Eingeschneit im Mittelalter – Leseprobe und E-Book-Verlosung

Bäume im Winter - graues Licht und Schnee (Foto: Plastmarked auf Pixabay)

Bei Gabriela vom Buchperlenblog gibt es einen tollen Blogger-Adventskalender, zu dem jeden Tag andere Bloggerinnen und Blogger einen Post beisteuern – und ich bin dabei! Als Türchen Nr. 12 möchte ich euch eine winterliche Szene meines Romans „Lindenherz – 824 Jahre durch die Zeit“ vorstellen und bis 17. Dezember 2021 gibt es drei „Lindenherz“-E-Books zu gewinnen. Wie, steht ganz unten. Ich bin gespannt auf eure Kommentare! – Und noch eine kleine Anmerkung dazu: Eigentlich wollte ich euch schon den gedruckten Roman präsentieren, aber das hat sich aus verschiedenen Gründen leider verzögert. Dafür habt ihr nun die Chance, das Buch quasi als erste zu lesen!

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Winterliche Leseprobe aus „Lindenherz“

Was bisher geschah: Katharina hat im Haus ihrer Großmutter Edi ein rätselhaftes Phänomen entdeckt: Wenn sie dicht an einen alten Spiegel herantritt, gelangt sie 824 Jahre in die Vergangenheit und steht plötzlich in einer hohlen, alten Linde. Inzwischen hat sie dort Johann kennengelernt, den sie nicht nur attraktiv findet, sondern der ihr auch merkwürdig bekannt vorkommt. Ein paar Mal ist sie bereits in seiner Zeit gewesen – mit ihren kurzen Locken, der schmalen Statur und der passenden Verkleidung geht sie gerade noch als großer Junge durch. Aber sie musste sowohl Johann als auch Edi versprechen, nicht allein in diese gefährliche Zeit zu gehen.

In der winterlichen Szene, die ich den Blogger-Adventskalender ausgesucht habe, hält sich Katharina nicht an dieses Versprechen. Aber lest gerne selbst:


Sowohl Johann als auch Edi werden ihr Vorwürfe machen! Doch sie will lediglich nachschauen, ob wieder eine Nachricht für sie im hohlen Baumstamm liegt. Danach kehrt sie sofort um.

Katharina schiebt die letzten Bedenken beiseite, hängt den neuen Mantel über die Schultern und zieht die Kapuze weit in die Stirn. Aus dem Spiegel leuchtet ihr eine dichte Schneedecke entgegen.

Entschlossen tritt Katharina einen Schritt vor und steht im Baum. Eiskalte Luft schlägt ihr entgegen. Sie atmet tief ein, der Frost beißt in die Schleimhäute. Ohne sich zu rühren, lauscht sie hinaus in die Stille des Waldes. Eine massive Schneeschicht begräbt alles Leben unter sich. Eine Nachricht kann sie nicht entdecken, so intensiv sie auch mit Blicken ihre Umgebung absucht. Die Schneedecke um sie herum liegt noch völlig unberührt da. Der Kontrast zwischen weißer Landschaft und grauem Bauminneren sticht beinahe schmerzhaft in den Augen.

Vorsichtig späht sie aus »ihrer« Linde heraus. Obwohl sie niemanden sehen kann, spürt sie sofort, dass sie nicht allein ist. Die Erkenntnis fühlt sich unangenehm an, wie ein Drücken auf der Haut. Wie erstarrt verharrt sie, um sich noch gründlicher umzusehen. Da! Gegenüber, in etwa dreißig Metern Abstand, lehnt eine Gestalt an einem Baumstamm. Ihr dunkler Mantel verschmilzt mit der Borke des kahlen Holzes. Angestrengt mustert Katharina den anderen. Ist es Johann oder ein Fremder? Mit Sicherheit sieht er sie und Johann hätte sich doch bestimmt gleich bemerkbar gemacht. Sie kann auch nicht einfach einen Schritt zurücktreten und spurlos im Baum verschwinden, ohne ihn auf ihre Fährte zu locken. Herzschläge lang bleibt sie stehen und wartet ab. Im Kopf legt sie sich bereits Worte zurecht. Sie heißt Melchior und lebt in der alten Köhlerhütte im Wald. Dabei weiß sie nicht einmal, ob das Häuschen noch existiert!

Da hört sie in der Ferne Hunde bellen. Was geht hier vor?

Der Mann am Baum gestikuliert in Katharinas Richtung, aber es fällt ihr schwer, die fahrigen Handbewegungen zu deuten. Ist es doch Johann? Sie kann es einfach nicht erkennen, seine Kapuze verdeckt die obere Hälfte seines Gesichts. Hängt da ein Bogen über seiner Schulter? Wieder das Kläffen, inzwischen schon näher heran, erneut unverständliche Gesten. Warum sagt er nichts? Sie geht einen Schritt vor, doch das verursacht nur noch energischere Gebärden. Im gleichen Moment knackt es im nahen Unterholz, gefolgt von einem wilden Schnauben, dröhnenden Tritten, dem Stampfen von Hufen und lautem Gebell. Katharina stolpert rückwärts und bleibt mit dem Knöchel an einer im Schnee versteckten Brombeerranke hängen. Sie fällt nach hinten, knickt um, geht zu Boden und prallt hart gegen den Stamm der Linde. Erschrocken nimmt sie wahr, wie ein großes, graues Tier direkt auf sie zurast, seine Läufe schleudern ihr Schnee ins Gesicht. Zeitgleich zerschneidet ein Zischen die Luft und der Keiler geht mit einem ohrenbetäubenden Kreischen in die Knie. Er grunzt, schnauft und windet sich. Aus seiner Seite ragt ein Pfeil. Katharina beobachtet den Todeskampf des Tieres mit weit aufgerissenen Augen. Ein zweites Geschoss bringt es für immer zum Verstummen. Hunde umringen das Wildschwein im nächsten Augenblick, Pferdehufe wirbeln Schnee auf und Jäger springen aus ihren Sätteln.

»Johann! Du hättest ihn mir überlassen können!«, ruft Ludowig von Grünfels. Trotz der tadelnden Worte schwingt in seinem Tonfall Anerkennung mit. Die dunkle Gestalt, die tatsächlich Johann ist, kommt zu ihnen hinüber. Er sieht Katharina nicht an. Sie sitzt schwer atmend an den Baumstamm gelehnt, ihr Knöchel schmerzt fürchterlich und innerlich flucht sie darüber, überhaupt aus der Stammhöhle getreten zu sein. Mit zusammengebissenen Zähnen beschließt sie, sich nicht zu rühren. Sie hofft einfach, dass die gesamte Jagdgesellschaft sie ignoriert.

Aber sie hat schlichtweg kein Glück an diesem Nachmittag! Nachdem sie das erlegte Tier genau untersucht haben, kommt einer der Jäger auf sie zu.

»Alles in Ordnung, Bursche?«, will er wissen und streckt ihr seine Hand hin, die in einem ledernen Handschuh steckt. Ihr bleibt nichts anderes übrig als zu nicken und zuzugreifen. Mit einem kräftigen Schwung zieht er sie auf die Beine. Doch sobald ihr verletzter Fuß den Boden berührt, schießt ein stechender Schmerz durch ihre Muskeln und lässt sie unter ihrem Gewicht wieder einknicken. Johann, der plötzlich neben ihr steht, stützt sie.

»Das sieht nicht gut aus«, stellt der Jäger mit gerunzelter Stirn fest.

»Halb so schlimm«, presst Katharina hervor und versucht dabei, ihre Stimme etwas tiefer klingen zu lassen.

»Ich hab doch gesehen, dass du nicht auftreten kannst. So kommst du niemals bis ins Dorf!«, stellt der Jäger fest.

Johann umfasst ihren Arm noch straffer, sodass es beinahe schmerzt. Genau wie sie weiß er, dass ihr am besten geholfen ist, wenn sie schnell wieder verschwinden kann. So lange die Jäger um sie herum stehen, besteht dazu keine Gelegenheit. Katharina bekommt vor Aufregung einen Schluckauf, der die Situation noch unangenehmer macht.

»Wo wohnst du?«, will ihr Helfer wissen, während er sie mit aufmerksamen Augen betrachtet. Mit einer Hand kratzt er seinen sorgfältig gestutzten Bart, in dem sich kleine Eiszapfen gebildet haben. Mit einem Mal mustert er sie so gründlich. Katharina befürchtet, er könne ihr an der Nasenspitze ansehen, dass sie nicht in diese Zeit gehört! Vielleicht entspricht der neue Mantel doch nicht der hiesigen Mode oder die Lederstiefel sehen für einen Bauernjungen zu teuer aus. Katharina blickt nach unten. Sie schwitzt, obwohl es eisig kalt ist.

»Ich glaube, er haust in der alten Köhlerhütte, ich hab ihn schon öfter hier getroffen«, spricht Johann für sie. »Ich werde ihn hinbringen und ein wenig versorgen.«

Ja, denkt Katharina, so könnte sie bald unbemerkt wieder zu Edi. Doch bereits im nächsten Moment zerstieben ihre Hoffnungen wie Pulverschnee.

»Er überlebt dort nicht alleine«, wendet der Jäger ein. Dabei blickt er sie weiterhin so forschend an, als wisse er genau Bescheid. »Der Junge kommt mit in die Burg. Der alte Pater Reginald kann die Wunde verbinden.«

»Das ist keinesfalls …«, beginnt Katharina zu protestieren.

»Schweig!«, fällt ihr da Ludowig von Grünfels mit donnernder Stimme ins Wort. »Die Gastfreundschaft meines Bruders lehnt man nicht ab! Du folgst uns in die Burg.«

Katharina schließt den Mund, wagt nichts mehr zu sagen. Gestützt auf Johanns Schulter humpelt sie durch den hohen Schnee, den jetzt Blutflecken verunzieren. Sie beißt die Zähne zusammen bis sie knirschen, aber kein Schmerzenslaut kommt über ihre Lippen. Schweiß glänzt auf ihrer Stirn. Ihr Herz hämmert heftig, als sie realisiert, dass sie in der Burg bleiben soll.


Ich verschenke drei E-Books!

"Lindenherz" von Tala T. Alsted auf einem E-Book-Reader
So könnte das „Lindenherz“ E-Book aussehen – wobei mein eigener Reader nur schwarz-weiß kann.

Falls ihr wissen möchtet, wie es weitergeht, gibt es hier eine gute Gelegenheit dazu: Weil die Adventszeit so schön ist, verlose ich drei „Lindenherz“-E-Books unter allen, die mir bis 17. Dezember 2021, 23.59 Uhr, einen Kommentar hinterlassen zur Frage: Würdet ihr gern in die Vergangenheit reisen wollen, wenn ihr die Möglichkeit dazu hättet?

Die Gewinner werde ich hier in den Kommentaren bekannt geben. Sollten mehr als drei Kommentare kommen, entscheidet der Zufall. Ich bin gespannt auf eure Antworten und wünsch euch eine schöne Adventszeit!


Alle Infos zu „Lindenherz – 824 Jahre durch die Zeit“ habe ich hier zusammengefasst. – Übrigens: Wer eine Rezension schreiben möchte, dem schenke ich ohnehin ein E-Book. Meldet euch einfach bei mir!

10 Kommentare

      1. Ich hab als Teenager viel gelesen, dann hatte ich eine längere Zeit, in der ich nicht viel gelesen habe, und jetzt seit zwei-drei Jahren bin ich wieder ständig am Lesen 🤷‍♀️

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  1. Ich lese zwar gerne historische Romane, bin dann aber doch immer froh, dass ich im hier und jetzt mit allen Annehmlichkeiten lebe. Es wäre sicherlich interessant, aber für uns auch eine harte Erfahrung.

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    1. Hallo Susanna,
      Jetzt bin ich ehrlich schockiert, dass du das an einem Tag geschafft hast!!! Ich hab selbst jedes Mal Wochen gebraucht, aber gut, ich hab ja auch nach Fehlern gesucht. Wahnsinn, ich freu mich über deine Rückmeldung 🧡 und ja, ich bin gerade wieder ganz begeistert am Schreiben. Bestimmt blogge ich dieser Tage mal was darüber.
      Liebe Grüße,
      Tala

      Gefällt 1 Person

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