieses Jahr fertig zu werden.

Feiert ihr mit? – Ein großer Schritt für mich

Ich bin gerade ganz euphorisch – vielleicht habt ihr Lust, mit mir zu feiern! Gerade habe ich die letzten handschriftlich geschriebenen Seiten meines Fantasy-Projekts eingetippt.

Die Idee lag schon ewig, in einer Datei und in meinem Kopf. Zum Inhalt nenne ich nur ein paar Stichworte: eine Zeitreise, die klassische Suche nach der eigenen Identität, mitsamt Liebe und Freundschaft. Im April 2017 hab ich angefangen, mit Bleistift in ein grünes Notizbüchlein, erste Zeilen zu schreiben. Am 25. Oktober 2020 fand ich endlich ein passendes Ende – rund 154.000 Wörter später und seit soeben alle auch digital. Das ist ein wahnsinnig schönes Gefühl!

Die Notizbücher sind mir seither überall hin gefolgt. Jedes einzelne durfte einiges mit mir erleben. Eins hat mit mir ein wunderschönes Winterwochenende in einer Holzhütte im Thüringer Wald verbracht, bei dem wir meterhoch eingeschneit sind. Mehrere lagen mit mir in Dänemark am Strand, vielleicht liegen noch Sandkörner zwischen den Seiten. Und eins durfte mich auf eine Recherchereise nach Mainz begleiten – verwinkelte Gassen, romantische Fachwerkhäuser, monumentale Domkirche.

Bäume im Schneesturm
Orte inspirieren! Ich erinnere mich recht deutlich, dass ich in dieser schönen Umgebung im Dezember 2017 an diesem Buchprojekt gearbeitet habe.

Die Protagonisten sind wie gute Freunde für mich geworden, die mich schon fast vier Jahre lang begleiten. Und trotzdem muss ich sie mir jetzt noch einmal mit anderen Augen anschauen.

Auf zur nächsten Runde!

Denn das Buch ist jetzt noch lange nicht fertig. Inzwischen habe ich eine beeindruckende Liste mit Dingen, die ich noch verfeinern, kürzen, umschreiben oder radikal ändern möchte. Jetzt, da die Story von Anfang bis Ende steht, muss ich noch einmal intensiv am Stil arbeiten. Und kann man sich wirklich erlauben in einem Buch zuerst im Präteritum und später im Präsens zu schreiben? Würde das beim Lesen nerven? Ich bin noch unschlüssig.

aufgeschlagenes Notizbuch
Ich schreibe gern zuerst handschriftlich, schon dabei habe ich mehrfach überarbeitet und am Text gefeilt. Und dann sieht es einfach hübsch aus und passt in den Rucksack.

Immer wieder finde ich auch durch eure Blogposts und beim Lesen anderer Bücher neue Inspiration. Deswegen habe ich es nicht bereut, vor einem Jahr diesen Blog gestartet zu haben. Ein großes Dankeschön für Ideen und Austausch! Und ein riesiges Danke schon einmal an die, die sich bereits als Testleser angeboten haben! Das ist der übernächste Schritt, mich einem „fremden“ Urteil zu stellen.

Ich freue mich schon, wenn ich heute Abend weitermachen kann. – Jetzt muss ich erstmal arbeiten, denn leider ist das Schreiben nicht meine hauptberufliche Beschäftigung.