Stell dir vor, du erkennst deine besten Freunde nicht! & Stell dir vor, du bist dreimal so breit wie alle anderen!

Ich bin bei Sophia von WordWorld auf das Buch „Stell dir vor, dass ich dich liebe“ von Jennifer Niven gestoßen – und ohne diese Rezension hätte ich es nie gekauft. Warum? Wegen des Covers. Ich hätte bei all dem PINK und dem kitschigen Titel nicht mal den Klappentext gelesen! Das Cover der amerikanischen Originalausgabe ist interessanterweise mit hellblauen Punkten versehen und der Titel heißt „Holding up to universe“ – es suggeriert ein völlig anderes Buch (ich füge das Cover weiter unten im Text ein). Warum das Buch aber absolut lesenswert ist und 5 Sterne verdient, schreib ich in diesem Blogpost.

Cover Jennifer Niven: Stell dir vor, dass ich dich liebe

Jennifer Niven

Stell dir vor, dass ich dich liebe

Verlag: FISCHER Kinder- und Jugendtaschenbuch

Erscheinungstermin: 28.11.2018

464 Seiten

ISBN: 978-3-7335-0369-7

Übersetzt von: Maren Illinger

Quelle Bild: S. Fischer Verlage


Worum geht’s?

Die Geschichte wird abwechselnd erzählt aus der Sicht von Libby, einst das fetteste Mädchen Amerikas, und von Jack, Kind einer schwarzen Mutter und eines weißen Vaters, gutaussehend und beliebt, aber mit einem geheimen Handicap: Er ist gesichtsblind und kann sich einfach nicht merken, wie seine Familie und Freunde aussehen. Beide schildern das Geschehen sehr witzig und authentisch in der Ich-Form, so als berichteten sie dem Leser alles gerade brandheiß am Telefon. Es geht um Mobbing, um Trauer, um Essstörungen und nicht zuletzt um Prosogagnosie – Gesichtsblindheit. Alles Gründe, die dazu führen können, dass man sich nicht zugehörig fühlt. Trotz der schweren Themen schafft es Jennifer Niven, die Begegnung der beiden ungleichen und doch ähnlichen Hauptpersonen humorvoll, spannend und einfühlsam zu schildern.

Original-Cover von Jennifer Nivens Buch "Holding up the universe" (Quelle: Penguin)
Original-Cover von Jennifer Nivens Buch „Holding up the universe“ (Quelle: Penguin)

Libby kommt nach fünf Jahren Homeschooling, nach Trauma, Depression und harten Diäten, in die 11. Klasse der Highschool. Während sie nach dem Tod ihrer Mutter so dick geworden ist, dass sie zuletzt von der Feuerwehr aus dem Haus gesägt werden musste, ist für ihre Mitschüler das Leben ganz normal weitergegangen. Und obwohl sie 140 Kilo abgenommen hat, ist sie immer noch das dickste Mädchen an der Schule – und wird zur Zielscheibe in einem dummen Spiel, auf das Jacks Freunde gekommen sind. Die sind vielleicht nicht die besten Freunde, aber beide so auffällig, dass selbst Jack sie in der Menschenmenge erkennt. Denn für Jack fühlt sich der Alltag so an, als sei er immer von Fremden umgeben, die er aber kennen müsste. An einer Stelle sagt er sinngemäß: Es fühlt sich an, als sei er auf einem Maskenball der einzige ohne Kostüm, aber alle erwarten von ihm, dass er jeden erkennt. Jack und Libby begegnen sich durch diesen missglückten Scherz – und trotz des denkbar schlechten Starts beginnen sie einander zu mögen.

Cover "Stell dir vor, dass ich dich lieb" auf dem E-Book-Reader
Auf dem E-Book-Reader ist das Cover auch erträglich, aber ich weiß trotzdem nicht, was es mit der Story zu tun hat.

Das Buch erzählt ihre Sicht auf die jeweiligen Geschehnisse in ultrakurzen Kapiteln, aktuellen Schilderungen, vermischt mit vielen Rückblenden, gewürzt mit witzigen Listen und Lebensweisheiten. Beide Charaktere sind, gerade weil sie nicht perfekt sind, total liebenswürdig. Libby ist unglaublich mutig, Jack muss erst lernen, sich mit seinem Handicap abzufinden. – Übrigens kann ich nach der Lektüre jetzt „Prosopagnosie“ auswendig schreiben, problemlos aussprechen und weiß, dass jeder 40. Mensch statistisch davon betroffen ist. Dank Jennifer Niven kann ich mir auch sehr bildhaft vorstellen, wie sich das anfühlen muss.

Auf alle möglichen Arten: divers

Ich hab mich wahnsinnig gefreut, endlich auf zwei Hauptpersonen zu treffen, die nicht in die klischeehaften, gängigen Schubladen passen. Wie viele Bücher habt ihr gelesen, deren Hauptperson übergewichtig war? Also nicht nur pseudo-dick oder ein wenig pummelig, sondern schwer übergewichtig? Mir fällt gerade kein anderes ein. In welchem Buch spielen „people of color“ so selbstverständlich ganz normale Rollen, gute wie schlechte? Vielleicht lese ich auch zu selten amerikanische Literatur, in Europa ist das jedenfalls immer noch eine Rarität. Ich hab die Geschichte an einem Tag verschlungen – und von mir gibt es fünf Sterne.

Bewertung: 5 von 5.

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