Die fünfbändige Dystopie „Niemannwelt“ von Carina Bartsch hat mich als Hörbuch-Reihe das ganze letzte Jahr über begleitet. Hier kommt meine Rezension.
Das Titelbild „Einsamer Reiter“ ist von Theodor Hofmeister gemalt und befindet sich im Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg (Quelle: Europeana, CC0).

Carina Bartsch
Niemannswelt
5 Bände, gedruckt oder als Hörbuch
2024, 2025
Worum geht’s?
Nach einer von Männern herbeigeführten Katastrophe haben Frauen die Macht übernommen. Um die Bevölkerung zu schützen, wurden Männern alle Rechte entzogen. Als Universitätsdozentin lehrt Zoe das Fach »Männliche Psychologie«. Ihre Welt ist in Ordnung, bis sie – als Forschungsobjekt im Labor – zum ersten Mal in ihrem Leben einem echten Mann begegnet.
Wie war’s?
„Niemannswelt“ ist bedächtig und reflektiert erzählt, passend zur Ich-Erzählenden Psychologin. Carina Bartsch ist nicht die erste Autorin, die das Thema aufgreift. Aber ihre Welt ist glaubwürdig und detailliert ausgearbeitet und Zoes Entwicklung ist nachvollziehbar. Die Gesellschaft zwischen hochmoderner Technik und Pferden als Transportmittel, (umgekehrt zu heute) verzerrter Geschichtsschreibung und vollständig verweiblichter Sprache hat mich sehr fasziniert.
Die Geschichte lädt beim Lesen dazu ein, übers Heute nachzudenken, Parallelen zu sehen und Fragen zu stellen.
Die Sprecherin Martha Kindermann mochte ich sehr, sie hat den Charakteren wunderbar Leben eingehaucht und wiedererkennbare Stimmen gegeben.
Zoe und Flynn, ihr Forschungsobjekt, nähern sich nur langsam an. Mit der Zeit muss Zoe alle ihre Werte und ihr Wissen in Frage stellen. Eine erste Berührung ist für sie welterschütternd. So wie die Autorin jeden kleinen Entwicklungsschritt detailliert dokumentiert, tut sie das in den späteren Bänden auch mit der sexuellen Annäherung der beiden. Das ist zwar konsequent in der Erzählweise, als Hörerin fand ich die Spice-Szenen jedoch ermüdend und habe sie vorgespult.
Trotz der Länge der Geschichte (fünf nicht gerade kurze Bände) wollte ich wissen, wie es ausgeht und finde, die Autorin hat für ihre Geschichte einen realistischen und zufriedenstellenden Ausgang gewählt.
Mir bekannte ähnliche Bücher sind z.B. „Male“ von Ella Welsh, die eine ganz ähnliche Story auf einen Band begrenzt, und „11%“ von Maren Uthaug, was sehr viel düsterer und bizarrer ist, allerdings bisher nur auf Dänisch erschienen ist.
Wer kennt weitere Bücher mit diesem Thema?
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