Leben wie Hund und Katze – Über „Hausmensch“ von Jennifer Fortein

Frau steht an einem Gitterfenster (Image by StockSnap from Pixabay)

Auf die Autorin Jennifer Fortein bin ich auf Instagram gestoßen, denn wir schreiben beide dystopische Romane mit einem Funken Romance. Eigentlich wollte ich zuerst ihre Dilogie „Utopie Alpha“ lesen, aber dann kam sie mit dem relativ kurzen Einzelband „Hausmensch“ um die Ecke, den ich dann spontan zuerst gelesen habe. („Utopie Alpha“ lese ich gerade, der Bericht dazu kommt später).

Jennifer Fortein

Hausmensch

erhältlich als: Taschenbuch / E-Book bei KDP

Erscheinungsdatum: 22.07.2024

Wo: BoD – Books on Demand

Seitenzahl: 240

ISBN: 978-3-7597-6703-5


Worum geht’s?

„Hausmensch“ erzählt die Geschichte von Valerie, die als Hausmensch bei Philo lebt. Philo gehört zu den Prävali, einer weiterentwickelten Menschenart, die durch Implantate im Körper dreimal so lange leben wie normale Menschen (die Sapien) und dabei noch jung aussehen und fit sind. (Wunderbar, da bekommt ihr ähnliche Fragestellungen wie in meiner Dystopie RE-GENERATION, nur, dass in der von Jennifer erschaffenen Zukunft die Gesellschaft ganz anders mit den entstehenden Problem umgeht.) Philo kümmert sich liebevoll um Valerie, sie mag ihn gern und sie findet es auch okay, alle Verantwortung an ihn abzugeben. Doch eines Tages passiert etwas Schlimmes. Philo ist weg und der ziemlich dominante Cormac übernimmt Valeries Pflege. Plötzlich sieht sich Valerie mit der oft grausamen Wirklichkeit konfrontiert, die viele andere Hausmenschen erleben. Und langsam beginnt sie über dieses Abhängigkeitsverhältnis, in dem sie den Status eines Gegenstands hat, nachzudenken.

Wie war’s?

Ganz vorab: Das Thema klingt düster und es werden auch grausame Taten angesprochen. Aber an keiner Stelle fand ich das Buch zu gruselig oder brutal. Denn um die Hauptperson Valerie in ihren Grundfesten zu erschüttern, braucht es gar nicht viel.

Valerie ist 21 Jahre alt, sehr behütet und von der Außenwelt abgeschirmt aufgewachsen und dementsprechend naiv. Ich hab ja nichts gegen Naivität, denn im Grunde bedeutet sie ja nur, dass jemand sehr offen und unvoreingenommen ist. Ich habe daher dieses Zitat gefeiert, das eine Romanfigur (ich will nicht spoilern, wer) zu Valerie sagt:

„Naivität ist die unvoreingenommene Offenheit jener Welt gegenüber, die jeden Tag versucht, dich zum Pessimismus zu konvertieren, aber an deiner unerschütterlichen Hoffnung scheitert.“

Kapitel 19, „Hausmensch“, Jennifer Fortein

Die Autorin hält diese Unschuld und Unwissenheit von Valerie auch konsequent durch. Natürlich verändert sich Valerie, je mehr sie erleben muss. Aber sie bleibt doch immer geprägt von ihrem bisherigen behüteten unselbstbestimmten Leben. Das ist gut so, denn sonst hätte ich es als unglaubwürdig empfunden.

Die gesamte Handlung spielt sich innerhalb weniger Tage ab. In dieser kurzen Zeit wird Valeries bisheriges Leben auf den Kopf und ihr Weltbild in Frage gestellt.

Es gibt jede Menge Spannung, die wenigen Tage sind unglaublich actionreich und ganz leise entwickelt sich auch eine zarte Romanze. Auch die ist glaubwürdig geschildert, indem wir eigentlich nur den Beginn davon erleben. Denn es vergeht ja nicht viel Zeit und Valerie ist absolut unerfahren in Liebesdingen.

Gleichzeitig schafft es die Autorin auf vergleichsweise kurzer Seitenzahl tiefgründige Charaktere zu erschaffen und philosophische Fragen anzureißen. Nicht nur Valeries Sicht auf die Welt verändert sich. Richtig gut gefiel mir dann der Weg, den die Protagonisten beschreiten, um Veränderungen ihrer Gesellschaft zu erreichen. Ich möchte nicht spoilern, daher lest selbst.

Auf meiner Autorenwebsite habe ich mich mit dem Begriff „Hopepunk“ beschäftigt, das teilweise als Sub-Genre der Science Fiction gehandelt wird. Jennifer Forteins Geschichte würde auch gut zum Hopepunk (egal, ob nun Genre oder Lebenseinstellung) passen. Denn sie ist im Tenor nicht düster, sondern zuversichtlich.

Wie geht es dir? Spricht dich das Thema an?

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