Die Dystopie „Botschaften von einem sterbenden Planeten“ von Ralf Volke hat mich in den letzten Wochen sehr beschäftigt. Am liebsten würde ich mir jetzt ein autarkes Haus auf einem abgelegenen Berg in Norwegen kaufen und gleichzeitig allen einen Fußtritt geben, die die Gefahr, in der die Menschheit schwebt, herunterspielen und nicht ernst nehmen.
Das Beitragsbild stammt diesmal aus dem Buch: „Planigloben der Erde“ von Friedrich Arnold Brockhaus, actiu segle XIX/XX, 1906, Digital Memory of Catalonia, Spain, Public Domain.

Ralf Volke
Botschaften von einem sterbenden Planeten
BOD, 2025
420 Seiten
ISBN: 978-3-8192-0905-5
Worum geht’s?
Im Jahr 2992 versetzen Satellitenaufnahmen von der Erde Forscher der Mars-Kolonie in Aufruhr: Auf der Erde ist die dicke Wolkendecke kurzzeitig aufgerissen und ein Foto zeigt etwas, das ein großer Fischschwarm im Meer sein könnte. Das wäre eine Sensation! Denn seit Jahrhunderten schon ist kein höheres Leben auf der Erde mehr nachweisbar. Nun macht sich eine Gruppe Wissenschaftler auf den Weg zum Nachbarplaneten, um das genauer zu untersuchen und bei der Gelegenheit auch das Erdarchiv auf Spitzbergen (gibt’s wirklich! Mehr Infos hier), das erstaunlich gut erhalten zu sein scheint, zu inspizieren.
Wie war’s?
Die Marsianer begegnen der Erdgeschichte mit einem erfrischend unparteiischen Blick von außen. Weil der Kontakt zur Erde schon vor Jahrhunderten abgebrochen ist und in der Anfangszeit der Besiedlung des Mars andere, überlebenswichtige Probleme im Fokus der Aufmerksamkeit standen, hat keiner der Mars-Siedler das Schicksal der Erde dokumentiert. Daher weiß man mehr über die antike Erdgeschichte als über die letzten Jahrhunderte der Erdbewohner. Daher gehen die Forschenden davon aus, dass ihre Ahnen ein ähnliches Schicksal wie einst die Dinosaurier ereilt haben muss: Es muss einen Meteoriteneinschlag gegeben haben, der das Klima so schnell verändert hat, dass keine Zeit blieb, zu reagieren. Nur die Einschlagstelle ist noch nicht gefunden worden. Auch dieses Rätsel soll die Expedition zur Erde nun klären.
Als Carl Annen, Professor für Erdgeschichte, im Erdarchiv auf Spitzbergen nicht nur Berichte seiner Urahnen entdeckt, sondern auch Hinweise auf den menschgemachten Klimawandel, wird er von den Kollegen erstmal ausgelacht. Denn: Wenn man den Klimawandel hätte aufhalten können, dann hätte man es doch getan, nicht wahr?
Doch Carl gräbt sich immer tiefer in die Unterlagen – von der ersten Erkenntnis, dass das Freisetzen von CO2 zur Erderwärmung führt im Jahr 1900 (!), bis zum letzten Raumschiff, das um 2100 den Mars erreicht hat. Mit Carl machte ich als Leserin eine Art Zeitreise von unserer Vergangenheit in die uns drohende Zukunft, die alle Absurditäten menschlichen Handelns gnadenlos offenlegte. Nebenbei thematisiert Autor Ralf Volke spannende Fragen wie: Wer ist hier eigentlich kriminell, die verzweifelten Klimaaktivisten, die Firmen, die für ihren Profit munter weiter CO2 in die Atmosphäre blasen, oder die Regierungen, die nichts für die Erhaltung des Planeten tun?
Das Ende schließlich ist tragisch, auf mehreren Ebenen.
„Die Menschen vor 100 Jahren hatten alles, was sie sich nur wünschen konnten. Absolut alles! Warum konnten sie damit nicht zufrieden sein und so leben, dass auch für künftige Generationen etwas übrig blieb?“
Piet Annen, Göttingen, April 2109
Trotz des schweren Themas, vor dem wir alle gern die Augen verschließen, las sich das Buch sehr gut und kurzweilig. In knappen Kapiteln lernen wir vier Generationen Journalisten kennen, die das Geschehen dokumentierten. Dazwischen erkunden die Marsianer die Überbleibsel menschlicher Zivilisation.
Von mir gibt es eine absolute Leseempfehlung!

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