„Für immer“ basiert auf einem faszinierenden Gedankenexperiment: Was wäre, wenn die Zeit plötzlich still stünde, ausschließlich für Menschen. Die Natur und Tierwelt leben weiter wie bisher, Jahreszeiten kommen und gehen. Aber niemand stirbt, keine Kinder werden mehr geboren.
Das Beitragsbild heißt diesmal „Mohnblüten“ und ist eine Fotografie von Wilhelm Weimar aus der Sammlung des Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg (Europeana, CC0).

Maja Lunde
Für immer
gelesen von Simone Kabst
der Hörverlag, 2025
Worum geht’s?
Im Roman folgen wir vielen Protagonisten, die sich im Lauf des Buchs hier und da begegnen. Die Autorin beschreibt sie alle sehr einfühlsam, sodass ich ihre Beweggründe jederzeit nachvollziehen konnte. Da ist die junge Frau, deren Job im Bestattungsinstitut überflüssig wird … obwohl, nein: Denn eine alte Dame möchte trotzdem ihre eigene Trauerfeier abhalten und ist gerührt von der Gästeschar. Da ist das junge Paar, dessen Kind sich im Mutterleib einfach nicht weiterentwickelt. Die Senioren, denen plötzlich noch alle Zeit der Welt zur Verfügung steht. Und der junge Mann, der fest an eine Verschwörungstheorie glaubt. Sie alle verbindet die junge Mutter mit Krebsdiagnose, die zunächst dachte, jede gewonnene freie Minute mit Mann und Kindern verbringen zu wollen, dann aber ihren Job als Fotojournalistin wieder aufnimmt und den Ausnahmezustand dokumentiert.
Wie war’s?
Ich habe „Für immer“ als Hörbuch gehört und fand Simone Kabst Stimme sehr angenehm.
Am Schicksal der im Stillstand Gefangenen wird deutlich, wie untrennbar Tod und Leben zusammengehören. Was wäre das eine ohne das andere? Das Buch hat zum Nachdenken angeregt und besonders berührt haben mich die Kinder, die im Augenblick gefangen waren, ohne sich weiterzuentwickeln.
Obwohl alle Charaktere sehr nachvollziehbar und einfühlsam beschrieben wurden, blieben sie für mich eher flüchtige Bekannte, in deren Leben ich kurze Einblicke bekam. Ursache und Lösung des Stillstands blieben für mich weitgehend unklar, womit ich aber letztlich ganz gut leben konnte.
Aber auch sonst gab es für mich ein paar Ungereimtheiten: Während Schmerzen verschwanden, konnten sich Kinder kein neues Wissen aneignen. Erwachsene aber schon, denn sie diskutierten und erforschten ja den Stillstand. Das scheint mir unlogisch zu sein.
Außerdem weiß ich nicht, ob wirklich allen Menschen das Leben irgendwann sinnlos erschiene, nur, weil sich ihre Körper nicht mehr veränderten. Warum sollte denn die Wirtschaft zusammenbrechen, warum sollte man sich langweilen? Machen wir wirklich alles nur, weil wir um die Endlichkeit unserer Zeit wissen? – Im Grunde ist genau das auch die Frage, die ich in meiner Dystopie „RE-GENERATION“ stelle.
Obwohl das Buch sicherlich nicht hundertprozentig dem Genre Dystopie zuzuordnen ist, habe ich es mal meiner neuen Liste über dystopische Hörbücher hinzugefügt.
