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Interview-Challenge: Der Mann mit dem durchdringendem Blick

Marion vom Blog Tangletlifesite hat zu einer Interview-Challenge aufgerufen. Dabei geht es nicht darum, „richtige“ Menschen zu interviewen, sondern Roman-Figuren, die in ihren Handlungen natürlich so echt und glaubwürdig wie möglich wirken sollen. Für die beiden Hauptpersonen in meinem aktuellen Projekt habe ich das bereits gemacht, aber eigentlich sollte man auch jede Nebenfigur genauso gründlich unter die Lupe nehmen. Deswegen nehme ich die Challenge an und interviewe heute einen Mann, der bis zum Schluss meines Buchs mysteriös bleiben soll.

Gar nicht so einfach, vor diesem Hintergrund ein Interview mit ihm zu veröffentlichen, denn ich will ja nicht spoilern! Alles, was schon zu viel von der noch nicht veröffentlichten Geschichte verrät, behalte ich deshalb für mich.

Die Fragen basieren übrigens auf der Vorlage aus dem Blog von C.K. Moises.


ALLGEMEINES

  • Wie heißt du? Mein Name ist Reinhard von Waldkron.
  • Wie alt bist du? Meint Ihr wirklich, Ihr solltet einem Mann wie mir eine solche Frage stellen? Aber ich will darüber hinwegsehen, denn ich sehe sofort, Ihr kommt nicht von hier. Ich bin 76 Jahre alt, doch außer mir weiß das niemand. Falls es Euch noch nicht bewusst ist, wir befinden uns im Heiligen Römischen Reich (im heutigen Deutschland) im Jahre 1198.
  • Was arbeitest du? Ich bevorzuge es, wenn Ihr eine höflichere Anrede als das gemeine Du wählt, denn ich bin Berater des Königs und habe bereits seinen Vorgängern treu gedient. Im Augenblick ist die Situation gefährlich, denn es gibt einen Thronstreit zwischen Philipp von Schwaben und Otto von Braunschweig). Weil ich zuvor seinem Bruder gedient habe, stehe ich natürlich auf der Seite Philipp von Schwabens. Doch ich wäre nicht ich, wenn ich mir nicht die Optionen eines Seitenwechsels offen hielte.
  • Wo wohnt Ihr? Auf Burg Grünfels im Osten des Reichs. Aber ich bin die meiste Zeit im Gefolge des Königs im Reich unterwegs.
So könnte meine Roman-Nebenfigur Reinhard von Waldkron aussehen. Dazu müsst ihr euch natürlich Falten in seinem Gesicht vorstellen, denn diese Option gibt es bei dem Avatar-Generator nicht, den ich auch in diesem Blogpost „Praktische Tools für Autoren“ vorgestellt habe.

AUSSEHEN

  • Haarfarbe und Frisur? Meine Haare sind lockig, grau und kurz.
  • Augenfarbe? Eisblau.
  • Spezielle Merkmale?
    • Viele Leute sagen mir einen sehr durchdringenden Blick nach, was daran liegt, dass ich mein Gegenüber gern gründlich mustere.
    • Ich lege besonderen Wert auf teure, luxuriöse Kleidung und Schmuck.
  • Körperbau?
    • Ich bin schlank, drahtig und, wenn ich es selbst so sagen darf, rüstig für mein Alter.
  • Werdet Ihr als attraktiv wahrgenommen? Gefällt Euch das? Durch meine wertvolle und reich verzierte Kleidung ziehe ich wie Euch aufgefallen sein muss alle Blicke auf mich. Selbstverständlich bin ich es gewohnt, im Mittelpunkt zu stehen.
  • Was tragt Ihr im Alltag? Auch an normalen Tagen trage ich nur ausgesuchte Kleidung, gerne ausladende Umhänge, lange Ärmel, viele Ringe und Halsketten. Besonders gefällt mir diese aufwändige verzierte Ledertasche an meinem Gürtel. Alle meine Wertsachen, darunter einen großen Schlüsselbund, trage ich am Gürtel.

PERSÖNLICHES

  • Eure beste Eigenschaft? Meine Abenteuerlust.
  • Eure schlechteste Eigenschaft? Egoismus, doch das kann nur zu meinem Vorteil sein.
  • Eine Angewohnheit die Ihr nicht los werdet?
    • Ich habe hart daran gearbeitet, sämtliche Gefühlsregungen zu verbergen und bin der Meinung, dass mir das hervorragend gelingt.
  • Wie wollt Ihr von anderen gesehen werden? Souverän, mächtig, erfolgreich.
  • Wie sehr Ihr Euch selbst? Ich bin intelligent und erfolgreich.
  • Wie werdet Ihr wirklich von anderen gesehen? Vermutlich furchteinflößend, mysteriös und einflussreich.
  • Wovor habt Ihr am meisten Angst? Meine größte Sorge ist das Alter. In dieser mittelalterlichen Welt voller Machtkämpfe darf ich keine Schwäche zeigen, wenn ich meine Stellung halten will. Natürlich bin ich intelligent genug, um zu wissen, dass auch mich das Alter einholt.
  • Euer größter Wunsch?
    • Früher wollte ich vor allem Abenteuer, Wissen, Reichtum und Macht. Das ist mir auch jetzt noch wichtig. Aber inzwischen träume ich auch davon, meinen Lebensabend finanziell und bequem abgesichert zu verbringen.
  • Wann habt Ihr das letzte Mal geweint? Warum? Ich zeige keine Emotionen!
  • Was bringt Euch zum Lachen? Die Art, wie die Menschen die gleichen Fehler immer wieder aufs Neue begehen, ohne daraus zu lernen, verleitet mich hin und wieder zu einem spöttischen Lachen.
  • Wofür kämpft Ihr? Ich kämpfe für mich selbst. Im Moment arbeite ich daran, genug Reichtum anzuhäufen, um meine verbleibenden Lebensjahre in einer bequemen, sicheren Umgebung verbringen zu können.
  • Bildet Ihr Euch schnell ein Urteil über jemanden? Ich bin der Meinung, ich kann andere Menschen sehr schnell und sehr gut einschätzen.
  • Was würdet Ihr ab Euch ändern wenn Ihr könntet? Gäbe es so etwas wie einen Jungbrunnen, wäre ich dem nicht abgeneigt, denn ich habe noch lange nicht genug von diesem Abenteuer Leben. Rückblickend muss ich mir jedoch eingestehen, dass ich mich etwas weniger um mich selbst und mehr um meine Familie hätte kümmern sollen.
  • Seid Ihr eher positiv oder negativ? Ich bevorzuge es, optimistisch in die Zukunft zu sehen. Es gibt immer einen Weg.
  • Habt Ihr Geheimnisse? Natürlich, ein sehr großes sogar.

ZWISCHENMENSCHLICHES

  • Seid Ihr in einer Partnerschaft? Mit wem? Ich bin mit einer 55 Jahre jüngeren, sehr hübschen Frau verheiratet, die im Augenblick hochschwanger ist.
  • Seid Ihr glücklich mit der Situation? Seien wir ehrlich, diese Verbindung ist Mittel zum Zweck, denn nur dadurch bin ich Burgherr von Grünfels geworden. Aber sie hat auch ihre angenehmen Seiten.
  • Ist der Partner es auch? Meine Frau akzeptiert ihr Schicksal, denn dazu ist sie erzogen. Außerdem bin ich einflussreich und biete ihr ein luxuriöses Leben.
  • Beste Freunde? Es gibt niemanden, dem ich ganz vertraue. Aber meine wichtigsten Aufträge delegiere ich an meinen Schwager August von Wiesenbach, den ich für seine Loyalität mit guten Ämtern am Hof des Königs versorge.
  • Frühere Beziehungen?
    • Sprecht mich nicht darauf an. Doch es gibt eine Exfrau, mit der mich eine innige Hassliebe verbindet.

FAMILIE

  • Wie groß ist Eure Familie?
    • Meine Familie ist klein. Meine Ehefrau Barbara-Sophie von Grünfels erwähnte ich bereits.
    • Ich lege Wert darauf, dass keine Informationen über meine Vergangenheit und meine Herkunft durchdringen. Mein Umfeld gibt sich damit zufrieden, dass ich bereits den Königen vor dem aktuellen Thronanwärter treu gedient habe.
  • Stehst Ihr allen gleich nahe? Es sollte deutlich geworden sein, dass ich niemanden besonders nahe stehe. Meiner Erfahrung nach, kann ich mir selbst am besten vertrauen.
  • Hättet Ihr gerne das es anders ist? Eine philosophische Frage. In meinen schwärzesten Stunde passiert es, dass ich meine Gedanken mit meiner Exfrau teile. Bedauernswerterweise sind wir selten einer Meinung.
  • In welcher Gesellschaftsschicht lebt Ihr? Selbstverständlich ganz oben.

VERGANGENES

  • Wie war Eure Kindheit? Gut, doch die mangelnde Freiheit in der Gesellschaft und das Gefühl, nicht das tun zu können, was ich will, haben mich von Anfang an gestört.
  • Hattet Ihr jemanden zum reden? Ja, meine erste große Liebe.
  • Was ist Eure schönste Erinnerung bisher? Am schönsten ist bis heute, dass ich ein unglaubliches Geheimnis entdecken durfte, dass mir völlig neue Möglichkeiten eröffnet hat.
  • Was ist Eure schlimmste? Ich bedaure manchmal, für meine eigenen Träume das Leben meiner Familie riskiert zu haben.
  • Was ist Eure peinlichste?
    • Als ich jung war, habe ich einem Händler vertraut, der mich verraten hat. Darauf habe ich gelernt und es wird mir nicht noch einmal passieren.
  • Wofür schämst Ihr Euch am meisten? Ich verdränge Gefühle bekanntlich, aber es war nicht ehrenhaft, mein eigenes Kind im Stich zu lassen.
  • Das Schlimmste was Ihr jemanden angetan habt? Ich habe mich stets für meine eigenen Träume entschieden, auch gegen meine Familie.
  • Welchen Ratschlag würdet Ihr Eurem jüngeren Ich geben? Versuche dich auch privat in der Kunst der Diplomatie und sorge rechtzeitig für das Alter vor.

Wozu ist ein Charakterbogen gut?

Wie anfangs schon angedeutet, hilft so ein Fragebogen, Figuren lebendiger werden zu lassen. Einmal, weil man sie als Autor genauer kennenlernt. Je besser ich meine Figur kenne, desto überzeugender kann ich sie beschreiben. Und natürlich, weil ich dadurch automatisch tiefer gehen muss, als an der Oberfläche zu kratzen. Wenn ich Glück habe, vermeide ich es auf diese Art, einen flachen Standard-Charakter zu erschaffen, den die Welt schon unzählige Male gesehen hat. Zum Abschluss hilft natürlich noch einmal darüber nachzudenken, was diesen von mir ausgedachten Menschen von anderen abhebt. Was ist untypisch, unerwartet? Was verleiht ihm das „gewisse Etwas“?

Als Leser macht man sich zunächst nicht so viele Gedanken über die einzelnen Figuren eines Romans. Aber meiner Erfahrung nach fällt es den meisten trotzdem auf, wenn eine Figur zu flach oder klischeehaft ist, wenn sie nicht nach ihren eigenen Prinzipien handelt oder ihre Entscheidungen nicht nachvollziehbar sind.

Was muss eine Romanfigur haben, damit sie authentisch auf euch wirkt? Ich freu mich über Kommentare!

Welche Möglichkeiten gibt es, unter Pseudonym zu schreiben?

Dass Autoren und Autorinnen ihre Werke unter Pseudonym, sprich unter einem Künstlernamen, veröffentlichen, ist nicht neu. In Zeiten der Impressumspflicht gibt es aber einige Hindernisse. Hier meine Überlegungen und Erfahrungen dazu.

Frau geht im Nebel eine Straße entlang - Symbolbild - Image by Free-Photos from Pixabay
Viele Autoren wollen unerkannt bleiben (Image by Free-Photos from Pixabay)

In der Geschichte finden sich eine Menge berühmte Schriftsteller, die zeitlebens unter Pseudonym geschrieben haben, zum Beispiel Novalis, der eigentlich Friedrich Freiherr von Hardenberg hieß, oder Samuel Langhorne Clemens, der seine Werke unter dem Namen Mark Twain veröffentlichte. Voltaire, der in Wirklichkeit auch ganz anders hieß, soll über hundert verschiedene Pseudonyme benutzt haben.

1000 gute Gründe für ein Pseudonym

Manchmal dienen Pseudonyme einfach der Abkürzung und Vereinfachung eines komplizierten oder langen Namens. Oder verleihen einem Allerweltsnamen ein individuelles Flair. Hinter manchen Pseudonymen verbergen sich gleich mehrere Autoren, wie es bei Iny Lorentz und Rose Snow der Fall ist.

Mit dem Klang, mit dem Geschlecht und der Herkunft eines Namens folgen aber auch eine ganze Reihe Schubladen und Vorurteile. Besonders Frauen veröffentlichten ihre Werke gern unter männlichem Pseudonym, wahrscheinlich einfach um ernst genommen zu werden: Mir fallen zum Beispiel Emilie von Binzer (alias Ernst Ritter), Victoria Benedictsson (alias Ernst Ahlgren), Aurore Dupin (alias George Sand) und Karen Blixen ein, die unter einer ganzen Reihe von Pseudonymen schrieb: Tania Blixen, Isak Dinesen, Osceola, Peter Lawless, Pierre Andrézel, Nozdref’s Cook. Die britische Schriftstellerin Mary Shelley veröffentlichte ihren weltberühmten Roman „Frankenstein“ zunächst sogar anonym. Umgekehrt gibt es aber auch Männer, die in von Frauen dominierten Genres lieber unter weiblichem Pseudonym veröffentlichen – ebenfalls, um nicht vorverurteilt zu werden. Hans Magnus Enzensberger beispielsweise veröffentlichte erotische Erzählungen unter dem Pseudonym Elisabeth Ambras.

Portrait der Schriftstellerin George Sand, 19. Jahrhundert (Quelle: Rijksmuseum, Europeana, CC0)
Portrait der Schriftstellerin George Sand, 19. Jahrhundert (Quelle: Rijksmuseum, Europeana, CC0)

Manchmal passt ein Buch inhaltlich auch einfach nicht zu dem Image, das man ansonsten pflegt, oder in das literarische Genre, in dem man sich bereits einen Namen gemacht hat. Mein bürgerliches Ich beispielsweise veröffentlicht normalerweise eher Fachtexte oder schreibt für Auftraggeber und über ganz andere Themen. Möchte ich nun aber einen Fantasy-Roman veröffentlichen, könnte das die „seriösen“ Veröffentlichungen negativ beeinträchtigen oder meine sonstigen Leser verwirren. Deswegen blogge ich hier lieber unter Pseudonym, um beides besser voneinander trennen zu können.

Impressum frisst Pseudonym

Gleich als ich meinen Blog einrichtete, musste ich feststellen, dass ein Pseudonym schnell mit der Impressumspflicht kollidiert. Denn ein Impressum muss eine Adresse enthalten, über die man tatsächlich Post empfangen kann. Auch selbst veröffentlichte E-Books und Bücher brauchen einen Herausgeber mit Postanschrift.

Um dabei nicht doch seine Identität offenlegen zu müssen und damit das Pseudonym obsolet werden zu lassen, gibt es verschiedene Möglichkeiten:

  • die Adresse eines Freundes/Bekannten verwenden oder die von (eigenen) Firmen – hier muss man aber beachten, dass die Person, die im Impressum steht, rechtlich für den Inhalt der Website oder des Buchs haftet
  • hat man einen Verlag, dann erscheinen immerhin die Bücher unter der Verlagsanschrift – für eigene Blogs, Websites und Social Media-Profile braucht man aber trotzdem noch ein eigenes Impressum
  • es gibt Firmen, die gegen Gebühr einen Impressumsservice anbieten
  • und auch Schreibprogramme wie Patchwork und Papyrus bieten einen solchen Impressumsservice an (über meine ersten Erfahrungen mit Patchwork habe ich hier geschrieben)

Nicht immer nur ein Vorteil

Gerade, wenn man sein Buch durch Lesungen vermarkten oder anderweitig an die Öffentlichkeit treten möchte, kann das Pseudonym schnell auffliegen. Auch die Pflege von Social Media-Kanälen gestaltet sich schwieriger ohne Fotos und Videos des Autors.

Schreibt man unter einem Namen des anderen Geschlechts, kann das auch beim Publikum für Verwirrung sorgen. Hier empfiehlt es sich gegebenenfalls auf einen geschlechtsneutralen Namen auszuweichen.

Tipp: Eine umfangreiche Sammlung von Schriftsteller-Pseudonymen gibt es bei Buecher Wiki